Abtreibung und Verhütung im Mittelalter


Hausarbeit, 2001
28 Seiten, Note: 1-

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Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Rezeption der antiken Texte im lateinischen Mittelalter

III. Der Fötus und dessen Beseelung bei Thomas von Aquin

IV. Die Haltung der Kirche zu Verhütung und Abtreibung im Mittelalter

V. Abtreibungs - und Verhütungsmethoden im Mittelalte r

VI. Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft?

VII. Zusammenfassung

VIII. Bibliographie

I. Einleitung

Die folgende Arbeit soll darlegen, daß durch die Einbringung antiker Texte in das Mittelalter ein grundlegender Wandel des Menschenbildes, sowohl aus medizinischer als auch aus theologischer Sicht, möglich wurde. Erst diese neuen Impulse machten eine echte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Menschen als wissenschaftliches Objekt auf medizinischer und philosophischer Ebene überhaupt möglich.

Am Beispiel der Verhütungs - und Abtreibungspraktiken soll exemplarisch aufgezeigt werden, daß im Mittelalter, das uns aus unserer heutigen Sicht als ein von der katholischen Kirche und deren moralischen Vorstellungen dominiertes Zeitalter erscheint, durchaus parallele Gedankengänge, die nicht konform mit der gängigen Kirchenmeinung waren, existierten. Es soll gezeigt werden, daß neben den Interpretationen zur Beseelung des Fötus durch Thomas von Aquin, welcher selbst Zugang zu dem neuen Gedankengut hatte, und der meist als Argument gegen Verhütung und Abtreibung gesehen wurde, auch ein wissenschaftlich-medizinischer Diskurs über Abtreibung und Verhütung stattfand, der weitgehend unberührt von katholischer Kirche und Verfolgung durch dieselbe geblieben ist. Als erstes wird die Arbeit den Rezeptionsweg der von Constantinus Africanus verfassten und später durch andere Übersetzer ergänzten antiken Texte im Mittelalter verfolgen. An den Universitäten kann sich hierdurch eine neue Wissenschaft etablieren: die Medizin. Als nächstes geht es darum, Aristoteles Beseelungstheorie, und Thomas von Aquins Interpretation der aristotelischen Beseelungstheorie zu analysieren, und sie entsprechend der Abtreibungsproblematik zu untersuchen, um die Frage zu klären, ob es aus kirchlicher Sicht möglich ist, Abtreibungen vorzunehmen. Das nächste Kapitel behandelt speziell die kirchliche Geschichte der Auseinandersetzung mit dem beseelten und unbeseelten Leben in Bezug auf Abtreibung und Verhütung. Im vorletzten Abschnitt befasst sich die Arbeit mit den verschiedenen Verhütungs - und Abtreibungspraktiken, wie sie in den weitläufig im Mittelalter kursierenden medizinischen Texten propagiert und höchstwahrscheinlich auch angewandt wurden. Das letzte Kapitel schneidet kurz die Frage an, ob es zu einem Konflikt zwischen den beiden Diskursen der theologischen und medizinischen Sichtweisen gekommen ist.

II. Die Rezeption der antiken Texte im lateinischen Mittelalter

Der Korpus mittelalterlicher medizinischer Texte bestand vor dem 11. Jahrhundert nur aus bruchstückhaften Übersetzungen, die zudem im Zug der Übermittlung häufig inhaltlich verfälscht wurden. Zudem war die Medizin der Zeit stärker auf praktische denn auf theoretische Belange ausgerichtet. GREEN geht deshalb sogar so weit, das Mittelalter eine prämoderne Dritte Welt 1 zu nennen. Aber das aus Arabien neu eingebrachte Gedankengut fiel auf fruchtbaren Boden.

Constantinus Africanus gilt als der Initiator für einen grundlegenden Wandel im Menschenbild des Mittelalters, indem er antike Texte aus dem arabischen Kulturkreis in die lateinische Welt einbrachte. Er lebte wahrscheinlich zwischen 1015 und 1087 und überquerte als Kaufmann immer wieder das Mittelmeer zwischen Sizilien und Nordafrika. Die Überquerung des Mittelmeers war aber nicht nur ein simples Überbrücken einer Distanz, sondern gleichzeitig ein Brücken bauen zwischen zwei völlig unterschiedlichen Kulturkreisen.2

Zwischen 1060 und 1070 kam Constantinus in das Benediktinerkloster Monte Cassino in Latium3, wo er begann, medizinische und philosophische Texte, die er im arabischen Raum gesammelt hatte, ins Lateinische zu übersetzen. Zu den Autoren, die er und seine Schüler übersetzten, gehören Hippokrates, Galen, Avicenna und arabische Mediziner der Zeit. Er selbst hat aber die griechischen Originale Aristoteles oder Hippokrates nie gesehen; ihm standen nur die Übersetzungen aus dem arabischen Raum zur Verfügung. »Er nennt als seine Quellen den Hippokrates und Galen, ferner Alexandros, Paulos und Oreibasios. Er verschweigt seine direkte arabische Quelle, ein Kernpunkt der Diskussion, die den Constantinus als Plagiator in die Geschichte eingehen ließ.«4

Trotz dieser immer wieder aufkommenden Kritik an seiner Leistung schafft Constantinus durch den Transfer der arabischen medizinischen Texte, die durch die griechische Philosophie Aristoteles und die Medizin Hippokrates geprägt worden waren, neue Grundlagen für eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Menschenbild im Mittelalter.5

Vom Kloster Monte Cassino aus gelangten die Texte an die Universitäten. Die Rezeption der aristotelischen Texte an den Universitäten erfolgte in mehreren Wellen. Grundsätzlich unterscheidet SCHIPPERGES zwei Phasen: die des alten Aristoteles, daher die constantinischen Übersetzungen aus dem arabischen; und die spätere, wesentlich bessere Übersetzung vom griechischen Originaltext, die des neuen Aristoteles. 6 Im 12. und 13. Jahrhundert sind die Zentren der Assimilation medizinischen Wissens die Universitäten Salerno und Toledo. So kann man aufgrund von handschriftlichen Funden die erste Rezeptionsbewegung in den beiden Universitätsstädten auf eine Zeit zwischen 1070 und 1170 eingrenzen. Constantinus Einfluss blieb primär auf Salerno beschränkt. Hier kann er seine Übersetzung von Hippokrates Civitas Hippocratis erstmals verbreiten. An den zeitlich folgenden Entwicklungen in Toledo ist Constantinus nicht mehr direkt beteiligt.

Aber Constantinus vermittelt mit seiner Übersetzung des Liber Pantegni dem lateinischen Abendland erstmals ein umfassendes medizinisches Lehrbuch. »Als besonders elegantes Modell für die Rezeption dient die Übernahme der Collectio naturalium Avicennas aus dem Gesamtkonzept der Wissenschaftssystematik des Aristoteles [...]. Aufgrund dieses Konzeptes war es erst möglich, der Medizin ihren festen Platz im Gefüge der Wissenschaften zu sichern.«7 In Toledo kommt bereits der neue Aristoteles mit seinen modernen wissenschaftstheoretischen Ansätzen zur Geltung.

In der von Constantinus übersetzten medizinischen Einführungsschrift Isagoge Johannitii ist eine erste Einteilung der medizinischen Philosophie enthalten, die neue Maßstäbe setzen soll: »Medicina divitur in duas partes, id est in theoriam et practicam.« Das beinhaltet die von Avicenna bearbeiteten theoretischen Konzepte Platos und Aristoteles, und die praktischen Konzepte Hippokrates, die in der Kombination wegweisend für die Medizin werden sollten.8 Von kirchlicher Seite wurde immer wieder versucht, der neuen Wissenschaft Paroli zu bieten. So wurden z.B. 1277 an der Pariser Sorbonne auf Weisung des Papstes Petrus Hispanicus durch Bischof Etienne Tempier Verbote über die Verbreitung der aristotelischen Seelenlehre, die sich zum Teil im Konflikt mir der christlichen Lehre befand, verhängt. Aber der Siegeszug der neuen Wissenschaft war nicht mehr aufzuhalten. Das medizinische Denken im Mittelalter wird nunmehr immer stärker von der hippokratischen und galenischen Lehre geprägt. Neben dem Recht und der Theologie etabliert sich die Medizin als ein neues Fach an den Universitäten.

Der durchschlagende Erfolg der Medizin läßt sich bis in die heutige Zeit an unserer Sprache feststellen. So haben sich die Termini des galenischen Elementenschemas »Sanguiniker, Phlegmatiker, Melancholiker und Choleriker« für bestimmte Menschentypen Eingang in den alltäglichen Sprachgebrauch gefunden, und sich bis heute in unserem Sprachgebrauch erhalten.

III. Der Fötus und dessen Beseelung in Tho mas von Aquins Lehre

Thomas von Aquin (1225-1274) gilt als der bedeutendste Philosoph und Theologe des Mittelalters. An der kaiserlichen Universität Friedrichs II. war es ihm möglich, anders als etwa in Paris, unbehindert von kirchlichen Verboten das gesamte Werk Aristoteles zu studieren. In Thomas Philosophie verbindet sich die Lehre Augustinus mit der Lehre des Aristoteles zu einer neuen Synthese. Dabei gelingt ihm der Spagat, antikes Gedankengut in das christliche Gedankengebäude einzubauen. Im daraus entstehenden thomanischen Weltbild wird der Mensch als Leib-Seele Einheit definiert, die untrennbar miteinander verbunden ist. Thomas bezeichnet diesen Verbund als unio oder compositio. Jede Seele wird eigens für einen Körper geschaffen. Ohne diesen Körper gibt es keine Seele, und ohne Seele keinen Körper. »[...], die Seele könne nicht als vor dem Leib existierend gedacht werden. Thomas stellt die These auf, daß die anima humana de facto nicht unabhängig vom Körper erschaffen werde.«9 Der Leib wird zum Individuationsprinzip für die anima intellectiva. Der menschliche Körper ist das Produkt von väterlicher und mütterlicher Zeugung, die menschliche Seele wird von Gott erschaffen. Wie alle Lebewesen entwickelt sich der Mensch vom Unperfekten zum Perfekten.

»omnis generatio est transmutatio de imperfecto ad perfectum.«10

Gerade in der universalen Erkenntnisfähigkeit der geistigen Seele und in ihrer Unmittelbarkeit zu Gott gründet der ontologische Rang des Menschen.11 Im Mittelalter schiebt sich daher das Intellektive so stark in den Vordergrund, daß Thomas von Aquin die Seele weithin zusammenfassend nur als anima intellectiva 12 bezeichnet.

Thomas von Aquin selbst hat sich nie mit der Abtreibungsproblematik beschäftigt. 13 Seine Theorie zur Beseelung des Fötus wird jedoch bis heute dahingehend interpretiert, daß auch der Fötus schon in seiner Potentialität ein Mensch ist, der demnach nicht getötet oder abgetrieben werden darf.14

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Da Thomas von Aquin sich bei der Beseelung des Fötus auf Aristoteles bezieht, muß hier, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzuzeigen, kurz auf den aristotelischen Seelenbegriff eingegangen werden.

Nach Aristoteles ist die Seele von transindividueller Natur, d.h. alle Menschen haben eine gemeinsame Seele. »Sie wird [...] nicht geschaffen, sondern sie präexistiert.«15 Der männliche Samen enthält als Potential die Vernunftseele, welche Aristoteles Nous nennt.16 Dieses Nous wird durch den männlichen Samen in den Fötus eingebracht.17 Der Samen beinhaltet das aktive Prinzip, wohingegen die Frau nur ein passives, nährendes Substrat, das Menstruationsblut, zur Verfügung stellt. Nur der Mann ist aufgrund seiner größeren Hitze in der Lage, aus seinem Blut einen Samen mit einer aktiven Seele herzustellen. Der Fötus wird durch jenes Nous aber nicht tatsächlich, sondern vorerst nur potentiell beseelt.18

Analog zur platonischen Lehre von den drei Seelenteilen unterscheidet Aristoteles eine vegetative, eine sensitive und eine intellektive Seele.19 Die durch den Samen eingebrachte Seele entwickelt sich nach der Empfängnis progressiv. Zuerst zeigt der Embryo pflanzliche Züge, die anima vegetativa ist angelegt. Man spricht noch vom ungeformten Fötus. Mit dem Auftreten von Augen und der Ausformung des Geschlechts wandelt sich die vegetative Seele in eine neue Form um: die anima sensitiva. Der Fötus ist nun geformt und zeigt tierische Charakteristika. Dies passiert nach Aristoteles bei männlichen Föten am 40. Tag, bei weiblichen Föten am 80. Tag. Nach der Geburt verwandelt sic h die sensitive Seele in die anima intellectiva, die von Außen »hereinkommt«. Sie ist alleine dem Menschen vorbehalten, und unterscheidet ihn daher von der Pflanze und vom Tier. »Sie macht ihn zum animal rationale20 Der Telos 21 ist für den Menschen die Werdung des Nous, die erst lange nach der Geburt tatsächlich in Kraft tritt. Aristoteles schreibt, daß dies, daher die Menschwerdung als Ziel, die richtige Ordnung der Entwicklung sei, bei der dieser Telos als letztes komme.

BALME folgert dann auch, daß bei Aristoteles der Mensch vom Beginn der Empfängnis an potentiell ein Mensch ist, wobei die tatsächliche Menschwerdung erst nach der Geburt stattfindet.22 Die Interpretation lautet bei DEMEL dann ebenso: »die Leibesfrucht ist bereits Mensch, wenn auch nicht vollkommener Mensch, sondern ein unvollkommener Mensch mit der Anlage zur Vollkommenheit.«23

Dennoch war es für die Menschen der Antike unproblematisch, Abtreibungen oder Kindstötungen vorzunehmen. Kinder von Sklavinnen konnten problemlos vom Hausherren getötet werden. So waren denn z.B. bei den Römern sowohl die Leibesfrucht als auch das neugeborene Kind Privateigentum des Pater familias, der es akzeptieren oder ablehnen konnte. Nach der Geburt des Kindes nahm der Vater das Kind an, indem er es auf seinen Arm nahm. Lehnte er die eigene Vaterschaft ab, oder wollte er das Kind der Sklavin aus ökonomischen Gründen nicht akzeptieren, so konnte es getötet werden. Eine Frau, die ihr Kind ohne Wissen des Pater familias abtrieb, machte sich hier nicht des Mordes, sondern vielmehr eines Deliktes gegenüber dem Eigentum des Mannes schuldig.24

Erst mit dem aufkommenden Christentum stellt sich erneut die Frage nach der Beseelung des Menschen, bzw. nach dem Zeitpunkt der Menschwerdung. Da vor Gott alle Menschen gleich sind, und alle Menschen in gleichem Maße von ihm geliebt werden, spielt es im Christentum theoretisch keine Rolle, ob ein Mensch Sklave oder Herr ist.

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»In generatione hominus prius est vivum, deinde animal, ultimo autem homo.«25

Für die Frage nach der Möglichkeit einer Abtreibung im christlichen Denken muß vor allem nach dem Ursprung der Seele gefragt werden. Thomas von Aquin hat bei seinem Seelenbild einige wichtige Aspekte von Aristoteles Theorie zur Seele übernommen. So übernimmt er die Drei-Seelenlehre und die temporale Einteilung der Beseelung des Fötus zum 40. bzw. 80. Tag. Desweiteren adaptiert er in abgewandelter Form die sukzessive Beseelung des Fötus, und modifiziert das Modell für das christliche Denken. »[...] Die Passivität des Leibes gegenüber der Aktivität der Seele, die rezeptive Potentialiät des Leibes und die Entelechie der Seele«26 nach der aristotelelischen Lehre kehren bei Thomas von Aquin wieder.

Aber im Gegensatz zu Aristoteles transindividueller Seele verlangt das Christentum nach einer einzigartigen, individuellen und unsterblichen Seele. Jede Seele ist göttlichen Ursprungs und einzeln geschaffen. Thomas argumentiert, daß eine in ihrem Wesen vom Körper prinzipiell unabhängige Seele nicht körperlichen Ursprungs sein kann. Hiermit wendet er sich gegen den Traduzianismus,27 der die Abspaltung eines Teils der Elternseelen als Modell der Beseelung vorsieht. Während Augustinus noch gestehen muß, über die Beseelung des Fötus keine Klarheit gefunden zu haben,28 wendet sich Thomas klar gegen den Generatianismus 29 und Traduzianismus seiner Vorgänger, und entscheidet sich für den Kreatianismus.30

Thomas lehnt die These, daß sogar ein Samenerguß, der nicht zur Zeugung menschlichen Lebens führt, generell zu verurteilen ist, ab. Er argumentiert, daß jeder Samenerguß, der nicht zu einer Empfängnis führe, demnach eine Vernichtung von Vernunftseelen sein müsse, was er im Folgenden Zitat als lächerlich bezeichnet:

»Sed adhuc magis est ridiculum si hoc de anima rationali dicatur. Tum quia impossibile est ut dividatur secundum divisionem corporis, adhuc ut in deciso semine esse possit. Tum quia sequeretur quod in omnibus pollutionibus ex quibus conceptus non sequitur, nihilominus rationales animae multiplicarentur.«31

Ob in der Diskussion um Verhütungspraktiken dieses Argument zur Anwendung gekommen ist, ist mir nicht bekannt, immerhin könnte man Thomas Argument dahingehend auslegen, daß Verhütung aus thomanischer Sicht unter diesem Aspekt möglich ist.

Doch zurück zum Vorgang der Menschwerdung und Beseelung, wie ihn sich Thomas von Aquin vorstellt. Der Prozess der Menschwerdung ist an Aristoteles drei Phasen der sukzessiven Beseelung angelehnt:

In der ersten Phase dient als Ausgangspunkt das Gebärmutterblut, das nic ht lebendig, aber lebensfähig ist. Gebärmutterblut und Sperma sind die Grundlage für einen menschlichen Embryo. Durch das väterliche Sperma wird das Gebärmutterblut zum Leben erweckt. Im Gegensatz zum Gebärmutterblut ist das Sperma lebendig, da es von der väterlichen Seele erzeugt wurde. Das Sperma ist ein Instrument, das aus Unlebendigem Lebendiges machen kann. Das Sperma ist aber seinem Wesen nach nicht vollendet, sondern enthält tatsächlich die körperlichen, und potentiell die seelischen Anlagen:

»Neque tamen potest dici quod in semine ab ipso principio sit anima secundum suam essentiam completam, [...]. Non est igitur ante organizationem corporis in semine anima actu, sed solum potentia sive virtute.«32

In der zweiten Phase wird das Gebärmutterblut durch die Einwirkung des Spermas zu einem Lebewesen auf vegetativer Stufe. Es gehört jedoch keiner Pflanzenart an. Das jetzt lebendige Gebärmutterblut übt nun Lebensfunktionen wie Ernährung und Wachstum aus. Mit dem Erreichen einer bestimmten äußeren Gestalt, dem Ausbilden von Gliedmaßen, der Augen und der primären Geschlechtsorgane wird die vegetative Seele des Embryo durch die sensitive Seele ergänzt oder ersetzt.33

»[...] sicut docet aristoteles in libro de generatione animalum, prius tempore est fetus animal quam homo. Sed, cum est animal et non homo, habet animam senitivam et non intellectivam; [...]«34

Die sensitive Seele war gleichsam virtuell schon vorhanden, aber konnte erst aktiv werden, als der Fötus die notwendigen körperlichen Voraussetzungen hatte, um die neue Seele aufzunehmen. Der Fötus ist zur Sinneswahrnehmung und zu Bewegungen fähig, und ohne einer bestimmten Tierart anzugehören, befindet er sich auf der Stufe tierischen Lebens.

Die dritte Phase beginnt nach 40 Tagen 35 beim männlichen und nach 80 Tagen beim weiblichen Fötus. Zu diesem Zeitpunkt ist das Stadium erreicht, an dem der Fötus menschliche Gestalt annimmt. Durch einen göttlichen Schöpfungsakt wird dem Fötus, der jetzt für die Aufnahme der individuellen Seele bereit ist eingeblasen. Diese intellektive Seele besteht aus reinstem Geist. Der zwei-Seelen-Einheit vegetative-sensitive Seele wird daher die Vernunftseele anima intellectiva hinzugefügt. Je nach Interpretation fallen die beiden vorherigen Seelen weg, oder werden durch die anima intellectiva ersetzt. Aber auch diese anima intellectiva ist potentiell schon in den zwei anderen Seelen angelegt, denn ohne deren Vorhandensein kann es keine Vernunftseele geben. Daher ist die vorhandene Einheit vegetative-sensitive Seele, die aus dem Samen kommt, die Voraussetzung für die Vernunftseele. »Schließlich ist auch die intellektive Seele, die als Sitz des Erkenntnisvermögens nur dem Menschen eignet, nicht eine Seelenform, die sich jemals ohne die beiden anderen Seelenformen vorfände, sondern auch sie setzt die vegetative und die sensitive Seele voraus.«36

»Illa autem met anima sensitiva est in potentia ut sit intellectiva, [...]«37

Die Vernunftseele ist daher ihrer Potenz nach auch schon im Samen angelegt, also daher virtuell und nicht tatsächlich vorhanden, da sie von Gott aus dem Nichts erschaffen wird:38

»Videtur ergo quod substantia animae intellectivae sit ex virtute quae est in semine.«39

»Sed actio Die producit animam humanam, quam virtus seminis producere non potest, sed disponit ad eam.«40

Der Übergang von vegetativ-sensitiver Seele zur intellektuellen Seele geht nicht kontinuierlich vonstatten. »Indem die intellektive Seele erschaffen wird, verfällt die frühere Seelenform.«41 Eine andere, neue Species kann nur durch die vorherige Zerstörung der Formen, daher eine Sukzession der Seelenformen zustande kommen, argumentiert MUNDHENK.

»Prius embrio habet animam quae est sensitiva tantum, qua ablata advenit perfectior anima, quae est simul sensitiva et intellectiva.«42

Über den göttlichen Ursprung der Vernunftseele hat Thomas jedoch keinen Zweifel gelassen. Für den göttlichen Schöpfungsakt der Seele für jedes Individuum hat Thomas eine Stelle in der Genesis als Beweis zitiert:

»”Faciamus hominem ad imaginem et similitudem nostram”, subditur : “Formavit Deus hominemde limo terrae, et inspiravit in faciem eius spiraculum vitae”.«43

An einer anderen Stelle betont er nochmals den Schöpfungsakt der intellektiven Seele, der nur duch Gott vorgenommen werden kann, und die Seele daher nicht präexistent ist, sondern einzeln für jeden Körper neu geschaffen wird:

»Ex his autem quae dicta sunt, ostendi potest quod solus Deus animam humanam producit in esse.«44

Thomas von Aquin übernimmt nicht einfach nur den Zeitpunkt der Beseelung von Aristoteles, sondern will durch den zeitlich verlagerten Beseelungsakt auch die Sonderstellung des Menschen unter den Lebewesen hervorheben. Er vermeidet durch die zeitliche Verschiebung der Beseelung um 40 bzw. 80 Tage nach hinten eine Verwechslung mit einem bloßen körperlichen Fortpflanzungsvorgang. Die Beseelung des Tieres erfolgt rein nach physischen Vorgängen; dessen Seele benötigt keinen Schöpfungsakt, da sie sich schon im männlichen Samen angelegt befindet.

»Igitur anima nutritiva et sensitiva per generationem corporis generatur: non autem anima intellectiva. Sed traductio seminis ad corporis generationem ordinatur.«45

Die intellektive menschliche Seele ist damit verstärkt hervorgehoben nicht Ergebnis eines physischen Prozesses, sondern durch die zeitliche Abgrenzung betont Resultat eins göttlichen, individuellen Vorgangs, der nur dem Menschen zuteil wird, und ihm so eine Sonderstellung unter allen Lebewesen einräumt. »Jetzt erst gehört der Fötus der Spezies Mensch an. Erst wenn das Kind zum Gebrauch der Vernunft gelangt ist, ist es auch ein lebenstätiger Mensch - homo actu primo (S.c.g. II, 89).«46 Der Körper ist damit durch die Übertragung des Samens angelegt, nicht aber die intellektive Seele. Der Mensch erzeugt durch körperliche Fortpflanzung etwas sich Ähnliches, wo hingegen der Samen auf die ultima forma substantialis vorbereitend wirkt, die Gott durch die Beseelung zum Menschen vervollkommnet:

»Sic enim homo sibi simile in specie generat, inquantum virtus seminis eius dispositive operatur ad ultimam formam, ex qua homo speciem sortitur.«47

Gerade dieses letzte Argument, das Thomas immer wieder anbringt, unterstützt die Argumente der Abtreibungsgegner. Ganz klar lesen diese in Aquins Theorie, daß der Mensch, auch wenn er noch nicht vollkommen ist, in seiner Potentialität, die durch den Samen vorbereitet wird, vom Moment der Empfängnis an als Mensch vorhanden ist. Der Mensch aber wird erst perfekt sein, wenn er durch Gott mit der anima intellectiva beseelt ist. Der vorbereitende Samen ist aber zu keinem anderen Zweck da, als einen Menschen in seiner Vollkommenheit zu erzeugen. Das diente den Abtreibungsgegnern der augustinischen Schule als Argument, um mit Thomas Argumenten gegen die Abtreibung vorzugehen.

Aber auch die Abtreibungsbefürworter z.B. aus den Reihen der Jesuiten sahen in Thomas von Aquins Theorie Argumente für ihre Sache. So wurde gerade die nach hinten verschobene Beseelung zum 40. bzw. 80. Tag als eine Art Fristenlösung gesehen, vor der man einen ungeformten Fötus abtreiben könne. Denn auch deren Argumentation ist schlüssig: der ungeformte Fötus besitzt noch keine anima intellectiva, hat weder morphologisch noch seelisch menschliche Charakteristika, und muß daher nicht wie ein menschliches Wesen behandelt werden.

IV. Die Haltung der Kirche zu Verhütung und Abtreibung im Mittelalter

Im Mittelalter wie auch noch heute ist die Haltung der Kirche gegenüber Verhütung und Abtreibung ganz eindeutig ablehnend, sofern man überhaupt von einer einheitlichen Doktrin sprechen kann. Bis in die heutige Zeit hinein stützt die katholische Kirche ihre Begründung gegen die Anwendung der abortiven Praktiken auf Thomas von Aquins Theorie der Beseelung des Menschen. Aber auch vor Thomas von Aquin hat es schon kirchliche Theoretiker gegeben, die Verhütung und Abtreibung als Kindstötung verurteilt haben. Augustinus und Hieronimus sind die herausragendsten unter den Kirchenvätern, die sich zu dem Thema Abtreibungen geäußert haben. Beide unterscheiden zwar zwischen dem geformten und dem ungeformten Fötus, aber dieses Kriterium schlägt sich in ihren Ausführungen nur im Strafmaß nieder.48 Die von Kirchentheoretikern bereits im 2. Jh. n. Chr. eingeleitete Kriminalisierung der Verhütung und Abtreibung setzte der traditionellen Allmacht des Pater familias ein Ende.

Vor dem 12. Jahrhundert bestanden allerdings nebeneinander sowohl Verbote der Abtreibung, die bisweilen mit, bisweilen ohne Einräumung einer Frist ausgesprochen und durch Bussbücher, Dekrete und Bullen verbreitet wurden; als auch Aristoteles Theorie zur Beseelung des Fötus zum 40. bzw. 80. Tag, die eine Fristenregelung zuließ.49 Im frühen 10. und 11. Jahrhundert waren es vor allem Bischöfe wie Regino von Prüm und Burchard von Worms, die kirchliche Schriften zu dem Thema verfassten. GREEN merkt hierzu an, daß weder die Bußordnungen noch die schriftlichen Äußerungen offizielle katholische Doktrin repräsentierten.50 Erst im 12. Jahrhundert, mit Thomas von Aquins Seelenlehre wurde eine einheitliche christliche Lehre überhaupt möglich, die fast unverändert bis heute gilt.

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Grundsätzlich kann man die Begründungen für die Ablehnung von Verhütung und Abtreibung in zwei Gruppen einteilen. Einerseits die Berufung auf Dokumente wie das Alte Testament und die Didaché. Andererseits die patristischen und thomanischen Ansichten bezüglich der Beseelung des Fötus, die sich ihrerseits zum Teil auch auf die biblischen Texte berufen. Beginnen wir mit den Argumenten aus der Bibel und aus anderen mit der katholischen Kirche assoziierten Quellen, die sich mit Abtreibung und Verhütung beschäftigen, oder dahingehend interpretiert wurden und werden.

»Du sollst [...] nicht abtreiben noch ein Neugeborenes töten.«51 lautet ein Satz in der Didaché, der ältesten erhaltenen Kirchenordnung aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Die Sittenordnung stellt Abtreibung als direkte Verletzung eines Gesetzes dar. »Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoß kamst, habe ich dich geheiligt.«52 In diesem Ausspruch sieht die Kirche eine eindeutige Anspielung auf eine Stimme Gottes. Gott ist am Prozess der Formung, daher am Menschwerden beteiligt. In dem Satz »habe ich dich geheiligt« kann man den Akt der göttlichen Beseelung sehen. Gott wacht über den gesamten Werdungsprozess, in den nicht eingegriffen werden darf.

»Als ich geformt wurde im Dunkeln, kunstvoll gewirkt in den Tiefen der Erde, waren meine Glieder dir nicht verborgen«53 reflektiert die gleiche Einstellung. Gott ist allmächtig und sieht alles. In Gottes Werke mischt man sich nicht ein.

Im 2. Buch des Alten Testaments gibt es eine Stelle, die sich mit der Tötung der Leibesfrucht beschäftigt:

»Wenn zwei Männer raufen und dabei eine schwangere Frau treffen, so daß sie eine Fehlgeburt hat, ohne das ein weiterer Schaden entsteht, dann soll der Täter eine Buße zahlen, die ihm der Ehemann der Frau auferlegt, er kann die Zahlung nach dem Urteil von Schiedsrichtern leisten.«54

Es geht hier aber nicht um eine Mahnung, sondern vielmehr um eine gesetzliche Schadensersatzregelung. Hier wird interessanterweise die Tötung des Ungeborenen als eine Tötung nicht menschlichen Lebens gewertet.

Tertullian von Karthago (~160 - 220 n Chr.) wertet Abtreibung eindeutig als Mord:

»Wir aber dürfen, da der Mord uns ein für allemal verboten ist, auch dem Fötus im Mutterleibe, während noch das Blut zur Bildung eines Menschen gebraucht wird, nicht zerstören. Die Geburt verhindern, ist nur ein vorweggenommener Mord; es macht keinen Unterschied, ob man schon ein geborenes Leben entreißt oder ein in der Entstehung begriffenes zerstört. Homo est et qui est futurus, etiam fructus omnis iam in semine est.«55

Er wendet sich damit nicht nur gegen Abtreibung als Mord, sondern bekräftigt gleichzeitig die Ansicht, daß der Mensch auch als ungeborenes Leben schon menschlich ist. Da nach der einen Auslegung Thomas von Aquins Seelenmodell der Fötus in seiner Potentialität von Anfang an ein menschliches Wesen ist, und der Telos auf die Menschwerdung ausgerichtet ist, kann man diesen potentiellen Menschen nicht abtreiben, ohne gegen das fünfte Gebot »Du sollst nicht töten« zu verstoßen. Das ist eines der Hauptargumente der katholischen Kirche gegen die Abtreibung, das praktisch alle anderen Gesetze und Gebote gleichzeitig abdeckt. Radikalere Positionen vertreten, daß sogar schon Verhütung Mord an potentiellem menschlichem Leben sei, da ja im Samen potentiell ein Mensch angelegt ist. Andere Stimmen sehen aber gerade in der nach hinten verschobenen Beseelung eine Möglichkeit, den Fötus als etwas nicht menschliches darzustellen. HÖRMANN z.B. sieht in der Beseelungstheorie Thomas von Aquins die Möglichkeit zur Abtreibung, wie sie zum Teil auch im Mittelalter vertreten wurde, da der menschliche Fötus erst mit der Beseelung durch die anima intellectiva tatsächlich Mensch ist: »Aus dem Nichtwissen um die entscheidenden Befruchtungsvorgänge nahm z.B. Thomas im Anschluß an Aristoteles an, in der Leibesfrucht sei nicht von Anfang an menschliches Leben da, sondern folgten aufeinander verschiedene Seelen je nach körperlichem Substrat.«56 Hierbei vergißt er aber die eindeutige Zielsetzung, der Telos auf die Menschwerdung, der gerade in der Anlehnung an Aristoteles von entscheidender Bedeutung ist.

Desweiteren ist der Mensch nach katholischer Lehre das Ebenbild Gottes. Jeder Mensch wird von Gott geliebt. Hier argumentiert die katholische Kirche, daß man ein Ebenbild Gottes, das auch noch von jenem geliebt wird, nicht töten darf. Andere Positionen gingen immer noch gegen die Verhütung vor, da sie davon ausgingen, daß im männlichen Samen schon menschliches Leben angelegt sei, welches nicht vergeudet werden dürfe. Die Praxis sah oft jedoch anders aus. So wurde in Bußbüchern und sogenannten Pönitentialbüchern zwischen dem 7. Und 11. Jahrhundert Regeln und Strafen als Leitlinien für die Geistlichen niedergeschrieben. Oft lehnten sich die Gesetze an frühere Konzilsbeschlüße, häufig aber auch an Gewohnheitsrecht an. In den Pönitentialbüchern wird oft zwischen einem foetus animatus und einem foetus inanimatus unterschieden. Nicht mehr jede Abtreibung wurde mit einer zehnjährigen Buße belegt, wie oft verlangt wurde. Man wandte diese Strafe nur noch bei der Abtreibung und Tötung des foetus animatus an. Beim foetus inanimatus begnügte man sich mit einer einjährigen Buße. DEMEL geht davon aus, daß diese Einteilung der Bestrafung auf Augustinus zurückgeht.57 Unter anderem trat die im 14. Jahrhundert aufkommende medizinische Indikation in den katholischen eidgenössischen Orten 1532 in Kraft, in der die Abtreibung eines lebenden Fötus mit dem Tode bestraft wurde.58 Diese Strafen wurden durchaus von der Kirche verhängt, kamen aber vergleichsweise selten zur Anwendung. Oft aber wurde der Gläubige exkommuniziert.

V. Abtreibungs - und Verhütungsmethoden im Mittelalter

Über genaue Zahlen bezüglich Abtreibungen und Anwendung von Verhütungsmitteln im Mittelalter verfügen wir heute nicht. »Die Kirchenstrafe dafür [für Abtreibung] war hoch, kam indessen selten vor ein kirchliches oder weltliches Gericht, so daß man sich kaum ein Urteil über etwaige Zahlen von Abtreibungen erlauben kann.«59 Die Kirche drohte zum Teil mit Exkommunikation, in anderen Fällen mit einem ein- bis mehrjährigen Ausschluß vom Gottesdienst, der zum Teil als Buße, zum Teil auch als strafende Maßnahme gedacht war.60 Abtreibungen wurden von Medizinern in den vielen kursierenden Traktaten theoretisch behandelt und auch vorgenommen.61 Hexen oder sogenannte Kräuterfrauen griffen auf ein oral tradiertes Wissen zurück, daß nur an ihresgleichen weitergegeben wurde. Eine dritte Gruppe, die Abtreibungen vornahm, war die der Engelmacherinnen. Diese Hebammen nahmen illegale Abreibungen vor. Aus dem 14. Jahrhundert stammen die ersten bekannten weltlichen Abtreibungs-Gesetze. Apotheker-Ordnungen untersagten z.B. 1404 in Basel und 1553 in Zürich den Verkauf von Abtreibungsarzneien, wie sie allerdings in den Klöstern, so 1430 in Basel, eingesetzt wurden.62

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Die Gründe für Anwendung von Verhütungsmitteln oder die Durchführung einer Abtreibung lassen sich in folgende Kategorien einteilen: ökonomische, gesellschaftliche und medizinische Gründe. Aus medizinischer Sicht kommt noch eine Indikation hinzu, die eine Abtreibung empfiehlt, wenn eine oder mehrere bestimmte pathologische Dispositionen vorliegen, oder Sex als wicht ig für die Gesundheit erachtet wird.

Doch zuerst zu der Abtreibung, die aufgrund ökonomischer Überlegungen vorgenommen wurde. Eine arme Frau oder paupercula, die sich die Ernährung des Kindes nicht leisten konnte, hatte eine Motivation, eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Interessanterweise mußte eine überführte Kindesmörderin, die dieser sozialen Indikation entsprach, nur die Hälfte der von der Kirche verhängten Strafe verbüßen, die für eine Frau galt, die finanziell besser gestellt war. Man kann hier vo n Strafminderung aufgrund einer sozialen Indikation sprechen, die von Seiten der Kirche zum Teil anerkannt wurde.63 Eine soziale Randgruppe, nämlich die Prostituierten, haben immer wieder Gebrauch von Abortiva gemacht. Ganz davon abgesehen, daß die Kontrazeptiva nicht immer wirksam waren, konnte es sich eine Prostituierte kaum leisten, schwanger zu sein, da ihr in der Zeit der Schwangerschaft der Verdienst ausfiel.

Gesellschaftlich motivierte Gründe für die Durchführung einer Abtreibung gab es mehrere. Eine Frau, die nicht verheiratet war, durfte keine Kinder bekommen. Sexualität war für eine nicht verheiratete Frau tabu, da Geschlechtverkehr nach katholischer Lehre nur innerhalb der Ehe statt zu finden habe. Sollte also der Vater des Kindes sich nicht zu einer Heirat bringen lassen, sei es aus Standesdünkel oder aufgrund der Tatsache, daß er selbst verheiratet war, so blieb der Frau, um nicht sozial geächtet zu werden, nichts anderes übrig, als die Leibesfrucht abzutreiben. FISCHER-FABIAN bemerkt hierzu aber, daß Kinder auch oft heimlich ausgetragen, und dann entweder ausgesetzt wurden, oder aber nach der Geburt getötet wurden.64 Weiterhin muß für Adelige ein großes Interesse bestanden haben, Kinder ihrer nicht ehelichen Partnerinnen abtreiben zu lassen, da diese sonst eventuell Anspruch auf Unterhalt oder einen erblichen Titel gehabt hätten. Daher bestand im ohnehin vom Konflikt zwischen kirchlicher und weltlicher Macht geprägten Mittelalter auch im Falle der Abtreibung ein Interessenkonflikt zwischen beiden Parteien.

NOONAN führt noch zwei weitere Gruppen an, die kontrazeptive oder abortive Mittel einsetzten: einerseits Kräuterfrauen oder Hexen, die anderen Schaden zufügen wollten, indem sie die Frau oder den Mann unfruchtbar machten, und sie so von der ehelichen Pflicht abhielten, sich fortzupflanzen. Die andere Gruppe setzte Anaphrodiasaka zur Dämpfung oder Tilgung der sexuellen Lust ein.65 Es ist jedoch sehr unwahrscheinlich, daß viele Männer diese Praktiken angewandt haben.66

Für den Mediziner gab es damals jedoch auch schon eine medizinische Indikation, die bei entsprechendem Befund eine Abtreibung notwendig machte, oder von vorneherein die Verhütung für gefährdete Personen empfahl. So schreibt Constantinus Africanus:

»There are those who do not wish to ge nerate, either because of the harm to children at the breast, or because, when they are still girls, […], or they have dire diseases of the womb, such as cancer of the uterus.«67 Die aus Arabien stammende Überzeugung, daß stillende Mütter nicht wieder schwanger werden dürfen, führte dazu, daß man eben diesen stillenden Frauen Kontrazeptiva empfahl, oder ihnen zur Abtreibung riet. Ebenso galt diese medizinische Indikation bei Frauen, deren Uterus zu schmal war, oder die durch eine Schwangerschaft Blasenprobleme bekämen.68

Das ganze Kapitel zur Abtreibung De Aborsu im Buch Pantegni stützt Constantinus Africanus auf die Prämisse, daß regelmäßiger Sex wichtig für die Gesundheit sowohl des Mannes als auch der Frau ist. Gerade für die Gesundheit einer Frau sei es fundamental notwendig, sexuell aktiv zu sein. Wie GREEN feststellt, schreibt Constantinus Africanus dies zwar nicht explizit, aber er wurde im 12. und 13. Jahrhundert immer wieder als Autorität zitiert, um Abtreibungen vor dem Hintergrund einer gefährlichen Schwangerschaft zu rechtfertigen. Zusammenfassend gesagt wird regelmäßiger Sex als wichtig angesehen, dieser führt aber zwangsläufig zur Schwangerschaft. Nach der medizinischen Indikation kann eine Schwangerschaft z.B. für eine stillende Frau gefährlich werden. Daher war die Rechtfertigung für Verhütungsmittel oder Abtreibungen aus medizinischer Sicht untermauert.69

In Übereinstimmung mit dem Hippokratischen Eid stand jedoch in fast allen medizinischen Schriften gleichzeitig die Empfehlung, die erwähnten Methoden der Abtreibung und Verhütung nicht anzuwenden, so in dem von Constantinus Africanus übersetzten Viaticum von Ibn al-Jazzar:

»Thus I decided to cite in this chapter all these drugs in order to make them known, so that women will avoid the use [of drugs] since they kill the seed. «70

____________________________________________

In medizinischen Texten werden kontrazeptive und abortive Methoden nach magischen, mechanischen, pflanzlich-hormonellen Anwendungen und Positionen beim Geschlechtsverkehr bzw. körperliche Übungen, die empfohlen werden, unterschieden.

Die Verschreibung zum Tragen von magischen Amuletten und das Aufsagen von Zaubersprüchen gehörte sowohl zum Repertoire der Kräuterfrauen, als auch zu dem der Mediziner. Die medizinische Praxis des Mittelalters ist noch keine rein empirische Wissenschaft.71 Magie und Aberglaube spielten gerade bei der Abtreibungspraxis eine große Rolle.

Zu der Gruppe der magischen Methoden hat sich auch Constantinus Africanus in dem Kapitel De Generare Nolentibus 72 geäußert:

»The tooth of an eight year old boy, enclosed within gold or silver and suspended from the arm, keeps a woman from conceiving. The heart removed from a living mouse and suspended from her arm prevent conception. The small piece of the womb of a lioness will do the same. The little bones which are found in the heart or in the womb of deer keep women from conceiving.73 «

Andere magische Mittel sollten den Geschlechtsverkehr eines Paares stören. So empfiehlt Constantinus Africanus den durch magische Sprüche Beeinträchtigten folgendes:

»Bile of a male dog purifies the house and brings it about that no evil remedy be brought to the house. And because these spells are devilish and are particular in women, they are sometimes cured by divine, sometimes by human measures.74 «

Das Tragen des Labs eines Hasen oder von Blättern oder Früchten der Trauerweide in der Vagina soll ebenfalls kontrazeptive Wirkung haben.75 Nach Avicenna sollen reizende Dämpfe von brennenden Eselshufen oder Eselsmist sowie Habicht- oder Taubenmist zur Abtreibung in die Vagina geleitet werden.76 Weitere magische Methoden schlagen das Tragen eines Fingers und des Anus eines Fötus am rechten Arm angebracht vor. Auch das Trinken des Urins eines Schafes soll kontrazeptive Wirkung haben.77 Obwohl wir uns heute der Irrationalität dieser vorgeschlagenen Mittel bewußt sind, hat es wohl ein scheinbar großes Interesse in der Bevölkerung gegeben, allen Verboten der Anwendung ebenjener Mittel von Seiten der Kirche zum Trotz.78 Auch Edelsteinen wurde kontrazeptive Wirkung nachgesagt, so soll der Smaragd den männlichen Sexualtrieb hemmen.79

Mechanische Methoden zur Abtreibung und Verhütung sind oft wirksam, endeten aber oft mit dem Tod der Schwangeren.

GROSSIMLINGHAUS spricht von Haken und Zangen, mit denen das ungeborene Kind per Embryotomie bzw. Kraniotomie aus dem Mutterleib entfernt worden ist.80 Die spitzen Gegenstände wurden blind in den Unterleib der Schwangeren eingeführt. Dies hatte oft fatale Folgen für die Gesundheit der Frau, und führte oft entweder durch baldiges Verbluten oder eine spätere Infektion zu deren Tod. Das Verstopfen des Muttermundes mit Materialien wie feingehacktem Gras, Tang oder Steinen führt zu einer wirksamen Verhütung. Ebenso gab es Pessare aus Holz oder Leder.81 Säuren und andere Flüssigkeiten, die vaginal eingeführt wurden, und heiße Bäder sollen ebenfalls die Frucht aus dem Mutterleib abtreiben.82

Körperliche Übungen und bestimmte Positionen beim Geschlechtsverkehr sollen zur Verhütung und zur Abtreibung dienen.

So soll das Tragen schwerer Lasten oder bestimmte gymnastische Übungen zum Abort der Frucht führen.83 Empfohlen wird der Frau, im Moment der Ejakulation ihren Körper zurück zu ziehen, so daß der Samen nicht eindringen kann. Sodann soll sie sich mit angezogenen Knien hinsetzen und siebenmal kräftig Niesen. Dieses Ritual führe zur Ausscheidung der Samenflüssigkeit aus dem Körper der Frau. Prostituierte seien nach dem Geschlechtsverkehr auf- und abgesprungen, um den Samen auszustoßen.84 Andere Rezepte empfahlen, den gleichzeitigen Orgasmus beim Geschlechtsverkehr zu vermeiden, um eine Befruchtung zu verhindern.85 Ebenso gab es die Empfehlung, die Formen des Coitus interruptus oder des Coitus reservatus durchzuführen. Des weiteren hielten die Mediziner den Oralverkehr und den Verkehr a tergo für erwägenswerte kontrazeptive Maßnahmen.

All diese erfolgreichen Praktiken wurden aber von der Kirche aufs schärfste verurteilt, und mit Bußen und Strafen belegt.86

Auf pflanzliche oder tierische Mittel konnte die Medizin des Mittelalters nicht verzichten. Man nahm die Substanzen oral ein, aber auch äußerlich angewandt sollten sie Erfolg versprechen.

Oft wurden die Tränke und Salben jedoch in Verbindung mit Magie verwandt. Avicenna empfahl folgendes Rezept in seinem Canon Avicennae: Aus einer frischen Alraunwurzel, Kohlblättern, Kohlsamen und Skammoniablättern wurde zusammen mit Zedernöl ein Kügelchen geformt und als Pessar in die Scheide eingeführt, während der Mann seinen Penis mit Bleiweiß und Zedernöl einrieb. Die Frau mußte außerdem in eineinhalb Liter Wasser aufgelöstes Basilikum zu sich nehmen. Nach dem Verkehr mußte die Frau ein weiteres Pessar aus Blättern der Trauerweide, die in dem Saft der Trauerweide getränkt war, in die Vagina einführen. Dieses Prozedere klingt sehr umständlich, und die Methode versprach mehr Hoffnung als Garantie auf Erfolg.87

Ein weiteres Rezept zur Abtreibung wurde im Lorscher Manuskript gefunden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dieser Trank aus Pflanzen und Pflanzensamen, der sich »Heilmittel für alle Arten von Bauchschmerzen« nennt, beinhaltet sowohl wirkungslose als auch abortiv wirkende Substanzen.88 Blätter der Trauerweide wurden mit Wolle zusammengeknetet und intravaginal platziert. Die Wolle konnte zur Verstärkung des Effekts zusätzlich noch in den Saft der Trauerweide getunkt werden. Nach heutigen Erkenntnissen könnte die Trauerweide eine anaphrodisierende Wirkung haben, zudem enthält die Pflanze einen aspirinähnlichen Stoff, der schmerzstillend wirkt. Eine zeitweise sterilisierende Wirkung soll 1927 nachgewiesen worden sein.89 Das Fruchtfleisch vom Granatapfel vermischt mit Alaun, einem Salz aus Kalium und Aluminiumsulfat, wird als Kontrazeptivum angeführt. Man weiß heute, daß sich in den Kernen des Granatapfels Östrogen in hohen Konzentrationen befindet. Von Alaun ist lediglich eine blutstillende Wirkung bekannt, was die Spekulation zulässt, daß man analog zur Stillung der Blutung einer Wunde einen Effekt zu erzielen suchte, der die Menstruation aussetzen lässt.90

Mutterkorn91 wurde als Abortivum eingesetzt. Dieser Getreidepilz findet heute in Wehenmitteln seinen Einsatz, und hat somit eine nachgewiesene Wirkung. Männer, die ihre Lust dämpfen wollten, sollten sich Blätter des schwarzen und des weißen Bilsenkrauts auf die Hoden legen. Das Bilsenkraut enthält einen schmerzstillenden Stoff, der die betäubenden Substanzen Atropin und Skopolamin enthält. Dies könnte zu lokalen Vergiftungserscheinungen führen, und die Sexualfunktion oder die Samenbildung beeinträchtigen.92

VI. Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft?

Daß das Mittelalter eine stark gespaltene und von Gegensätzen geprägte Zeit war, scheint nach der genaueren Betrachtung der Geschichte unumstritten. Dies gilt besonders für die Abtreibungsdiskussion im Mittelalter. Die vorliegenden Fakten weisen immer wieder darauf hin, daß zwischen weltlicher und kirchlicher Macht große Kontroversen geherrscht haben, die zum Teil offen, zum Teil verdeckt ausgetragen wurden.

Dieser Konflikt wird in der Person des Petrus Hispanicus, der zuerst Professor der Medizin war, und dann zum Papst wurde, und so vom freien Wissenschaftler zum Verfechter katholischer Doktrin wurde, deutlich. Petrus setzte sich als Mediziner mit Fragen des Geschlechtsverkehrs, der Psychologie und der Vererbungslehre auseinander. 1276 wurde er Papst Johannes XXI. In dieser Funktion ordnete er die Verurteilung und Verbietung einiger der katholische n Doktrin gegenläufigen Sätze Aristoteles an der Pariser Sorbonne an.

Auch Constantinus Africanus Werk wurde mehrfach geändert, Kapitel zum Thema Abtreibung und Verhütung wurden ausgelassen oder gelöscht. Desweiteren wurden aus Constantinus Biographie die Passagen gelöscht, die die Bearbeitung dieser heiklen Themen erwähnten. Andererseits vollbrachte Constantinus sein „unchristliches“ Werk in einem Kloster, in dem er Themen wie Masturbation, Sexualität und Abtreibung behandelte. Im Mittelalter gab es zudem in Italien religiöse Bewegungen, die sich I Benandanti nannten, die sich für Verhütung und Abtreibung einsetzten. Oft maßen sie ihre Fähigkeiten mit denen der ortsansässigen Kräuterfrauen. Als Gruppen zogen sie über das Land, nahmen auf den Dörfern Abtreibungen vor, und verschrieben Verhütungsmittel.93

In einem Augustinerkloster bei York in England fand man neben amputierten Gliedmassen, die auf ein klösterliches Krankenhaus hinweisen, einen geheimen Friedhof mit abgetriebenen Föten. Damit handelten sie entschieden gegen kirchliche Doktrin. Brian MOFFAT spekuliert, daß die Mönche in Konkurrenz zu heidnischen Heilerinnen sich durch Abtreibungen einen finanziellen Zugewinn versprachen.94

VII. Zusammenfassung

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es, darzustellen, daß im Mittelalter durch die Einbringung antiker Texte aus dem arabischen Raum eine neue Denkweise ermöglicht worden ist, die sich für uns bis heute bemerkbar macht. Von einem von Autoritätendenken geprägten frühen Mittelalter entwickelte sich unter Einfluß der griechischen Philosophie ein neues, freieres und systematisches Denken. An den Universitäten verbreiteten sich die neuen Texte, und der Siegeszug der Wissenschaft nahm seinen Anfang. Die Medizin konnte sich als neue Wissenschaft etablieren. Sowohl kirchliche Vertreter wie Thomas von Aquin als auch Mediziner begannen, mit diesen neuen Impulsen zu arbeiten, und den Horizont des Mittelalters deutlich zu erweitern. Anhand der ausgewählten Textstellen aus Thomas von Aquins Werken konnte der Vorgang der Beseelung, wie ihn sich Thomas vorstellte, dargestellt werden. Aus ihnen geht eindeutig hervor, daß der Mensch in seiner Potentialität schon bei der Befruchtung angelegt ist, und nur durch den göttlichen Schöpfungsakt der Seele vervollkommnet wird. Die Position der Kirche, die sich zum Teil auf ältere Quellen, zum Teil auf die thomanische Auslegung stützt, wurde im folgenden Kapitel besprochen, und führte zu dem Ergebnis, daß aus kirchlicher Sicht Abtreibung und Verhütung nicht in Frage kommen, da sie als Mord am Menschen gewertet werden. Schließlich folgt eine Sammlung häufig zitierter Verhütungs - und Abtreibungspraktiken, wie sie im Mittelalter als Texte kursierten, und an den Universitäten gelehrt wurden, um zu beweisen, daß es tatsächlich einen medizinischen Diskurs zu diesen heiklen Themen gegeben hat. Der letzte zur Frage nach einem Konflikt zwischen Theologie und Medizin ist nicht einfach zu beantworten, aber es läßt sich aus den angeführten Materialien ersehen, daß es im Mittelalter tatsächlich zwei parallel existierende Diskurse gegeben hat, die konträr angelegt waren, da der eine die Bewahrung des ungeborenen Lebens propagiert. Der andere propagiert die Möglichkeit, daß eine Abtreibung nicht als Tötung anzusehen ist, oder z.T. einfach notwendig ist. Eine Kollision der Interessen muß stattgefunden haben, aber wie wir aus den Ergebnissen sehen können, hat es gleichzeitig Argumente gegen Abtreibung und Verhütung von Seiten der Kirche, und Argumente dafür von Seiten der Mediziner gegeben.

GREEN bemerkt hierzu: »Although no exhaustive analysis has yet been done, recent studies indicate that medical attitudes towards sexuality, contraception and even abortion remained similarly independent from religious censorship throughout most of the Middle Ages [...].95

VIII. Bibliographie:

Primärliteratur:

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Thomas von Aquin, Summa Theologicae, vollst. Deutsch- lateinische Ausgabe, Styria Verlag, Graz, 1968

Tertullian, Apologeticum adversus gentes, Cum lectionum varietate, edidit Jos. Ign. Ritter Büschler, Elberfeldae, 1828

Die Bibel

Sekundärliteratur:

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Borst, O. Alltagsleben im Mittelalter, Insel Verlag, Frankfurt, 1983

Demel, S. Abtreibung zwischen Straffreiheit und Exkommunikation, weltliches und kirchliches Strafrecht auf dem Prüfstand. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1995

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Febel, M. Berührungspunkte und Wechselwirkungen zwischen Philosophie und Medizin inAntike, Mittelalter und Neuzeit, Dissertation, Philosophische Fakultät Saarbrücken, Saarbrücken, 1989

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Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Dissertation, Universitätsfrauenklinik Heidelberg, Heidelberg, 2000

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Lexika und Nachschlagewerke:

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Hörmann, K. [u.a.] Lexikon der christlichen Moral, 2., völlig neu bearb. Aufl. Tyrolia-Verlag, 1976

Zeitschriften:

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Bits & Bites:

http://www.homeworx.net/daten/homeworx/ge/ge0003.htm

http://www.nando.net

http://www.filebox.vt.edu/users/jherron/index.htm

http://www.Wissen.de

http://www.stjosef.at/morallexikon/

[...]


1 Green, M. Conflict between Religion and Science, Seite 47, »Early medieval Europe was no more impoverished intellectually than it was monetarily, but there is no question that this pre-modern “Third World” was culturally isolated [...]«

2 Green, M. Conflict between Religion and Science, Seite 48 »In making his crossing from North Africa to southern Italy, Constantine had in fact travelled only some 350 miles, […]. The cultural distance, however, was immense.

3 Green, M. Conflict between Religion and Science, Seite 47

4 Schipperges, H. Die Assimilation der arabischen Medizin durch das lateinische Mittelalter, Seite 35

5 ebenda, Seite 85

6 vgl. Schipperges, Arabische Medizin im Mittelalter, Seite 87

7 Schipperges, H. Arabische Medizin im lateinischen Mittelalter, Seite 88

8 Febel, M. Berührungspunkte und Wechselwirkungen zwischen Philosophie und Medizin in Antike, Seite 87

9 Schulze, M. Leibhaft und unsterblich, Seite 117

10 Thomas von Aquin, Quaestiones Disputatae, de anima, a 2 ad 9

11 aus Eintrag zu »Thomas von Aquin«, Der Brockhaus in Text und Bild

12 vgl. Mundhenk, J. Die Seele im System des Thomas von Aquin, Seite 4

13 Dunstan, G.R. ed. The Human Embryo, Seite 119: »Thomas is indeed not concerned with abortion.«

14 http://www.homeworx.net/daten/homeworx/ge/ge0003.htm: Siehe hierzu die Äußerung des katholischen Theologen Prof. E. Blechschmidt aus der heutigen Zeit zur Abtreibungsdebatte: »Der Mensch entwickelt sich nicht zum Menschen, sondern als Mensch.«

15 Hirschberger, J. Geschichte der Philosophie, Seite 214

16 ebenda, Seite 214, »Die niedere Seele wird nach Aristoteles in der Zeugung vom Vater auf das Kind übertragen (Generatianismus), während der tätige Verstand von außen “zur Tür hereinkomme” und göttlicher Herkunft sei.«

17 Balme, D.M. Human is generated by Human, Seite 27: »The entry of nous into the embryo can only be via the male semen.«

18 ebenda, Seite 30

19 Hirschberger, J. Geschichte der Philosophie, Seite 211 »Der Kreatinaismus bereitet der Theologie Augustinus Schwierigkeiten, weil dann die Erbsünde nicht erklärt werden kann. Noch der späte Augustinus gesteht, in diesem Punkte keine Klarheit gefunden zu haben.«

20 ebenda, Seite 211

21 Te|los [ gr. ] das; -: das Ziel, der [End]zweck (Philos.), Fremdwörterduden

22 Balme, D.M. Human is generated by Human, Seite 30 ff: »The telos for a human is nous which will not be fully actualised until long after birth; but meanwhile it was present potentially in the semen.«

23 Demel, S. Abtreibung zwischen Straffreiheit und Exkommunikation, Seite 19

24 ebenda, Seite 70

25 vgl. Thomas von Aquin, Summa Theologicae, II-II q.64a.1

26 Mundhenk, J. Die Seele im System des Thomas von Aquin, Seite 3

27 Traduzianismus: von lat: tradux: Weinranke; analog zur Fortpflanzung eines Weinstocks durch eine Weinrebe; die Seele als Ableger der Seele Adams, daher wird eine teilbare Seele angenommen, die quasi körperlich weitervererbt wird.

28 Hirschberger, J. Geschichte der Philosophie, Seite 367; Demel, S. Abtreibung zwischen Straffreiheit und Exkommunikation, Seite 23, »Für Augustinus stand nur eines fest: Die Seele muss von Gott geschaffen sein!«

29 ebenda, Seite 214, Generatianismus: »Die niedere Seele wird nach der der Zeugung vom Vater auf das Kind übertragen während der tätige Verstand göttlicher Herkunft sei.«

30 Kreatianismus: Gott erschafft jede Seele einzeln aus dem Nichts.

31 vgl. Thomas von Aquin, Summa contra gentiles, 2, 89, 5

32 Thomas von Aquin, Summa contra gentiles, C. 89, Seite 442

33 Mundhenk, J. Die Seele im System des Thomas von Aquin, Seite 77: »Es fehlt an Hinweisen darauf, wie die Sukzession der Formen zwischen der vegetativen und der sensitiven Seele zu denken sei, ob beide durch einen motus continuus ineinander übergehen, oder ob ein Augenblick anzunehmen sei, in dem die vegetative durch die sensitive Seele verdrängt werde.«

34 Thomas von Aquin, Summa contra gentiles, II, cap. 8, 8N

35 Huby, P. Some thirteen century problems, Seite 119: »Aristotle says that the movement of the male occurs about the fortieth day, and that of the female about the ninetieth, and later that a male embryo was well formed and about the size of an ant. On this basis St. Thomas takes it that the development of the male embryo is completed about the fortieth day.«

36 Mundhenk, J. Die Seele im System des Thomas von Aquin, Seite 76: »Es gibt also streng genommen nicht ein nebeneinander von vegetativen, sensitiven und intellektiven Seelen, sondern eine Dreiheit von nur vegetativen Seelen, von vegetativ-sensitiven Seelen, und schließlich von vegetativ-sensitiven-intellektiven Seelen, eine Folgerung, die Thomas nicht deutlich ausgesprochen hat.«

37 Thomas von Aquin, Summa Contra Gentiles, C. 88

38 Schulze, M. Leibhaft und unsterblich, Seite 114: »Zur Begründung der Entstehung unserer Seele bleibt uns folglich nur das “fieri ex nihilo” [...]. Die anima humana verdankt also ihr Sein einem Schöpfungsakt Gottes.«

39 Thomas von Aquin, Summa contra gentiles, C. 88

40 Thomas von Aquin, Summa contra gentiles, C. 89

41 Mundhenk, J. Die Seele im System des Thomas von Aquin, Seite 77

42 ebenda, 235

43 vgl. Thomas von Aquin, Summa contra Gentiles, C 85, Seite 426; Genesis 1,26; 2,7

44 ebenda, Kapitel 87

45 Thomas von Aquin, Summa Contra Gentiles, C. 86

46 Hirschberger, Geschichte der Philosophie, Seite 514

47 Thomas von Aquin, Summa Contra Gentiles, C. 89

48 Green, M. Conflict between Religion and Science, Seite 51

49 http://www.snl.ch/dhs/externe/protect/textes/D7977.html

50 Green, M. Conflict between Religion and Science, Seite 51

51 Didaché 2,2, Vergleiche auch Barnabasbrief 19,5; Diognet 5,5; Tertullian, apol. 9

52 Jer 1,5, Vergleiche Iob 10,8-12; Ps 22,10-11

53 Psalm 139, 15

54 Die Bibel, Ex 21, 22.24

55 Tertullian, Apologeticum adversus gentes, Seite 9

56 Hörmann, K. [u.a.] Lexikon der christlichen Moral, »Abtreibung«; wobei mit »körperlichem Substrat« die Geformtheit, daher die morphologisch-menschliche Erscheinung des Fötus gemeint ist.

57 Demel, S. Abtreibung zwischen Straffreiheit und Exkommunikation, Seite 87

58 http://www.snl.ch/dhs/externe/protect/textes/D7977.html

59 Borst, O. Alltagsleben im Mittelalter, Seite 409: »In Beichtspiegeln, weltlichen Rechtbüchern oder Apothekerhandbüchern sind Abtreibungsmittel häufiger aufgeführt als empfängnisverhütende.«

60 Demel, S. Abtreibung zwischen Straffreiheit und Exkommunikation, Seite 80

61 Nando Times News:, »Remains of stunted still-born infants found in a secret burial place indicated illegal abortions, even though religious rules forbade monks from treating pregnant women.«

62 http://www.snl.ch/dhs/externe/protect/textes/D7977.html

63 Noonan, J.T., A History of Its Treatment by the Catholic Theologicans and Canonists, Seite 160: »So taught Theodore (1.14.25-26). No explanation was given, apparently the difficulties of nourishment and rearing for a paupercula were obvious enough without comment«

64 Fischer-Fabian, S. Der jüngste Tag, die Deutschen im späten Mittelalter, Seite 252: »Scham, Angst vor der öffentlichen Schande trieben manche Mutter bisweilen zu Akten der Verzweiflung: Sie erstickten die Neugeborenen mit einem Kissen [...] Kindsaussetzungen waren häufig, worauf die vielerorts eingerichteten Findelhäuser ebenso schließen lassen wie die an Kirchen- und Klostertüren installierten Drehladen, die eine geheime Aussetzung ermöglichen.«

65 Noonan, J.T., A History of Its Treatment by the Catholic Theologicans and Canonists, Seite 159

66 Fischer-Fabian, S. Der jüngste Tag, die Deutschen im späten Mittelalter, Seite 254

67 Constantinus Africanus, Pantegni, Practica, Buch VIII, cap. 3: Sunt generare nolentes

68 Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Seite 48

69 Green, M. Conflict between Religion and Science, Seite 58

70 ebenda, Seite 50

71 Febel, M. Berührungspunkte und Wechselwirkungen zwischen Philosophie und Medizin in Antike, Seite 88

72 vgl. Kapitel 3, Buch VIII Practica

73 Constantinus Africanus, Pantegni, Practica, Buch VIII, cap. 3: Sunt generare nolentes

74 Grant, E. ed; A Source Book in Medieval Science, 104, Constantinus Africanus, Part II, Book VIII, Chapter 29, »How to combat spells preventing intercourse«

75 Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Seite 47

76 Grossimlinghaus, A. Die Geschichte der Abtreibung, Seite 24

77 Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Seite 51

78 Himes, N. Medical History of Contraception, Seite 160

79 Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Seite 51

80 Grossimlinghaus, A. Die Geschichte der Abtreibung, Seite 24

81 Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Seite 14

82 http://www.homeworx.net/daten/homeworx/ge/ge0003.htm

83 ebenda

84 http://www.filebox.vt.edu/users/jherron/index.htm

85 Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Seite 47

86 Fischer-Fabian, S. Der jüngste Tag, die Deutschen im späten Mittelalter, Seite 250

87 ebenda Seite 253 ff.

88 http://www.filebox.vt.edu/users/jherron/index.htm

89 Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Seite 45

90 Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Seite 43-45

91 Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus: Mutterkorn, stark wirkende Alkaloide enthaltendes Myzelgeflecht eines Getreidepilzes, das Ergotismus hervorruft und z.B. in Wehenmitteln Verwendung findet. Früher missbräuchliche Benutzung als Abortivum.

92 Speiser, R. Die Geschichte der Kontrazeption, Seite 83

93 Nathanson, B. First Things, Seite 23-26

94 http//www.Nando.net

95 Green, The Human Embryo, Seite 58

28 von 28 Seiten

Details

Titel
Abtreibung und Verhütung im Mittelalter
Hochschule
Freie Universität Berlin
Veranstaltung
Körpermodellierung im Mittelalter, Hauptseminar
Note
1-
Autor
Jahr
2001
Seiten
28
Katalognummer
V102153
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ist Abtreibung im Mittelalter möglich: 2 Diskurse: der medizinische und der theologische
Schlagworte
Abtreibung, Verhütung, Mittelalter, Körpermodellierung, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Berthold Hegner (Autor), 2001, Abtreibung und Verhütung im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102153

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