Ziele und Wirkungsbereiche der Rhythmik


Skript, 2000

5 Seiten


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Rhythmik

Die Frage nach einer eindeutigen Definition von Rhythmik lässt sich aufgrund vieler verschiedener Rhythmiktheorien nicht eindeutig beantworten. Beim Vergleich verschiedener Definitionen wird deutlich, dass allen die Wechselwirkung von Rhythmus und Körperbewegung gemein ist. So findet man schon im Jahre 1926 bei Elfriede Feudel die „Einheit geistigen und körperlichen Tuns durch das Mittel der Musik“.1 Diese Einheit von Körper und Geist wird beispielsweise von Amélie Hoellering durch den Einbezug der Seele komplettiert, so dass die Rhythmik als „gesunde Ausbildung der jedem Menschen innewohnenden schöpferischen Kräfte“2 verstanden wird. In den folgenden Jahren kommen noch die Aspekte der ganzheitlichen Erziehung, der rhythmischen Erziehung als ordnendes, strukturgebendes Element (nach Zuckriegel, 1972), der Körpererfahrung, des Körperbewusstseins, die sensible Bewegung (Sensomotorik) und der Förderung der Wahrnehmungs- und Ausdrucksfähigkeit (nach Sommer, 1992) hinzu.

Die Rhythmik ist demnach eine besondere Art der Bewegungserziehung, in der innere Empfindungen, Gefühle und auch unbewusste Sinneswahrnehmungen rhythmisch- motorisch geäußert werden sollen. Sie soll so angelegt sein, dass es jedem Mensch, unabhängig von seinen Vorerfahrungen, Möglichkeiten, Anlagen und Schwächen, möglich ist, sich mithilfe der Rhythmik in Einklang mit seiner Umwelt zu bringen. Dabei spielt der Rhythmus eine zentrale Rolle.

Eine Rythmusdefinition, die den Rhythmus unter drei Gesichtspunkten definiert findet P. Röthig:

„1. Rhythmus und Leben:

Rhythmus wird mit einem organischen Phänomen in Verbindung gebracht. Der Mensch paßt sich einerseits rhythmischen Lebensbedingungen an: Tag und Nacht, Sommer- Winter usw., andererseits erfährt er den Rhythmus an sich selbst in Form des Herzschlags, der Atmung, im Wechsel von Schlafen und Wachen.

2. Das rhythmische Gesetz der Wiederholung:

Wiederholen muß sich immer Gleiches, Ähnliches oder Affines. Die zeitlichen Intervall müssen in einem gewissen Sinne geordnet und aufeinander bezogen sein.

3. Rhythmus und Bewegung:

Bewegung und Rhythmus bilden nicht unbedingt eine untrennbare Einheit, stehen jedoch in einem dynamischen Verhältnis und sind voneinander abhängig. Die Beziehung wird hergestellt

- Von der Abhängigkeit organisch- rhythmischer (Willkür-) Bewegungen, vom Rhythmus biologischer Dauerbewegungen (Herz-, Puls-, Atemtätigkeit) (...).
- Von der Ökonomisierungstendenz des Rhythmus im Bewegungsablauf,
- Von einer (funktionalen) Entstehung des Rhythmus aus der menschlichen Bewegungsweise (Rhythmus als regulierendes und disziplinierendes Moment, „subjektiver“ Rhythmus),
- Vom „rhythmischen Ausgleich“ innerhalb der Zeit-, Raum-, Kraft- und Formverhältnisse im Bewegungsablauf.“3

Die Norm für rhythmisches Bewegungsverhalten definiert Röthig als eine „harmonische, fließende, organische, natürliche, ökonomische, dynamische, ungehemmte, spontane, ästhetische, anmutige, im Ganzen vielleicht richtige Bewegung.“4

Ziele der Rhythmik

Die Ziele der Rhythmik sind auf der einen Seite im sozialen Bereich, auf der anderen Seite in der Bewegungsschulung angesiedelt. Im sozialen Bereich soll, gerade bei beeinträchtigten Kindern, die Kommunikationsfähigkeit geschult werden, das heißt, dass die Kinder lernen sollen, Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen. Was die Bewegungsschulungbetrifft, leiden behinderte Menschen nach Zuckriegel oft an einem mangelnden Sinn für angemessene, „richtige“ Bewegungen und Bewegungsmuster, bedingt durch physishe, aber auch psychische Begebenheiten. Die Rhythmik macht es sich zur Aufgabe, die Ausgangslage des Kindes in Bezug auf sein Bewegunsverhalten zu ermitteln und diese dann so weit auszubauen, dass sie in ein natürliches Gleichgewicht gebracht werden kann. Das angestrebte Ziel soll sein, das „Handeln zu erreichen, welches die höchste Form menschlicher Bewegungsäußerung“5 darstellt.

Elfriede Feudel definiert den Aufgabenbereich der Rhythmik in die Ordnung durch die „Gegebenheiten von Zeit, Raum, Kraft und Form“6 Die Zeit wird durch das Erfassen von Metrum und Rhythmus erlebt, der Raum durch Gehen, Laufen, Messen, visuelle und sensorische Wahrnehmung. Aus dem Wechselspiel von An- und Entspannung und der Dynamik ergibt sich das Element der Kraft. Die Form setzt sich aus der angemessenen Koordiantion in einem richtigen Raum, Zeit und Kraftverhältnis zusammen.

Wirkungsbereiche der Rhythmik

Ordnungsübungen:

Diese werden vornehmlich am Anfang einer Rhythmikstunde durchgeführt. Sie sollen bewirken, dass der Schüler eine innere Ordnung finden kann, die es ihm ermöglicht, sich zu sammeln und zu konzentrieren. Desweiteren haben sie die Funktion, dem Kind die äußeren sowie innere Ordnung eines Bewegungsablaufes zu verdeutlichen, so dass sie als „Funktionstraing des motorischen Systems“7 gesehn wird. Ordnungsübungen beinhalten ebenfalls, die Schulung der auditiven Wahrnehmung und der sozialen Bezüge innerhalb einer Gruppe.

Sensomotorische Übungen:

Diese Übungen dienen der „Differenzierung der körperlichen Steuerungsfähigkeit ganz allgemein“ sowie der „Differenzierung der optischen, akustischen und taktilen Wahrnehmung.“8

Desweiteren sollen sensomotorische Übungen die Schulung des „Hörens, Sehens, Greifens und Begreifens“9 fördern.

Konzentrationsübungen:

Das Ziel der Konzentrationsübungen ist es, generelles Differenzierungsbewusstsein und eine umfassende Sinnesschulung anzustreben. Der Schüler bekommt die Möglichkeit, sich auf seinen eigenen Körper zu konzentrieren und zu fixieren, seine Schwächen und Stärken zu erkennen. Dadurch soll das Selbstbewusstsein gestärkt und der Weg nach „draußen“ geebnet werden.

Soziale Übungen:

Der Begriff des Sozialverhaltens stellt sich in der rhythmischen Erziehung als ein Wechselspiel des Führens und Folgens dar. Führen bedeutet, selbständig zu sein, Verantwortung zu übernehmen un zu tragen, sich über jemanden zu ordnen, Regeln zu bestimmen und deren Einhalten zu beachten. Folgen hingegen heißt, sich auf jemanden einlassen zu können, ihm zu vertrauen, sich bestimmten Gegebenheiten unterordnen zu können.

Fantasieübungen:

Neben dem sozialen Aspekt, ist die Ent wicklung von Kreativität und Fantasie eine sehr wichtige Zielsetzung der Rhythmik in Bezug auf beeinträchtige Kinder. Das „selber- tun“ in einer Fantasieüb ung verhilft den Kinder zu einer Selbsterfahrung. Sie sehen, zu was sie alles fähig sein können, was viele Konflickt- und Frustratuionssituationen entschärfen kann.

Begriffsbildungsübungen:

Die Kinder sollen während den Übungen spielerisch die Grundbegriffe des Raumes, der Zeit, der Kraft und der Form kennenlernen und dadurch ihren sprachlichen Ausdruck erweitern und Verbessern.

[...]


1 Vgl. Feudel: Rhythmik- Theorie und Praxis der körperlich- musikalischen Erziehung

2 Vgl. Zuckrigl: Rhythmik hilft behindeten Kindern: Ziele und Realisationsbeispiele aus der Praxis psychomotorischer Erziehung

3 vgl. Feudel 1959

4 vgl. Bünner/Röthig 1971

5 vgl. Feudel 1959

6 vgl. Elstner 1972

7 vgl. Zuckrigl 1999

8 vgl. Schaefer 1974

9 vgl. Zuckrigl, 1972

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Details

Titel
Ziele und Wirkungsbereiche der Rhythmik
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V102164
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rhythmik
Arbeit zitieren
Constanze Groenke (Autor), 2000, Ziele und Wirkungsbereiche der Rhythmik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102164

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