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Das christliche Zinsverbot. Von Johannes Eck bis zur Enzyklika "Vix pervenit"

Title: Das christliche Zinsverbot. Von Johannes Eck bis zur Enzyklika "Vix pervenit"

Seminar Paper , 2011 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Janina Serfas (Author)

Business economics - Law
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Summary Excerpt Details

Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem kirchlichen Zinsverbot des Mittelalters, seinem Ursprung, der Rechtfertigung durch die Scholastik sowie den anerkannten Ausnahmen.
Im zweiten Teil wird die Position von Johannes Eck (1486-1543) zur Zinsfrage im historischen Kontext erläutert und gewürdigt.
Der anschließende dritte Teil befasst sich mit der Enzyklika „Vix pervenit“ (1745) von Papst Benedikt XIV. (1675-1758), die als letzte, autoritative und grundsätzliche Entscheidung der Kirche zur Zinsfrage gilt.
Den Abschluss bildet eine Schlussbetrachtung, die auch die neueren Entwicklungen zur Zinsfrage mit einschließt.

In der heutigen modernen Marktwirtschaft mit ihrem hochdifferenzierten Kreditwesen erscheint der Zins als notwendiges Phänomen. Das Fordern bzw. Entrichten von Zinszahlungen für Darlehen ist in der heutigen Wirtschaftspraxis selbstverständlich. Kaum jemand kann sich vorstellen, dass im christlich geprägten Europa über viele Jahrhunderte hinweg ein kirchliches Zinsverbot galt, das auch in der weltlichen Gesetzgebung Geltung besaß. Das frühe kirchliche Recht definierte „Wucher“ generell als jeden, über die ursprünglich dargeliehene Summe hinausgehenden Betrag. Die Begriffe „Zins“ und „Wucher“ waren deckungsgleich und wurden beide mit „usura“ bezeichnet. Viele namhafte Männer der Kirche verdammten den Wucher als schreckliche Sünde. So bezeichnet Bischof Augustinus (4./5. Jhd.) das Zinsnehmen als „ars nequitiae“, die Kunst der Nichtsnutzigkeit bzw. Gaunerkunst, durch die der Unterhalt in gleicher Weise erworben werde wie vom Dieb. Für Martin Luther (1483-1546) ist der Wucherer gar „schlimmer noch als alle Tyrannen, Mörder und Räuber, schier so böse wie der Teufel selbst!“ Heute dagegen versteht man unter dem „Zins“ etwas Erlaubtes, während der „Wucher“ sein unerlaubtes Gegenstück bezeichnet. Wie lässt sich dieser Wandel erklären? Besteht das kirchliche Zinsverbot noch immer oder hat die Kirche davon Abstand genommen? Diese Fragen gilt es zu untersuchen.

Excerpt


Inhalt

1. Das christliche Zinsverbot im Mittelalter

1.1 Ursprung und historische Entwicklung

1.2 Rechtfertigung des christlichen Zinsverbotes

1.3 Ausnahmen vom christlichen Zinsverbot

2. Johannes Eck und der contractus trinus

2.1 Historische Ausgangslage

2.2 Johannes Ecks Position im Zinsstreit: consilium in casu quinque de centenario

2.3 Kritische Würdigung

3. Benedikt XIV. und die Enzyklika „Vix pervenit“

3.1 Historische Ausgangslage

3.2 Die Enzyklika „Vix pervenit“

3.3 Kritische Würdigung

Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themenfelder

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und theoretische Begründung des christlichen Zinsverbots, ausgehend von dessen mittelalterlichen Ursprüngen bis hin zur autoritativen kirchlichen Stellungnahme durch Papst Benedikt XIV. in der Enzyklika „Vix pervenit“ von 1745. Im Fokus steht dabei die Transformation von einem strikten Verbot hin zu den Differenzierungen durch Johannes Eck und den Scholastikern.

  • Historische Herleitung und Begründung des kirchlichen Zinsverbots im Mittelalter.
  • Analyse der Rolle von Johannes Eck und seinem Konzept des contractus trinus zur Legitimierung von Zinsgeschäften.
  • Untersuchung der Enzyklika „Vix pervenit“ als letzte autoritative Entscheidung der Kirche in der Zinsfrage.
  • Bewertung des Wandels kirchlicher Wirtschaftsethik im Kontext ökonomischer Veränderungen.

Auszug aus dem Buch

1.1 Ursprung und historische Entwicklung

Die Ursache für die Entstehung des christlichen Zinsverbotes ist hauptsächlich in den negativen sozioökonomischen Folgen der Zinspraxis des römischen Reiches mit seinen grausamen Schuldengesetzen zu sehen. Darlehen wurden zu Beginn des Mittelalters überwiegend aus durch Kriege und Missernten verursachten Notlagen heraus zu konsumtiven Zwecken aufgenommen. Eine Zinsforderung hätte in diesem Fall Habgier und rücksichtslose Ausbeutung der Not des Nächsten bedeutet, was die Kirche durch ihr Zinsverbot verhindern wollte. Grundlage sind die biblischen Zinsverbote. So verbieten Exodus 22,24 sowie Levitikus 25,35-37 explizit das Zinsnehmen gegenüber Armen. Einen Sonderstatus nimmt Deuteronomium 23,20-21 ein, das nur das Zinsnehmen unter Brüdern verbietet, gegenüber Fremden aber erlaubt. Die Juden beriefen sich darauf, wenn sie gegenüber den Christen Zins nahmen. Durch diese Stelle erschien das alttestamentliche Zinsverbot als relativ. Der heilige Hieronymus (340-420) erklärte jedoch, dass das Zinsverbot durch die Propheten und Lukas 6,35 („Ihr aber sollt eure Feinde lieben und sollt Gutes tun und leihen, auch wo ihr nichts dafür erhoffen könnt.“) im Neuen Testament verallgemeinert worden wäre und so absolute Geltung erlangt habe. Gestützt auf die Heilige Schrift lehnten die Kirchenväter einhellig den Zins als absolut unrechtmäßig ab, gleich ob er mäßig oder übermäßig war, von Armen oder Reichen erhoben oder für ein Geld- oder Sachdarlehen genommen wurde.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Das christliche Zinsverbot im Mittelalter: Dieses Kapitel erläutert die biblischen und historischen Grundlagen des Zinsverbots sowie die scholastischen Begründungsversuche für Ausnahmen wie Zinstitel.

2. Johannes Eck und der contractus trinus: Hier wird analysiert, wie Johannes Eck durch das Modell des contractus trinus versuchte, die wirtschaftliche Praxis des Zinsnehmens mit kirchlichen Lehrmeinungen in Einklang zu bringen.

3. Benedikt XIV. und die Enzyklika „Vix pervenit“: Dieses Kapitel betrachtet die Entstehung und den Inhalt der Enzyklika von 1745, die als letzte formale päpstliche Stellungnahme zum Zinsverbot gilt und kritisch gewürdigt wird.

Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst den Untergang des kirchlichen Zinsverbots im Zuge der modernen wirtschaftlichen Entwicklungen zusammen und reflektiert die bleibende Relevanz der Thematik.

Schlüsselwörter

Christliches Zinsverbot, Wucher, Scholastik, Johannes Eck, contractus trinus, Benedikt XIV., Vix pervenit, Wirtschaftsgeschichte, Zinspraxis, Wirtschaftsethik, Darlehen, Zinstitel, Lucrum cessans, Damnum emergens, Kanonisches Recht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung des christlichen Zinsverbots von den Anfängen im Mittelalter bis zur Enzyklika „Vix pervenit“ im 18. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die moraltheologische Begründung des Zinsverbots, die ökonomischen Notwendigkeiten des Mittelalters und die scholastische Differenzierung zwischen Zins und Wucher.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Wandel der kirchlichen Haltung zur Zinsnahme im Kontext sich ändernder wirtschaftlicher Realitäten und theoretischer Debatten nachzuzeichnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historisch-theologischen Analyse, die primäre Quellen der Scholastik sowie päpstliche Rundschreiben und zeitgenössische Dissertationen auswertet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des mittelalterlichen Zinsverbots, das Wirken von Johannes Eck mit seinem contractus trinus und die Analyse der päpstlichen Enzyklika Vix pervenit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zinsverbot, Wucher, Scholastik, Johannes Eck, contractus trinus, Vix pervenit und Wirtschaftsgeschichte sind zentrale Begriffe.

Was ist das „contractus trinus“ Modell?

Das Modell des contractus trinus (dreifacher Vertrag) wurde von Johannes Eck konstruiert, um Zinsgeschäfte im Rahmen von Gesellschaftsverträgen als rechtmäßig und nicht als Wucher zu legitimieren.

Warum gilt die Enzyklika „Vix pervenit“ als bedeutend?

Sie gilt als die letzte autoritative und grundsätzliche Äußerung der Kirche zur Zinsfrage, konnte jedoch in der Praxis das Aufkommen des modernen Zinswesens nicht mehr aufhalten.

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Details

Title
Das christliche Zinsverbot. Von Johannes Eck bis zur Enzyklika "Vix pervenit"
College
Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Course
Masterseminar Der Zins - Geldwirtschaft, Finanzierung und Risikobewertung: Wucher 500 Jahre nach Johannes Eck
Grade
1,0
Author
Janina Serfas (Author)
Publication Year
2011
Pages
28
Catalog Number
V1021781
ISBN (eBook)
9783346415882
ISBN (Book)
9783346415899
Language
German
Tags
zinsverbot johannes enzyklika
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Janina Serfas (Author), 2011, Das christliche Zinsverbot. Von Johannes Eck bis zur Enzyklika "Vix pervenit", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021781
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