Die vorliegende Arbeit behandelt das Thema Emotionen in der Schule und im Unterricht aus zwei verschiedenen Perspektiven. Während zunächst die Theorie im Fokus steht, wird anschließend die Perspektive der Lehrkräfte auf Emotionen im Unterricht näher beleuchtet, um in der Verbindung beider Perspektiven mögliche Handlungsoptionen für Lehrkräfte zu finden. Der Begriff „Emotionen“ wird dabei vor allem auf die Emotionen der SuS und insbesondere der Verbindung zum Lernprozess bezogen.
Entsprechend fußt diese Arbeit auf zwei elementaren Fragen: Welche Wirkungsweisen haben Emotionen auf den Unterrichtsalltag? Wie wird in den Schulen damit umgegangen? Aus diesen beiden Fragen resultieren die beiden Teile, in die diese Arbeit untergliedert ist. Die Frage nach den Wirkungsweisen bezieht sich auf die Theorie zu Emotionen und wie sie das Lernen der SuS, aber auch das soziale Verhalten beeinflussen. Die Frage nach dem Umgang in den Schulen bezieht sich auf die Lehrpraxis. Um hierfür Antworten zu finden, reicht es nicht aus sich auf die Theorie zu beziehen. Daher werden im zweiten Teil Interviews mit Lehrkräften geführt, um ihren Umgang mit Emotionen zu erheben, aber auch ihre generelle Sicht auf Emotionen im Schulalltag in die Arbeit aufzunehmen. Das Ziel dieser zweiteiligen Betrachtungsweise ist es, am Ende beide Teile miteinander verknüpfen zu können, um zusätzliche Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte zu finden. Relevant wird dabei sein, welche Perspektiven auf die Praxis sich aus dem Theorieteil ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Emotionsbegriff
3 Theoretische Annäherung im bildungswissenschaftlichen Kontext
3.1 Auswirkungen von Emotionen auf den Lernprozess
3.1.1 Emotion und Kognition
3.1.2 Emotion und Motivation
3.1.3 Emotion und Selbstwirksamkeit
3.2 Die Beziehung zwischen Emotionen und der sozialen Entwicklung
4 Erfolgreicher Umgang mit Emotionen aus Sicht der Theorie
5 Forschungsstand und -frage
6 Begründung des methodischen Vorgehens
6.1 Offenes Leitfadeninterview
6.2 Sampling
6.3 Durchführung
6.4 Qualitative Inhaltsanalyse
7 Darstellung der Ergebnisse
7.1 Wahrnehmungsbezogene Aussagen
7.2 Gründe für Emotionen
7.2.1 Schulische Gründe
7.2.2 Außerschulische Gründe
7.3 Auswirkungen von Emotionen
7.4 Umgang mit Emotionen
7.4.1 Umgang der Lehrkraft mit Emotionen
7.4.2 Fähigkeiten und Kompetenzen von Lehrkräften
7.4.3 Institutionelle Vorgaben und Angebote
7.4.4 Lehrerrollen
7.4.5 Methoden
7.4.6 Nicht-intendierte Auswirkungen vom Unterricht auf Emotionen
7.5 Schwierigkeiten und Einschränkungen für Lehrkräfte
7.5.1 Schwierigkeiten und Probleme
7.5.2 Einschränkungen
7.6 Aufgaben, Ziele und Verbesserungsmöglichkeiten
7.6.1 Institutionelle Verbesserungsmöglichkeiten
7.6.2 Aufgaben von Schule
7.6.3 Aufgaben und Ziele der Lehrkräfte
7.7 Unabhängige Wahrnehmungen
8 Einbettung der Ergebnisse
8.1 Diskussion der Ergebnisse
8.2 Theorie-Praxis-Verhältnis
9 Schlussfolgerungen für die Praxis
10 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Thema Emotionen in der Schule aus zwei Perspektiven: einer theoretischen Aufarbeitung sowie einer explorativen Studie zur Perspektive von Lehrkräften. Ziel ist es, durch die Verknüpfung dieser beiden Blickwinkel konkrete Handlungsoptionen für Lehrkräfte zu identifizieren, um einen konstruktiven Umgang mit Emotionen im Unterricht zu ermöglichen.
- Theoretische Grundlagen von Emotionen, Kognition und Motivation
- Wechselwirkung zwischen Emotionen und sozialer Entwicklung
- Methodik der qualitativen Lehrkräftebefragung
- Praktische Herausforderungen für Lehrkräfte im Schulalltag
- Theorie-Praxis-Verhältnis und Handlungsfelder für den Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Emotion und Kognition
„Ohne die Bedeutung kognitiver Komponenten aus den Augen zu verlieren, wird heute ein starkes Gewicht auf emotionale Faktoren beim Lernen gelegt.“ (Hascher 2005, S. 610) Mit dieser Feststellung beginnt Tina Hascher ihren Beitrag zu Wirkungen und Regulationsformen von Emotionen im Schulalltag und stellt damit einen wichtigen Aspekt der Forschung zu Emotionen in der Schule an den Anfang ihrer Ausführungen. Die Verschiebung der Perspektive von kognitiven Prozessen hin zu emotionalen Prozessen bedeutet nicht, dass die kognitiven Prozesse keine Beachtung mehr finden. Das Gegenteil ist der Fall, sie bleiben im Fokus, werden jedoch ergänzt um den Aspekt der Emotionen. Wie bereits erwähnt, lassen sich die drei Bereiche Emotion, Kognition und Motivation nicht getrennt voneinander betrachten. Das gilt im Speziellen für Emotion und Kognition, da der Struktur von Emotionen bereits eine kognitive Komponente zugrunde liegt (vgl. Kapitel 2). Doch die Beziehung von Emotion und Kognition geht weit darüber hinaus, indem Emotionen den kognitiven Prozess stark beeinflussen können. In der Forschung werden drei Wirkungsbereiche der Emotion in Bezug auf die Kognition unterschieden – Aufmerksamkeit, Langzeitgedächtnisprozesse und Denkstil (vgl. Pekrun 2018, S. 217; Hänze 2009, S.44).
Emotionen nehmen unter anderem Einfluss auf die kognitive Leistung von SuS, indem sie Aufmerksamkeit beanspruchen. Diese Theorie geht zurück auf das Kapazitätsmodell von Ellis und Ashbrook (1988), die davon ausgehen, dass dem Menschen nur eine bestimmte Kapazität an kognitiven Ressourcen zur Verfügung steht. Ist diese Kapazität erreicht, können weitere Aufgaben nur eingeschränkt ausgeführt werden (vgl. Hänze 2009, S. 53). Diese Aufmerksamkeit wird jedoch bei kognitiven Prozessen benötigt. Emotionen können kognitive Ressourcen beanspruchen, die für Lernprozesse elementar sind. Dieser deaktivierende Einfluss tritt jedoch nicht bei allen Emotionen auf. Eine erste wichtige Einschränkung ist, dass nur intensive Emotionen einen kognitiven Prozess derart unterbrechen oder beeinflussen können. Bei weniger intensiven Stimmungen oder Emotionen ist eine Einbuße der kognitiven Leistung eher am Einfluss auf die Motivation festzumachen (vgl. Hänze 2009, S. 53-58). „Gute und schlechte Stimmungen, wenn sie im Hintergrund unseres Erlebens stehen, beeinträchtigen nicht unsere kognitive Leistungsfähigkeit.“ (Hänze 2009, S. 58) Des Weiteren beanspruchen intensive Emotionen diese Aufmerksamkeit nicht, wenn sie sich auf das Objekt der kognitiven Beanspruchung, beispielsweise einer Schulaufgabe, beziehen. In diesem Fall können sie sogar Aufmerksamkeit auf die Aufgabe lenken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Emotionen im Schulalltag ein und formuliert das Ziel, Handlungsoptionen durch die Verknüpfung von Theorie und Lehrkräfteperspektive zu entwickeln.
2 Der Emotionsbegriff: Dieses Kapitel definiert Emotionen abgrenzend zu Stimmungen und Affekten und stellt ein Mehrkomponenten-Modell vor, das der Arbeit als Grundlage dient.
3 Theoretische Annäherung im bildungswissenschaftlichen Kontext: Es werden die Auswirkungen von Emotionen auf Kognition, Motivation, Selbstwirksamkeit sowie soziale Entwicklung diskutiert.
4 Erfolgreicher Umgang mit Emotionen aus Sicht der Theorie: Das Kapitel erörtert Ansätze zur Förderung positiver und Reduzierung negativer Emotionen im Unterricht, basierend auf zentralen Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler.
5 Forschungsstand und -frage: Basierend auf der theoretischen Literatur wird die Notwendigkeit einer empirischen Erhebung der Lehrerperspektive begründet.
6 Begründung des methodischen Vorgehens: Es wird der Einsatz von qualitativen Leitfadeninterviews und deren Auswertung durch qualitative Inhaltsanalyse beschrieben.
7 Darstellung der Ergebnisse: Die Ergebnisse der Interviews werden anhand von sechs Oberkategorien systematisch dargestellt.
8 Einbettung der Ergebnisse: Die Befunde werden diskutiert und mit der theoretischen Ebene in ein Theorie-Praxis-Verhältnis gesetzt.
9 Schlussfolgerungen für die Praxis: Hier werden konkrete Handlungsfelder und Möglichkeiten abgeleitet, wie Lehrkräfte den Umgang mit Emotionen verbessern können.
10 Fazit: Das Kapitel resümiert die Arbeit, zieht ein Fazit zur Bedeutung von Emotionen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Emotionen, Schule, Unterricht, Lehrerperspektive, Kognition, Motivation, Selbstwirksamkeit, soziale Entwicklung, Leitfadeninterview, qualitative Inhaltsanalyse, Lehrkraft, Lernprozess, Schulerfolg, Handlungsoptionen, Lehrer-Schüler-Beziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wechselspiel von Emotionen und Unterricht aus einer theoretischen Perspektive und einer empirischen Untersuchung der Sichtweisen von Lehrkräften.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Dazu zählen die Definition von Emotionen, deren Einfluss auf das Lernen, die soziale Entwicklung im Schulkontext sowie die Herausforderungen für Lehrkräfte bei der Integration dieses Themas in den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Ableitung konkreter Handlungsoptionen für Lehrkräfte, um durch einen konstruktiven Umgang mit Emotionen sowohl den Unterricht als auch die emotionalen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, bestehend aus narrativen Leitfadeninterviews mit elf Lehrkräften, die mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Theorieteil (Kapitel 2-4) und einen Empirieteil (Kapitel 6-7), gefolgt von einer Diskussion des Theorie-Praxis-Verhältnisses, um Handlungsfelder zu definieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Emotionen, Schule, Lehrkraft, Unterricht, Kognition, Motivation, soziale Kompetenz, Lehrerrolle und qualitative Forschung.
Welche Rolle spielt die „Lehrerrolle“ im Umgang mit Emotionen?
Die Studie zeigt, dass Lehrkräfte unterschiedliche Rollen wie Vorbild, Moderator oder Konfliktlöser einnehmen, wobei die Rolle des „Vorbilds“ bei der Reflexion von Emotionen als besonders bedeutsam hervorgehoben wird.
Welche Schwierigkeiten nennen Lehrkräfte in der Praxis?
Als größte Hürden werden Zeitmangel, hohe Klassengrößen, heterogene Lerngruppen sowie eine starke Leistungsorientierung der Schule genannt, die den Raum für die emotionale Arbeit einengen.
- Quote paper
- Onno Suntken (Author), 2020, Emotionen in Unterricht und Schulalltag, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021783