Bei der Interessensdurchsetzung von unzufriedenen Beschäftigten, in diesem Fall Care-Arbeiterinnen, nehmen Gewerkschaften eine entscheidende Rolle ein, sodass diese Arbeit unter Leitung der Fragestellung „Inwiefern können Gewerkschaften der Interessendurchsetzung von Care-Arbeiter/-innen beitragen?“ erfolgen soll.
Hinsichtlich der Fragestellung werden zuerst die grundlegenden Begriffe geklärt. Somit werden im ersten Kapitel eine Definition von Gewerkschaften gegeben und verschiedene Sektoren betrachtet. Bereits hier werden die Gewerkschaften GEW und ver.di ausführlich beschrieben, um zu einem späteren Zeitpunkt deren Aktivitäten in der Care-Krise darzulegen. Im nächsten Schritt wird dann der zweite grundlegende Begriff – die Care-Arbeit – im Zentrum stehen. Zuerst werden die Care-Arbeit und die Care-Krise vorgestellt, um anschließend auf den Kita- und den Bettenstreik eingehen zu können. Nachdem die Grundlagen gegeben sind, wird nun konkret auf die Rolle der Gewerkschaften bei der Interessendurchsetzung eingegangen. Dies bedeutet nicht, dass der komplette Ablauf der Streiks dargestellt, sondern nur einzelne Grundzüge und Maßnahmen verdeutlicht werden sollen, die zur Unterstützung der unzufriedenen Arbeiterinnen beigetragen haben. Auch die Ergebnisse der Forderungen werden hier verdeutlicht. Im Fazit soll abschließend der Arbeit die Rolle der Gewerkschaften eingeschätzt, beurteilt und nachvollzogen werden, um das Thema abzurunden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gewerkschaften
2.1. Definition Gewerkschaft
2.2. Bereiche in Deutschland
2.2.1. Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft
2.2.2. Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
3. Care-Krise
3.1. Definition Care-Arbeit
3.2. Definition Care-Krise
3.3. Kitastreik
3.4. Bettenstreik
4. Rolle der Gewerkschaften
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Gewerkschaften bei der Durchsetzung der Interessen von Beschäftigten im Care-Sektor. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern Gewerkschaften durch gewerkschaftliche Organisation und Arbeitskampfmaßnahmen zur Verbesserung der oft prekären Arbeitsbedingungen in diesem Bereich beitragen können.
- Gewerkschaften als Akteure der Interessenvertretung
- Definition und Herausforderungen von Care-Arbeit
- Ursachen und Auswirkungen der sogenannten Care-Krise
- Analyse von Arbeitskämpfen: Kitastreik und Bettenstreik
- Bedeutung von Berufsethos und politischer Mobilisierung
Auszug aus dem Buch
3.4. Bettenstreik
Ein weiterer Streik im Bereich der Care-Arbeit ist der sogenannte Bettenstreik im Gesundheitssektor. Nach dem 2003 eingeführten Abrechnungssystem nach diagnosebezogenen Fallgruppen rechneten Krankenhäuser mit den Krankenkassen nicht mehr nach Liegedauer, sondern nach Art der Diagnose ab, die nach einer einheitlichen Pauschale vergütet wird (vgl. Becker 2017: 262). Folglich nahm die Zahl der Patient/-innen und der Ärzte deutlich zu, während es immer weniger Pflegefachkräfte gab (vgl. Hedemann 2017: 116). Außerdem ergaben sich weitere Nachteile wie „unzumutbare Arbeitsbedingungen: Arbeiten am Limit, gesundheitsschädlicher Stress auf den Stationen, unzumutbare Nachtschichten, in denen der Personalschlüssel extrem reduziert ist, körperliche und psychische Belastungen, die bürokratischen Dokumentationsarbeiten nehmen Überhand, für die Patient_innen bleibt immer weniger Zeit und das Entgelt für all den Stress ist nach wie vor zu niedrig“ (ebd.). Durch diesen Systemwechsel wurden Akteure im Gesundheitssystem dazu veranlasst, „ihre medizinischen und pflegerischen Entscheidungen, Therapien und Empfehlungen anhand ökonomischer Prämissen zu treffen“ (Becker 2017: 262). Damit geht einher, dass Pflegekräfte ihre Arbeit an Prinzipien zeitökonomischer Rationalisierung und somit vor allem auf standardisierte und entsprechend kalkulierbare Pflegeleistungen beschränken müssen (vgl. Becker 2017: 263). Das führte dazu, dass Pflegekräfte nicht genügend Zeit haben, um sich intensiv und der Schwere des Falls entsprechend um die Patienten/-innen zu kümmern, sodass nicht mehr von einer guten Pflege gesprochen werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung von Gewerkschaften für Care-Arbeiterinnen ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich deren Rolle bei der Interessendurchsetzung.
2. Gewerkschaften: Dieses Kapitel erläutert die Definition von Gewerkschaften und deren Funktionen sowie die Struktur spezifischer Organisationen wie der GEW und Ver.di.
3. Care-Krise: Hier werden die zentralen Begriffe Care-Arbeit und Care-Krise definiert und anhand konkreter Beispiele wie dem Kita- und dem Bettenstreik veranschaulicht.
4. Rolle der Gewerkschaften: Dieses Kapitel analysiert den Zusammenhang zwischen gewerkschaftlichem Handeln und der spezifischen Situation im Care-Sektor, wobei die Mobilisierung der Beschäftigten im Fokus steht.
5. Fazit: Das Fazit beurteilt die unterstützende Rolle der Gewerkschaften bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der gesellschaftlichen Aufwertung von Care-Berufen.
Schlüsselwörter
Gewerkschaften, Care-Arbeit, Care-Krise, Kitastreik, Bettenstreik, Arbeitsbedingungen, Interessenvertretung, Ver.di, GEW, Sozialer Dienst, Pflege, Arbeitskampf, Tarifverhandlungen, Berufsethos, Mitbestimmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle von Gewerkschaften bei der Durchsetzung von Interessen von Beschäftigten im Bereich der Care-Arbeit.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Gewerkschaften, die Merkmale von Care-Arbeit, die Ursachen der Care-Krise sowie die Analyse von Arbeitskämpfen in Kitas und Krankenhäusern.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Inwiefern können Gewerkschaften der Interessendurchsetzung von Care-Arbeiter/-innen beitragen?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse und die Untersuchung relevanter Arbeitskämpfe im Gesundheits- und Erziehungswesen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Gewerkschaften und Care-Arbeit sowie die praktische Analyse der Streikereignisse (Kitastreik und Bettenstreik) und der Rolle der Gewerkschaften dabei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Gewerkschaften, Care-Arbeit, Care-Krise, Kitastreik, Bettenstreik und Interessendurchsetzung sind maßgebliche Begriffe.
Wie beeinflusste das Fallpauschalensystem die Arbeit in Krankenhäusern?
Das Abrechnungssystem führte zu einer Ökonomisierung der Pflege, was den Personalschlüssel verschlechterte und zu einer hohen Arbeitsbelastung der Pflegekräfte führte, was wiederum den Nährboden für den Bettenstreik bildete.
Welche Rolle spielt das „Berufsethos“ bei Care-Arbeitern?
Das Berufsethos ist ambivalent: Einerseits motiviert es zu verantwortungsvollem Handeln gegenüber Schutzbedürftigen, andererseits erschwert es den Protest, da die Beschäftigten sich gegen einen Streik entscheiden, um ihre Patienten oder Schützlinge nicht im Stich zu lassen.
- Quote paper
- Charly Waletzki (Author), 2019, Die Bedeutung von Gewerkschaften anhand der Care-Krise. Kitastreik, Bettenstreik, Rolle der Gewerkschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021833