Entscheidungsfindungen sind alltäglich und stellen uns immer wieder vor Situationen in denen es nötig ist zwischen zwei konträren Handlungsmöglichkeiten abzuwägen.
Sobald es sich allerdings um Entscheidungen handelt, denen mehrere korrelierende Interessen unvereinbar gegenüberstehen, spricht man von einem Dilemma.
Auch in der Moralphilosophie wird die Thematik des Dilemmas aufgegriffen und die Frage nach dem moralischen Handeln aufgeworfen in Situationen, deren Umstände es unmöglich machen eine Entscheidung zu treffen ohne gleichzeitig gegen ein moralisches Prinzip zu verstoßen.
Anhand eines fiktionalen Fallbeispiels, in dem ein Major der Luftwaffe vor die Entscheidung gestellt wird den Abschuss eines von Terroristen besetzten Passagierflugzeuges zur Abwendung weiterer Gefahren zu vollziehen, wird nun das ethische Dilemma verdeutlicht. Durch ein Hineinversetzen den konkreten Entscheidungsmoment des Majors der Luftwaffe findet zunächst das Ergründen seine Handlungsmöglichkeiten statt.
Im Folgeschritt erfolgt die philosophische Betrachtung, die Frage danach wie sich am besten aus ethischer Sicht entschieden werden "soll".
Dazu werden zwei moralphilosophische Theoriekonzeptionen, die deontologische Ethik nach Immanuel Kant, sowie der Utilitarismus nach Jeremy Bentham herangezogen und auf das Fallbeispiel angewendet.
Abschließend erfolgt eine Betrachtung aus juristischer Perspektive und eine finale persönliche Würdigung unter Einbeziehung des Grundgesetzes unter dem Leitgedanken der Unantastbarkeit der Menschenwürde.
Inhaltsverzeichnis
A) Einleitung
I. Ausgangspunkt der Arbeit
II. Struktur der Arbeit
III. Die Wiedergabe des Falls
B) Entscheidungsfindung
I. Der philosophisch- ethische Hintergrund der Frage nach dem Abschuss des Passagierflugzeuges
II. Die Darstellung des Dilemmas
III. Die philosophisch- ethische Bewertung
1. Entscheidungsfindung nach Jeremy Bentham
a) Der Utilitarismus nach Jeremy Bentham
b) Bewertung aus utilitaristischer Sicht
2. Entscheidungsfindung nach Immanuel Kant
a) Die Pflichtethik nach Immanuel Kant
b) Bewertung aus kantischer Sicht
IV. Betrachtung der gegenwärtigen Rechtslage
C) Würdigung
I. Rückblick
II. Auseinandersetzung mit den philosophisch- ethischen Positionen des Utilitarismus und der Pflichtethik vor dem Hintergrund des Grundgesetzes
III. Persönliche Ansicht
IV. Aktualität
Zielsetzung & Themen
Die Facharbeit untersucht das ethische Dilemma im „Passagierflugzeugfall“ aus philosophischer und juristischer Sicht. Dabei wird analysiert, ob der Abschuss einer entführten Maschine zur Rettung einer größeren Anzahl von Menschenleben moralisch vertretbar ist und wie sich dieses Handeln im Kontext des Grundgesetzes sowie gegensätzlicher ethischer Theorien bewerten lässt.
- Analyse des utilitaristischen Ansatzes nach Jeremy Bentham.
- Untersuchung der pflichtethischen Position nach Immanuel Kant.
- Gegenüberstellung von Handlungsoptionen („Tun“ vs. „Unterlassen“).
- Bewertung der Menschenwürde im Kontext des Luftverkehrsgesetzes.
- Transfer auf aktuelle gesellschaftliche Entscheidungssituationen wie Triage.
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung des Dilemmas
Die Situation, in der sich der Luftwaffenmajor in dem Fallbeispiel befindet, kann als Dilemma bezeichnet werden. Im alltäglichen Sprachgebrauch wird unter einem Dilemma eine „Situation [verstanden], in der sich jemand befindet, besonders wenn zwischen zwei in gleicher Weise schwierigen oder unangenehmen Dingen wählen soll oder muss.“ (Duden Definition)
In der Philosophie gibt es darüber hinaus eine Erweiterung des Begriffs auf dem Gebiet der Moralphilosophie, das „moralische Dilemma“. (vgl. Stoecker et al, 2011, S.99 ff.; Heilig, 2016, S. 3-5)
Laut philosophischer Definition ist ein moralisches Dilemma „eine Entscheidungssituation, in der mindestens zwei moralische Prinzipien miteinander oder mit sich selbst in Konflikt stehen [und dadurch in einen] Entscheidungskonflikt führen. Als klassisches moralisches Dilemma bezeichnet man also ein Szenario, aus welchem sich durch äußere, nicht dem Agierenden zugrunde liegende, Veränderungen eine Entscheidungssituation ergibt. Dabei werden häufig zwei Handlungsalternativen angeboten, die die Situation voranzutreiben. Die Situation ist dadurch charakterisiert, dass alle angebotenen Handlungsalternativen zu Verlust bzw. ernsthaften Schaden einer anderen Person führen, für den Agierenden jedoch Handlungszwang besteht. Der Konflikt besteht nun darin abzuwägen, welcher Schaden minderer ist, bzw. welche der möglichen Handlungskonsequenzen für den Handelnden am erträglichsten ist.“(Deutsch,2010, S. 11 f.)
Diese Kriterien eines moralischen Dilemmas spiegeln sich auch in dem zugrundeliegenden Fallbeispiel wider.
Zusammenfassung der Kapitel
A) Einleitung: Diese Einleitung führt in den Kontext des „Passagierflugzeugfalls“ ein, erläutert die Struktur der Facharbeit und legt die Forschungsfrage dar.
B) Entscheidungsfindung: Dieses Kapitel beleuchtet den philosophisch-ethischen Hintergrund, definiert das moralische Dilemma und wendet die Theorien von Bentham und Kant auf den Fall an, ergänzt um die juristische Perspektive.
C) Würdigung: Das abschließende Kapitel reflektiert die gegensätzlichen Positionen, bezieht diese auf das Grundgesetz und formuliert eine persönliche Sichtweise sowie eine Einordnung der Aktualität der Thematik.
Schlüsselwörter
Ethisches Dilemma, Passagierflugzeugfall, Utilitarismus, Jeremy Bentham, Pflichtethik, Immanuel Kant, Menschenwürde, Grundgesetz, Luftverkehrsgesetz, Moralphilosophie, Entscheidungssituation, Handlungszwang, Kategorischer Imperativ, Triage, Terror-Ihr Urteil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das ethische und juristische Dilemma eines Piloten, der vor der Entscheidung steht, eine entführte Passagiermaschine abzuschießen, um eine Katastrophe am Boden zu verhindern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft praktische Philosophie mit Rechtswissenschaften und beleuchtet dabei insbesondere utilitaristische und deontologische Ethikansätze sowie die verfassungsrechtliche Bedeutung der Menschenwürde.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die verschiedenen moralischen Handlungsoptionen in einem extremen Ausnahmezustand systematisch zu präsentieren und ethisch sowie juristisch zu bewerten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es erfolgt eine analytische Betrachtung anhand philosophischer Theorien (Bentham/Utilitarismus, Kant/Pflichtethik) sowie eine juristische Einordnung unter Berücksichtigung des Grundgesetzes und der Rechtsprechung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition des moralischen Dilemmas, die theoretische Analyse durch Bentham und Kant sowie die Prüfung der aktuellen Rechtslage in Bezug auf das Luftverkehrsgesetz.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie moralisches Dilemma, Kategorischer Imperativ, utilitaristisches Kalkül, Menschenwürde und Rechtsgüterabwägung geprägt.
Wie unterscheidet sich die Bewertung des Abschusses nach Bentham von der nach Kant?
Während Bentham den Abschuss als utilitaristisch „richtig“ zur Leidminimierung bewerten könnte, lehnt Kant ihn aus pflichtethischer Sicht ab, da der Mensch nie bloß als Mittel zum Zweck dienen darf.
Welche Bedeutung hat das Grundgesetz für die Schlussfolgerung der Arbeit?
Das Grundgesetz, insbesondere die Unantastbarkeit der Menschenwürde, dient als Korrektiv, das gegen eine rein quantitative Kosten-Nutzen-Rechnung spricht und den Schutz des Individuums in den Vordergrund stellt.
- Arbeit zitieren
- Alexandra Pamina Stahl (Autor:in), 2021, Ethisches Dilemma bei der Entscheidung zum Flugzeugabschuss ("Passagierflugzeugfall"), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1022222