In der Seminararbeit sollen die beiden Werke „Philosophische Untersuchungen“ von Wittgenstein und „Cours de linguistique générale“ von Saussure bezüglich der Darstellung der Sprache durch ihre jeweilige Analogie zum Spiel verglichen werden.
Mit Hilfe dieser Spiel-Metapher beleuchten der Philosoph und der Linguist ihre jeweilige Auffassung von Sprache. Während Saussure das System der Sprache untersucht und auf das Spiel, vor allem das Schachspiel, als erklärende Metapher verweist, betrachtet Wittgenstein sein ganzes Werk über sogenannte „Sprachspiele“. Inwiefern die Vergleiche genutzt werden, um die jeweilige Ansicht dessen darzustellen, was Sprache bedeutet, wird im Hauptteil der Arbeit aufgezeigt. Ein wichtiger Unterschied, der dem Verständnis des folgenden Hauptteils dient, ist die unterschiedliche Absicht der Beiden. Wittgenstein betrachtet das Thema aus einem philosophischen Blickwinkel und möchte keine Theorie erstellen. Sein Ziel ist die Beschreibung der Sprache in ihrem alltäglichen Gebrauch. Saussure, als Linguist, stellt eine allgemeine Theorie der Sprache im Sinne eines Zeichensystems auf, die als Semiotik bezeichnet wurde. So ist die Methode, mit der Wittgenstein und Saussure vorgehen, grundsätzlich verschieden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung:
2. Allgemeine Sprachauffassung Wittgensteins:
2.1 Sprachspiele:
2.2 Sprachgemeinschaft und Anwendungskontext:
2.3 Die Bedeutung der Worte
3. Allgemeine Sprachauffassung Saussures
3.1 Sprache als System
3.2 Sprachgemeinschaft und Anwendungskontext:
3.3 Die Bedeutung der Worte - Semiotik
4. Sprache als Spiel in den PU von Wittgenstein
4.1 Die „Gegenstandstheorie“
4.2 Die Mannigfaltigkeit der Spiele und deren Beschreibung
4.3 Die Bedeutung der Worte
4.4 Veränderlichkeit
4.5 Die Abrichtung
4.6 Regeln
4.7 Mimik und Gestik
4.8 Die Arbitrarität
5. Sprache als Spiel bei Saussure
5.1 Sprache als System
5.2 Die Bedeutung der Worte
5.3 Veränderlichkeit
5.4 Bruch in der Analogie
6. Zusammenfassung/Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Sprachauffassungen von Ludwig Wittgenstein und Ferdinand de Saussure, indem sie untersucht, wie beide Denker die Analogie zum Spiel nutzen, um das Wesen der Sprache zu ergründen und darzustellen.
- Vergleich der Spiel-Metapher bei Wittgenstein und Saussure
- Wittgensteins Sprachspiele vs. Saussures Zeichensystem
- Die Rolle der Sprachgemeinschaft und des Anwendungskontexts
- Regelsysteme, Bedeutungskonstitution und Sprachwandel
Auszug aus dem Buch
4.2 Die Mannigfaltigkeit der Spiele und deren Beschreibung
Das Spiel als Vergleich bietet sich für Wittgenstein an, da der Begriff „Spiel“ für ihn „so schwer definierbar“ und eingrenzbar ist. Genau das zeigt sich auch in Wittgensteins „Sprachspielen“. Er gibt mit ihnen keine Theorie an, sondern beschreibt die Sprache. Seine Beispiele zeigen, dass es unzählige Anwendungsmöglichkeiten der Sprache gibt, die nicht eingrenzbar und daher auch nicht genau zu definieren sind. Nach Schulte hat Wittgenstein das „Kompositum 'Sprachspiel' gebildet, um anzudeuten, daß Sprachspiele - ebenso wie andere Arten von Spielen – Familienähnlichkeiten haben, ohne daß ihnen eine >wesentliche< Eigenschaft gemeinsam wäre.“ Es genügte Wittgenstein zu zeigen, dass alle Spiele „eine gewisse Ähnlichkeit“ haben, die berechtigt alle diese Spiele „Spiele“ zu nennen. Er beschreibt diese Art der Verwandtschaft weiterhin durch ein Fadenknäuel. Das Knäuel hält aufgrund vieler unterschiedlicher Fäden, die ineinander greifen, nicht aber, weil es von einem roten Faden durchzogen wird. In den PU heißt es: „Es läuft etwas durch den ganzen Faden, - nämlich das lückenlose Übergreifen dieser Fasern.“ (PU §67)
Die Verwandtschaft der Spiele dient als „Analoga für die 'mannigfaltigen' Erscheinungsformen der Sprache“. Die Vielfalt der Spiele wird in §66 gezeigt. Genannt werden „Brettspiele, Kartenspiele, Ballspiel, Kampfspiele, usw.“ (PU §66) Nach Brose liegt die Ähnlichkeit der Sprachspiele in den synonymen „Gebrauchsformen der Sprache, deren Regeln und grammatischen Strukturen“ , sowie in ähnlichen Verhaltensweisen der Spieler und Situationen. Wie unterschiedlich die Funktionen von Sprache sein können wird in §23 aufgelistet. Anhand der insgesamt 15 aufgeführten Funktionen soll „die Mannigfaltigkeit der Sprachspiele“ (PU §23) hervorgehoben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein und stellt das Ziel der Arbeit vor: den Vergleich der Sprachdarstellungen von Wittgenstein und Saussure mittels der Spiel-Analogie.
2. Allgemeine Sprachauffassung Wittgensteins: Dieses Kapitel erläutert Wittgensteins Abkehr von der Gegenstandstheorie hin zum Konzept der Sprachspiele und der Bedeutung als Gebrauch.
3. Allgemeine Sprachauffassung Saussures: Es wird Saussures strukturalistische Sicht auf die Sprache als etabliertes System mit einer sozialen und individuellen Seite dargestellt.
4. Sprache als Spiel in den PU von Wittgenstein: Eine detaillierte Untersuchung, wie Wittgenstein die Spiel-Analogie nutzt, um die Vielfalt der Sprachverwendung ohne theoretische Vereinheitlichung zu beschreiben.
5. Sprache als Spiel bei Saussure: Analyse von Saussures Nutzung des Schachspiels als Modell für ein System, das durch notwendige Konventionen und feste Regeln definiert ist.
6. Zusammenfassung/Fazit: Das Fazit fasst die Unterschiede zusammen: Wittgenstein beschreibt alltägliche Sprachpraxis (Hermeneutik), während Saussure eine Theorie eines Zeichensystems aufstellt (Semiotik).
Schlüsselwörter
Sprache, Spiel, Sprachspiel, Wittgenstein, Saussure, Bedeutung, Gebrauch, Zeichensystem, Sprachgemeinschaft, Kontext, Struktur, Regeln, Abrichtung, Arbitrarität, Semiotik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophischen und sprachwissenschaftlichen Ansätze von Ludwig Wittgenstein und Ferdinand de Saussure unter dem Fokus ihrer jeweiligen Verwendung von Spiel-Metaphern zur Erklärung von Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Natur von Sprachsystemen, die Rolle des Gebrauchs, die Bedeutung von Regeln in der Kommunikation und die Bedeutung von sozialer Konvention für die Sprachverwendung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wittgenstein und Saussure die Analogie zum Spiel verwenden, um unterschiedliche Ansichten über das Wesen und die Funktion von Sprache zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der zentrale Begriffe aus den Hauptwerken (Wittgensteins "Philosophische Untersuchungen" und Saussures "Cours de linguistique générale") gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen beider Denker, die Anwendung ihrer spezifischen Spiel-Analogien auf die Sprachbeschreibung und Aspekte wie Veränderlichkeit und Regelbefolgung detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Sprachspiel, Gebrauchstheorie, strukturalistisches Zeichensystem und sprachliche Konvention charakterisieren.
Wie unterscheidet sich Wittgensteins "Sprachspiel" von Saussures Schachspiel-Metapher?
Während Saussure das Schachspiel nutzt, um die Systematik und die festen Regeln eines Sprachsystems zu verdeutlichen, nutzt Wittgenstein das Sprachspiel eher, um die Vielfalt und den situativen Gebrauch von Sprache ohne eine übergeordnete Theorie zu beschreiben.
Welche Rolle spielt die "Abrichtung" bei Wittgenstein?
Die Abrichtung ist bei Wittgenstein der soziale Prozess, durch den Sprecher einer Gemeinschaft lernen, Sätze in Übereinstimmung mit anderen zu gebrauchen, was die Basis für gemeinsames Sprachverständnis bildet.
Warum lehnt Wittgenstein eine Theorie der Sprache ab?
Er lehnt eine Theorie ab, da Sprache laut seiner Auffassung keine "wesentliche" Eigenschaft besitzt, die eine allgemeine Definition erlauben würde; sie ist vielmehr eine Sammlung von Familienähnlichkeiten.
Was bedeutet Saussures "Arbitrarität"?
Arbitrarität bezeichnet bei Saussure die Willkürlichkeit der Verbindung zwischen einem Lautbild (Signifikant) und einem Konzept (Signifikat), die innerhalb einer Sprachgemeinschaft als Konvention festgeschrieben wird.
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- Anonym (Autor:in), 2017, Sprache als Spiel bei Ludwig Wittgenstein und Ferdinand De Saussure, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1022628