Andersch, Alfred - Sansibar oder der letzte Grund - Was Kunst bedeuten kann


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
5 Seiten

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Inhalt

1. Die Romanfiguren und der lesende Klosterschüler

2. Der lesende Klosterschüler als Kunstwerk

3. Meine Künstler

4. Was ist Kunst?

Matthias Erny - Möslistrasse 10 - 8309 Nürensdorf - 01 888 72 12 - m.erny@swissonline.ch

Was Kunst bedeuten kann

Alfred Andersch führt in seinem Roman fünf verschiedene Personen anhand eines Kunstwerkes zusammen. Das Kunstwerk ist der lesende Klosterschüler. Eine halbmeter grosse Holzplastik von Ernst Barlach, einem expressionistischen Künstler. Alfred Andersch zeigt in seinem Roman, wie verschiedene Personen mit Kunst umgehen. Anhand der Personen aus Anderschs Roman und persönlichen Erlebnissen möchte ich in diesem Hausaufsatz der Bedeutung von Kunst auf den Grund gehen.

1. Die Romanfiguren und der lesende Klosterschüler

Pfarrer Helander setzt alles daran, den lesenden Klosterschüler vor den Anderen (Nazis) zu retten. Er selbst sieht die Holzplastik als ein Symbol für die Freiheit des Glaubens. Diese Freiheit will er verteidigen. Er beauftragt den Fischer Knudsen, den Klosterschüler über die Nordsee nach Skillinge zu transportieren. Knudsen zeigt zu Beginn kein Verständnis für den Auftrag von Helander. Er sieht diesen geschnitzten Holzklumpen als persönliches Götzenbild des Pfarrers. Sein Leben kann er problemlos auch ohne Kunst oder Götzen führen. Er hat seine mongoloide Frau Bertha, den alten Kutter Pauline und die Partei. Knudsen führt ein bescheidenes Leben. Nach längerem Zögern rafft sich Knudsen doch auf um den Auftrag auszuführen.

Gregor, ein Instruktor der sozialistischen Partei und Knudsen treffen sich in der Kirche. Gregor hat einen neuen Auftrag der Partei für Knudsen in Rerik. In der Kirche begegnet Gregor das erste Mal dem lesenden Klosterschüler. Er betrachtet die Figur sehr genau. Seinen Gedanken lässt er freien Lauf. Er fühlt sich irgendwie verbunden mit dem lesenden Klosterschüler. Es fällt ihm auf, dass er genau einmal so in der Lenin Akademie gesessen und gelesen hat. Doch dann bemerkt er auf einmal, dass dieser junge Klosterschüler trotzdem ganz anders ist. Dieser Klosterschüler liest konzentriert, kritisch, aufmerksam und genau. Gregor realisiert, dass der Schüler frei ist, er hat die Freiheit jederzeit das Buch zu schliessen oder etwas anderes zu lesen. Für Gregor ist diese Freiheit neu, er erkennt den Klosterschüler als Sinnbild für eine geistige Unabhängigkeit. Angeregt durch die Begegnung mit dem Klosterschüler beginnt er sein Leben zu überdenken und die Arbeit bei der KPD kritisch zu hinterfragen. Gregor verändert sich innerlich. Er wendet sich von der KPD ab und widmet

Matthias Erny - Möslistrasse 10 - 8309 Nürensdorf - 01 888 72 12 - m.erny@swissonline.ch sich seinen eigenen Interessen. Die Rettung des Klosterschülers wird ihm zu einem persönlichen Anliegen.

In Rerik trifft Gregor auf Judith, einer vornehmen Jüdin aus Hamburg. Judith ist in Rerik, um mit dem Schiff nach Schweden zu fliehen. Gregor erkennt die Not von Judith. Er ergänzt die Rettung des Klosterschülers durch die Flucht von Judith. Judith verdankt ihre Flucht des Zufalls und der Existenz des Klosteschülers. Ohne den Auftrag des Pfarrers, den Klosterschüler zu retten, wäre niemand auf die Idee gekommen von Rerik nach Schweden zu fahren. Judith kennt die Holzplastik von Ernst Barlach sehr genau. Auf der Überfahrt wird ihr allmählich bewusst, weshalb der Klosterschüler verschwinden muss. Diese Erkenntnis teilt sie dem Jungen auf einfache Art und Weise mit. Sie sagt:“ Er liest alles, was er will. Weil er alles liest, was er will, sollte er eingesperrt werden. Und deswegen muss er jetzt wohin, wo er lesen kann, soviel er will.“ (S. 146)

Der Junge hat zu Beginn keinen Bezug zum Klosterschüler. Erst durch die Erklärung von Judith merkt er, das er in derselben Situation steckt wie der Klosterschüler. Er möchte auch irgendwohin, wo er frei sein kann. Der Junge identifiziert sich mit dem Klosterschüler und hat das Gefühl, wenn der Klosterschüler auf niemand Rücksicht nimmt, dann habe auch er auf niemanden Rücksicht zu nehmen. Judith versucht dem Jungen klarzumachen, dass er mit Knudsen wieder nach Hause fahren soll um Knudsen vor grossen Schwierigkeiten zu bewahren. Der Junge kostet zwar für einige Stunden die Freiheit, kehrt aber unentwegt wieder zu Knudsen zurück und sie fahren gemeinsam nach Rerik.

2. Der lesende Klosterschüler als Kunstwerk

Der lesende Klosterschüler ist eine Holzplastik, die etwa einen halben Meter gross ist. Das Kunstwerk stellt einen Mönch dar, der in einem Buch liest. Die Plastik zeigt den Mönch in andächtiger Stellung über seinem Buch, es könnte die Bibel sein. Ich vermute, dass der lesende Klosterschüler in der Zwischenkriegszeit entstanden ist. Die Unterdrückung der privaten Personen durch die Nationalsozialisten gehörte damals zum Alltag. Jeglicher Widerstand gegen die Regierung oder öffentliche Stellungnahmen wurden unterdrückt. Geistliche, Intellektuelle und Künstler hatten während dieser Zeit einen schwierigen Stand. Ich habe das Gefühl, dass Ernst Barlach diese Personengruppen im Klosterschüler vereint. Ich persönlich sehe den Klosterschüler als ein zurückhaltendes, schlichtes Kunstwerk. Die Abbildung des lesenden Klosterschülers strahlt nicht das Bild einer heilen Welt aus. Es erscheint mir deshalb logisch, dass aus der Sicht der Nationalsozialisten, dieses Kunstwerk als entartet bezeichnet wurde. Die Holzplastik von Ernst Barlach regt zum Denken an. Die Matthias Erny - Möslistrasse 10 - 8309 Nürensdorf - 01 888 72 12 - m.erny@swissonline.ch Auswirkung des Klosterschülers auf seine Betrachter zeigt Alfred Andersch in seinem Roman sehr präzise. Durch die Begegnung mit dem Klosterschüler erlangen die Romanfiguren ein Stück persönliche Freiheit. Dies widerstrebte den Nationalsozialisten ganz klar, sie akzeptierten nur diejenigen, die sich ihren Propagandabotschaften fügten. Mir persönlich gefällt die Skulptur und deren Aussagekraft sehr gut. Ich bewundere Ernst Barlach, er hat es geschafft in einer Zeit der Unterdrückung authentisch zu bleiben und seine persönlichen Gedanken in einem Kunstwerk umzusetzen.

3. Meine Künstler

Ich möchte mich zu zwei verschiedenen Künstler äussern, die ich bewundere. Der eine, Jean Tinguely, ein Schweizer Eisenplastiker des 20. Jahrhunderts. Seine Maschinen bestechen durch ihre Konstruktion und ihre Bewegungen. Tinguely hat seinen Eisenplastiken Leben verliehen. Ich habe das Gefühl, dass jede Skulptur einen eigenen Charakter besitzt. Ein weiterer berühmter Künstler ist Piet Mondrian. Ein holländischer Maler, der sich vor allem mit reinen Formen und Farben befasste und die abstrakte Malerei begründete. Er hat einen Baum als Vorlage gewählt und diesen über Jahre hinweg bearbeitet. Sukzessive hat er den Baum abstrahiert bis sich am Ende nur noch Rechtecke und Quadrate auf dem Papier befanden. Die Wirklichkeit wurde auf einzelne Punkte, Striche und Flächen reduziert. Ich erachte es als spannend, dass sich diese Entwicklung nicht nur auf die Malerei beschränkt hat. Die moderne Architektur wurde wesentlich von dieser Neuerung geprägt. Die zierlichen, natürlichen Formen sind zusehends verschwunden. Die klare, einfache Formensprache hat Einzug gehalten. Piet Mondrian hat seine Kunstwerke zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschaffen, aber auf mich wirken sie immer noch modern.

4. Was ist Kunst?

Kunst weckt die Sinne. Wer sich mit Kunst befasst, nimmt sich Zeit für ein Thema, das keinen materiellen Profit bringt. Am Beispiel von Gregor sehen wir das sehr treffend. Durch die Begegnung ändert sich seine Lebenseinstellung grundlegend. Ich denke, Kunst wirkt sich nicht immer so radikal aus, wie bei Gregor. Aber was bedeutet den Kunst? Wenn man in frühere Zeiten zurückschaut, fällt einem auf, dass Kunst schon sehr lange ein Bestandteil des menschlichen Lebens ist. Kunst ist ein Grundtrieb der Menschheit. Kunst ist ein Ausdrucksmittel um Gedanken, Emotionen oder Ideen in Form, Farbe, Wort oder Klang auszudrücken. Ein Kunstwerk regt unsere Gedanken und Emotionen an. Ich denke mir, dass jeder Künstler eine Absicht für sein Kunstwerk hat. Kunstwerke sind nicht nur zum betasten

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(sofern das überhaupt gestattet ist), fühlen riechen und schmecken. Ein Kunstwerk kann auch eine geistige Botschaft enthalten. Diese Botschaft kann offensichtlich oder aber auch verborgen sein. Für Kunst gibt es keinen Massstab. Ob ein Betrachter die Absicht des Künstlers versteht, dass sei dahingestellt. as Jeder Mensch empfindet Kunst subjektiv. Jeder hat die Freiheit sich mit Kunst zu befassen oder nicht.

Der Begriff Kunst umspannt ein weites Thema. Ich habe gemerkt, dass ich das Thema Kunst nicht auf einen allgemeinen Nenner bringen kann. Deshalb habe ich bei der Erarbeitung dieses Hausaufsatzes versucht Kunst anhand von Adjektiven zu charakterisieren. Ich habe diese unvollständige Liste dieser Arbeit angefügt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellenangabe: Für den ersten Abschnitt „Die Romanfiguren und der lesende Klosterschüler“ habe ich auf Sekundärliteratur von www.hasuarbeiten.de zurückgegriffen.

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Details

Titel
Andersch, Alfred - Sansibar oder der letzte Grund - Was Kunst bedeuten kann
Hochschule
Real Centro Universitario Maria Cristina
Autor
Jahr
2001
Seiten
5
Katalognummer
V102292
Dateigröße
332 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Andersch, Alfred, Sansibar, Grund, Kunst
Arbeit zitieren
Matthias Erny (Autor), 2001, Andersch, Alfred - Sansibar oder der letzte Grund - Was Kunst bedeuten kann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102292

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