Das Thema Home-Office ist derzeit brisant, weswegen es einer kritischen Auseinandersetzung seitens der Wissenschaft mit Erfolgsfaktoren und Risiken bedarf. Insbesondere soll in der vorliegenden Arbeit skizziert werden, welche Chancen und welche Risiken sich durch die nahezu flächendeckende Umsetzung des Arbeitsmodells Home-Office in Deutschland ergeben. Dabei stehen vor allem unternehmenskulturelle Gesichtspunkte im Fokus.
Die Argumentation umreißt zunächst den derzeitigen Stand der Forschung. Beginnend mit der Veranschaulichung des Begriffes Home-Office und der Ausbreitung des Arbeitsmodells in Deutschland, über theoretische Konzepte zur Unternehmenskultur und abschließend deren Entwicklung in Deutschland. Auf dieser theoretischen Grundlage soll anschließend die Forschungsfrage mithilfe einer Gegenüberstellung herausgearbeiteter Chancen und Risiken des Arbeitsmodells für die Kultur von Organisationen skizziert werden. Im Fazit wird eine Einschätzung darüber getroffen, inwiefern sich Prinzipien einer erfolgsstiftenden Unternehmenskultur im Arbeitsmodell Home-Office umsetzen lassen, um im Abschluss einen Anschlusspunkt für die weitere Forschung zu markieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Problemstellung
3. Gegenwärtiger Kenntnisstand
3.1 Begriffsbestimmung Home-Office
3.2 Zahlen zum Home-Office in Deutschland
3.3 Begriffsbestimmung Unternehmenskultur
3.4 Entwicklung der Unternehmenskultur in Deutschland
4. Vereinbarkeit von Home-Office und Kultur
4.1 Chancen des Home-Office Arbeitsmodells für die Kultur von Unternehmen
4.2 Risiken des Home-Office Arbeitsmodells für die Kultur von Unternehmen
5. Fazit
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die durch die COVID-19-Pandemie forcierte, flächendeckende Einführung des Home-Office auf die Unternehmenskultur auswirkt. Das primäre Ziel ist es, Chancen und Risiken dieses Arbeitsmodells gegenüberzustellen und auf Basis theoretischer Ansätze zu bewerten, inwieweit Prinzipien einer erfolgsstiftenden Unternehmenskultur in der virtuellen Arbeitswelt erhalten bleiben können.
- Grundlagen und Definitionen von Home-Office und Unternehmenskultur
- Empirische Darstellung der Home-Office-Entwicklung in Deutschland
- Analyse kultureller Barrieren und Erfolgsfaktoren in der Heimarbeit
- Rolle von Vertrauen und informeller Kommunikation im digitalen Arbeitsumfeld
- Bedeutung von Führung und Unternehmenskultur in krisenhaften Phasen
Auszug aus dem Buch
Die realistische Sicht anhand von Praxisbeispielen
Der Möbelkonzern IKEA als Praxisbeispiel propagiert die Werte Gemeinschaft, Kostenbewusstsein, Einfachheit als Fundament einer „offenen, aufrichtigen Kultur“, welche sich aus dem „Testament eines Möbelhändlers“, des IKEA Gründers Ingvar Kamprad aus dem Jahr 1976 speist (Kamprad 1976). Diese Werte, die die Grundlage der Kultur des Konzerns bilden, wurden über Mitarbeitergenerationen weitergetragen. Sie sind, knüpft man an die Formulierungen von Schein und Hölscher (2010) an, historisch gewachsen und beschreiben grundlegende unausgesprochene Annahmen, die in den Tiefen der Kultur des Möbelkonzerns verankert sind. Auf der nächsten kulturellen Ebene der öffentlich propagierten Werte können sie, unter der Voraussetzung, dass sie den Organisationmitgliedern bewusst sind, durch ihre Formulierung und Kommunikation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden (Schein und Hölscher 2010). Auch die Duz Kultur des Konzerns lässt sich auf dieser Ebene der Explikation nennen. Auf der Ebene der Artefakte, die auch für Außenstehende offensichtliche Kulturmanifestationen bezeichnen, lässt sich die Arbeitskleidung der Mitarbeiter von IKEA als Beispiel heranziehen.
Das Verständnis von Unternehmenskultur als inkorporierte und unhinterfragte Instanz an der sich Denken, Verhalten und Handeln der Unternehmensmitglieder ausrichtet, impliziert zum einen Kontinuität und Stabilität und zum anderen Kontextbezogenheit von Kultur. Stabil ist Kultur, da sie das unbewusste gemeinsame mentale Modell der Mitglieder darstellt, welches die Organisation erfolgreich agieren lässt (Schein und Hölscher 2010). Die gemeinsam erarbeiteten Ziel- und Wertvorstellungen werden nicht hinterfragt und drücken sich in konsistenten Denk- und Handlungsweisen aus. Sie bilden die Basis der stabilen und verlässlichen Verhaltens- und Entscheidungsmuster einer Organisation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Dringlichkeit der Home-Office-Thematik durch die Pandemie und formuliert die wissenschaftliche Zielsetzung der Arbeit unter besonderer Berücksichtigung unternehmenskultureller Aspekte.
2. Problemstellung: Das Kapitel beleuchtet die Herausforderungen für Unternehmen, während der Pandemie den Gesundheitsschutz zu gewährleisten und gleichzeitig die Unternehmenskultur bei der Umstellung auf Heimarbeit zu sichern, woraus sich die Forschungsfrage ableitet.
3. Gegenwärtiger Kenntnisstand: Hier werden Begriffe wie Home-Office und Unternehmenskultur definiert, empirische Daten zur Verbreitung in Deutschland geliefert und das Drei-Ebenen-Kulturmodell nach Schein vorgestellt.
4. Vereinbarkeit von Home-Office und Kultur: Dieser Hauptteil analysiert die Chancen und Risiken des Home-Office auf die Unternehmenskultur, wobei insbesondere die Rollen von Vertrauen, Führung und Kommunikation untersucht werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont, dass der Erfolg des Home-Office maßgeblich von der Haltung der Führung und einer vertrauensbasierten Unternehmenskultur abhängt.
6. Ausblick: Der Ausblick weist auf den weiteren Forschungsbedarf hin, insbesondere im Hinblick auf die Validierung informeller Kommunikation und die Förderung sozialer Beziehungen in virtuellen Arbeitskontexten.
Schlüsselwörter
Home-Office, Unternehmenskultur, Pandemie, Vertrauen, Führung, Heimarbeit, Digitalisierung, Organisationskultur, Arbeitsmodell, Krisenmanagement, Mitarbeiterbindung, Kommunikationskultur, virtuelle Zusammenarbeit, Arbeitswelt, Flexibilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen der pandemiebedingten Einführung von Home-Office auf die Unternehmenskultur in deutschen Organisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen der Unternehmenskultur, die empirische Entwicklung der Heimarbeit sowie die kritische Analyse von Chancen und Risiken für das soziale Gefüge in Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, inwiefern der durch die Pandemie ausgelöste Boom des Home-Office die Kultur von Unternehmen beeinflusst und ob eine erfolgsstiftende Unternehmenskultur in diesem Modell aufrechterhalten werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Anwendung kulturwissenschaftlicher Modelle (insb. Schein) sowie der Auswertung aktueller Studien zu Personalpolitik und Arbeitswelt basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Chancen der Flexibilisierung gegenüber den Risiken, wie dem Verlust von informellem Austausch, Bindung und sozialer Kontrolle, anhand aktueller Studien abgewogen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Publikation?
Wichtige Begriffe sind Home-Office, Unternehmenskultur, Vertrauen, Führung, Digitalisierung, soziale Interaktion und Mitarbeiterbindung.
Warum ist die Rolle der Führungskraft laut der Arbeit so entscheidend für das Home-Office?
Die Studie zeigt, dass Führungskräfte eine Vorbildfunktion haben, um in einer virtuellen Arbeitsumgebung Vertrauenskultur zu etablieren und informelle Austauschmöglichkeiten trotz räumlicher Distanz zu fördern.
Welches kulturelle Paradigma behindert laut der Arbeit die Verbreitung von Home-Office?
Die Autorin verweist auf das Paradigma der „idealen Arbeiternorm“, in der Präsenz oft noch als wichtigster Indikator für Leistung und Zugehörigkeit angesehen wird.
Welche Bedeutung haben informelle Kommunikationswege im Home-Office?
Der informelle Austausch wird als essenziell für die Integration neuer Mitarbeiter und die Aufrechterhaltung des Zugehörigkeitsgefühls bewertet; sein Wegfall stellt eine zentrale Herausforderung für die Unternehmenskultur dar.
- Arbeit zitieren
- Surya Ruff (Autor:in), 2021, Die Auswirkungen des Booms des Home-Office in der Pandemie auf die Kultur von Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1022968