Wir leben heute in einer sehr komplexen Welt, die manchmal nur schwer zu erfassen ist. Eine Methode des Menschen sich diese Welt verständlich zu machen ist seine Sprache. Sie benennt, sie beschreibt, sie erklärt. Deutsch greift als flexionsreiche Sprache nicht nur auf Begrifflichkeiten fremder Sprachen oder das Kombinieren vorhandener Lexeme zurück, sondern nutzt seine Vielzahl von Affixen, Umlauten, aber auch Wortarten um neue lexikalische Wörter zu bilden.
Immer wieder zweifeln Linguisten das Phänomen der Konversion in der deutschen Sprache als eigenständige Methode der Wortbildung an. Es gibt in der deutschen Linguistik diverse Gegenentwürfe, die die Konversion auf eine Subkategorie der Derivation (Nullderivation oder implizite Ableitung) reduzieren oder sie sogar grundsätzlich als Verfahren der Wortbildung ablehnen, weil es hinsichtlich der Semantik oder der Morphologie keine Veränderung gäbe. Um diese Ansätze zu überprüfen, bedarf es jedoch zunächst einer Definition des Wortes, der Wortbildung als schließlich auch der Konversion, wobei man bei letzterer feststellen wird, dass eine Unterteilung in syntaktische und morphologische bzw. lexikalische Konversion von Vorteil ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist ein Wort?
3. Was bedeutet Wortbildung?
4. Die Konversion
5. Morphologische Konversion versus Syntaktische Konversion
6. Die Konversion als Form der Derivation
6.1. Die Konversion als Null-Affigierung
6.2. Konversion als syntaktische Umkategorisierung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Problematik der Konversion als eigenständige Form der Wortbildung in der deutschen Sprache. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob und inwieweit bei diesem Prozess eine tatsächliche semantische, morphologische oder syntaktische Veränderung stattfindet, die die Konversion als valides Wortbildungsverfahren legitimiert.
- Definition des Wortbegriffs und der Wortbildung
- Abgrenzung der morphologischen von der syntaktischen Konversion
- Analyse der Konversion als Subkategorie der Derivation
- Diskussion der Null-Affigierung und syntaktischen Umkategorisierung
- Untersuchung der Produktivität und semantischen Differenzierung
Auszug aus dem Buch
4. Die Konversion
Laut BOETTCHER wird unter „Konversion […] generell die Umwandlung eines Wortes in ein Wort einer anderen Wortart ohne (erkennbare) morphologische Umwandlungsmittel verstanden.“ (vgl. Boettcher, S. 250). Die daraus resultierenden Definitionsbestandteile 'Wortartwechsel' und 'Merkmallosigkeit' sind jedoch nicht unproblematisch.
Die Merkmallosigkeit der Konversion ist phonologisch-morphologisch gemeint, doch stellt VOGEL fest: „Die Konversionsforderung, daß sich formal-morphologisch nichts ändern soll, ist gerade in flektierenden Sprachen nicht zu erfüllen, da hier in den verschiedenen Wortarten zumindest unterschiedliche Flexionsmorpheme vorliegen“ (vgl. Vogel, S. 45).
(2) Adjektiv 'weich' zu Verb 'weichen' → Flexionsformen: 'ich weiche', 'ich wich'
Dementsprechend versucht man die Definition der Konversion daraufhin zu spezifizieren, dass nicht ein 'Wort', sondern der Stamm eines Wortes bzw. eines Lexems merkmallos in eine andere Wortart übergeht.4 Leider ergeben sich dadurch wieder neue Fragen, denn einerseits gibt es Konversionen, die auch mit einer Um- oder Ablautung einhergehen:
(3) Verb 'trinken' → Nomen 'Trank' oder Adjektiv 'hart' – Nomen 'Härte'
Und andererseits gibt es Konvertate in einer Wortart, die dasselbe Ursprungswort haben, sich aber in ihrer Ziel-Wortart nicht nur morphologisch, sondern auch semantisch und syntaktisch voneinander unterscheiden.
(4) Verb 'treffen' → Nomen 'das Treffen', aber auch Nomen 'der Treff'' (Genus Unterschied)
(5) Adjektiv 'grün' → Nomen 'das Grün', 'die Grünen' (Pluralfähigkeit unterschiedlich)
Aufgrund solcher Unterschiede wird die Konversion nochmal subklassifiziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Wortbildung in der komplexen deutschen Sprache ein und erläutert die methodische Entscheidung für eine synchrone Betrachtung der Konversion.
2. Was ist ein Wort?: Hier wird der Wortbegriff als lexikalische Einheit definiert und die Problematik der Identifikation von Wortstämmen in flektierenden Sprachen thematisiert.
3. Was bedeutet Wortbildung?: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene linguistische Perspektiven auf Wortbildungsprozesse und die Unterscheidung zwischen der Erzeugung neuer Lexeme und syntaktischer Wörter.
4. Die Konversion: Es werden die zentralen Definitionskriterien der Konversion – Wortartwechsel und Merkmallosigkeit – kritisch hinterfragt und die Notwendigkeit einer Subklassifizierung dargelegt.
5. Morphologische Konversion versus Syntaktische Konversion: Dieses Kapitel differenziert zwischen der morphologischen, als eigenständigem Prozess verstandenen Konversion, und der syntaktischen Konversion, die oft als bloße funktionale Nutzung interpretiert wird.
6. Die Konversion als Form der Derivation: Hier wird die Debatte erörtert, ob die Konversion als Sonderfall der Derivation zu betrachten ist, unterteilt in Ansätze zur Null-Affigierung und syntaktischen Umkategorisierung.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Konversion trotz definitorischer Schwierigkeiten ein sprachökonomisch wertvolles und historisch bedeutsames Verfahren zur Erweiterung der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten darstellt.
Schlüsselwörter
Konversion, Wortbildung, Derivation, Lexem, Null-Affigierung, syntaktische Umkategorisierung, Wortartwechsel, Morphologie, Syntax, flektierende Sprache, Null-Morphem, Sprachschatz, Wortbildungsmuster, Semantik, Konvertat
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Einordnung der Konversion als Wortbildungsverfahren in der deutschen Sprache und untersucht deren theoretische Problematik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Definition von Wort und Wortbildung, die Abgrenzung zwischen verschiedenen Arten der Konversion sowie die Diskussion, ob Konversion ein eigenständiges Verfahren oder eine Subkategorie der Derivation darstellt.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu prüfen, ob bei der Konversion eine echte semantische oder morphologische Veränderung vorliegt, die eine Neubildung rechtfertigt, oder ob es sich lediglich um eine syntaktische Umkategorisierung handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit folgt einer synchronen linguistischen Analyse unter Einbeziehung und kritischer Diskussion einschlägiger fachwissenschaftlicher Positionen zur deutschen Wortbildung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der Konversionsbegriff, die Unterscheidung zwischen morphologischer und syntaktischer Konversion sowie die Einordnung der Konversion in den Bereich der Derivation (via Null-Affigierung oder Umkategorisierung) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Konversion, Wortbildung, Derivation, Lexem, Null-Affigierung und syntaktische Umkategorisierung geprägt.
Was unterscheidet die morphologische von der syntaktischen Konversion?
Bei der morphologischen Konversion ist der Stamm in verschiedenen Wortarten als Lexem verfügbar, während bei der syntaktischen Konversion das Produkt oft Flexionsmerkmale der Basis beibehält und eher funktional als ein Wortartwechsel interpretiert wird.
Warum ist das Konzept der Null-Affigierung umstritten?
Die Annahme eines "Null-Suffixes" wird von einigen Linguisten als theoretisch fragwürdig bezeichnet, da dieses Element keine festen Merkmale besitzt und die Konversion als eigentlich "merkmalloses" Verfahren somit widersprüchlich erscheinen lässt.
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- Anja Keller (Author), 2012, Die Problematik der Konversion als Form der Wortbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1023178