Verbesserung der Arzt-Patient-Kommunikation mithilfe der sokratischen Gesprächsführung


Hausarbeit, 2021

29 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Hausarbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Grundlagen gelingender Kommunikation
2.2 Arzt-Patient-Kommunikation
2.3 Modell der sokratischen Gesprächsführung
2.4 Zusammenfassung der Theorie

3 Transfer der Theorie in die Praxis
3.1 Praxisbeispiel A
3.2 Praxisbeispiel B
3.3 Praxisbeispiel C

4 Diskussion
4.1 Handlungsempfehlungen zur Förderung der Arzt-Patient-Kommunikation
4.2 Ausblick

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

Abkürzungsverzeichnis

bzw. beziehungsweise etc. et cetera

ggf. gegebenenfalls

z. B. zum Beispiel

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der Krebsmortalitätsrate in den USA im Zeitraum der Jahre von 1970 bis 2016

Abbildung 2: Sender-Empfänger-Modell von Shannon und Weaver

Abbildung 3: Vier-Seiten-Modell

Abbildung 4: Idealtypisches Arzt-Patient-Gespräch nach Kutscher & Seßler

1 Einleitung

Wissenschaftliche und technologische Fortschritte haben die Medizin in den letzten Jah- ren kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert. Demnach konnten innovative Medi- kamente entwickelt und operative Eingriffe ermöglicht werden, die für unvorstellbar ge- halten wurden. Dies ist einer der Gründe, warum unter anderem die Mortalitätsrate von verschiedenen Krebsformen deutlich verringert werden konnte (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Entwicklung der Krebsmortalitätsrate in den USA im Zeitraum der Jahre von 1970 bis 2016 (Quelle: Statista, 2020)

Neben den genannten medizinischen „Instrumenten“ gibt es jedoch auch andere Vari- ablen, die sich auf den Heilungsprozess auswirken können. Gottschlich (1998) betont in diesem Zusammenhang besonders die Relevanz der Kommunikation: „Heilen hängt seit je, durch die ganze Medizingeschichte hindurch, immer auch mit Kommunikation in den verschiedensten Formen und auf den unterschiedlichsten Ebenen zusammen, wie um- gekehrt Kommunikation immer auch Auswirkungen auf den Heilungsprozess hat“. Reine fachliche Fähigkeiten reichen dementsprechend nicht aus, um die bestmöglichen medi- zinischen Ergebnisse zu erzielen. Es bedarf ebenfalls guter Kommunikationskompeten- zen, die erforderlich für eine gute zwischenmenschliche Beziehung sind. Es wurde fest- gestellt, dass Ärzte „(…), die sich um ein herzliches und freundliches Verhältnis bemü- hen (…)“ größere Heilerfolge verzeichnen konnten als diejenigen, die sich nicht deutlich äußern und unpersönlich sowie förmlich auftreten (vgl. Kutscher & Seßler, 2017, S. 92). Vor diesem Hintergrund wird in der folgenden wissenschaftlichen Arbeit die Arzt-Patient- Kommunikation näher untersucht sowie deren Chancen und Risiken erläutert.

1.1 Problemstellung

Bereits in der Antike wurde die Komplexität der zwischenmenschlichen Beziehung und Kommunikation zwischen dem Arzt und Patienten von Platon dargestellt (Levin, 2012, S. 351). Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Medizin dann besonders durch wissen- schaftliche Erkenntnisse vorangetrieben. Es entwickelten sich immer mehr

Spezialisierungen und Fachgebiete. In diesem Zusammenhang wurden die zwischen- menschlichen Aspekte weniger berücksichtigt. Aufgrund der vielen Spezialisten und der wenigen Allgemeinmediziner entstand eine Art Anonymisierung bzw. Depersonalisie- rung der Medizin (Rothenfluh & Schulz, 2019, S. 58). Während der ansässige Hausarzt vorher eine gute Beziehung zu seinen Patienten pflegte und mit ihnen mehr Zeit ver- brachte, wurden anschließend Überweisungen an andere Fachärzte ausgestellt. Wegen der vielen Patienten und der geringen vorhandenen Zeit wurden dementsprechend oft oberflächliche Beziehungen gepflegt, was nicht im Sinne einer guten Arzt-Patient-Kom- munikation ist. Ferner wurden Kommunikationskompetenzen bislang immer noch nicht ausreichend im Medizinstudium gelehrt. Etwa zwei Drittel der praktizierenden Kliniker sind unsicher und unzufrieden, was ihre Fähigkeit schlechte Nachrichten zu übermitteln betrifft (Keller, 2014, S. 821). Weitere Faktoren wie Unerfahrenheit, Ermüdung und eine zu hohe Arbeitsbelastung führen zu einer unzureichenden und fehlerhaften Kommuni- kation. Daraus folgt, dass ca. 80% der kritischen Fehler im Gesundheitswesen auf Defi- zite in der Kommunikation zurückzuführen sind (vgl. Schröder, 2019, S. 58).

1.2 Zielsetzung

Das Arzt-Patient-Gespräch bildet das Fundament einer guten Behandlung, weshalb der Verbesserung der Kommunikation ein großes Potenzial zur Erhöhung der Sicherheit und Effektivität in der Medizin zugeschrieben wird (Schweizerische Akademie der Medizini- schen Wissenschaften, 2013, S. 5). Aus diesem Grund verfolgt die vorliegende Ausar- beitung das Ziel, die Grundlagen einer gelingenden Kommunikation anhand von wissen- schaftlichen Modellen zu erläutern. Darüber hinaus werden häufige Kommunikationsfeh- ler dargestellt. Bei der sokratischen Gesprächsführung handelt es sich um eine Ge- sprächstechnik aus dem psychotherapeutischen Bereich, welche den Gesprächspartner zur eigenen „Lösungsfindung“ anregen soll. In dieser Hausarbeit wird anhand fiktiver Beispiele veranschaulicht, wie diese Gesprächstechnik exemplarisch eingesetzt werden kann, um Kommunikationsdefizite zu beheben und gesundheitsförderliche Verhaltens- weisen zu erarbeiten. Dies ermöglicht praktizierenden Ärzten den Einblick in die Anwen- dung, welche dementsprechend auch in die Praxis transferiert werden kann. Durch wei- tere Handlungsempfehlungen, unabhängig von der sokratischen Gesprächsführung, sol- len nützliche Praxishinweise vermittelt werden, um die Verbesserung der medizinischen Kommunikation hervorzurufen und infolgedessen bessere Heilungserfolge zu erzielen.

1.3 Aufbau der Hausarbeit

Nach einer kurzen Einleitung folgt der theoretische Teil der Hausarbeit. In 2.1 werden die Grundlagen gelingender Kommunikation anhand bekannter Modelle veranschaulicht. Anschließend wird in 2.2 genauer auf die Herausforderungen und Anforderungen der

Arzt-Patient-Kommunikation eingegangen. 2.3 beinhaltet theoretische Hintergründe der sokratischen Gesprächsführung und beschreibt, inwiefern diese Technik den Anforde- rungen gelingender Kommunikation entspricht. Eine Zusammenfassung 2.4 rundet den theoretischen Teil ab. Im methodischen Teil werden in den Unterkapiteln 3.1, 3.2 und

3.3 fiktive Praxisbeispiele von Patienten zwischen 13-17 Jahren und mit unterschiedli- chen Diagnosen dargestellt, die über eine unzureichende Arzt-Patient-Kommunikation klagen. Gleichzeitig wird in den Unterkapiteln erläutert, inwiefern die Kommunikation feh- lerhaft war und wie sie stattdessen mit der sokratischen Gesprächsführung hätte gestal- tet werden können. Im letzten Teil der wissenschaftlichen Arbeit folgt eine Diskussion, in welcher die Inhalte kritisch reflektiert werden. Danach werden in 4.1 weitere explizite Handlungsempfehlungen zur Förderung der Kommunikation zwischen Arzt und Patient ausgesprochen. Anschließend folgt ein Ausblick in 4.2 für die zukünftige Forschung auf diesem Gebiet.

2 Theoretische Grundlagen

Im Folgenden wird auf alle relevanten theoretischen Hintergründe der Hausarbeit einge- gangen. Diese beinhalten bekannte Kommunikationsmodelle, veranschaulichen die Komplexität der Arzt-Patient-Kommunikation und beschreiben die sokratische Ge- sprächsführung. Bevor die Unterkapitel behandelt werden ist es notwendig, die Begriffs- bestimmung von Kommunikation vorzunehmen.

In der Vergangenheit wurde deutlich, wie viele Wissenschaftler versucht haben Kommu- nikation zu definieren, woraufhin eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen entstanden ist. Kommunikation ist „die Bedeutungsvermittlung zwischen Lebewesen“ stellt eine sehr allgemeingehaltene und häufig zitierte Definition dar (vgl. Rossmann, 2019, S. 6). Ma- letzke (1963) verfolgt in seinem Grundwerk einen detaillierten Ansatz und behauptet Kommunikation stehe für die Tatsache, „dass Lebewesen untereinander in Beziehung stehen, dass sie sich verständigen können, dass sie imstande sind, innere Vorgänge oder Zustände auszudrücken, ihren Mitgeschöpfen Sachverhalte mitzuteilen oder auch andere zu einem bestimmten Verhalten aufzufordern.“ (S. 16). Diesem Verständnis zu- folge steht Kommunikation in einem engen Zusammenhang mit dem Begriff Interaktion, welcher auch als soziales Handeln aufgefasst wird, bei dem mindestens zwei Lebewe- sen zueinander in Beziehung stehen (Rossmann, 2019, S. 6). Schröder (2019) betont in seiner Auffassung die Wichtigkeit von menschlicher Kommunikation und behauptet „[sie sei] ein unabdingbares Medium für jedes zwischenmenschliche Miteinander und Voraus- setzung für Überleben und Daseinsbewältigung sowohl des Einzelnen als auch der Ge- sellschaft“ (S. 56). Zusammengefasst steht Kommunikation demnach für eine spezifi- sche Form der Interaktion, welche auf die Verständigung abzielt und im gesamten Leben von größter Relevanz ist.

2.1 Grundlagen gelingender Kommunikation

Kommunikation erfolgt durch den Gebrauch von Zeichen und durch einen Code, welcher die Verknüpfungsmöglichkeiten der einzelnen Zeichen untereinander sowie deren Ge- brauch in bestimmten Kontexten regelt. Diese Zeichen können in unterschiedlichen For- men auftreten – verbal (Sprache), paraverbal (Stimme, Tempo, Lautstärke etc.) und non- verbal (Körpersprache, Gestik, Mimik etc.). Dabei ist die Sprache das wichtigste Kom- munikationsmittel, welches ebenfalls in semantischer, syntaktischer und pragmatischer Hinsicht am weitesten entwickelt ist. Nichtsdestotrotz besteht die Möglichkeit diese durch paraverbale und nonverbale Formen zu ersetzen bzw. die Bedeutung eines sprachlichen Ausdrucks zu verändern (Schröder, 2019, S. 57).

Shannon und Weaver (1949) haben mit ihrem „Sender-Empfänger-Modell“ einen wichti- gen Beitrag zur Kommunikationsforschung beigetragen. Da dieses zur Veranschauli- chung der theoretischen Hintergründe der Ausarbeitung beiträgt, wird es im Folgenden dargestellt und erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Sender-Empfänger-Modell von Shannon und Weaver (Quelle: Shannon & Weaver, 1949)

Bevor Kommunikation stattfinden kann, bedarf es der Errichtung eines Kommunikations- kanals. Dieser gemeinsame Kanal wird z. B. schon durch die gemeinsame Anwesenheit mehrerer Personen an einem Ort oder durch eine Telefonverbindung etc. gewährleistet. Im nächsten Schritt kodiert der Sender dem Kommunikationskanal entsprechend die Nachricht, welche über den Kanal an das Empfangsgerät des Empfängers transportiert wird. Anschließend muss das codierte Signal vom Empfänger wahrgenommen und de- codiert, also entschlüsselt werden. Damit die Kommunikation gelingt, sollten das Sende- und Empfangsgerät einander entsprechen. Außerdem muss die Kodierung und Deco- dierung funktionieren und der Kanal störungsfrei sein. Bei der Rückmeldung des Emp- fängers an den Sender wird von dem Begriff Feedback (hier „Rückwandler“) gesprochen. Durch diese Rückschleife können Kommunikationsprobleme entdeckt werden, wenn sie ausbleibt bzw. der Empfänger anders reagiert als vom Sender erwartet. Die Autoren gehen davon aus, dass durch Codierung und Decodierung die gesendete und empfan- gene Botschaft nur teilweise deckungsgleich ist. Darüber hinaus sind die Fähigkeiten und die Motivation des Empfängers, die Information zu verarbeiten, dafür relevant, ob die Nachricht verstanden wird (Wittke, Kamal, Aghoutane & Karim, 2014, S. 41).

Sich weitgehend überschneidende Zeichensysteme, die eine gemeinsame Wirklichkeits- konstruktion zweier oder mehrerer Individuen erzeugen, bilden eine weitere Grundlage gelingender Kommunikation. Eine Herausforderung besteht jedoch dabei in der hohen Individualität und Konnotation von Sprache. Dies bedeutet, dass Sprachbenutzer zwar die gleichen Ausdrücke (Wörter, Sätze) verwenden, dabei jedoch potenziell etwas Un- terschiedliches meinen. Daraufhin können sich die Wirklichkeitskonstruktionen und Zei- chensysteme der Interagierenden unterscheiden und Kommunikationsprobleme entste- hen (Schröder, 2019, S. 57). Diese Störanfälligkeit fasst Paul Watzlawick in seinem

ersten Axiom auf – „es ist nicht möglich, nicht zu kommunizieren“ (Watzlawick, Beavin & Jackson, 1971). Jede Interaktion zwischen Menschen hat eine potenzielle Bedeutung, unabhängig davon, ob sie intendiert ist, woraufhin es wieder zu Kommunikationsschwie- rigkeiten kommen kann.

Schulz von Thun (1998) geht in seinem Vier-Seiten-Modell davon aus, dass jede Nach- richt vier Botschaften hat. In der Regel fokussiert sich ein Mensch dabei auf eine oder zwei dieser Ebenen, sendet aber unbeabsichtigt auf den anderen Ebenen mit, woraufhin Kommunikationsstörungen auftreten können (siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Vier-Seiten-Modell (Quelle: Schulz von Thun, 1998)

Die vier Ebenen gelten sowohl für das Senden als auch für das Empfangen einer Nach- richt. Dabei kann nicht sichergestellt werden, dass der Empfänger die Nachricht auf der gleichen Ebene interpretiert, wie vom Sender intendiert. Ein Sender könnte z. B. auf der Sachebene fragen „Hast du heute den Bus verpasst?“ und der Empfänger könnte da- runter einen Appell verstehen, der ihn auffordert, nächstes Mal pünktlicher zu sein. Da- raufhin kann ein Konflikt entstehen, weil es Unstimmigkeiten in der Kommunikation gab.

Wittke et al. (2014) nennen zusammenfassend drei Punkte, die vom Sender genutzt werden können, um zu einer gelingenden Kommunikation beizutragen.

1. Es muss auf Verständlichkeit geachtet werden (kurze Sätze und bekannte Wörter)
2. Der zum Inhalt „passende“ Kommunikationskanal sollte gewählt werden (z. B. kom- plexe Sachverhalte schriftlich übermitteln, abstrakte Sachverhalte durch Beispiele erläu- tern)
3. Wichtige Botschaft mehrfach codieren (z. B. Text und Bild) und redundant kommuni- zieren (S. 41).

Das Unterkapitel hat veranschaulicht, wie komplex die menschliche Kommunikation ist und welche Regeln sie befolgen muss, damit Kommunikation gelingt. Im nächsten Kapi- tel wird auf die spezifische Kommunikationsform zwischen Arzt und Patient eingegan- gen.

2.2 Arzt-Patient-Kommunikation

„Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient gehört zu den komplexesten zwischen- menschlichen Beziehungen, mit der sich die interpersonale Kommunikationsforschung beschäftigt“ (Rothenfluh & Schulz, 2019, S. 57). Dies hängt unter anderem mit der Rol- lenverteilung beider Parteien zusammen, welche von einem Status- und Wissensgefälle sowie einer physischen und emotionalen Dringlichkeit geprägt ist. Eine lange Zeit war die Arzt-Patient-Kommunikation vom Paternalismus ausgeprägt, wodurch indiziert wurde, dass der Arzt ein dominanter und bestimmender Akteur ist, während der Patient die passive und hörige Rolle einnimmt (Roter & Hall, 2006, S. 164). Aus diesem Grund waren Gesprächsanteile unausgeglichen und es war sehr schwer, eine Beziehung „auf Augenhöhe“ aufzubauen. Mittlerweile werden partizipierende Formen eher eingesetzt, wodurch die Autonomie des Patienten und die Gegenseitigkeit der Beziehung betont wird, was besonders im Kontext der Kommunikation eine positive Auswirkung hat. Nichtsdestotrotz gibt es weitere Herausforderungen, die durch einen partizipativen An- satz allein noch nicht gelöst werden.

Roter und Hall (2006) postulieren, dass das Gespräch die Hauptkomponente in der me- dizinischen Versorgung sowie das fundamentale Instrument ist, mit welchem die Arzt- Patient-Beziehung kreiert wird und durch die therapeutische Ziele erreicht werden. Wei- tere Forschungen kamen zu dem Ergebnis, dass sich ein patientenzentriertes Anam- nesegespräch positiv auf den Heilungsprozess auswirken kann, indem die Exaktheit der Diagnose gesteigert wird. Ferner konnte gezeigt werden, dass „die Art und Reihenfolge wie ein Patient seine Anliegen schildert den Gesprächsverlauf und somit auch die medi- zinische Behandlung beeinflussen können“ (Rothenfluh & Schulz, 2019, S. 59). Mit an- deren Worten: Das Arzt-Patient-Gespräch entscheidet zu einem großen Teil darüber, wie erfolgreich die Anamnese und die medizinische Behandlung verläuft. Für die zielge- richtete Anamnese ist die Menge an Information von größter Relevanz. Dies hängt je- doch nicht nur von Arzt oder Ärztin ab, sondern wird wesentlich vom Kommunikations- verhalten der Patienten gesteuert (Rothenfluh & Schulz, 2019, S. 61). Durch eine aktive Einbringung (partizipativ) werden mehr Informationen vermittelt, was wiederum zu einer Angleichung und höheren Übereinstimmung zwischen Arzt und Patient bei der Behand- lungsentscheidung führt. Eine gezielte und rationale Argumentation der Ärzte wird von Patienten als ein aktives Eingehen auf ihre Bedürfnisse interpretiert, „was zu einer

erhöhten Behandlungszufriedenheit und einer besseren Einhaltung des Behandlungsre- gimes führt“ (Rothenfluh & Schulz, 2019, S. 61).

Die Medizin braucht als Wissenschaft für Zwecke der Erkenntnisgewinnung und für den Informationsaustausch unter Fachleuten spezialisierte Fachsprachen und Terminolo- gien, die im Umkehrschluss nicht unbedingt allgemeinverständlich sind. Nicht nur das Wissen wächst ständig, sondern auch die Spezialisierungen. Je nach Spezialisierungs- und Abstraktheitsgrad gliedert und schichtet sich medizinische Fachkommunikation heute in diverse Sprachvarietäten, die jeweils nur noch von wenigen Fachvertretern be- herrscht werden (Schröder, 2019, S. 57). Dies führt zu zunehmenden Differenzierungs- tendenzen und individuellen semantischen Elementen, die den Konversationsverlauf be- einflussen und verzerren können und somit die Kommunikation erschweren. Laut Nowak besteht demnach die größte Herausforderung für Ärzte darin, dass sie in Gesprächen nicht nur die Aufgabe haben, „das medizinisch (rechtlich) Richtige zu sagen, sondern es so zu sagen, dass ihr Gegenüber es hören, verarbeiten und in selbstbestimmtes Handeln umsetzen kann“ (Nowak, 2009, S. 2). Dies wird durch weitere praktische Herausforde- rungen erschwert, die unter anderem sowohl ressourcen- und zeit- als auch medienbe- dingter Natur sind (Rothenfluh & Schulz, 2019, S. 64). Die Gesundheitsversorgung strebt darüber hinaus eine hohe Effizienz an, weshalb ein weiterer Lohn- und Kostendruck für Ärzte entsteht, die in einem möglichst geringen Zeitraum möglichst viele Patienten ver- sorgen sollen. Dies bedeutet für den individuellen Patienten, dass weniger Zeit für ihn aufgewendet werden kann und die kommunikative Komponente auf ein Minimum redu- ziert werden muss (Rothenfluh & Schulz, 2019, S. 65). Des Weiteren unterliegt die Arzt- Patient-Kommunikation teilweise schwerwiegenden und belastenden Rahmenbedingun- gen, z. B. bei der „präoperativen Beratung risikoreicher Operationen, bei der Mitteilung einer unerfreulichen Diagnose oder schlechten Prognose oder bei der Kommunikation über das baldige Ableben eines Patienten“ (Rothenfluh & Schulz, 2019, S. 62). Solche Konfrontationen können bei Ärzten Ängste und Unsicherheiten sowie Erschöpfung bzw. Überarbeitung hervorrufen, was sich weiterhin auf die Kommunikationsfähigkeit aus- wirkt.

Die Arzt-Patient-Kommunikation nimmt zusammengefasst eine sehr große Rolle bei der medizinischen Behandlung sowie bei der Patientenzufriedenheit ein und setzt große An- forderungen an den praktizierenden Arzt, jedoch auch an den Patienten, der sich in teil- weise unangenehmen Situationen kommunikativ möglichst viel beteiligen muss.

2.3 Modell der sokratischen Gesprächsführung

Unter der Sokratischen Gesprächsführung wird eine philosophische Diskursmethode verstanden, die zur Reflexion, Selbstbesinnung und Überprüfung eigener

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Verbesserung der Arzt-Patient-Kommunikation mithilfe der sokratischen Gesprächsführung
Hochschule
SRH Fernhochschule
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
29
Katalognummer
V1023770
ISBN (eBook)
9783346424051
ISBN (Buch)
9783346424068
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arzt-Patient-Kommunikation, Beratung, Gesundheitskommunikation, Sokratische Gesprächsführung, Sender-Empfänger-Modell, Vier-Seiten-Modell
Arbeit zitieren
Calvin Albrot (Autor), 2021, Verbesserung der Arzt-Patient-Kommunikation mithilfe der sokratischen Gesprächsführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1023770

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