Traumdeutung nach Sigmund Freud. Einfluss auf die heutige Beratungspraxis


Hausarbeit, 2021

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Traumdeutung nach Sigmund Freud
1.1. Sigmund Freud
1.2. Freud und Irmas Injektion
1.3. Über die Traumanalyse und die Traumarbeit
1.3.1. Mechanismen und Techniken

2. Kritik an der Traumdeutung - Jung und Freud

3. Einfluss der Traumdeutung auf heutige Beratungspraxis

4. Zusammenfassung

5. Quellenverzeichnis

Einleitung

Es gibt nicht viel, was uns Menschen alle miteinander verbindet. Die Fähigkeit zu Träumen ist eines davon. Wir alle träumen in der Nacht oder erleben Tagträume. Selbst wenn wir uns an unsere Träume nicht erinnern können, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wir geträumt haben. Kein Wunder, dass sich bereits viele Wissenschaftler*innen mit der Traumthematik auseinander gesetzt haben. Dabei ist eine Person besonders in Erinnerung geblieben. Die Rede ist von Sigmund Freud. Seine Aufzeichnungen zur Traumdeutung sind bis heute weit verbreitet. Doch inwiefern stell sie für die Gegenwart noch eine wichtige Rolle dar?

In der folgenden Präsentation werde ich die Traumdeutung nach Freud vorstellen. Ich gebe einen Einblick über Freuds bekannten Traum von Irmas Injektion. Anhand dieser Trauminhalte werde ich die grundlegenden Aspekte der Traumanalyse und der Traumarbeit, sowie Mechanismen und Techniken der Traumdeutung näher bringen. Danach komme ich auf die Kritik an Freuds Traumdeutung zu sprechen, wobei ich vor allem Jungs Perspektiven erläutere. Zum Ende betrachte ich Freuds Traumdeutung und deren Rolle in der Moderne und kläre auf, ob diese heute noch Verwendung findet.

1. Die Traumdeutung nach Sigmund Freud

1.1. Sigmund Freud

Bevor ich näher auf die Traumdeutung eingehe, möchte ich einen kurzen Einblick zur Biographie Sigmund Freuds geben. So wird der Begründer sowie die Epoche der Traumdeutung konkreter.

Sigmund Freud wird am 6. Mai 1856 als Sohn des jüdischen Textilkaufmanns Jacob Freud und dessen ebenso jüdischer Ehefrau Amalia Freud im damaligen Freiberg (heute Pribor in Tchechien) geboren. Nachdem die Familie 1860 nach Wien umzieht, beginnt Freud 1873 ein Medizinstudium an der Wiener Universität, das er 1881 abschließt. Im selben Jahr promoviert Freud an der Universität in Medizin. 1882 bis 1885 wirkt Freud als Angestellter des Allgemeinen Krankenhaus in Wien an der Entdeckung der schmerzstillenden Wirkung von Kokain mit. Sigmund Freud habilitiert 1885 in Neuropathologie in Wien und ist bis 1902 Dozent für Neuropathologie an der Wiener Universität, wo er sich besonders hirnanatomischen Forschungen widmet. 1885/86 beobachtete Freud an der Pariser Nervenklinik Salpêtrière unter dem Einfluss von Jean-Martin Charcot, Frauen mit Hysterien. Nachdem Freud 1897 in einem Brief seine Betrachtungen zum „Ödipus-Komplex“ festhält, folgt 1900 „Die Traumdeutung“ (vgl. Eckelmann 2020, Internetquelle). Er begründet und entwickelt die Psychoanalyse als eigene Behandlungs- und Forschungsmethode und setzt sich mit dem Phänomen des umfassenden Seelenlebens auseinander (vgl. Freud 1991, S. 2). Sigmund Freud gilt als Begründer der Psychoanalyse. Seine Annahmen werden bis heute gelehrt, anerkannt und/oder kritisch hinterfragt. Er stirbt am 23. September 1939 in London (vgl. Eckelmann 2020, Internetquelle).

1.2. Freud und Irmas Injektion

Bis heute werden die Thematiken von Freuds Traumdeutung diskutiert. Doch wo fanden seine Erkenntnisse den Ursprung?

In der Nacht vom 23. zum 24. Juli 1895 in einem Vorort bei Wien hatte Freud einen Traum, der, wie er es selbst schon voraus sagen konnte, in die Geschichte der Psychoanalyse eingegangen ist. Es handelt sich um den „Traum von Irmas Injektion“ (vgl. Stevens 1996, S. 55).

Freud analysierte seinen Traum und realisierte, dass dieser die „Erfüllung eines verborgenen Wunsches“ (Stevens 1996, S. 55) enthielt. Freud beschrieb jenen Wunsch als die Enthüllung des Unbewussten mithilfe von Träumen (vgl. Stevens 1996, S. 56). Sofort beginnt der damals 39-jährige Mediziner seine Gedanken niederzuschreiben: „Auf den folgenden Seiten werde ich einen Nachweis erbringen, dass es eine psychologische Technik gibt, welche gestattet, Träume zu deuten, und dass bei Anwendung dieses Verfahrens jeder Traum sich als ein sinnvolles psychisches Gebilde herausstellt, welches an angebbarer Stelle in das seelische Treiben des Wachens einzureihen ist.“ (Freud 1991, S. 19).

Was genau meint Freud damit und warum brachte ihn genau dieser Traum seine Erkenntnisse?

Einige Monate bevor Freud von Irmas Injektion träumte, behandelte er eine junge Frau auf Grundlage des psychoanalytischen Ansatzes. Das Wohlsein der Patientin verbesserte sich nur gering während der Behandlung. Die hysterischen Angstzustände wurden gemindert, doch eine vollständige Außerkraftsetzung der somatischen Symptome blieb aus (vgl. Stevens 1996, S. 64). Freud war sich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht über die erfolgreiche Heilung hysterischer Krankheitsbilder bewusst und schlug der Patientin eine Lösung vor, die sie nicht umsetzen wollte. Die eigentliche Art und Vorgehensweise der Lösung wird der*m Leser*in in der Traumdeutung verschwiegen. Aufgrund der Sommerzeit brachen Freud und seine Patientin die Behandlung in Unstimmigkeit ab. Einige Zeit später wird Freud von einem Kollegen, den er in seinen Aufzeichnungen Otto nennt, besucht (vgl. Freud 1991, S. 120). Otto stand mit Freuds ehemaliger Patientin, die Freud jetzt als Irma bezeichnet, in Kontakt und beschrieb ihren Zustand als „besser, aber nicht ganz gut“ (Freud 1991, S. 120). Freud nahm in Ottos Aussagen einen leichten Vorwurf wahr und schrieb am selben Abend Irmas Krankengeschichte auf, um sie an einen geschätzten Kollegen Dr. M. weiterzugeben (vgl. Stevens 1996, S. 65). Freud selbst war sich seiner „peinlichen Empfindung [in diesem Moment] nicht klar und gab ihr auch keinen Ausdruck“ (Freud 1991, S. 120). In der folgenden Nacht träumte er von Irmas Injektion.

Freud befindet sich in einer großen Halle mit vielen Gästen, die er empfängt. Darunter auch Irma, die Freud zu sich nimmt. Er macht ihr Vorwürfe, da sie die Lösung bezüglich der Behandlung nicht annehmen will. Irma sei nur selbst schuld an ihren Leiden (vgl. Stevens 1996, S. 65). Sie antwortet: „Wenn du wüsstest, was ich für Schmerzen jetzt habe im Hals, Magen und Leib, es schnürt mich zusammen.“ (Freud 1991, S. 121). Freud erschreckt und sieht sie genauer an. Er denkt, dass die Schmerzen organischen Ursprungs seien und betrachtet ihren Hals. Er entdeckt einen großen weißen Fleck sowie andere ungesund aussehende Gebilde und Verschorfungen, die den Nasenmuscheln ähneln. Dr. M., Otto und ein weiterer Freund kommen hinzu. Dr. M. bestätigt Freuds Beobachtungen und diagnostiziert eine Infektion, dessen Ursprung unmittelbar klar ist. Otto gab Irma aufgrund ihres Unwohlseins eine unreine Spritze mit Trimethylamin, welches nicht so leichtfertigt angeordnet werden sollte (vgl. Stevens 1996, S. 65).

1.3. Über die Traumanalyse und die Traumarbeit

Als Freud erwacht ist ihm klar, dass die Ereignisse des letzten Tages seinen Traum ausgelöst hatten. Trotz dieser Erkenntnis macht er deutlich, dass „niemand, der den Vorbericht und den Inhalt des Traums zur Kenntnis genommen hat, hätte ahnen können, was der Traum bedeutet. Er selbst weiß es auch nicht.“ (Freud 1991, S. 121f.). Warum also ist Freud so überzeugt davon, den Schlüssel zum Unbewussten gefunden zu haben, obwohl er nicht einmal selbst die eigene Traumbedeutung erkennen kann? Um den Sinn hinter all dem zu erfahren, entschließt sich Freud, seinem Traum eine ausführliche Analyse zu unterziehen (vgl. Freud 1991, S. 122). Er trägt zunächst ausführlich Assoziationen zu jedem Traumelement zusammen. Seine umfassende und detaillierte Analyse geht in der „Traumdeutung“ zehn Seiten lang. Da allein diese zehn Seiten diesen Vortrag oder sogar Bachelor- wie auch Masterarbeiten füllen könnten, versuche ich mich an dieser Stelle kurz zu fassen, ohne jedoch wesentliche Aspekte der Traumdeutung außer Acht zu lassen. Freud beschreibt, er selbst „habe die Absicht gemerkt, welche durch den Traum verwirklicht wird und die das Motiv des Träumens gewesen sein muss.“ (Stevens 1996, S. 66). Mithilfe der Traumanalyse erkennt Freud, dass ihm im Traum einige seiner Wünsche bewusst geworden sind. Das Resultat aus „Irmas Injektion“ beinhaltet, dass nicht Freud die Schuld an Irmas Leiden trägt, sondern Otto. Da Otto am Tag zuvor Freud durch seinen vorwurfsvollen Ton verärgert hatte, rächt sich Freud im Traum an ihm, indem er den Vorwurf an Otto zurück wendet. Die Traumereignisse sprechen Freud von jeglicher Verantwortung bezüglich Irmas Heilung frei. Mit den folgenden Aspekten begründet Freud seine Freisprechung: 1. Irmas Leiden beruhen auf organischer Natur, womit Freuds Profession nichts zu tun hat. 2. Irma möchte Freuds Lösung nicht annehmen, die zur Heilung ihres Zustands führen könnte. 3. Irma leidet, da sie eine junge Witwe ist. 4. Irma ist krank, aufgrund der von Otto verabreichten unreinen sowie ungeeigneten Injektion (vgl. Stevens 1996, S. 66). Freud schlussfolgert, dass „der Traum einen gewissen Sachverhalt so darstellt, wie ich ihn mir wünschen möchte“ (Stevens 1996, S. 66).

Freud zieht aus diesen Erkenntnissen, mehrere Schlüsse für die Traumbedeutung. Zum einen nimmt er an, dass wir Kenntnis über bestimmte Sachverhalte haben, ohne diese bewusst benennen zu können. Die Rede ist hierbei vom Unterbewusstsein, das im Wachzustand in der Regel nicht erfasst werden kann. Innerhalb des Traums sind mehrere Tendenzen gleichzeitig aktiv, mit dem Ziel als alleinige Tendenz hervorzustechen (vgl. van Well 2020, Internetquelle).

Der Traum an sich agiert als „Behüter des Schlafs“ (Eckelmann 2020, Internetquelle) der interne sowie externe Reize verarbeitet. Die internen bzw. inneren Reize sind unsere Wünsche, die verschlüsselt im Traum dargestellt werden (vgl. van Well 2020, Internetquelle). Insofern ist ein Traum zum Einen die Darstellung einer Wunscherfüllung. Um den konkreten Wunsch zu erkennen, ist die Traumanalyse hilfreich (vgl. Stevens 1996, S. 67). Zum Anderen finden im Traum immer die miteinander konkurrierenden Tendenzen der Wunschbefriedigung und der bestehenden Kontinuität des Schlafes statt. Im Traum existiert eine Vielzahl an Traumelementen, die als verschleiertes Symbol ihrer eigentlichen Bedeutung auftreten. Mithilfe der Traumarbeit will Freud diese Traumsymbole decodieren.

Damit die Auffassung der Traumarbeit klarer wird, ist es hilfreich, zunächst näher auf bestimmte Trauminhalte einzugehen. Auf der einen Seite gibt es den manifesten Trauminhalt, den Freud als den eigentlichen Traum versteht. Wenn wir also nach einem Traum erwachen, erinnern wir uns an die manifesten Traumgedanken, an das, was wir in unseren Träumen erlebt, gesehen oder gefühlt haben. Auf der anderen Seite durchleben wir zur selben Zeit auch den latenten Trauminhalt. Wobei „erleben“ hierbei der falsche Ausdruck ist, weil wir es nicht wirklich erleben, da sich die latenten Traumgedanken nicht offen zeigen. Sie stellen das Unbewusste dar, den eigentlichen Wunsch, den wir in uns tragen, ohne bewusst davon zu wissen.

Der Traum entsteht also aus der Traumarbeit, die unsere latenten Traumgedanken - unsere unbewussten Wünsche - in den manifesten Trauminhalt umwandelt.

Wenn diese Erkenntnisse erfasst sind, stellt sich die Frage aus welchem Grund die Traumarbeit unsere unbewussten Wünsche so verschlüsselt. Bei Freud ist die Rede vom dynamischen Aufbau des seelischen Apparats bei jedem Menschen. Für die Traumdeutung sind hierbei die „seelischen Tendenzen“ von Relevanz. Tendenzen sind in diesem Zusammenhang Gedanken, Wünsche oder Hoffnungen, die die*der Träumende auch im Wachzustand empfindet.

Freud stellt vorerst zwei Tendenzen gegenüber: Es existieren Tendenzen, die von der träumenden Person als moralisch vertretbar anerkannt werden. Dem gegenüber stehen die als unmoralisch angesehene Tendenzen. Damit sind Gedanken und/oder Wünsche gemeint, die die*der Träumende als obszön, skrupellos oder sündhaft ansieht. Alles was die träumende Person als nicht moralisch vertretbar versteht, wird im Traum „zensiert“ und nur als Symbol dargestellt – latente Traumgedanken werden in manifeste Trauminhalte umgewandelt.

Neben den latenten sowie manifesten Traumdeutungen fügt Freud noch eine weitere Tendenz hinzu: Bruchstücke des vergangenen Tages. Hierbei können scheinbar unbedeutende sowie nebensächliche Erlebnisse auftreten, die im Traum zwar unbewusst stattfinden, jedoch auch im Wachzustand erfasst werden können.

Das Verständnis für die Definition der Traumarbeit kann nun besser erfasst werden: Innerhalb der Traumarbeit decodieren sich unbewusste Wünsche (latente Trauminhalte) mithilfe ausgewählter Tagesreste, um für die träumende Person moralisch vertretbare (manifeste) Trauminhalte wiedergeben zu können.

Im Traum werden Wünsche wahr, die nicht der träumenden Person an sich, sondern einer nicht klar erfassbaren unbewussten seelischen Tendenz (Es) Zufriedenheit bringt, die sich gegen alle anderen Traumtendenzen durchsetzen will. Die Wunscherfüllung löst im Wachzustand (Ich) eher Angst, als Befriedigung aus. Daher wird bei der Traumzensierung auch eine Art von Angstabwehr freigeschaltet, um Träumende vor ihren „unangebrachten“ Wunscherfüllungen zu schützen (vgl. van Well 2020, Internetquelle).

1.3.1. Mechanismen und Techniken

Im folgenden Kapitel widme ich den vier grundlegenden Mechanismen der Traumarbeit und bestimmten Techniken der Traumdeutung:

Die latenten Traumgedanken werden durch die folgenden Mechanismen in manifeste Trauminhalte umgewandelt.

Zu diesen Mechanismen zählen die Verdichtung, die Verschiebung, die Umsetzung von Gedanken in visuelle Bilder und die sekundäre Bearbeitung.

Bei der Verdichtung werden mehrere Trauminhalte und Gedanken vermischt und zu einem Ganzen zusammengefasst. Es entsteht ein Bild aus einer Vielzahl von miteinander verdichteten Traumelementen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Traumdeutung nach Sigmund Freud. Einfluss auf die heutige Beratungspraxis
Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1023805
ISBN (eBook)
9783346423559
ISBN (Buch)
9783346423566
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traum, Traumdeutung, Freud, Traumanalyse, Moderne, Sigmund Freud, Irmas Injektion, Traumarbeit, Jung
Arbeit zitieren
Maxi Koch (Autor), 2021, Traumdeutung nach Sigmund Freud. Einfluss auf die heutige Beratungspraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1023805

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