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Der andere Zustand und die Bewegung der Subjektivität in Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften". Kommunizierende metaphorische Felder

Title: Der andere Zustand und die Bewegung der Subjektivität in Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften". Kommunizierende metaphorische Felder

Seminar Paper , 2018 , 21 Pages , Grade: 1.0

Autor:in: Marius Bovet (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit untersucht den anderen Zustand und die Bewegung der Subjektivität in Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften". Sie gewinnt ihre Fragestellung zwar aus dem Raum der postmodernen französischen Philosophie, versucht sie jedoch primär auf dem Feld der stilistischen und semantischen Operationen zu beantworten, die Musils Werk charakterisieren. Die Arbeit beginnt dabei mit einer Analyse verschiedener Metaphern, die Musil für den anderen Zustand einsetzt und entfaltet.

Des Weiteren interessiert, wie unterschiedliche Aussageweisen, primär die essayistische und die metaphorische, zueinanderstehen. Ein daran anschließendes Kapitel versucht aus dem bis dahin Gesagten die Bewegung der Subjektivität im Verhältnis zum anderen Zustand zu bestimmen. Musils Essay "Ansätze zu neuer Ästhetik" und eine Notiz aus seinen Tagebüchern werden in die Untersuchung aufgenommen.

Der Zustand als solcher ist wie die Subjektivität kaum als Metapher zu bezeichnen. Die Philosophen der Postmoderne haben nicht selten Ersteren als Auflösung oder Grenzfall Letzterer verstanden. Foucault hat in diesem Sinn das Grinsen der Katze, das in Carrolls "Alice's Adventures in Wonderland" am Schluss noch herumlungert, wenn die Katze schon verschwunden ist, als eine orgiastische Auflösung der Subjektivität im Wunderland einer nicht-ödipalen Sexualität interpretiert.

Deleuze und Guatteri wiederum zeigten sich vom Mann ohne Namen fasziniert. An ihren Interpretationen wird jedoch zugleich deutlich, dass die Bewegung zwischen jenen beiden Antipoden von sehr unterschiedlicher Art sein kann beziehungsweise, dass es sich bei jenen beiden Größen, Zustand und Subjektivität, gar nicht unbedingt um bloße Gegensätze handeln muss, sondern dass das Eine aus dem Anderen hervorgehen, von ihm abhängig sein oder in irgendeiner Weise auf Jenes verwiesen bleiben mag.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kommunizierende metaphorische Felder

2.1 Licht

2.2 Meer

2.3 Vegetative Natur

2.4 Weiblichkeit

3 Reise mit oder ohne Wiederkehr?

4 Fazit und Ausblick

5 Bibliografie

5.1 Primärliteratur

5.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Bewegung der Subjektivität in Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften unter besonderer Berücksichtigung des sogenannten „anderen Zustands“. Das primäre Ziel ist es, diesen Zustand nicht als ein mystisches oder unerreichbares Ziel zu definieren, sondern ihn als ein ästhetisches Programm der aktiven Verneinung des wirklichen Lebens zu bestimmen, das durch eine fortlaufende, selbstschöpferische Neuverflechtung von Sprache und Erleben vorangetrieben wird.

  • Analyse metaphorischer Felder (Licht, Meer, vegetative Natur, Weiblichkeit) im Kontext des anderen Zustands.
  • Untersuchung des Verhältnisses von essayistischer und metaphorischer Aussageweise bei Musil.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Interpretation des anderen Zustands als mystische Ekstase.
  • Bestimmung der nicht-linearen Zielgerichtetheit der Subjektivität als ständiger Brückenbau statt linearer Reise.

Auszug aus dem Buch

2.1 Licht

Die Metaphorik des Lichts erfährt im Laufe des Romans Brosthaus zufolge eine Steigerung und erreicht dann in der Anfangspassage des Kapitels Atemzüge eines Sommertags ihren Höhepunkt:

„Die Sonne war unterdessen höhergestiegen; die Stühle hatten sie wie gestrandete Boote in dem flachen Schatten beim Haus zurückgelassen, und lagen auf einer Wiese im Garten unter der vollen Tiefe des Sommertags. Sie taten es schon eine ganze Weile, und obgleich die Umstände gewechselt hatten, kam es ihnen kaum als Veränderung zu Bewusstsein. Ja eigentlich tat dies auch nicht der Stillstand des Gesprächs; es war hängen geblieben, ohne einen Riss verspüren zu lassen.

Ein geräuschloser Strom glanzlosen Blütenschnees schwebte, von einer abgeblühten Baumgruppe kommend, durch den Sonnenschein; und der Atem, der ihn trug, war so sanft, dass sich kein Blatt regte. Kein Schatten fiel davon auf das Grün des Rasens, aber dieses schien sich von innen zu verdunkeln wie ein Auge. Die zärtlich und verschwenderisch vom jungen Sommer belaubten Bäume und Sträucher, die beiseite standen oder den Hintergrund bildeten, machten den Eindruck von fassungslosen Zuschauern, die, in ihrer fröhlichen Tracht überrascht und gebannt, an diesem Begräbniszug und Naturfest teilnahmen. Frühling und Herbst, Sprache und Schweigen der Natur, auch Lebens- und Todeszauber mischten sich in dem Bild; die Herzen schienen stillzustehen, aus der Brust genommen zu sein, sich dem schweigenden Zug durch die Luft anzuschliessen. ‚Da ward mir das Herz aus der Brust genommen‘, hat ein Mystiker gesagt. Agathe erinnerte sich dessen.

Auch wusste sie, dass sie selbst diesen Ausspruch Ulrich aus einem seiner Bücher vorgelesen hatte.

Hier in dem Garten, nicht weit von dem Platze, wo sie sich jetzt befanden, war das geschehen. Die Erinnerung wurde vollständiger. Auch andere Aussprüche, die sie ihm ins Gedächtnis gerufen hatte, fielen ihr ein: ‚Bist du es, oder bist du es nicht? Ich weiss nicht, wo ich bin; noch will ich davon wissen!‘ - ‚Ich habe alle meine Vermögen überstiegen, bis an die dunkle Kraft! Ich bin verliebt, und weiss nicht in wen! Ich habe das Herz von Liebe voll, und von Liebe leer zugleich!‘“(I 1169f.).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die postmoderne philosophische Debatte um Subjektivität und den „anderen Zustand“ bei Musil ein und formuliert die Fragestellung zur Bewegung der Subjektivität.

2 Kommunizierende metaphorische Felder: Dieses Kapitel identifiziert vier zentrale semantische Felder (Licht, Meer, vegetative Natur, Weiblichkeit), die als Metaphern bzw. „quasi-Metaphern“ den anderen Zustand im Roman veranschaulichen.

2.1 Licht: Die Untersuchung zeigt, wie die Lichtmetaphorik in der Gartenszene die Auflösung von Gegensätzen und die Allheit erfahrbar macht.

2.2 Meer: Dieses Kapitel analysiert das Meer als Chiffre für das Amorpe und die Grenze begrifflicher Sprache.

2.3 Vegetative Natur: Hier wird die Passivität der vegetativen Natur als Ausdruck einer kommunikativen Einheit von Natur und Seele herausgearbeitet.

2.4 Weiblichkeit: Das Kapitel verknüpft das Weibliche mit dem unpersönlichen Kraftzentrum und zeigt die Ambivalenz zwischen männlicher Rollenzuweisung und der Sehnsucht nach einem zwecklosen Zustand.

3 Reise mit oder ohne Wiederkehr?: Dieses Kapitel fasst die bisherigen Ergebnisse zusammen und entwirft das Modell des „Brückenbaus“ als ästhetisches Gegenmodell zur linearen Reise oder zum Kreis.

4 Fazit und Ausblick: Das Fazit bestätigt die These, dass der andere Zustand als ästhetisches Programm einer aktiven Verneinung des wirklichen Lebens zu verstehen ist.

5 Bibliografie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

5.1 Primärliteratur: Auflistung der Werke von Robert Musil und Friedrich Nietzsche.

5.2 Sekundärliteratur: Auflistung der akademischen Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften, anderer Zustand, Subjektivität, Metaphorik, Ästhetik, Mystik, Verneinung, Ordnung, Ulrich, Agathe, Sprachphilosophie, Moderne, Kraftzentrum, Brückenbau.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie sich die Subjektivität der Protagonisten in Robert Musils Roman Der Mann ohne Eigenschaften in Bezug auf den sogenannten „anderen Zustand“ entwickelt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themenfelder sind die Analyse metaphorischer Bedeutungsfelder wie Licht, Meer und Weiblichkeit sowie die philosophische Verortung des „anderen Zustands“ zwischen Mystik und Ästhetik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, in welcher Weise sich das Werden der Subjektivität verstehen lässt: als Reise in einen Zielzustand, als ewiges Umkreisen einer Leerstelle oder als ein fortlaufendes ästhetisches Experiment.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologische und philosophische Analyse der literarischen Sprache und Metaphorik, wobei sie die Forschungsposition von Heribert Brosthaus aufgreift, kritisch erweitert und mit neueren Ansätzen der Ästhetik in Beziehung setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Metaphern für den anderen Zustand analysiert und anschließend ihre Funktion im Kontext des künstlerischen Verfahrens Musils neu bewertet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen der „andere Zustand“, die „selbstschöpferische Ordnung“, „Brückenbau“ und die „Verneinung des wirklichen Lebens“.

Warum lehnt der Autor die Interpretation des anderen Zustands als reine Mystik ab?

Der Autor argumentiert, dass der andere Zustand im Gegensatz zur Mystik den Kontakt zum modernen Leben und zur Sprache niemals vollständig verliert, sondern als ästhetisches Widerlager im Imaginären fungiert.

Was bedeutet das Modell des „Brückenbaus“ im Kontext des Romans?

Das Modell beschreibt die Bewegung der Subjektivität nicht als Ankommen an einem Ziel, sondern als eine konstante, schrittweise Neuverflechtung von Erfahrungen, die sich vom Normalzustand abhebt, ohne den Bezug zu diesem zu verlieren.

Welche Rolle spielt die Beziehung zwischen Ulrich und Agathe für die Argumentation?

Ihre Beziehung dient als zentrales Beispiel für ein „Experiment“, in dem das „Weibliche“ und die „Vorgeschlechtlichkeit“ zur aktiven Verneinung der binären Lebensordnung und zur schöpferischen Bewegung werden.

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Details

Title
Der andere Zustand und die Bewegung der Subjektivität in Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften". Kommunizierende metaphorische Felder
College
University of Zurich  (Deutsches Seminar)
Grade
1.0
Author
Marius Bovet (Author)
Publication Year
2018
Pages
21
Catalog Number
V1023807
ISBN (eBook)
9783346423245
ISBN (Book)
9783346423252
Language
German
Tags
Musil Robert Musil Mann ohne Eigenschaften Der andere Zustand
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marius Bovet (Author), 2018, Der andere Zustand und die Bewegung der Subjektivität in Musils Roman "Der Mann ohne Eigenschaften". Kommunizierende metaphorische Felder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1023807
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