In dieser Arbeit werden die Modelle der abstinenzorientierten und akzeptierenden Drogenarbeit in Relation gesetzt und auf ihre politische Basis eingegangen. Ebenso ist es von relevanter Bedeutung, welche Meinungen die Gesellschaft in Bezug auf beide Ansätze vertritt. Drogen gehören in den Bereich der Suchtmittel, welche zielgerichtet die Wahrnehmung und das menschliche Bewusstsein verändern.
Bereits im Kindesalter wird dem Individuum mithilfe diverser Programme versucht zu vermitteln, dass die Einnahme von Substanzen nicht dem gesellschaftlichen Ideal entspricht und sowohl psychische als auch physische Schäden hinterlässt. Durch die Prävention wird von den Erziehungsberechtigten und den Lehrbeauftragten versucht, die Sprösslinge vor einer sozialen Verelendung zu beschützen. Auch die Medien vermitteln ein extrem abschreckendes Bild von drogensüchtigen Menschen, seien es der totgefixte Junkie auf der Toilette oder Fotos von abscheulichen Krankheiten. Zudem kursieren Meldungen über die Prostitution als Beschaffungsmaßnahme für die Substanzen, was ebenso bereits von Jugendlichen ausgeübt wird.
Auch die damit verbundene Kriminalität wie Diebstahl und der Drogenhandel an sich spielen eine immense Rolle. Letztendlich wird dem Individuum sein Leben lang übermittelt, dass nicht nur Drogen an sich, sondern auch diejenigen, welche der Sucht verfallen sind, gesellschaftlich nicht akzeptiert werden. Trotz der aufwändigen Präventionsmaßnahmen, welche in allen Lebensbereichen wirksam werden, verfallen dennoch viele Menschen der Sucht. Daher ist nicht nur die Prävention relevant, sondern auch die Intervention.
Die Drogensucht ist quasi nicht die Endstation, denn es existieren auch Wege aus der Abhängigkeit. Es gibt ein weites Spektrum an Therapiemöglichkeiten, welches sich hauptsächlich auf zwei Grundmodelle bezieht. Zum einen der Ansatz der abstinenzorientierten Drogenarbeit und zum anderen die akzeptierende Arbeit mit drogensüchtigen Menschen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung in der Arbeit mit Drogenabhängigen
2.1 Beginn mit der Traditionellen Drogenhilfe
2.2 Wandel in die akzeptanzorientierte Suchtkrankenhilfe
3. Das traditionelle und akzeptanzorientierte Konzept im Diskurs
3.1 Traditionelle Drogenarbeit
3.1.1 Grundlagen
3.1.2 Politische Ansätze
3.2 Akzeptanzorientierte Suchtkrankenhilfe
3.2.1 Grundlagen
3.2.2 Politische Ansätze
4. Gesellschaftliche Ansichten
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Spannungsfelder und Unterschiede zwischen der traditionellen, abstinenzorientierten Drogenarbeit und dem akzeptanzorientierten Ansatz der Suchtkrankenhilfe. Dabei wird analysiert, welche gesellschaftlichen und politischen Vorstellungen den jeweiligen Umgang mit Drogenabhängigen prägen und inwieweit diese Ansätze eine adäquate Unterstützung für Betroffene bieten.
- Historische Entwicklung der Drogenhilfe in Deutschland
- Gegenüberstellung von abstinenzorientierten und akzeptierenden Modellen
- Diskurs um politische Ansätze wie das Betäubungsmittelgesetz vs. Konsumräume
- Analyse der gesellschaftlichen Stigmatisierung und Wahrnehmung von Drogenabhängigen
- Evaluierung der Wirksamkeit von Hilfeleistungen unter Berücksichtigung individueller Bedürfnisse
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Grundlagen
Die traditionelle Drogenarbeit beinhaltet die sogenannte „Abstinenzorientierung“. Das Ziel dieser Arbeit ist es, „Persönlichkeit und Lebensstil der Drogenabhängigen [...] so [zu] veränder[n], dass eine lebenslange Abstinenz von den abhängigmachenden Drogen bewirkt wird“ (STÖVER 1990, S.16). Das Ziel dieser Therapievariante ist eine vollständige Enthaltsamkeit in Bezug auf zerstörende Substanzen. Die Modifikation der Persönlichkeit steht im Vordergrund, sodass die Klienten selbst nicht mehr das Verlangen nach einer Droge haben. Zudem muss sich der „Lifestyle“ des Konsumenten einer kompletten Veränderung unterziehen, um eine Basis für die Therapie zu schaffen. Das negative Umfeld des Klienten soll dahingehend abgewendet werden, damit der Zugang zu Suchtmitteln unterbunden wird. Letztendlich soll das Individuum wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden, dabei ist es von immenser Bedeutung das Kontaktfeld in ein sozial stabiles, förderndes Milieu zu transformieren. Eine weitere Klassifikation der traditionellen Drogenhilfe nach STÖVER (1990, S.17) ist der sogenannte Leidensdruck.
Das Konzept des Leidensdrucks beschreibt ein derartig enormes Leiden, sodass sich eine Therapiewilligkeit von selbst ergibt (vgl. FRÖHLICH-GILDHOFF 2011, S. 562f). Das bedeutet, dass ein Drogenkonsument erst das Verlangen nach einer Drogenfreiheit verspürt, wenn er am Boden ist und keinerlei Aussichten auf eine Verbesserung seiner Lebensumstände hat. Daher wird vermutet, dass bei einer Rückfälligkeit zum Drogenkonsum der Tiefpunkt noch nicht erreicht wurde. Dies gilt ebenso für diejenigen, die keine Hilfe in Anspruch nehmen möchten, da der Leidensdruck noch nicht so weit ausgeprägt ist, dass es ihnen wert ist, aufzuhören.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Drogenabhängigkeit ein, beleuchtet das gesellschaftliche Stigma und stellt die beiden grundlegenden Ansätze der Suchthilfe – Abstinenzorientierung und akzeptierende Arbeit – gegenüber.
2. Die Entwicklung in der Arbeit mit Drogenabhängigen: Das Kapitel zeichnet den historischen Wandel der Drogenhilfe von den Anfängen der traditionellen, abstinenzorientierten Arbeit bis hin zur notwendigen Umstrukturierung durch die AIDS-Krise in den 1980er Jahren nach.
3. Das traditionelle und akzeptanzorientierte Konzept im Diskurs: Hier werden die theoretischen Grundlagen sowie die politischen Rahmenbedingungen beider Drogenhilfemodelle detailliert gegenübergestellt und ihre unterschiedliche Herangehensweise an die Problematik erläutert.
4. Gesellschaftliche Ansichten: Dieses Kapitel untersucht die gesellschaftliche Wahrnehmung von Drogenkonsumierenden, die häufig durch Vorurteile, Stigmatisierung und den Wunsch nach sozialer Kontrolle geprägt ist.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die akzeptierende Drogenarbeit das Individuum stärker in den Fokus rückt und eine notwendige Ergänzung zum oft stigmatisierenden und erzwungenen traditionellen Ansatz darstellt.
Schlüsselwörter
Drogenarbeit, Suchtkrankenhilfe, Abstinenzorientierung, Akzeptanzorientierung, Drogenkonsum, Suchtprävention, Konsumräume, Drogenpolitik, Soziale Arbeit, Stigmatisierung, Gesundheitshilfe, Suchttherapie, Soziale Kontrolle, Drogenabhängigkeit, Schadensreduktion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Gegenüberstellung von zwei verschiedenen Ansätzen in der Drogenhilfe: der traditionellen, abstinenzorientierten Drogenarbeit und der akzeptanzorientierten Suchtkrankenhilfe.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themen umfassen die historische Entwicklung der Drogenhilfe, die politischen Rahmenbedingungen für beide Ansätze, die gesellschaftliche Stigmatisierung von Süchtigen sowie die praktischen Methoden der sozialen Unterstützung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Konzepte der Drogenhilfe gesellschaftlich und politisch bewertet werden und welche Ansätze für Betroffene einen humaneren und effektiveren Weg aus der Sucht darstellen können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse von Fachliteratur, historischen Entwicklungen sowie der Auswertung von Konzepten der Sozialen Arbeit basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der traditionellen Methoden, die theoretischen Grundlagen der akzeptierenden Arbeit, sowie die Diskussion politischer Strategien im Umgang mit illegalen Substanzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Wichtige Schlagworte sind Drogenarbeit, Abstinenz, Akzeptanzorientierung, Drogenpolitik, Konsumräume, Suchthilfe und gesellschaftliche Stigmatisierung.
Warum wird das Konzept des "Leidensdrucks" kritisch diskutiert?
Das Konzept des Leidensdrucks geht davon aus, dass ein Süchtiger erst Hilfe sucht, wenn er am Boden zerstört ist. Dies wird als problematisch erachtet, da es eine passive Haltung des Hilfesystems impliziert und viele Betroffene ohne Unterstützung zurücklässt.
Wie unterscheidet sich die politische Bewertung der Ansätze?
Während die traditionelle Drogenarbeit stark mit dem Strafvollzug verknüpft ist, präferiert der akzeptanzorientierte Ansatz gesundheitsorientierte Strategien wie "Therapie statt Strafe" und die Einrichtung von Konsumräumen zur Risikominimierung.
Welche Rolle spielen die Medien bei der Wahrnehmung von Drogenabhängigen?
Die Autorin betont, dass Medien häufig ein einseitiges und abschreckendes Bild von Süchtigen vermitteln, was zur gesellschaftlichen Ausgrenzung beiträgt und ein objektives Verständnis der Problematik erschwert.
- Arbeit zitieren
- Laura Schäfer (Autor:in), 2015, Traditionelle vs. akzeptierende Drogenarbeit. Umgang mit Drogenabhängigen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1023866