Englische Wortbildungsprozesse


Hausarbeit, 1999

13 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

Englische Wortbildungsprozesse

Was ist ein Wort?

Inflektion

Wortbildung
Derivation
Suffigierung
Präfigierung
Komposition
Verbindung von Komposition und Derivation
Unterscheidung Kompositum - Phrase
Konversion
Kürzungen
Clippings
Wortmischungen
Akronyme
Alphabetismen
Rückbildungen
Coinage
Andere Prozesse
Lautmalende Wortbildung
Wortentlehnungen
Reduplication

Quellen neuer Wörter

Quellenangaben

Englische Wortbildungsprozesse

Wie jede gesprochene Sprache, so ist auch Englisch einem ständigen Wandel und einer stetigen Weiterentwicklung unterworfen. Da sich die Umwelt der Sprecher ständig verändert, muss dies auch die Sprache als Kommunikationsmittel tun und somit die von den Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft gebrauchten Wörter. Auch reicht es für die Kommunikation nicht aus, einfach die Wörter in ihrer Grundform wahllos aneinander zu reihen, sie müssen in grammatischen Zusammenhang gebracht und hierfür teilweise verändert werden.

Es gibt also im Wesentlichen zwei wichtige Arten der Wortveränderung im Englischen, die Wort(neu)bildung und die Inflektion. Doch bevor ich mich näher mit diesen beiden Wortbildungsprozessen beschäftige, möchte ich die Frage klären, was überhaupt ein Wort ist.

Was ist ein Wort?

Jeder Sprecher einer Sprache kennt Abertausende von Wörtern, das heißt er kennt sowohl die Aussprache als auch die Bedeutung. Die Lautabfolge eines Wortes ist mit seiner Bedeutung untrennbar verbunden. Ein Wort zu kennen bedeutet also, eine bestimmte (willkürlich festgelegte) Abfolge von Phonemen mit einem Ding, einer Idee, etc. verbinden zu können. Demnach ist ein Wort (Lexem) ein linguistisches Symbol, ein Zeichen für dieses Ding, die Person, die Idee, etc. .

Wörter werden in Inhaltswörter (content words) und Funktionswörter (function words oder grammatical words) unterteilt. Inhaltswörter haben, wie der Name schon sagt, eine inhaltliche Bedeutung, sie bezeichnen etwas, wogegen Funktionswörter lediglich grammatischen Nutzen haben. Die Wortklassen der Substantive, Verben, Adjektive und Adverben beinhalten alle Inhaltswörter, die Artikel, Pronomen und Präpositionen gehören zur Gruppe der Funktionswörter. Aus leicht ersichtlichen Gründen werden die Klassen der Inhaltswörter als offen bezeichnet und, im Gegensatz dazu, die Funktionswörter als geschlossene Klasse. Da die Inhaltswörter etwas Bestimmtes bezeichnen, kann man für diese Bezeichnungen immer wieder neue oder andere Begriffe finden, das heißt, man kann die Klasse der Inhaltswörter beliebig erweitern. Bei den Funktionswörtern ist es jedoch nahezu unvorstellbar, beispielsweise einen neuen Artikel einzuführen, oder ein neues Pronomen zu schaffen. Diese Klasse ist also nicht erweiterbar, sie ist geschlossen.

Wörter sind jedoch noch weiter analysierbar: Jedes Wort besteht aus einem oder mehreren Morphemen, den kleinsten grammatischen Sinneinheiten oder linguistischen Zeichen von Laut-(oder, in der geschriebenen Sprache, Buchstaben-) Kombinationen. Diese können in ihrer Bedeutung nicht weiter aufgeteilt werden.

Morpheme können selbst bereits eigenständige Wörter sein, wie z. B. boy, desire, man. Diese Morpheme nennt man freie Morpheme (free morphemes).

Es gibt allerdings auch Morpheme, die nur im Verbund mit anderen auftreten können und selbst keine eigenen Wörter bilden, etwa loc-, un-, -able. Diese Morpheme haben zwar jeweils eine eigene, bestimmte Bedeutung - loc - vom lateinischen locus für Ort, un- für not, etc.- sie sind aber selbst keine Wörter. Für sie ist es unmöglich, alleine zu erscheinen. Aus diesem Grund heißen Morpheme dieser Gruppe gebundene Morpheme (bound morphemes). Die gebundenen Morpheme müssen also an andere Morpheme angehängt werden. In der englischen Sprache ist es möglich, ein Morphem entweder vorne oder hinten an ein anderes Morphem anzuhängen. Ein Morphem wie bi-, das nur vorkommt, wenn es vorn an ein anderes Morphem angeschlossen ist (bi-polar, bi-lingual, etc.), heißt Präfix, ein Morphem wie -er, das nur hinter einem anderen Morphem auftauchen kann (sing-er, danc-er, etc.), Suffix. Zusammen heißen Präfixe und Suffixe Affixe. Das Morphem oder die Morpheme, an die hierbei Affixe angehängt wurden, heißt Basis.

Durch gezieltes Kombinieren von Morphemen erhalten wir so Wörter, Phrasen und Sätze.

Inflektion

Es gibt nun zwei Arten, auf die Affixe Wortänderungen bewirken können. Die Inflektion ist syntaktisch motiviert, das heißt durch sie werden die Beziehungsstrukturen der Wörter eines Satzes geklärt. Durch flektionale Affigierung werden keine neuen Lexeme gebildet, sondern lediglich schon bestehende an die grammatischen Erfordernisse angepasst.

Englisch ist eine sehr flektionsarme Sprache und hat daher nur eine geringe Anzahl inflektionaler Affixe. Die Beziehungen der Wörter eines Satzes werden in der englischen Sprache vor allem durch die Stellung eines Wortes im Satz angezeigt und nur selten durch Veränderung des Wortes selbst.

Affixe, die an Verben angehängt werden, sind

-s Kennzeichnung der dritten Person Singular Präsens

-ing Kennzeichnung der Verlaufsform

-ed Kennzeichnung der Vergangenheit.

Ein nominaler Affix ist

-s Kennzeichnung des Plurals.

Affixe für Adjektive sind

-er Komparativ des Adjektivs/ Adverbs

-est Superlativ des Adjektivs/ Adverbs

Wird ein inflektionaler Affix, oder im Englischen ein inflektionaler Suffix, zu einer Basis zugefügt, so heißt diese Basis Stamm (stem). Die Basis verbleibt hierbei in ihrer ursprünglichen Wortklasse, es findet kein Wechsel statt.

Wortbildung

Im Gegensatz hierzu steht die Wortbildung, die die Sprache erweitert und neue Lexeme (also Wörterbucheinträge) schafft. Das Vokabular einer Sprache wird durch die Wortbildung erweitert.

Die fünf wichtigsten und momentan produktivsten Wortbildungsprozesse möchte ich hier vorstellen; dies sind

a) Derivation durch 1. Suffigierung

2. Präfigierung

b) Komposition (compounding)

c) Konversion

d) Kürzungen 1. Clippings

2. Rückbildungen (backformations)

3. Wortmischungen (blending)

4. Akronyme (acronyms)

5. Alphabetismen

e) Coinage

f) Andere Prozesse

Derivation, Komposition und Konversion haben eine hohe Produktivität, wogegen Kürzungen und andere Prozesse im Moment eine geringere Rolle bei der Wortbildung spielen.

a) Ableitung oder Derivation

Derivation schafft neue Lexeme durch Suffigierung oder Präfigierung einer Basis. Diese Basis ist ein bereits existierendes Wort, das durch die Erweiterung durch Affixe einen neuen Inhalt erhält und sich somit einen neuen Lexikoneintrag ,,verdient" hat.

Beispielsweise kann an die Basis active das Derivationssuffix -ate (> activate) angehängt werden. Das neue Wort (Basis + Suffix) gehört nun einer anderen Wortklasse an und symbolisiert etwas ganz anderes als die Basis allein. Das Suffix hat hier den Wortklassenwechsel vom Adjektiv zum Verb bewirkt, und das neue Wort drückt daher nicht mehr eine Eigenschaft, sondern eine Tätigkeit aus.

1.Suffigierung

Bei der Suffigierung wird ein Suffix hinten an die Basis angefügt und somit ein neues Wort gebildet (regulate > regul-ation). Es ist meist eine grammatische und phonologische Unterscheidung von der Basis festzustellen. So können durch Suffigierung aus Verben Substantive und Adjektive, aus Substantiven Verben und Adjektive, etc. gebildet werden. Die größte Gruppe stellen die Suffixe dar, die Substantive und Adjektive bilden (z.B . -ation, - ant, -er, -ism, -ive, -able). Relativ beschränkt sind dagegen verbbildende (z.B. -ize, -ify, -en, - ate) oder adverbbildende (z.B. -ly, -wards, -wise) Suffixe. Es gibt allerdings auch Suffixe, die keinen Wortklassenwechsel bewirken.

Beispiele: wortklassenändernd: dona-tion, accomplish-ment, represantit-ive, terror ise, tradition-al

2.Präfigierung

Die Präfigierung schafft neue Lexeme durch Erweiterung der Basis um einen Präfix und bewirkt mit nur wenigen Ausnahmen weder einen Wortklassenwechsel, noch eine phonologische Änderung der Basis. Die meisten noch produktiven Präfixe sind griechischen oder romanischen Ursprunges, wie z. B. in-, dis-, re-, mis-, etc.

Beispiele: re-think, co-operate, ex-wife, un-do, in-articulate

b)Komposition (compounding)

Die Komposition ist ein sehr produktiver Wortbildungsprozess, der durch Verkettung von zwei oder mehr freien Morphemen ein neues, komplexes freies Morphem schafft, ein Kompositum (compound). Komposita können auf drei verschiedene Arten geschrieben werden, die oft nicht logisch begründbar sind. Sie erscheinen als ein Wort zusammen geschrieben (cupboard), mit Bindestrich (freeze - dry) oder getrennt geschrieben (call back). Teilweise kommen auch zwei oder sogar alle drei mögliche Schreibweisen bei einem Wort vor (word formation, word - formation oder wordformation). Oft sind Komposita Spontanbildungen aus der Alltagssprache, die häufig scherzhaft gemeint sind.

Meist ist ein Kompositum ein Substantiv, das wiederum aus zwei Substantiven besteht (z. B. water + bed > waterbed), wobei das erste, der modifier, das zweite, den head oder Kopf, modifiziert. Oft handelt es sich bei dem Ausdruck um einen Spezialfall dessen, was der head beschreibt. Bei waterbed handelt es sich also um eine bestimmte Art von Bett, bei washroom um einen bestimmten Raum, etc. Dieser Fall von Kompositum heißt endozentrisches oder Determinativ-Kompositum. Wichtig ist hier zu sagen, dass sich die Bedeutung des Kompositums nie ganz aus der Bedeutung der Einzelteile erschließen lässt, da sich die beiden (oder mehr ) Teile zu einer neuen komplexen Bedeutung vereinigen, die die einzelnen Teile nicht haben. So drückt weder water noch bed das aus, was das Wort waterbed symbolisiert, nämlich eine Art Bett. Die Bedeutung von Komposita muss von Fremdsprachlern gelernt werden, um diese richtig zu verstehen.

Andere Komposita sind Adjektive (z. B. man - eating), (sehr selten ) Verben (z. B. sleepwalk) und nominale Komposita, die nicht aus zwei Substantiven gebildet sind (z. B. loudspeaker). In der Regel bestimmt das letzte freie Morphem die Wortklasse des Kompositums. Wie oben dargestellt, wird der head oder Kopf des Kompositums vom modifier modifiziert. Ist dieser Kopf im Wort gar nicht enthalten, sondern nur semantisch impliziert (paleface für a person with a pale face, egghead für a person who is stubborn), so spricht man von einem exozentrischen Kompositum. Das Wort lässt sich hierbei in seiner Bedeutung nicht mehr aus den Einzelwörtern erschließen, wie dies etwa bei waterbed der Fall war. Bezeichnet ein Kompositum hingegen die Gesamtheit der in ihm enthaltenen Bestandteile (sleepwalk = sleep + walk, freeze - dry = freeze + dry, Alsace - Lorraine = Alsace + Lorraine), so wird es ein kopulatives Kompositum genannt.

Stammen die einzelnen Elemente eines Kompositums nicht aus einer Sprache wie bei den oben genannten Beispielen, sondern gehören unterschiedlichen Sprachen an, so handelt es sich hierbei um hybride Bildungen (combining forms), wie etwa bei bureaucracy, wo bureau dem Französischen entstammt und - cracy dem Griechischen.

Verbindung von Derivation und Komposition

Es gibt nun eine Verbindung zwischen Derivation, die durch Anhängen von Affixen an Wörter neue Wörter schafft, und Komposition, die eigenständige Wörter miteinander kombiniert. In der englischen Sprachgeschichte ist es sowohl vorgekommen, dass ehemals freie Morpheme mit der Zeit zu Derivationsaffixen wurden und nicht mehr eigenständig gebraucht werden können, wie auch der umgekehrte Fall, dass ehemals gebundene Morpheme nun frei gebräuchlich sind und nicht mehr nur als Affixe funktionieren.

Beispiele für den ersten Fall sind etwa - hood, das vom altenglischen had (Zustand, Qualität) abstammt, und - ly, das aus dem altenglischen Wort lic (Körper) entstanden ist.

Ein Beispiel für den zweiten Fall ist burger, das ehemals nur in dem Wort hamburger vorkam, dann aber auch für cheeseburger, chickenburger, etc. verwendet wurde und schließlich auch einzeln auftrat.

Unterscheidung Kompositum - Phrase

Da die Schreibung von Komposita relativ uneinheitlich ist, stellt sich die Frage, wie man sie von Phrasen unterscheiden kann. Man kann Komposita jedoch anhand einiger Merkmale relativ sicher von einfachen Phrasen trennen. Denn schließlich sagt der Satz A man eating shrimp... etwas völlig Anderes aus als A man-eating shrimp

Ein Kompositum beschreibt immer ein einziges Lexem. ,,Der Wortverband hat dann Wortfunktion, wenn er gleichwertig ist mit einem einzigen Wort in einer andern oder noch besser in der gleichen Sprache"(Leisi, Der Wortinhalt. Seine Struktur im Deutschen und Englischen.Heidelberg,1971)(word formation entspricht dem deutschen Kompositum Wortbildung). Im Englischen sind Komposita oft synonym mit Einzelwörtern lateinischer Herkunft (bring about - accomplish, put up with - tolerate).

Doch auch in anderer Hinsicht neigt das Kompositum dazu, sich wie ein einziges Wort zu verhalten, unabhängig von der Schreibweise. Es kann ein Suffix zu sich nehmen, das dann auf das ganze Wort bezogen ist und nicht nur auf das hintere freie Morphem (old-maid ish). Oft wird dann das Kompositum mit einem Bindestrich geschrieben, um die Wortzusammengehörigkeit zu verdeutlichen. Eine Modifizierung des ersten Elementes ist nicht möglich (* a very blackbird).

Auch kann es als Ganzes einen Genitiv haben (group genitive). Wenn an das letzte freie Morphem der Genitiv angehängt wird, bezieht sich dieser auf das gesamte Kompositum ( the old maid's house, the King of England's power, somebody else's). Ebenso verhält es sich mit dem Plural. Wird an das letzte freie Morphem ein - s angehängt, so heißt dies, dass das gesamte Kompositum in den Plural gesetzt wurde (pickpockets, blackboards).

Hilfreich ist hier aber auch die Betonung der Wörter. Meist findet eine Veränderung der Betonung im Vergleich zu den Einzelwörtern des Kompositums statt. Während bei den einzelnen Elementen oft das zweite betont wird oder beide gleichwertig sind, verschiebt sich der Akzent im Kompositum in der Regel dann auf die erste Silbe (short st ó ry im Gegensatz zu sh ó rt story). Die einzelnen Elemente sind nicht voneinander trennbar, etwa durch Adjektive (*a sh ó rt vivid story existiert nicht, wohl aber a vivid sh ó rt story).

c)Konversion

Die Konversion ist seit dem Mittelenglischen (etwa 12. Jh.) und besonders seit dem Frühneuenglischen (etwa 16. Jh.) produktiv und meint ,,Ableiten eines neuen Lexems aus einem bestehenden, ohne dass der damit verbundene Wortklassen- und Bedeutungswechsel morphologisch gekennzeichnet ist" ( Bernd Kortmann, Linguistic Essentials,1999,67). Ein anderer Ausdruck ist daher auch Nullableitung (zero-derivation).

Am produktivsten sind die Ableitungen Substantiv> Verb (bottle, butter, knife, ship, shoulder), Adjektiv>Verb (calm, clean, dry, faint, open) und Verb>Substantiv (cough, cover, desire, doubt, guess, love), es sind aber auch andere Konstellationen möglich. Oft kommt die so genannte partielle Konversion vor, bei der zwar keine morphologische, aber eine phonologische Veränderung beim Wortklassenwechsel vor sich geht. Beispielsweise ist eine Änderung des Auslautes möglich (the belief /f/> to believe /v/ ) oder eine Verschiebung des Akzents (to subj é ct > the s ú bject). Dieses Wortbildungsmuster ist allerdings nicht mehr aktiv. Ein Wortklassenwechsel ist allerdings nicht immer die Folge der Konversion. Bei wortklasseninterner Konversion werden beispielsweise nicht-zählbare Substantive als zählbare (beer > two beers, coffee > one coffee), nicht-gradierbare Adjektive als gradierbar (English > look very English), intransitive Verben als transitive (run > run a horse) und transitive als intransitive (read> the book reads very well; scare > I don't scare easily) verwendet.

Durch die Konversion wird unter Anderem kompensiert, dass das Englische auf kaum eine andere Weise denominale Verben bilden kann, z. B. durch - ify und - ize (vgl. ,,Suffigierung").

d)Kürzungen

Die Bedeutung der Kürzungen nimmt bei den Wortbildungsprozessen in letzter Zeit immer mehr zu. Eine Kürzung lässt Teile eines Wortes weg, um nach einiger Zeit die gekürzte Form als das eigentliche Lexem zu etablieren. Die ursprüngliche Form verschwindet möglicherweise sogar ganz aus dem Sprachgebrauch, sie ist antiquiert und wird nicht mehr verwendet.

Es gibt hauptsächlich fünf Arten von Kürzungen.

1.Clippings(abbreviations)

Beim Clipping wird ein Teil des ursprünglichen Wortes, meist der hintere, ganz weggelassen. Selten kommt es vor, dass ein Wort vorn oder vorn und hinten gekürzt wird. So entsteht eine kürzere Form, die die gleichen semantischen Eigenschaften hat, wie vorher die längere Form. Viele der Clippings sind umgangssprachlich und rein ökonomisch motiviert (advertising > ad oder advert, examination > exam, gasoline > gas, laboratory > lab, influenza > flu, refrigerator > fridge, omnibus > bus, airplane > plane).

Oft werden Clippings rein willkürlich gekürzt, ohne auf bestimmte Morpheme zu achten.

Etwa bei influenza wurde der Mittelteil ausgewählt, bei helicopter > heli, ein unvollständiges Morphem, denn wollte man helicopter in seine Bestandteile aufteilen, müsste man helic - opter schreiben.

2.Wortmischungen (Kontamination oder blends)

Um Wortmischungen handelt es sich, wenn zwei Wörter mit einander verschmolzen werden. Die Mischung verbindet meist den vorderen Teil des ersten Wortes mit dem hinteren Teil des zweiten Wortes (smog = fog + smoke, motel = motor + hotel, brunch = breakfast + lunch). Möglich sind aber auch Verbindungen, die eine oder beide Basen erhalten (rockumentary = rock + documentary,breathalyze = breath + analyze, slanguage = slang + language, wargasm = war + orgasm). Bei diesen Wortmischungen verändern sich auch die semantischen Eigenschaften des Wortes. Sie sind meist eine Mischung aus dem, was die Einzelelemente ausdrücken.

3.Akronyme

Akronyme sind besonders in Fachjargons sehr beliebt, um lange , komplexe Ausdrücke zu verkürzen. Die Anfangsbuchstaben eines Ausdrucks von mehreren Wörtern oder Wortbestandteilen bilden zusammen einen neuen Ausdruck, der wie ein Wort ausgesprochen wird (laser = Lightwave Amplification by Stimulated Emission of Radiation, radar = Radio Detecting And Ranging, asap = As Soon As Possible, NATO = North Atlantic Treaty Organisation). Viele dieser Begriffe kommen aus der Wissenschaft und Technik und sind mit Einführung der neuen Erkenntnisse oder technischen Entwicklungen in die Alltagssprache aufgenommen worden. Kleinschreibung kann hier anzeigen, dass ein Wort in den Alltagswortschatz aufgenommen wurde und als ein Wort angesehen wird. Oft ist den Sprechern gar nicht mehr bewusst, dass es sich bei dem Wort um eine Abkürzung handelt.

4.Alphabetismen

Ähnlich wie Akronyme entstehen Alphabetismen. Der Unterschied besteht allein darin, dass diese Buchstabe für Buchstabe ausgesprochen werden, hauptsächlich weil die Lautfolge die Aussprache als ein Wort erschwert oder unmöglich macht. Viele Alphabetismen sind in der Alltagssprache anzutreffen, vor allem die neuen Medien betreffend (TV, CD, LP, PC, VIP, USA, OED).

Die größte Anzahl sowohl der Alphabetismen als auch der Akronyme geht jedoch nicht in den Alltagswortschatz ein, sondern ist nur in den jeweiligen Fachrichtungen gebräuchlich und daher auch nur in speziellen, die jeweilige Fachrichtung betreffenden, Lexika zu finden. Ähnlich den Clippings sind diese Wörter aus Ökonomie entstanden und bewirken keine Wortklassenwechsel oder Bedeutungsänderungen.

5.Rückbildungen (back-formations)

Werden von einem Wort vermeintliche oder tatsächliche Derivationsaffixe abgenommen, so erhält man das Basismorphem des Wortes, von dem man eigentlich denken könnte, es habe zuerst existiert (edit < editor, commentate < commentator, babysit < babysitter, lase < laser). Tatsächlich ist dies oft ein Irrtum, da die vermeintlichen Derivationsaffixe gar keine sind, doch da Derivationsprozesse wie sing>sing-er möglich sind, wieso sollte nicht auch die andere Richtung erlaubt sein? Diese Regel wird oft auch angewendet, um aus komplexen Komposita oder Wortmischungen Verben oder Adjektive abzuleiten (lip-read, chain-smoke, sightsee). In der Tat sind die meisten Rückbildungen Verben, die auf Substantive zurückgehen.

Hier sieht man, dass sich die Mitglieder einer Sprachgemeinschaft die Wortbildungsregeln so zu eigen gemacht haben, dass sie sie selbst als Analogieschluss anwenden können und dies auch tun.

e)Coinage

Bei diesem Wortbildungsprozess wird entweder ein Personen- oder Ortsname oder ein Firmen- oder Produktname zur Bezeichnung eines Gegenstandes, einer Idee, eines Produkts, etc. Dieser Prozess ist nicht sehr produktiv, kommt aber gelegentlich vor. Auch hier weiß man von vielen Wörtern der Alltagssprache nicht mehr, dass sie ursprünglich Eigennamen waren.

Der Einfachheit halber wird die Bezeichnung eines bestimmten Produkts, etwa für einen Staubsauger, auf alle Produkte dieser Art gebraucht, unabhängig von der tatsächlichen Herstellerfirma (hoover, kleenex). So sind auch die Wörter sandwich, watt und boycott entstanden.

Sind diese Wörter erst einmal etabliert, können aus ihnen bald weitere Wörter durch einen der beschriebenen Wortbildungsprozesse abgeleitet werden (to hoover, sandwich board).

f) Andere Prozesse

1. Lautmalende Wortbildungen (echoic words)
2. Wortentlehnungen (borrowing)
3. Reduplication

1. Lautmalende Wortbildungen (echoic words)

Bei einer begrenzten Anzahl von Wörtern imitiert das Wort die Tätigkeit oder Eigenschaft, die das Wort ausdrückt (bang, splash, cuckoo).

2. Wortentlehnungen (borrowing)

Gerade das Englische ist eine Sprache mit einem sehr gemischten Wortschatz. Viele Wörter sind germanischen oder romanischen Ursprunges. Die Wörter treten in eine Sprache als Fremdwörter ein. Meist gibt es ein für die Sprecher besser verständliches englisches Wort, das oft aus einem Kompositum oder einem Wortverband besteht. Wird das Wort dann mit der Zeit der englischen Aussprache angepasst und nicht mehr als Fremdwort aufgefasst, weil es eventuell sogar das englische Wort verdrängt hat, ist es ein Lehnwort geworden, wie dies z. B. bei restaurant oder garage der Fall ist.

3.Reduplication

Im Englischen kommen circa 2000 Wörter vor, die wiederholend sind, entweder bezüglich des Anfangsbuchstabens (wishy-washy, goody-goody), in Reimform (higgledy-piggledy) oder als Abwandlung des ersten Wortes (tip-top, ping-pong, flip-flop).

Zu all diesen Prozessen ist zu sagen, dass sie oft nicht in ihrer Reinform vorkommen, sondern miteinander vermischt sind. Für die Bildung eines neuen Lexems werden dann mehrere Wortbildungsprozesse hintereinander ausgeführt.

Quellen neuer Wörter

Komposition 40%

Affigierung 28%

Konversion 17%

Kürzungen 13%

Borrowing 2%

Kreation 0,5%

Quellenangaben

Fromkin/Rodman, An Introduction to Language, 5 th Edition.New York, 1993

Hatch/Brown, Vocabulary, Semantics and Language Education. Cambridge, 1995

Katamba, English Words.New York, 1994

Kortmann, Linguistic Essentials.Berlin, 1999

Leisi, Der Wortinhalt. Seine Stuktur im Deutschen und Englischen. Heidelberg, 1971

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Englische Wortbildungsprozesse
Hochschule
Universität zu Köln
Veranstaltung
Strukturelle und historische Aspekte des englischen Wortschatzes
Autor
Jahr
1999
Seiten
13
Katalognummer
V102388
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Englische, Wortbildungsprozesse, Strukturelle, Aspekte, Wortschatzes
Arbeit zitieren
Annika Rönchen (Autor), 1999, Englische Wortbildungsprozesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102388

Kommentare

  • Gast am 20.11.2002

    :).

    Sehr gute Einteilung; habe mir zwar noch nicht alles durchgelesen weil mich or allem die Präpositionen interessieren aber die Arbeit macht einen sehr guten und übersichtlichen Eindruck.

    Hucky

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Titel: Englische Wortbildungsprozesse



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