Die Tafeln erscheinen in den Medien als ein Ausdruck von Güte und sozialen Engagement. Doch muss sich ein Sozialstaat wie Deutschland auf die Hilfe einer privaten Organisation verlassen? Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Versagen von Sozialhilfen und inwiefern die Politik umdenken muss.
Vom Rentner bis zum arbeitslosen Uniabsolventen. Vom neuen Gesicht bis zum altbekannten Gast. Laut Angaben der Tafeln suchen täglich ca. 1,5 Millionen Menschen Hilfe bei den verschiedenen privaten Organisationen der Tafeln. 1993 wurde die erste Tafel in Berlin gegründet - zunächst um Obdachlosen in der Großstadt zu helfen. Das Konzept seitdem blieb das gleiche, jedoch wurde das Klientel erweitert. Wer Wohngeld, Sozialhilfe, Hartz IV oder eine Grundsicherung bekommt, darf bei den Tafeln einkaufen. Tafeln sind abhängig von Spenden, insbesondere von großen Lebensmittelkonzernen. Hier werden zumeist Speisen mit baldig ablaufenden Mindesthaltbarkeitsdatum gespendet, oder Frischwaren mit geringen Mängeln. Trotzdem sind auch Spenden von Privathaushalten immer gewünscht, insbesondere Sachspenden, die dann in den oftmals anliegenden Sozialkaufhäusern angeboten werden (vgl. Lorenz 2013, S. 104ff). All diese Angebote stützen sich neben den Spenden auf die Arbeitskraft von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Momentan existieren 924 Tafeln in ganz Deutschland, unterstützt von ca. 60.000 Freiwilligen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Armut
- Die Tafeln als Hilfestellung
- Sammeln-und Verteilen Prinzip
- Positive Nebeneffekte
- Die Tafeln als Verschleierung der Probleme des Sozialstaats
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion der Tafeln im deutschen Sozialsystem. Dabei wird analysiert, ob die Tafeln tatsächlich eine Hilfestellung für Bedürftige darstellen oder ob sie vielmehr staatliche Probleme verschleiern.
- Definition und Abgrenzung von Armut
- Die Rolle der Tafeln im Lebensmittelversorgungssystem
- Kritik an den Tafeln als Ausdruck des Scheiterns des Sozialstaats
- Die Bedeutung des Freiwilligenengagements bei den Tafeln
- Ethische und politische Implikationen der Tafelarbeit
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung führt in die Thematik der Tafeln ein und stellt die Relevanz der Arbeit dar. Sie stellt fest, dass täglich ca. 1,5 Millionen Menschen auf die Unterstützung der Tafeln angewiesen sind und beleuchtet die Geschichte und das Konzept der Tafeln in Deutschland.
Armut
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Definition von Armut und differenziert zwischen absoluter und relativer Armut. Es wird die Situation von Armut in Deutschland im Kontext der Weltbankdefinition und der europäischen Messkriterien beleuchtet. Der Fokus liegt auf den Problemen der Kinder- und Altersarmut.
Die Tafeln als Hilfestellung
Dieses Kapitel analysiert das Sammeln-und Verteilen Prinzip der Tafeln und beleuchtet die positiven Nebeneffekte. Es werden die Aspekte der Lebensmittelverschwendung, der Umweltbilanz und des Freiwilligenengagements diskutiert.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Armut, Lebensmittelverschwendung, Sozialstaat, Freiwilligenengagement, Non-Profit-Organisationen, Soziale Ungleichheit, Ernährungsarmut, Tafeln und soziale Hilfesysteme.
Häufig gestellte Fragen
Welchen Zweck verfolgen die Tafeln in Deutschland?
Die Tafeln sammeln qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die im Handel nicht mehr verkauft werden (z.B. wegen baldigem Ablaufdatum), und verteilen diese an bedürftige Menschen. Damit wirken sie gleichzeitig der Lebensmittelverschwendung und der Ernährungsarmut entgegen.
Wer ist berechtigt, das Angebot der Tafeln zu nutzen?
Berechtigt sind Personen, die staatliche Unterstützungen wie Wohngeld, Sozialhilfe, Hartz IV (Bürgergeld) oder eine Grundsicherung im Alter beziehen.
Wie viele Menschen nutzen die Tafeln in Deutschland?
Nach Angaben der Organisation suchen täglich etwa 1,5 Millionen Menschen Hilfe bei den bundesweit über 900 Tafeln, die von ca. 60.000 ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt werden.
Warum wird die Arbeit der Tafeln kritisch gesehen?
Kritiker argumentieren, dass die Tafeln staatliche Probleme verschleiern könnten. Anstatt dass der Sozialstaat eine ausreichende Grundsicherung garantiert, verlässt er sich zunehmend auf private, ehrenamtliche Strukturen zur Versorgung der Armen.
Was ist der Unterschied zwischen absoluter und relativer Armut?
Absolute Armut bezeichnet einen Zustand, in dem Grundbedürfnisse (Nahrung, Kleidung, Obdach) nicht gedeckt werden können. Relative Armut bezieht sich auf das soziale Umfeld und meint ein Einkommen, das deutlich unter dem Durchschnitt eines Landes liegt, was die soziale Teilhabe einschränkt.
- Arbeit zitieren
- Nane Möller (Autor:in), 2021, Die Tafeln in Deutschland. Hilfestellung oder Verschleierung staatlicher Probleme?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1023961