Grundlagen der Psychologie / Entwicklungspsychologie


Skript, 2001

9 Seiten, Note: noch nicht


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Inhaltsverzeichnis

1) Grundbegriffe der Psychologie

1.1) Psychologische Perspektiven
1.1.1) Biologische Perspektive
1.1.2) Evolutionäre Perspektive
1.1.3) Psychodynamische Perspektive (Psychoanalyse)
1.1.4) Behavioristische Perspektive
1.1.4) Behavioristische Perspektive
1.1.5) Humanistische Perspektive
1.1.6) Kognitive Perspektive

2) Entwicklungspsychologie
2.1) Die freudsche Theorie der menschlichen Psyche
2.1.1 Es
2.1.2)Überich
2.1.3) Ich
2.2) Entwicklung (psychosexuelle Entwicklung) nach Siegmund Freud (1856 - 1939)
2.2.1) Orale Phase
2.2.2) Anale Phase
2.2.3) Phallische (ödipale) Phase
2.2.4) Latenzphase
2.2.5) Genitale Phase
2.3.) Wichtige Psychoanalytische Begriffe und ihre Bedeutung
2.4) Erik H. Erikson
2.4.1 Vertrauen⇔Miß vertrauen
2.4.2 Autonomie⇔Zweifel, Scham
2.4.3 Initiative⇔Schuldgefühl
2.4.4 Leistung⇔Minderwertigkeitsgefühl
2.4.5 Identität⇔Rollenunsicherheit
2.4.6 Intimität⇔Isolierung
2.4.7 Zeugende Fähigkeit Stagnation
2.4.8 Ich- Integrität⇔Verzweiflung
2.5) Kognitive Entwicklung von Kindern nach Jean Piaget (1896 - 1980)
2.5.1) Genetischer Strukturalismus
2.5.2) Assimilation und Akkommodation
2.5.3 Äquilibrationsprinzip
2.5.4) Funktionale Invarianz
2.5.5) Die sensomotorische Stufe der kognitiven Entwicklung
2.5.6) Die Stufe des präoperationale Denkens
2.5.7) Die Stufe konkreten operationalen Denkens
2.5.8) Die Stufe des formalen operationalen Denkens

3) Literatur und Quellen

1) Grundbegriffe der Psychologie

Gegenstand der Psychologie

Gegenstand der Psychologie sind das Verhalten, Erleben und Bewußtsein des Menschen, deren Entwicklung über die Lebensspanne und deren innere und äußere Bedingungen Ursachen.

Ziele der Psychologie

Ziel der psychologischen Forschung ist es Veralten erklären, vorhersagen (und kontrollieren) zu können, und die Lebenslage von Menschen verbessern zu können.

Methoden der psychologischen Forschung

Beobachtung, Befragung, psychologische Tests und physiologische Messungen sind Datenerhebungs- oder Datengewinnungsverfahren der psychologischen Forschung. Durch statistische Auswertung der gewonnenen Daten kann anschließend durch Schlußfolgerungen und Interpretationen ein Verhalten erklärt, vorhergesagt oder sogar manipuliert werden.

1.1) Psychologische Perspektiven:

1.1.1) Biologische Perspektive

Aus der biologischen Perspektive betrachtet, wird versucht Verhalten auf organische Vorgänge zurückzuführen und durch Veränderungen in z.B. Nervensystem, Gehirn und endokrinen System (Hormonhaushalt) zu erklären (z.B. Emotion =Erregung-> Adrenalinausstoß). Auch versucht man Verhalten durch Vererbung zu erklären.

1.1.2) Evolutionäre Perspektive

Nimmt ein Forscher die evolutionäre Perspektive ein, versucht er herauszufinden, ob ein bestimmtes Verhalten z.B. des Menschen während seiner stammesgeschichtlichen Entwicklung einmal überlebenswichtig war und kann es somit erklären (z.B. Territorialverhalten, Aggression).

1.1.3) Psychodynamische Perspektive (Psychoanalyse)

Der psychodynamischen Perspektive zufolge ist alles Verhalten durch Triebe oder andere starke „ intrapsychische Kräfte “ motiviert (Es). Menschliches Handeln entspringt ererbten biologisch festgelegten Trieben und den Versuchen, Konflikte zwischen den eigenen Bedürfnissen des Individuums und der Forderung der Gesellschaft nach sozial angepaßtem Verhalten zu lösen (Überich). Wir handeln, weil wir motivationale Kräfte ganz unterschiedlicher Art spüren. Handlung ist das Produkt von Spannung und die Reduktion der Spannung ist das Handlungsziel. Konflikte, Frustration, physiologische Erregung und Mangelzustände statten das Verhalten mit Energie aus. Die menschliche Psyche wird in der Kindheit determiniert (Freud).

1.1.4) Behavioristische Perspektive

Die behavioristische Perspektive betrachtet menschliches Verhalten lediglich als ein Reiz- Reaktionsmuster, in dem das Verhalten nur die Reaktion auf aus der Umwelt des Individuums stammende Reize ist. Hier werden auch nur „Reiz Reaktion Beziehungen“ untersucht. Innere Vorgänge und Emotionen spielen hier keine Rolle.

1.1.5) Humanistische Perspektive

Im humanistischen Ansatz wird angenommen, daß Menschen weder durch starke biologisch determinierte Trieb- Instinktkräfte getrieben noch durch allgegenwärtige Umweltdeterminanten manipuliert werden. Sie sind aktive Wesen, von Natur aus gut und fähig, ihren eigenen Weg zu wählen. Sie streben nach dem Guten und nach der Verwirklichung ihrer Möglichkeiten, suchen nach Veränderungen, planen ihr Leben und geben ihm eine Struktur, um eine optimale Selbstverwirklichung zu erreichen.

1.1.6) Kognitive Perspektive

Die Kognitive Psychologie untersucht geistige Prozesse und Strukturen des Menschen, wie Wahrnehmung, Schlußfolgerung, Erinnerung, Problemlösung, Denken und Entscheiden. Menschliches Handeln wird beim kognitiven Modell nicht als direkte Reaktion auf Reize angesehen. Zwischengeschaltet ist hier der Prozeß der Informationsverarbeitung, bei dem die Person die Umwelt aktiv nach denjenigen Informationen absucht, die sie für eine Entscheidung benötigt.

2) Entwicklungspsychologie

2.1) Die freudsche Theorie der menschlichen Psyche

Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte der Arzt Sigmund Freud die Theorie der Psychoanalyse und der psychosexuellen Entwicklung. Er betrachtete Triebe und andere sog. intrapsychische Kräfte und vor allen Dingen den Sexualtrieb (Libido) als hauptsächliche Auslöser für menschliches Verhalten und die psychische Entwicklung. Er ging davon aus, daß ein Trieb (z.B. Sexualtrieb) eine innerpsychische Spannung aufbaut, die nur durch die Befriedigung des triebauslösenden Bedürfnisses (in diesem Fall Bedürfnis nach körperlicher Nähe oder nach der angenehmen Empfindung des Orgasmus) reduziert wird. Da er der Meinung war, daß nur durch eine starke Kontrolle das rein lustorientierte Handeln des Menschen unterdrückt werden kann, teilte er die menschliche Psyche in die drei folgenden Instanzen:

2.1.1 Es

Als „Es“ wird der Teil der Psyche bezeichnet der das Lust- oder Triebprinzip verkörpert, d.h. derjenige der ausschließlich nach Befriedigung und Lustgewinn sucht und dabei weder Rücksicht auf andere Individuen nimmt, noch gesellschaftliche Werte beachtet. Das „Es“ ist die erste vorhandene Instanz in der menschlichen Psyche (Ego).

2.1.2)Überich

Das „Überich“ ist die Instanz, die durch Erziehung, gesellschaftliche und kulturelle Normen und Werte entwickelt wird und somit dem „Es“ gegenübersteht (Gewissen).

2.1.3) Ich

Das „Ich“ nimmt Reize aus der Umwelt wahr, verarbeitet sie und versucht sich seiner Umwelt anzupassen, indem es die eigenen Bedürfnisse auf die Rahmenbedingungen der Gesellschaft abstimmt um so den Konflikt zwischen „Es“ und „Überich“ zu lösen.

2.2) Entwicklung (psychosexuelle Entwicklung) nach Siegmund Freud (1856 - 1939)

Sigmund Freud hat auch die Entwicklung der menschlichen Psyche mit seiner Triebtheorie interpretiert. Nach seiner Auffassung wird die Psyche in der Zeit zwischen Geburt und Vollendung der Geschlechtsreife vollständig determiniert. Er beschrieb die Theorie der psychosexuellen Entwicklung anhand von fünf Phasen:

2.2.1) Orale Phase 0-1 Jahr

In dieser Phase erlebt das Kind sucht das Kind nur nach positiven Empfindungen, da diese nicht erlernt werden müssen. Es erfährt Lustgewinn nur über Mund Lippen und Zunge (z.B. saugen, beißen, lecken). Um eine Fixierung auf diesen Bereich ( was sich z.B. später im oralen Drogenmißbrauch, übermäßig essen äußern könnte) zu verhindern muß das Kind z.B. von der Mutterbrust entwöhnt werden, jedoch würde ein „nicht Ausleben“ dieser Phase ebenfalls eine Fixierung nach sich ziehen. Bedeutung für die Entwicklung der Persönlichkeit:

Basis für das Urvertrauen/ Urmißtrauen (optimistische/pessimistische Lebenseinstellung)

-allgemeine Charakterentwicklung Störungen:
-chronische Angst
-neurotische Störungen
-Konfliktunfähigkeit
-Abhängigkeiten, oral eingenommene Drogen

2.2.2) Anale Phase 2-3 Jahre

In der analen Phase lernt das Kind seinen Körper zu beherrschen und gewinnt an Autonomie. Es bereitet ihm Lust seine Ausscheidungen zu kontrollieren und es empfindet Lust am Schmutzigen. Erogene Zonen sind hier After und Darm. Es experimentiert mit der erlangten Autonomie indem es erste Trotzreaktionen und Aggressionen gegenüber den Eltern zeigt.

Eine Fixierung in dieser Phase würde zu einem gestörten Verhältnis zu Sauberkeit, Ordnung und Besitz (z.B. Zwangsneurosen, Geiz oder Verschwendung).

2.2.3) Phallische (ödipale) Phase 4-5 Jahre

Die phallische Phase hat die Genitalien als Lustzentrum. In dieser Zeit lernt das Kind sich mit seiner Geschlechterrolle zu identifizieren, indem:

- der Sohn beginnt im Vater einen sexuellen Konkurrenten in bezug auf die mütterliche Aufmerksamkeit zu sehen. Aus Kastrationsangst identifiziert er sich mit der männlichen Geschlechterrolle des Vaters.
- die Tochter ihrer Mutter nicht verzeihen kann, daß sie nicht mit einem Penis ausgestattet ist (Penisneid) und versucht beim Vater die Mutter zu ersetzen und beginnt ihre Mutter zu hassen. An die Stelle der Mutterbindung tritt die Identifikation mit ihr.

In dieser Phase werden die Geschlechterrolle und der Umgang mit anderen (soziale Beziehungen) gelernt. Fixierung in der phallischen Phase kann zu Beziehungsproblemen, Problemen mit Sexualität und zur Fixierung auf einen Elternteil führen.

2.2.4) Latenzphase 6-12 Jahre

Die Latenzphase ist eine psychosexuelle Ruhephase in der es keine erogenen Zonen gibt und in der auch keine Fixierungen stattfinden. In dieser Zeit werden psychische Abwehrmechanismen entwickelt wie z.B. das Verschieben von Triebenergie auf einen anderen Zeitpunkt oder das Umlenken in Sachinteresse. Die Triebregungen treten in den Hintergrund.

2.2.5) Genitale Phase Pubertät

Mit Beginn der Vorpubertät erwacht die Sexualität unter Einfluß der Geschlechtshormone zu neuer Macht. Sie hat diesmal jedoch eine weitere Funktion: Sie dient nicht mehr nur der Lustbefriedigung, sondern auch der Fortpflanzung. Das Interesse des Kindes war früher eher selbstbezogen und das Sexualobjekt in der Familie zu suchen, so werden jetzt Sexualpartner außerhalb der Familie gesucht. Sexualität ist nicht nur eine Funktion zur Kindererzeugung und Lustbefriedigung, sondern auch eine wichtige Form sozialer Interaktion und Kommunikation.

2.3.) Wichtige Psychoanalytische Begriffe und ihre Bedeutung

Objektbesetzung

Freud war der Ansicht, daß ein Individuum fähig ist, unausgelebte Triebe auf andere Dinge oder Personen auszurichten um den Konflikt, der durch die sich aufbauende Spannung und das durch z.B. gesellschaftliche Regeln verhinderte Ausleben entsteht zu entkräften und sich so vor einer psychischen Schädigung zu schützen. Somit ist die Objektbesetzung ein Abwehrmechanismus.

Ö dipuskomplex

Der Ödipuskomplex bezeichnet das Begehren, also den Liebeswunsch dem andersgeschlechtlichen, und der Todeswunsch, dem gleichgeschlechtlichen Elternteil gegenüber. Freud benannte ihn nach der griechischen Ödipussage in der Ödipus unwißendlich seinen Vater tötete und seine Mutter heiratete.

2.4) Erik H. Erikson

Erikson konzentrierte sich in seiner Entwicklungstheorie auf die Bedeutung der Erfahrungen, wie sie jedem Menschen durch Kultur und Gesellschaft vorgegeben sind. Er beschreibt 8 psychosoziale Phasen über die gesamte Lebensspanne, die jede für sich einen bestimmten Konflikt als Ausgangspunkt hat. Klingt auch keiner der Konflikte vollständig ab, so müssen doch alle zu gegebener Zeit ausreichend bearbeitet werden, damit die Person in der Lage ist die Konflikte der nächsten Stufen erfolgreich zu bewältigen. Erfolge und Mißerfolge können dabei den Verlauf der nachfolgenden Entwicklung beeinflussen.

2.4.1 Vertrauen⇔Miß vertrauen 0 - 1 ½ Jahre

Auf der ersten Stufe seiner Entwicklung muß ein Kind z.B. durch die Interaktion mit seinen Bezugspersonen ein Urvertrauen zu seiner Umwelt aufbauen. Werden Grundbedürfnisse wie Wärme, körperliche Nähe, und Geborgenheit nicht befriedigt, so entsteht das sog. Urmißtrauen, was sich in Angst und Unsicherheit äußert. Das Kind ist dann nicht Reif für die nächste Stufe, der Autonomie

2.4.2 Autonomie⇔Zweifel, Scham 1 ½ - 3 Jahre

Durch das Lernen selbstständiger Fortbewegung und Kommunikation erfährt das Kind eine Erweiterung seiner Möglichkeiten seine Umwelt zu erforschen und zu manipulieren. Wird es durch zu starke Kontrolle oder übermäßige Kritik daran gehindert kann dies zu Selbstzweifeln führen. Wird es durch z.B. eine zu frühe oder zu strenge Sauberkeitserziehung in seiner Eigenständigkeit beeinflußt, wird es vielleicht in seinem Bestreben nach Bewältigung neuer Aufgaben entmutigt und ist somit nicht fähig die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen.

2.4.3 Initiative⇔Schuldgefühl 3 - 6 Jahre

Ein Kind das ein gesundes Urvertrauen zu sich und seiner Umwelt aufgebaut hat ist nun fähig das Lernen intellektueller und körperlicher Fähigkeiten selbst in die Hand zu nehmen. Wird es darin bestärkt, stellt sich ein Gefühl der Freiheit und Selbstvertrauen ein, wird es jedoch gehindert, können Schuldgefühle und der Eindruck des Nichterwünschtseins entstehen.

2.4.4 Leistung⇔Minderwertigkeitsgefühl 6 Jahre - Pubertät

Während der Grundschuljahre wird das Kind dazu übergehen sein zufälligen Ausprobieren und Erkunden der Welt zu systematisieren. Hierbei entwickelt es eigene Interessen und Kompetenzen und lernt den sozialen Umgang mit Gleichaltrigen. Werden Kinder in dieser Phase durch zu viele Mißerfolge oder durch mangelnde Aktivität gestört, erleben sie sich als unfähig und entwickeln Minderwertigkeitsgefühle.

2.4.5 Identität⇔Rollenunsicherheit Jugend (Adoleszenz)

Erikson wahr der Auffassung, die hauptsächliche Krise des Jugendlichen bestehe darin, daß er die wahre eigene Identität inmitten eines verwirrenden Lebensabschnittes entdecken müsse. Die Konfusion entsteht dadurch, daß die Jugendlichen in einer sich für sie erweiternden sozialen Welt je nach Publikum viele unterschiedliche Rollen spielen sollen. Die Bearbeitung dieser Krise hilft dem einzelnen, das Gefühl eines einheitlichen Selbst zu entwickeln; gelingt es nicht diese Krise zu überwinden kann es zu einem Selbstbild ohne zentralen stabilen Kern kommen, was zu einem schwankenden, unsicheren Selbstbewußtsein führt.

2.4.6 Intimität⇔Isolierung Junges Erwachsenenalter

In dieser Phase geht es für den jungen Erwachsenen darum, zu lernen umfassende emotionale, moralische und sexuelle Bindungen zu anderen Menschen aufzubauen. Er muß die Fähigkeit entwickeln, ein gewisses Maß an Unabhängigkeiten aufzugeben und Verantwortlichkeiten zu übernehmen und in Hinblick auf seine persönlichen Vorlieben Kompromisse zu schließen. Bei Nichtbewältigung dieser Krise droht die Isolierung des jungen Erwachsenen, was das Erreichen der zeugenden Fähigkeit unmöglich macht.

2.4.7 Zeugende Fähigkeit⇔Stagnation Mittleres Erwachsenenalter

Hat der Erwachsene einen Lebenspartner gefunden und seine Beziehungen gefestigt, so kann er jetzt die Konzentration von sich oder dem Partner auf die umfassenden Verpflichtungen gegenüber der Familie, der Arbeit, der Gesellschaft und den nachfolgenden Generationen lenken. Tut er dies nicht so können Enttäuschung und Gefühle der Vergeblichkeit auftreten und den Erwachsenen in eine sog. Midlife-crisis stürzen.

2.4.8 Ich- Integrität⇔Verzweiflung Höheres Erwachsenenalter

Hat der Erwachsene bis zum höheren Lebensalter alle Krisen bewältigen können, so wird er sich nun mit der Veränderung des Körpers und seiner Sterblichkeit konfrontiert sehen. Kann er auf ein bisher erfülltes Leben zurückblicken so wird er ein Gefühl der Ganzheit und grundlegender Zufriedenheit verspüren. Sind frühere Krisen nicht bewältigt, so bleiben Ambitionen unerfüllt, und er erlebt ein Gefühl der Sinnlosigkeit und Verzweiflung und es gelingt ihm nicht die letzte Krise zu lösen.

2.5) Kognitive Entwicklung von Kindern nach Jean Piaget (1896 - 1980)

Piaget interessierte sich hauptsächlich dafür, wie Kinder denken, schlußfolgern und Probleme lösen. Er versuchte anhand seiner eigenen Kinder herauszufinden, wie sich ihr Denken und die innere Erscheinung der äußeren Wirklichkeit während der verschiedenen Entwicklungsstufen verändern. Er stellte seinen Kindern Aufgaben und beobachtete genau die Reaktionen, veränderte dann die Aufgabenstellung geringfügig und beobachtete wieder wie die Kinder reagierten. Er zog aus seinen Untersuchungen weitreichende Schlüsse und stellte daraufhin eine umfassende Theorie zur kognitiven Entwicklung von Kindern auf.

2.5.1) Genetischer Strukturalismus

Der Kern der Entwicklung ist nach Piaget die geistige Anpassung des Individuums an die Erfordernisse der Welt, d.h. die schon vorhandenen Denk- und Handlungsstrukturen eines Wesens werden um die neuen Erkenntnisse erweitert. Genetisch wird hierbei als Verweis auf die Entwicklung verstanden.

2.5.2) Assimilation und Akkommodation

Bei der Assimilation wird die aufgenommene Information so aufbereitet, daß sie sich in bereits vorhandene Schemata (spezifische Strukturen z.B. Greifschema beim Säugling) einfügt.

Bei der Akkommodation werden die Schemata selbst um die gewonnene Erkenntnis erweitert, um der Information angemessen zu sein und nicht zu anderen Schemata im Widerspruch zu stehen.

Beispiel:

Das Baby kann beim Übergang vom Trinken an der Mutterbrust zum Trinken aus der Flasche viele Teile des Reaktionsmusters „Saugen“ weiter ausführen (Assimilation der Flasche an das Saugschema). Es muß jedoch den Sauger etwas anders in den Mund nehmen und lernen den Winkel der Flasche passend zu halten (Akkommodation des Schemas auf die Flasche).

2.5.3 Äquilibrationsprinzip

Nach dem Ä quilibrationsprinzip ist Entwicklung eine fortlaufende Folge von Gleichgewichts- und Ungleichgewichtszuständen. Das Ungleichgewicht wird hierbei durch ein Gleichgewicht auf höherem Niveau abgelöst (majorierende Äquilibration). Es sind Schemata untereinander oder Schemata und Informationen (Umweltgegebenheiten), die im Gleich- oder Ungleichgewicht stehen und auf die das Kind seine Aufmerksamkeit richtet.

Piaget unterteilte die kognitive Entwicklung des Menschen in vier qualitativ verschiedene Stufen:

- die sensomotorische Stufe (Säuglingsalter) ca. 0 - 2 Jahre
- die Stufe des präoperationalen oder intuitiv-anschaulichen Denkens (KindergartenVorschulalter)
- die Stufe der konkreten Denkoperation (Grundschulalter)
- die Stufe der formalen Denkoperation (ab dem Jugendalter)

2.5.4) Funktionale Invarianz

Der Ablauf des Entwicklungsprozesses besteht aus der Adaption (Assimilation und Akkommodation) und ist immer gleichbleibend. Piaget nannte diesen Umstand

funktionale Invarianz

2.5.5) Die sensomotorische Stufe der kognitiven Entwicklung

In der sensomotorischen Phase ist das Kind damit beschäftigt, Kontrolle über seine motorischen Bewegungen zu erlangen und Erfahrungen mit physischen Objekten zu sammeln. Kinder entwickeln in dieser Stufe die Objektpermanenz, d.h. sie lernen, daß die Existenz von Objekten nicht von ihrer eigenen Aktivität oder Aufmerksamkeit abhängt. Gegen Ende des 2. Lebensjahres ist die Fähigkeit, nicht gegenwärtige Ereignisse symbolisch wiederzugeben, stark ausgebildet. Das Kind verfugt dann über Abbilder von Gegenständen und kann mit ihnen im Geist umgehen, ohne diese vor sich zu haben.

2.5.6) Die Stufe des präoperationale Denkens

In dieser Stufe (ca. zwischen dem 2. und 7. Lebensjahr) lernen Kinder, daß Gegenstände nicht nur ständig vorhanden sind, sondern auch gleichbleibend in ihrer Erscheinung, obwohl die Anschauung sich verändert (z.B. betrachten aus einer anderen Richtung), sie lernen also die qualitative Invarianzen ihrer Umwelt kennen und das Einbeziehen dieser in ihr Denken und Handeln. Zu Anfang dieses Entwicklungsabschnittes glauben Kinder z.B., daß ein Junge zu einem Mädchen werden kann, weil er mit Puppen spielt oder Mädchenkleider trägt. Gegen Ende dieser Entwicklungsstufe wissen sie dies besser.

2.5.7) Die Stufe konkreten operationalen Denkens

Unter konkretem operationalen Denken wird hier verstanden, daß das Kind (ca. 7.-11. Lebensjahr) nun ein Verständnis für die quantitativen Invarianzen (Erhaltungen) von Menge, Masse oder Volumen von festen oder flüssigen Stoffen erlangt. Sie verlassen sich jetzt zunehmend auf Begriffe und Gesetzmäßigkeiten als auf das, was ihre Wahrnehmung sie sehen oder fühlen läßt. Auch haben sie ein Verständnis für die Beständigkeit von Zahlen und Flächen.

Beispiel: Füllt man vor den Augen von 5-, 6- und 7 jährigen Kindern zwei

relativ breite niedrige Gläser mit der gleichen Menge Limonade so werden alle diese als gleichvoll bezeichnen. Schüttet man nun die Limonade aus einem der Gläser in ein hohes schmales Glas, so werden die 5 jährigen behaupten, es sei irgendwie mehr geworden. Die 6 jährigen sind sich nicht sicher aber sie werden wahrscheinlich noch den jüngeren recht geben. Die 7 jährigen hingegen werden behaupten, es sei die gleiche Menge an Limonade in dem Glas wie in dem Vorherigen.

2.5.8) Die Stufe des formalen operationalen Denkens

Ab dem Alter von ca. 11 Jahren ist das Kind/ der Jugendliche in der Lage abstrakt zu denken, d.h. sein Denken ist nicht mehr an die konkrete Problemstellung gebunden. Er kann also nun hypothetischen Fragen nachgehen und im Geiste dafür logische Beweise und Lösungen entwickeln. Ab dem frühen Jugendalter sind die kognitiven Strukturen soweit vollendet das wir Menschen also fähig sind, vom naiven Denker zum Experten zu werden.

3) Literatur und Quellen

Zimbardo Phillip G. & Gerrig Richard J.

Psychologie

7. Auflage, Springer Verlag, Heidelberg 1999

Arbeiten von www.hausarbeiten.de:

Psychosexuelle Entwicklung nach S. Freud

Autorin: Henrike Dirks, 01/2001

Die acht Phasen des Menschen

Autor: Josef Pfandl

9 von 9 Seiten

Details

Titel
Grundlagen der Psychologie / Entwicklungspsychologie
Veranstaltung
Prüfung zum Erwerb der fachbezogenen Hochschulzugangsberechtigung
Note
noch nicht
Autor
Jahr
2001
Seiten
9
Katalognummer
V102400
Dateigröße
360 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologie, Entwicklung, Freud, Erikson, Piaget
Arbeit zitieren
Sascha Weckert (Autor), 2001, Grundlagen der Psychologie / Entwicklungspsychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102400

Kommentare

  • Gast am 4.2.2003

    ...klasse teil!
    gut strukturiert, vor allem knapp und präzise und auch noch richtig!...thx fuer die sachen!

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Titel: Grundlagen der Psychologie / Entwicklungspsychologie



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