Die Bedeutung und Funktionsweise der sozialen Marktwirtschaft am Beispiel Bundesrepublik Deutschland


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

17 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Die Marktwirtschaft stellt sich vor

Die Marktwirtschaft und dessen Freiheit

Der Trieb macht die Marktwirtschaft

Das Erfolgsrezept

Die „ Soziale Marktwirtschaft “

Aufgabenbereiche der „ Sozialen Marktwirtschaft “

Vorwort

Als Ende der achtziger Jahre die sozialistischen Regime in Osteuropa und in der ehemaligen Sowjetunion von einer Krise in die nächste rannten, gab es für die Reformer nach dem Mauerfall, neben Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat das große Ziel - die Planwirtschaft durch eine andere Wirtschaftsform zu ersetzen. In den neuen Bundesländern entstand die Marktwirtschaft.

Nach Jahrzehnten des Mangels an Waren und planwirtschaftlicher Herumfuhrwerkerei mit einer nahezu unfähigen Bürokratie, schien für die Reformer die Marktwirtschaft die einzige Lösung zu sein. Diese Wirtschaftsordnung, die scheinbar Überfluß, soziale Sicherheit und Massenwohlstand hervorbringt, war damals für Millionen Bewohner der sozialistischen Staaten bald so wichtig wie die Demokratie.

Aber hat das Versprechen , die Planwirtschaft durch die Marktwirtschaft zu ersetzen, zu den erhofften Ergebnis des Wohlstandes geführt? Ist mit der politischen Freiheit auch gleichzeitig die Konsumfreiheit gekommen?

Davon kann anfangs in den meisten früheren Ostblockstaaten allerdings nicht die Rede sein. In vielen der ehemaligen sozialistischen Staaten ist die Versorgung zunächst zusammengebrochen. Und in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion traten zunächst wirtschaftliches Chaos und finanzielle Not auf. Nun hatte in vielen Fällen nicht mehr der Staat mit seiner Bürokratie und Parteifunktionären die wirtschaftliche Macht, sondern organisierte Kriminelle.

Den neuen Bundesländern brachten bereits kurz nach der Wende zunächst die Wirtschaftsund Währungsunion und die staatliche Einigung vieles, was in früherer Zeit nicht möglich war. Mit der friedlichen Vereinigung der beiden deutschen Staaten, am 02. Oktober 1990, galten Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und Marktwirtschaft in ganz Deutschland.

Was in der Planwirtschaft als Defizit galt, kam nun ins Land: exotische Früchte, Schokolade, Kaffee, Gemüse, Fleisch, alle wichtigen Medikamente und vor allem das ganze Spektrum an Modesachen war nun zu haben. Die Infrastruktur wurde größtenteils erneuert, moderne Telekommunikationsanlagen wurden installiert und das Reisen in alle Länder der Welt war nun möglich.

Aber es gibt leider nicht nur positives von der Marktwirtschaft zu berichten. Die Angst um den Arbeitsplatz, oder finanzieller Bankrot des Betriebes steht jetzt im Vordergrund. Strom, Wasser, Miete, Gas und Heizung werden immer teurer. Auch staatliche und kommunale Einrichtungen wie Kindergärten und dergleichen, so mal die Ostlöhne scheinbar nie das Gehaltsniveau der Westdeutschen erreichen. „Wohlstand für alle!“ versprach doch anfangs Ludwig Erhard den Deutschen.

Die Marktwirtschaft weist wohl doch noch viele Mängel auf, die es für uns auszumerzen gilt.

Die Marktwirtschaft stellt sich vor

Wer oder was ist eigentlich der Markt? Das sind wir alle. Denn jeder einzelne Bürger, ob er nun Verbraucher, Sparer, Arbeitnehmer oder Arbeitgeber ist, nimmt täglich an dem komplizierten Austausch von Gütern und Dienstleistungen teil, den wir als die „Volkswirtschaft“ bezeichnen. Ob die Beschäftigung der Arbeitnehmer zu- oder abnimmt, ob die Preise der Waren steigen oder fallen, ob bestimmte Produkte verkauft werden können oder als Ladenhüter liegenbleiben, all dies hängt vor allem von den Entscheidungen von Millionen von Menschen ab, die täglich zum Einkauf gehen, Güter produzieren oder damit handeln. Es sind aber auch die Menschen, die zum Arzt gehen, Handwerker und Banken in Anspruch nehmen oder ihre Ersparnisse anlegen.

Allein der Verbraucher bestimmt die Menge der Produktion eines bestimmten Artikels. Sie haben letztendlich die Entscheidung darüber, wie viele Arbeitsplätze in der Textilindustrie, Chemiefabriken oder in sonst irgendeiner produzierenden Anlage beschäftigt werden. Das heißt also, das Marktwirtschaft eine ziemlich demokratische Angelegenheit ist. Wir Verbraucher Bestimmen täglich über erfolgreiche oder weniger erfolgreiche Unternehmen und ihre Produkte, über deren Preise und Qualitäten. Die Kunden bestimmen mit ihrem Kaufverhalten, wie viele Brote gebacken werden müssen, um dem Verbraucher genügend anbieten zu können, ob bei bestimmten Bier-, Wurst- oder Käsesorten der Umsatz steigt, welche Zeitungen sinkende oder steigende Auflagen haben, ob Autos aus deutscher, französischer oder japanischen Produktion die höheren Zulassungszahlen erreichen.

Wir alle bestimmen praktisch per Mehrheitsentscheidung, was am Markt geschieht. Der Produzent der seine Waren auf dem freien Markt anbietet, hat nur eine Möglichkeit den Verbraucher zu beeinflussen, und zwar durch die Werbung. Ansonsten muß er schließlich die Entscheidung dem Verbraucher selbst überlassen.

Jeder von uns greift in das wirtschaftliche Geschehen ein. Und wenn eine große Masse an Verbrauchern sich in ihrer Entscheidung ähnlich verhalten bzw. die gleichen Ansprüche stellen, kann das gewaltige Auswirkungen auf die Anbieter haben - im Prinzip genauso wie bei einer politischen Wahl, wo jeder Bürger seine Favoriten in die Wahlurne werfen muß.

Der Erzeuger genießt aber trotz alledem viel Spielraum in seiner Eigenschaft. Denn (...) „der Staat greift keineswegs in das freie Spiel der Kräfte ein, der einzelne kann im Bereich der Wirtschaft tun und lassen, was er will, sofern er nicht mit dem Strafgesetz in Konflikt kommt. Er darf für Güter und Leistungen, die er anbietet, beliebige Preise fordern.“(1 )

Diese grafische Darstellung, welche die Funktionsweise der freien Marktwirtschaft verdeutlicht, stellt kurz alle anfangs dargelegten Ausführungen auf einen Blick zusammen.

Die Marktwirtschaft und dessen Freiheit

Fast überall gibt es zumindest noch Spuren von Marktwirtschaft. Nur unter sehr strengen Bedingungen kann sie vollständig unterdrückt werden. Zum Beispiel innerhalb kleiner politischer oder religiöser Gemeinschaften, in Armeen und Gefängnissen oder unter großem politischem Druck in einer „Befehlswirtschaft“. Aber selbst dann läßt es sich nur schwer erreichen den Markt völlig auszuschalten. Das ist nur möglich, wenn von der Obrigkeit nicht nur festgelegt wird, welche Güter und Dienstleistungen wann, wo und wie produziert bzw. verrichtet werden. In der Praxis finden sich derart strenge Regulierungen heute nur noch in Klöstern, in einigen israelischen Kibbuzim oder in militärischen Versorgungssystemen, wie zum Beispiel jetzt auch für die Bevölkerung in Grosny, um die Versorgung dieser Menschen zu ermöglichen.

Im zivilen Bereich ist diese Form der Verteilung von Gütern bzw. Dienstleistungen selbst in sozialistischen oder kommunistischen Staaten nur in besonderen Notsituationen denkbar. Sobald allerdings ein Staat und seine Organe geringe Freiheiten im ökonomischen Bereich zulassen, zeigen sich sehr schnell marktwirtschaftliche Regungen. Am besten ist es in Gefängnissen zu beobachten, wo ein emsiger Tauschhandel unter den Häftlingen und Wärtern abläuft. Welchen Wert die im Gefängnis gehandelten Waren haben, hängt dann, wie es halt in der Marktwirtschaft eben so üblich ist, ausschließlich von Angebot und Nachfrage ab. DA aber meist kein Geld vorhanden ist, oder halt keine Kaufkraft besitzt, übernehmen zum Beispiel Zigaretten oder andere dünn gesäte und begehrte Güter die Rolle deines Zahlungsmittels. So entfaltete sich im Prinzip die freie Marktwirtschaft auf dem sogenannten „Schwarzmarkt“.

Nachdem sich allerdings immer deutlicher zeigte, daß staatliche Planungen in Staaten, wo Planwirtschaft betrieben wurde und die Lenkung selbst mit Hilfe von modernster Computertechnik und der Telekommunikation, nicht in der Lage waren, Produktion und Verteilung der Güter nach den Bedürfnissen der Bevölkerung zu lenken, wurde schließlich in allen sozialistischen Ländern der Spielraum für privatwirtschaftliche bzw. marktwirtschaftliche Aktivitäten erweitert.

Dort, wo dies aus irgendwelchen Gründen verweigert wurde, suchte sich die Marktwirtschaft, ähnlich wie auch zur Zeit des kalten Krieges in Deutschland, ein anderes Ventil, um die damalige Zuteilungswirtschaft zu erweitern. Auch hier hält der Schwarzmarkt wieder Einzug. Je schlechter in der Planwirtschaft das Planungsbüro funktioniert und die Fesseln der eigenen Wirtschaftsform zu eng gezogen werden und die Folgen für die Bevölkerung zu schmerzlich sind, um so bunter und hemmungsloser geht es dann meist auch in der Untergrundwirtschaft zu. Da wird im großen wie im kleinen Staatseigentum gestohlen und verschoben, um es auf dem Schwarzmarkt gegen andere knappe und begehrte Güter einzutauschen.

Der Trieb macht die Marktwirtschaft

Die Eigenschaft, nur für den Eigennutz zu wirtschaften, wird häufig in der Gesellschaft als ein moralisch fragwürdiger und negativer Trieb bezeichnet. Allerdings braucht der Mensch eine gewisse Portion dieser Eigenschaft um zu Überleben, das war bei unseren Steinzeitvorfahren nicht anders. Die Ursache für das Funktionieren der Marktwirtschaft liegt darin, daß dieser Urtrieb, für den Eigenbedarf zu wirtschaften, als Motor genutzt wird, um einen möglichst hohen Gewinn für die Allgemeinheit zu erzielen, laut staatlichen Vorstellungen.

Denn wer hat denn in der Marktwirtschaft Erfolg? Es sind eigentlich diejenigen, die etwas erfinden, das andere für brauchbar halten und kaufen. Es sind alle Frauen und Männer, die sich um eine möglichst gute Ausbildung bemühen und deshalb von den Unternehmen als Mitarbeiter gesucht und eingestellt werden. Es sind die berufstätigen Leute, die ihre Arbeit anforderungsgerecht tun und wegen ihrer Leistung halt auch dementsprechend gut bezahlt werden.

Die Kehrseite bei gutem Gehalt der Arbeitnehmer ist das Problem der Unternehmen, die die gezahlten Löhne, durch den Verkauf ihrer produzierten Waren wieder ins Haus bekommen müssen. Oftmals müssen die Unternehmen neue Preise für ihre Produkte festlegen. Doch je höher die Preise der Waren sind, um so schwerer sind Abnehmer zu finden. Wer keine Abnehmer findet, muß notgedrungen Arbeitsplätze abbauen. Deshalb ist es für Unternehmen und deren Mitarbeitern immer so kompliziert, einen Kompromiß zu finden.

In einem sozialistischen Staat mit einer dort betriebenen Planwirtschaft dagegen, werden die dort lebenden Menschen dazu verleitet, den eigenen Nutzen auf Kosten der Gemeinschaft zu suchen. Wer ohne große Anstrengung ebensoviel verdient wie die Fleißigen, kann seinen Eigennutz einfacher und bequemer befriedigen als durch Arbeit für andere.

Das ist auch der Grund, warum sich sozialistische Wirtschaftssysteme nie halten konnten. Die in der DDR betriebene Planwirtschaft ist das beste Beispiel dafür. Solche Wirtschaftssysteme verstoßen mit ihren Regeln ständig gegen elementare menschliche Verhaltensweisen, Wünsche und Bedürfnisse.

Das Erfolgsrezept

Im Laufe dieses Jahrhunderts haben sich die Verhältnisse völlig neu gebildet. Staaten, die heute noch als „Agrarländer“ gelten, gehören zu den ärmsten dieser Welt. Wer einen Blick auf die Nachfolgestaaten der Sowjetunion, auf viele Länder Asiens, Afrikas oder Lateinamerikas wirft, wird feststellen, daß der Besitzer von großen Rohstoffvorkommen oder riesigen Landflächen garantiert keineswegs Wohlstand für die breite Bevölkerung, sondern allenfalls für eine kleine Oberschicht. Umgekehrt sind die wohlhabenden, sozial und politisch stabilisierten Länder der Welt überwiegend Staaten, die nur über sehr bescheidene oder gar keine Bodenschätze oder Energievorräte verfügen und in denen der Anteil der Landwirtschaft an der gesamtwirtschaftlichen Leistung nur noch sehr gering ist.

Beispiele dafür sind die Schweiz, Luxemburg, Dänemark, Schweden, die Niederlande, Frankreich, Belgien und nicht zuletzt Deutschland und Japan. Alles Länder, in denen die große Mehrzahl der Menschen noch zu Beginn unseres Jahrhunderts in bitterer Armut lebten.

Auch Kanada und die USA verdanken ihre Wirtschaftskraft und den hohen Lebensstandard heute nicht mehr in erster Linie ihren Rohstoffvorkommen, sondern dem, was sie daraus machen.

Wenn man danach fragt, was die wohlhabenden, hochentwickelten Staaten von den ärmeren Ländern unterscheidet, dann ist jene Frage wohl nicht mit der Antwort auf die Effektivität der Marktwirtschaft oder des Kapitalismus beantwortet. Denn marktwirtschaftliche Verhältnisse finden sich auch in den meisten Ländern Südamerikas und in Mexiko, in vielen Ländern Afrikas und Asiens, die auf der Rangliste der Wirtschaftsmächte weit unten stehen und noch sehr weit davon entfernt sind, den breiten Massen ihrer Bevölkerung sowohl einen ausreichenden Wohlstand als auch soziale Sicherheit und Gerechtigkeit bieten zu können.

Doch wenn man untersucht, was die reichen, hochentwickelten Industriestaaten gemeinsam haben, kommt man eigentlich auf das dahinterstehende „Erfolgsrezept“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 1

Je besser es die jeweiligen Länder verstanden haben, diese verschiedenen Elemente zu entwickeln und aufeinander abzustimmen, um so höher stehen sie hinsichtlich Wohlstand und Lebensqualität, sozialer Sicherheit und Umweltschutz auf der internationalen Rangliste. Denn nur in einem solchen Umfeld kann die Marktwirtschaft ihre volle Leistungsfähigkeit entfalten.

Und nur in einem solchen Umfeld, kann der Eigennutz in den Dienst für das Allgemeinwohls gestellt werden. Die Marktwirtschaft kann zwar selbst dann, wenn ihre Möglichkeiten optimal genutzt werden, keinesfalls von einem Tag auf den nächsten ein Wirtschaftswunder herbeirufen. Aber sie kann dafür sorgen, daß die Arbeit von Millionen Menschen sinnvoll verknüpft wird. Außerdem ist die Marktwirtschaft die Wirtschaftsordnung, die der Natur des Menschen entspricht und seine Kreativität am besten nutzt.

Eines allerdings fehlt der freien Marktwirtschaft. Und zwar die soziale Komponente. Deshalb muß sie durch eine soziale Ordnung ergänzt werden. Erst dann kann sie zu der berühmt berüchtigten „ Sozialen Marktwirtschaft “ werden.

Die „Soziale Marktwirtschaft“

Damit alle Bürger sozial abgesichert sind und unabhängig davon, ob sie aktiv am wirtschaftlichen Prozeß teilnehmen oder nicht, ein menschenwürdiges Leben führen können, wurde seit den fünfziger Jahren in der Bundesrepublik Deutschland ein immer umfassenderes und dichteres soziales Netz geschaffen. Neben der Vorsorge bei Alter und Krankheit bietet es Unterstützung für Arbeitslose und für Familien mit Kindern.

Wer sich aufgrund seines Einkommens keine angemessene Wohnung leisten kann, erhält Wohngeld oder eine hohe subventionierte Sozialwohnung und so weiter. Alles in allem wird von der Bundesrepublik Deutschland ein Jahresbudget von einem Drittel der gesamtwirtschaftlichen Leistungen für soziale Zwecke bereitgestellt. Und das entspricht über eine Billion DM. Natürlich kann eine soziale Marktwirtschaft nur dann auf Dauer erfolgreich und lebensfähig sein, wenn alle Bürger davon profitieren und der soziale Friede erhalten bleibt. Dann gilt aber natürlich auch, daß je erfolgreicher die Wirtschaft arbeitet, um so mehr kann für soziale Leistungen ausgegeben werden. Nur ein wohlhabendes Land kann die Armut bekämpfen.

Die Mittel für die soziale Sicherung müssen von hohen Steuern und Abgaben finanziert werden, und vor allem von denjenigen, die gut verdienen.

Deshalb ist der Steuertarif progressiv gestaltet, was bedeutet, daß die Berufstätigen mit steigendem Verdienst immer mehr von ihrem verdienten Einkommen als Steuern an den Staat abgeben müssen. Im Extremfall rund die Hälfte vom erarbeitetem Lohn. Die sogenannten Sozialabgaben, welche zum Beispiel mitunter die Renten-, Pflege-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung beinhalten, werden je zur Hälfte vom Arbeitgeber bezahlt. Sie sind als „Lohnnebenkosten“ Teil der gesamten Arbeitskosten.

Und die sind in der Bundesrepublik Deutschland deutlich höher als in vielen anderen Ländern, mit denen die deutsche Wirtschaft konkurriert. Allerdings entsteht daraus ein Problem. Denn zum einen ermöglichen die Abgaben zwar eine umfassende soziale Sicherung, zum anderen bewirken die hohen Arbeitskosten aber, daß eine wachsende Zahl von Produkten in Deutschland nicht mehr zu wettbewerbsfähigen Preisen hergestellt werden kann. Das führt zum Verlust von Arbeitsplätzen. Von einer bestimmten Höhe an verstärken soziale Leistungen das, was sie nachher lindern sollen, wie in diesem Falle die Arbeitslosigkeit.

Hier zeigt sich, daß eine immer weitere Steigung der sozialen Leistungen an Grenzen stößt. Denn zu ihrer Finanzierung muß der arbeitende Teil der Bevölkerung sonst ständig höhere Beiträge leisten. Deshalb gibt es inzwischen eine wachsende Zahl von Menschen, die sich fragen, ob es sich überhaupt noch lohnt zu arbeiten. Wenn die Differenz zwischen dem Arbeitseinkommen und dem unter Ausnutzung aller Möglichkeiten erreichbaren Sozialeinkommen immer geringer wird, ist das für die Stabilität des Systems der sozialen Sicherheit innerhalb der Marktwirtschaft, eine sehr gefährliche Sache. Die Kunst der Wirtschaftspolitik und der Sozialpolitik gesteht darin, daraus rechtzeitig die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Die marktwirtschaftliche Ordnung und die soziale Ordnung müssen einander ergänzen und stützen. Sie sind wie Yin und Yang: ohne sozialen Ausgleich wäre die Marktwirtschaft völlig uneffektiv. Denn dann würde neben unvorstellbarem Reichtum bald krasses Elend stehen, wie zum Beispiel in vielen Ländern Afrikas. Mit unserer Vorstellung von einer lebenswerten und gerechten Gesellschaft ist das unakzeptabel und schlecht. Umgekehrt ist eine leistungsfähige soziale Ordnung ohne Marktwirtschaft auch nicht möglich.

Denn Wohlstand muß erst einmal produziert werden, ehe er verteilt werden kann. Das vergessen viele Sozialpolitiker in Deutschland gelegentlich.

Für die „Soziale Marktwirtschaft“ gibt es deshalb kein fertiges, normgerechtes Rezept. Sie ist vielmehr ein Ziel, eine permanente, komplizierte Aufgabe, die es gilt zu bewältigen. Je nach ökonomischer Lage der Dinge muß die Gesellschaft manchmal mehr in die eine und mal mehr in die andere Richtung versteuern.

Aufgabenbereiche der „Sozialen Marktwirtschaft“

1. Schaffung einer sozialen Betriebsordnung, die den Arbeitnehmer als Mensch und Mitarbeiter wertet, Ihm ein soziales Mitgestaltungsrecht einräumt, ohne dabei die betriebliche Initiative und Verantwortung des Unternehmers einzuengen.

2. Verwirklichung einer als öffentliche Aufgabe begriffenen Wettbewerbsordnung, um dem Erwerbsstreben des einzelnen die für das Gesamtwohl erforderliche Richtung zu geben.

3. Befolgung einer Anti-Monopolpolitik zur Bekämpfung möglichen Machtmißbrauchs in der Wirtschaft.

4. Durchführung einer konjunkturpolitischen Beschäftigungspolitik mit dem Ziel, dem Arbeiter im Rahmen des Möglichen Sicherheit gegenüber Krisenrückschlägen zu geben. Hierbei ist außer kredit- und finanzpolitischen Maßnahmen auch ein mit sinnvollen Haushaltssicherungen versehenes Programm staatlicher Investitionen vorgesehen.

5. Marktwirtschaftlicher Einkommensausgleich zur Beseitigung ungesunder Einkommens- und Besitzverschiedenheiten, und zwar durch Besteuerung und durch Familienzuschüsse, Kinder- und Mietbeihilfen an sozial Bedürftige.

6. Siedlungspolitik und sozialer Wohnungsbau.

7. Soziale Betriebsstrukturpolitik durch Förderung kleinerer und mittlerer Betriebe und Schaffung sozialer Aufstiegschancen.

8. Einbau genossenschaftlicher Selbsthilfe wie zum Beispiel im Wohnungsbau und in der Wirtschaftsordnung.

9. Ausbau der Sozialversicherung.

10. Städtebauplanung.

11. Minimallöhne und Sicherung der Einzellöhne durch Tarifvereinbarungen auf freier Grundlage.

Quellenverzeichnis

- Hermann Weber: DDR, Grundriß der Geschichte 1945 - 1990, Hannover 1991, Fackelträger-Verlag

- Andre Fourcans: Die Welt der modernen Wirtschaft, New York 1999, Campus Verlag

- Müller-Armack, Alfred: Vorschläge zur Verwirklichung der Sozialen Marktwirtschaft, Bd. 34, Bern 1981

- F. J. Behet: Soziale Marktwirtschaft - Grundlagen und Entwicklung, Stuttgart 1987, Ernst-Klett-Verlag,

- Schüler Duden, Die Wirtschaft, Leipzig 1992, Duden-Verlag

Erklärung

Hiermit erkläre ich, daß ich die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne fremde Hilfe verfaßt und keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel verwendet habe. Insbesondere versichere ich, daß ich alle wortlichen und sinngemäßen Übernahmen aus anderen Werken als solche kenntlich gemacht habe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


Exzerpt(1 ): Aus: Mahr, Alexander: „Der bewältigte Wohlstand. Probleme der modernen Industriegesellschaft, Berlin 1964, S.13.

Grafik: Kleines Lexikon Wirtschaft, hrsg. Von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1991, S.193

Auszug1 aus: Fourcans, Andre: Die moderne Welt der Wirtschaft, New York 1999, S.138.

Auszug aus: Müller-Armack, Alfred: Vorschläge zur Verwirklichung der sozialen Marktwirtschaft (Mai 1948),Bd. 34, Bern und Stuttgart 1981, S. 90.

17 von 17 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung und Funktionsweise der sozialen Marktwirtschaft am Beispiel Bundesrepublik Deutschland
Veranstaltung
Semesterarbeit
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V102436
Dateigröße
361 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
14 Inhalt / 14 Form. Diese Arbeit ist sehr ausführlich und leicht verständlich ausgearbeitet und sehr informativ. Viel Spaß!*!*
Schlagworte
Bedeutung, Funktionsweise, Marktwirtschaft, Beispiel, Bundesrepublik, Deutschland, Semesterarbeit
Arbeit zitieren
Enrico Johannis Kobosil (Autor), 2001, Die Bedeutung und Funktionsweise der sozialen Marktwirtschaft am Beispiel Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102436

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