Geschichte Tirols


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
10 Seiten

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Die Geschichte Tirols

1. Landschaft:

a) Großlandschaft:

Anders als die übrigen Bundesländer liegt Tirol im Gesamtgefüge: jene scharen sich, einander stützend und schützend, zu einer wärmenden Lebensgemeinschaft im Gehege der östlich - südöstlichen Grenze; dieses ragt einsam aus dem Lebenskreis der brüderlichen Provinzen heraus, kehrt ihnen den Rücken und sticht geradewegs hinein in die Fremde der benachbarten Welt - das Stückchen Land vor dem Arlberg gleichsam als Fühler nach dem Westen ausstreckend.

Die Alpen weisen in Österreich eine ausgeprägte west-ost - verlaufende zonale Gliederung auf, die durch 2 große, in der gleichen Richtung verlaufende Längstalfluchten, welche die Zentralalpen von den Nordalpen bzw. den Südalpen trennen, noch verstärkt wird. Ihre landschaftliche Vielfalt beruht in erster Linie auf den Unterschieden in der Gesteinszusammensetzung, den Oberflächenformen, der Entwässerung und dem Pflanzenkleid der einzelnen Zonen sowie auf den unterschiedlichen Höhen.

Die nördliche, schmale Randzone der Alpen (FLYSCHZONE) ist überwiegend aufgebaut aus weichen Sandsteinen, Mergeln und Tonschiefer und charakterisiert durch runde Kuppen und sanfte Hänge mit Mischwäldern und Wiesen. An sie schließen sich im Süden die Kalkvoralpen an, ein stark bewaldetes Berggebiet aus wasserdurchlässigen Kalken und Dolomiten, das unter 2000 m bleibt und dessen helle Wände, Spitzen und Grate sich deutlich von den rundlichen Flyschbergen absetzen. Sie gehen im Süden in den mächtigen Zug der nördlichen Kalkalpen über, mit wuchtigen Ketten im Westen und massigen Kalkstöcken mit verkarsteten, wasserarmen Hochplateaus, die in den höchsten Teilen (Dachstein, Hochkönig) vergletschert sind, im Osten. Sie sind durch ihre schroff aufragenden, steilen Wände mit mächtigen Schuttkegeln, schluchtartigen Durchbruchstäler und siedlungs- und verkehrsfeindlich, aber vom landschaftlichen Erscheinungsbild her sehr beeindruckend. In scharfem Kontrast zu den schroffen Spitzen der Kalkalpen stehen die niedrigeren, gerundeten Berge der Schiefer- oder Grauwackenzone, Gunstzonen der Berglandwirtschaft und der Almwirtschaft, aber auch wegen ihres Erzreichtums (Magnesit, Kupfererz, Eisenerz) von großer wirtschaftlicher Bedeutung.

Die Südalpen, an denen Österreich nur in Kärnten und Osttirol Anteil hat, sind in Gesteinszusammensetzung und Oberflächenformen den Nordalpen ähnlich, aber nicht so klar gegliedert. Zu ihnen gehören die hohen Ketten der Südlichen Kalkalpen, von denen die eindrucksvollsten die mauerartig aufragenden Lienzer Dolomiten und die Karawanken sind. Im Gegensatz zu den kühlen, unter Westwindeinfluss stehenden Nordalpen sind sie jedoch durch ein milderes Klima und reichere Vegetation gekennzeichnet.

Die großen Täler und Becken bilden die Hauptsiedlungsräume innerhalb der Alpen. Das dicht besiedelte Inntal ist der Hauptlebensraum Tirols und Innsbruck die einzige Großstadt Österreichs, die im Alpenraum liegt.

b) Klima:

Innerhalb der Alpen (alpines Klima) bestehen in Folge der vielfältigen Kammerung und in Abhängigkeit von der Höhenlage erhebliche Klimaunterschiede, gemeinsam sind eher kurze Sommer, schnelle Wetterstürze und lange, schneereiche Winter.

In weiten Bereichen findet sich eine geschlossene Schneedecke auch in den Tälern während 3- 4 Monaten.

Die Niederschläge können in Tälern hoher Gebirgskämme sehr niedrig sein (beispielsweise nur 600 - 700 mm im Jahr im oberen Inntal bei Landeck), in den Staulagen der Nord - und Südalpen sehr hoch (höchste Niederschlagsmenge mit 2700mm pro Jahr in den karnischen Alpen durch Südstaulagen).

Ein berühmter lokaler Wind, der Föhn, ist charakteristisch für die Alpen. Es handelt sich um einen warmen, trockenen Fallwind, der zumeist aus dem Süden kommt und einen plötzlichen Temperaturanstieg und Schneeschmelze bringt.

Im Winter kommt es in Taltiefen und Becken häufig zur Ausbildung von Kälteseen und daher zur Temperaturumkehr mit Sonnenschein auf den Höhen und Nebel und Frost in der Tiefe -

Inversionslage.

2. Bevölkerung

a) Städte, Bezirke, bedeutende Siedlungen:

Tirol mit der Hauptstadt Innsbruck ist das drittgrößte österreichische Bundesland mit rund 631.000 Einwohner. Nur 13% der Fläche sind in dem alpinen Land besiedelbar. Rund 20% der Landesfläche sind nach dem Naturschutzgesetz zu Naturschutz-, Landschaftsschutz-, oder Ruhegebieten erklärt.

Bezirk Lienz: ~ 2 020 km2

Bezirk Innsbruck Land: ~ 1 990 km2

Bezirk Schwaz: ~ 1 843 km2

Bezirk Imst: ~ 1725 km2

Bezirk Landeck: ~ 1 595 km2

Bezirk Reutte: ~ 1 237 km2

Bezirk Kitzbühel: ~ 1 163 km2

Bezirk Kufstein: ~ 970km2

Bezirk Innsbruck Stadt: ~ 105 km2

Innsbruck:

Innsbruck ist mit seinen 112.000 Einwohnern Landeshauptstadt von Tirol, Universitätsstadt und Bischofsitz. Eine Fülle von Baudenkmälern aus allen Jahrhunderten lassen erkennen, dass Innsbruck mit seiner Gründung durch den Grafen von Andechs, 1180, von niemals nachlassender geschichtlicher Bedeutung war.

Vom damaligen Bau der Brücke über dem Inn - „Ynsprugg“ - bis hin zur heutigen Skyline der Landeshauptstadt liegen über 800 Jahre. Schon die Habsburger liebten diese Stadt und machten Innsbruck zur Residenzstadt. Innsbruck ist geprägt von einer lebendigen Geschichte, verbunden mit Namen wie Maximilian I. und Kaiserin Maria Theresia. Weiters erwähnenswert ist die Majestät der hohen Berge und Natur sowie der allgegenwärtige Kontrast alter Traditionen mit der Vitalität einer modernen Stadt.

1167/1183 wurde Innsbruck erstmalig urkundlich genannt, nach der Neugründung dieser „Inspruk“.

Kufstein:

Kufstein ist die Grenzstadt des Tiroler Unterlandes und die erste Stadt die der Besucher aus dem Osten mit dem Auto durchfährt, wenn er nach Innsbruck will. Ihr Wahrzeichen ist die Festung GEROLDSECK. Kufstein liegt in fünfhundert Meter Seehöhe am Fuße des Kaisergebirges.

788 wird Kufstein erstmals als „Caofstein“ erwähnt.

1257 wird es schon als Markt bezeichnet und schließlich verleiht Herzog Stefan III. 1393 Kufstein den Titel Stadt.

Kitzbühel:

Mit einer Seehöhe von nahezu 800m ist Kitzbühel im Sommer ein idealer Luftkurort. Es kann mit einer Reihe kunsthistorisch interessanten Bauten aufwarten, wie zum Beispiel der Liebfrauenkirche mit ihrem spätgotischem Turm aus dem 14. Jahrhundert usw. Kitzbühel ist nicht erst seit Toni Sailer weltberühmt. Der Skizirkus auf dem Hahnenkamm und die imposante Ostalpenlandschaft haben Kitzbühel schon vor Jahrzehnten bekannt gemacht.

Landeck:

Es liegt an der Verkehrskreuzung der Straßen zum Arlberg, Reschen und ins Inntal, war bereits in der älteren Bronzezeit besiedelt, erhielt durch seine Lage und durch die an der Peripherie gelagerten Burgen und Schlösser Landeck, Schrofenstein und Kronburg große Bedeutung. Seit 1900 gehen die zwei Gemeinden Angedair und Perfuchs mit den Ortsteilen Perfuchs, Perfuchsberg, Bruggen und Perjen ihre Geschichte gemeinsam. 1890 wurde sie eine politische, 1904 zum Markt, 1923 zur Stadt erhoben.

Imst:

Imst liegt auf frühbesiedeltem Boden. Es lag während der Römerzeit an der Via Claudia Augusta. 763 wird schließlich Imst als „Oppidum Humiste“ erstmals urkundlich genannt. Unter Graf Meinhard II. wurde Imst 1282 Markt und erst 1898 Stadt.

Reutte:

Reutte wird erstmals 1187 als „Reitti“ erwähnt. 1489 wird Reutte zum Markt erhoben. 1816 wird es zum Mittelpunkt des Außerfern, 1868 zum Sitz der gegründeten Bezirkshauptmannschaft Reutte. Der Markt Reutte wurde zu einem Wirtschaftszentrum. Mit der Industrialisierung erstarkten auch die Gewerbebetriebe.

Heute zählt es zu den bedeutendsten mitteleuropäischen Betrieben der Welt, der unter anderem auch die NASA beliefert.

Lienz:

Mit Einrichtung der politischen Bezirke wurde Lienz 1868 zur Bezirkshauptstadt.

1022/1039 wurde Lienz erstmals als „...in loco Luenzina“ für die Siedlung um St. Andrä auf der Anhöhe erwähnt.

1242 war die erste Erwähnung von Lienz als „Stadt“ („... in cicitate Luancem“) durch den Bozner Notar Jakob Haas.

b) Einwohnerzahl:

Tirol wird in 9 Bezirke unterteilt. Die Einwohnerzahlen lauten wie folgt:

Bezirk Innsbruck Land: ca. 153 000 Einwohner

Bezirk Innsbruck Stadt: ca. 112 000 Einwohner

Bezirk Kufstein: ca. 92 000 Einwohner

Bezirk Schwaz: ca. 74 000 Einwohner

Bezirk Kitzbühel: ca. 59 000 Einwohner

Bezirk Imst: ca. 53 000 Einwohner

Bezirk Lienz: ca. 51 000 Einwohner

Bezirk Landeck: ca. 43 000 Einwohner

Bezirk Reutte: ca. 31 000 Einwohner

c) Entwicklung:

Den Grundstock der Tiroler Bevölkerung bildet der bayrische Stamm - mit Ausnahme des Außerfern, das alemannisch ist. Beeinflusst wurde dieser Stamm von den Römern um 15 vor Christus, die sich dann zu den Rätoromanen verschmolzen.

Seit dem 6. Jahrhundert nach Christus überlagerten die germanischen Bajuwaren die rätoromanische Bevölkerung. Allerdings hielten sich die Rätoromanen im angrenzenden Engadin bis heute. Der Gebirgsraum wurde in mehreren Phasen erschlossen. Die alten Zentren entstanden an der Nähe des Abbaues von wertvollen Bodenschätzen wie Salz (Hall in Tirol), Silber (Schwaz, Rattenberg) oder Kupfer(Kitzbühel).

d) Verteilung der Bevölkerung:

Das Inntal ist die Hauptachse des Landes und bildet den Hauptlebensraum. Auf flachen Schuttkegeln und ausgedehnten niedrigen Terrassen („Mittelgebirge“) breiten sich stattliche Dörfer aus. Vor allem das mittlere Inntal zwischen Zirl und Zillertal begründet seine zentralräumliche Vorrangstellung mit der Siedlungsfläche und der verkehrsgünstigen Lage zum Brennerpass. In Osttirol übt das von der Drau durchflossene Lienzer Becken die Funktion eines Hauptsiedlungsraumes aus.

Geschlossenen ländlichen Siedlungen begegnet man auch im Lechtal und Drautal.

3. Wirtschaft und Verkehr

a) Tourismus:

Der Fremdenverkehr ist eine junge Einrichtung, denn in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es ihn nicht. Ab den 50iger Jahren beginnt der Massentourismus.

Fremdenverkehr ist besonders daher von so großer Bedeutung, da er einen regionalwirtschaftlichen Entwicklungsfaktor darstellt, der in Gebieten, die weder für eine intensive Landwirtschaft noch für den Industrieausbau geeignet sind, Wohlstand gebracht hat (bestes Beispiel: Paznaun). In Tirol stellt der Tourismus wohl den wichtigsten Wirtschaftszweig dar. Seit der Zwischenkriegszeit hat sich der Umfang des Fremdenverkehrs versechsfacht, wobei zwei Entwicklungsperioden zu unterscheiden sind:

1. Die dynamische Wachstums - und Ausbauperiode der späten 50iger und 60iger Jahre.
2. Die schwächere Expansion seit 1972 - Stagnation des Sommerfremdenverkehrs und kontinuierliche Zunahme am Wintertourismus.

Ganze Bergketten und Täler sind durch ein System hochgelegene Liftanlagen und Schiabfahrten miteinander verbunden. Die dynamischste Entwicklung aller Fremdenverkehrsräume haben die großen Wintersportzentren, die zugleich über eine gute Sommersaison verfügen, genommen. International anerkannt sind das Arlberg - Gebiet oder die Region Kitzbühel, das Gebiet Innsbruck - Seefeld (zweimalige Durchführung der Olympischen Winterspiele - 1964 und 1976), das Ötztal und Zillertal und seit der WM im Stanzertal auch St. Anton.

Infolge der überwiegend klein - und mittelbetrieblichen Struktur sowie wegen der starken Beteiligung der einheimischen Bevölkerung bei der Privatzimmervermietung sind die Breitenwirkung des Fremdenverkehrs und die Multiplikatorwirkung der Fremdenverkehrseinnahmen besonders groß. Im Tourismus hat sich auch eine Denkweise eingebürgert, die mehr zu einer industriellen Massenproduktion wird.

Es kann kein Zweifel darin bestehen, dass die flächenmäßige Ausdehnung der Winterfremdenverkehrsgebiete den Hauptmotor der österreichischen Fremdenverkehrsentwicklung darstellt. Natürlich belastet die weite Ausdehnung der Wintersportarealen bis auf die höchsten Gipfel die Natur. Fragen nach der ökonomischen Belastbarkeit und der Grenzen der Aufnahmekapazität von Fremdenverkehrsräumen gewinnen immer mehr an Bedeutung. Es wird Aufgabe der Regionalpolitik der nächsten Jahre sein, die bereits ausgebrochenen Konflikte zwischen Natur- und Landschaftsschützern einerseits und Tourismusbefürwortern andererseits auszugleichen und eine mäßige, die wirtschaftlichen Notwendigkeiten genauso wie den Landschaftsschutz berücksichtigende Entwicklung zu fördern.

c) Landwirtschaft:

Die Änderung der Wissenschafts- und Sozialstruktur der letzten Jahrzehnte führte dazu, dass die Landwirtschaft heute nicht mehr die dominierenden Erwerbeinlage darstellt. Der Fremdenverkehr wurde zur wichtigeren Erwerbsquelle.

Tirols Landwirtschaft ist jedoch überwiegend kleinbetrieblich strukturiert. Es erfolgt vielfach eine Ausweitung des Ackerfutterbaus in jeder möglichen Form neben der Grünlandwirtschaft und eine Konzentration auf Milchwirtschaft und Fleischproduktion. Mit diesem Strukturwandel konnten besonders die ökologisch benachteiligten Berggebiete nicht mithalten.

Das Ausmaß der Auflassung der Bergbauernhöfe im Vergleich zur Auflassung von Agrarbetrieben in den Flach - und Hügelländern darf auf keinen Fall überschätzt werden. Zwischen 1951 und 1960 ging zum Beispiel die Zahl der Bauernbetriebe in Tirol nur um 2 - 3% zurück, gegenüber 6 - 7% im österreichischen Durchschnitt. Besonders die Erträge aus dem Fremdenverkehr, an dem vor allem die Bergbauern entweder direkt durch Bereitstellung von Übernachtungsmöglichkeiten oder indirekt durch eine Vielfalt von Beschäftigungsmöglichkeiten im Nebenerwerb - vom Bergführer und Skilehrer bis zu Berufen im Hotel- und Gastgewerbe - partizipieren, haben wesentlich zur Besitzfestigung beigetragen.

Nebenerwerb und Mechanisierung führen jedoch in zunehmendem Ausmaß zu einer Einschränkung der landwirtschaftlichen Produktion und zu ihrer Konzentration auf ebene und wenig geeignete Flächen im Berggebiet, so dass in Hang- und Höhenlagen eine deutliche Extensivierung der landwirtschaftlichen Bodennutzung zu beobachten ist, die landschaftspflegerisch bedenklich ist. Heute werden mehr als 300.000 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche im Alpenraum nicht mehr genutzt, darunter 160 000 ha sogenannte „Bergmähder“, hoch gelegener, steilhängiger, schwer zugänglicher Bergwiesen, deren Bewirtschaftungsaufwand heute in keinem Verhältnis zum Ertrag mehr steht, weil der Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen und Geräte von Lage und Steilheit her unmöglich ist und weil die Arbeitskräfte für eine händische Bewirtschaftung dieser Flächen fehlen und gleichzeitig unbezahlbar wären.

Dies führt zu einem Qualitätsverlust der reizvollen, alpinen Kulturlandschaft, von dem wiederum der Fremdenverkehr besonders betroffen ist. Der Bergbauer erhält für seine landschaftspflegerische Tätigkeit im öffentlichen Interesse von den verschiedensten Körperschaften finanzielle Zuschüsse, die seine Existenzmöglichkeiten sichern sollen.

d) Bedeutende industrielle Zweige:

+ Silber und Kupfer Lieferant Europas:

Schon in urgeschichtlicher Zeit gab es in Tirol Bergwerke. Kupfer wurde aus dem Gebiet um Schwaz und von der Kelchalpe bei Kitzbühel als begehrtes Rohmaterial in dicht bevölkertes Gebiet nördlich und südlich der Alpen transportiert. Die große Zeit des Tiroler Bergbaues begann im frühen 15. Jahrhundert. Kitzbühel , Schwaz, Rattenberg, Hall, Imst... waren die bedeutensten Abbaugebiete.

Die wichtigsten Bergschätze waren Silber und Kupfer, Zink, Blei und auch Eisen.

Um 1500 konnten immer mehr kapitalkräftige fremde Geschäftsleute im Tiroler Bergbau Fuß fassen, so die Baumgartner und Fugger aus Augsburg.

+ Schwaz - aller Bergwerke Mutter:

Schwaz war das Zentrum des Tiroler Bergbaus und eine europäische Metropole der Silber- und Kupfergewinnung. Es wird „aller Bergwerke Mutter“ genannt. Während der Regierungszeit Maximilians wurden allein am Falkenstein 332 000kg reines Silber gewonnen.

Der Tiroler Bergbau hatte nicht nur wegen seiner reichen Produktion und seiner Absatzgebiete europäischen Charakter.

Nach Schwaz war schon zur Organisierung des Grubenbetriebes um 1420 „viel fembdes Berkvolk aus Beheimb (Böhmen), Saxn und mehr teutschn Lantn“ gekommen. Der Zustrom hielt an. Andererseits wurden später Tiroler Bergleute, Schmelzer und andere Fachkräfte nicht nur in den Nachbarländer, wie zum Beispiel noch Vorderösterreich, sondern in alle Welt berufen, unter anderem noch Russland und Venezuela.

+ 10 Millionen Tonnen Salz:

Überregionale Bedeutung hatte auch die Salzgewinnung in Hall, die als „Staatsbetrieb“ geführte Saline. Tiroler Salz wurde nach Vorderösterreich, in die Schweiz, nach Oberitalien und auch Inn und Donau bis ans Schwarze Meer verfrachtet. Man hat errechnet, dass in sieben Jahrhunderten (bis 1967) in Hall rund 10 Millionen Tonnen Salz erzeugt wurden. Die Haller Saline blieb bis in unsere Zeit.

In der Gegenwart haben nur mehr die Gewinnung von Magnesit im Gebiet von Hochfilzen und im hinteren Zillertal größere Bedeutung. Qualitativ gilt der Tiroler Magnesit als der beste der Welt, so dass er sich trotz großer Konkurrenz auf dem Weltmarkt behaupten kann. Die Tiroler Bodenschätze ermöglichten Entstehung und Entwicklung leistungsfähiger Verarbeitungspolitik, so dass ein nicht geringer Teil der aus den Tiroler Bergen geholten Metalle im eigenen Land verarbeitet werden konnte.

+ „Münzrevolution“ in Hall:

Silberreichtum in Tirol ermöglichte den Landesfürsten schon früh eine zielstrebige Finanz- und Münzpolitik. Unter Meinhard II. hatten die Tiroler bereits einen ersten Höhepunkt erreicht. Seine in Meran hergestellten Silberkreuzer hatten den zwanzigfachen Wert der üblichen Pfennige. Unter Herzog Sigmund wurde die Münzstätte 1477 nach Hall verlegt und blieb dort bis 1809 in Betrieb. Sigmund „der Münzreiche“ reformierte das Geldwesen in ganz Europa. In Hall wurde die größte europäische Silbermünze, der TALER „erfunden“. Damit wurde dem stärkeren Geldbedarf des damals im Umbruch begriffenen Wirtschaftsleben Rechnung getragen.

Sigmunds eingeführte Praxis, das Portrait das Herrschers abzubilden, setzte sich allgemein durch. Kaiser Maximilian ließ dann in Hall die ersten Schaumünzen prägen, die nicht als Geld, sonder als Geschenke dienten.

1566 begann in der Haller Prägstätte die maschinelle Herstellung, dieses System wurde europaweit nachgeahmt. Entsprechende Maschinen für Spanien sind in Hall konstruiert, dann in Segovia von Tirolern aufgestellt und noch lange Zeit betrieben worden.

Die große Tradition der Tiroler „Industrie“ aus der Zeit um 1500 wurde nie ganz unterbrochen, wenn auch die verschiedenen Produktionszentren des 17. und 18. Jahrhunderts keine so große Bedeutung hatten. Im 19. Jahrhundert setzte eine neue Welle der Industrialisierung ein, wobei die Ausnützung der Wasserkräfte des Landes eine wichtige Rolle spielte. Bemerkenswert ist, dass vor allem die uralte Tradition der Textilien- und Bekleidungserzeugung - als „Heimindustrie“ schon im Mittelalter behutsam - in moderner Form wieder aufgenommen wurde.

Mehrere Tiroler Unternehmen haben in der Gegenwart europäische Bedeutung, zum Beispiel das Metallwerk am Plansee, Swarowski - Werke in Wattens, die Schifabrik Kneissl, die phototechnische Fabrik Durst in Brixen, Firma Zuegg in Lana. In vieler Hinsicht ist Tirol natürlich vom Import verschiedenster Industrieprodukte aus allen europäischen Ländern abhängig. Die industrielle Entwicklung hat die überregionale Verflechtung der Wirtschaft jedoch gefördert.

+ Die Haller und die Bozner Märkte:

Im Inntal war es nicht Innsbruck, sondern die Nachbarstadt Hall, die sich zu einem internationalen Handelszentrum mit regelmäßigen, gut besuchten Märkten entwickelte. Ein großer Vorteil bot hier der beschiffbare Inn. Ein weiterer Anziehungspunkt Halls war natürlich das Salz. So wurde es zum Stapel- und Umschlagplatz, auch für Getreide, welches aus Bayern importiert wurde.

Noch bedeutender als Hall war Bozen, übrigens auch ein Flusshafen, denn die Etsch wurde von und bis Bozen mit Schiffen und Flößen befahren. Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts wurden die Bozner Märkte zuerst zweimal, später viermal jährlich abgehalten. Das Rege Geschäft ließ auch Wechselbanken entstehen. Für viele auswärtige Kaufleute wurde Bozen eine so wichtige Handelsstation, dass sie sich hier Häuser als Warenlager und Abstiegsquartiere erwarben.

Das Bozner Markprivileg wurde später von den größten Messestädten, wie Frankfurt, Leipzig und Wien, zum Vorbild genommen.

Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts ging die Anziehungskraft der Bozner Märkte stark zurück. Nach 1815 kamen die oberitalienischen Kaufleute überhaupt nicht mehr. Im 20. Jahrhundert lebten Tiroler Märkte in moderner Form neu auf.

e) Bevorzugte bzw. benachteiligte Räume:

Zentralräume: ⇒ INNSBRUCK

⇒ KUFSTEIN

Der bevorzugte Raum in Tirol ist das INNTAL und dessen Städte ( Innsbruck, Imst, Landeck...) Benachteiligt sind die Seitentäler besonders die Orte am Ende der Täler.

10 von 10 Seiten

Details

Titel
Geschichte Tirols
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V102462
Dateigröße
361 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Tirols
Arbeit zitieren
Marianne Sailer (Autor), 2001, Geschichte Tirols, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102462

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