In diesem Thesenpapier wird die Fragestellung bearbeitet, inwiefern eine gesetzliche Verankerung von Sorgfaltspflichten entlang der Lieferketten notwendig ist und ob beziehungsweise wie damit entsprechende Verbesserungen hinsichtlich sozialer und ökologischer Faktoren erreicht werden können.
Hierzu wird in Kapitel 2 die Verantwortung von Unternehmen in der Wertschöpfungskette im Allgemeinen aufgegriffen und konkrete notwendige Bestandteile einer gesetzlichen Regelung sowie die Auswirkungen auf entsprechend betroffene Unternehmen aufgeführt. Im darauffolgenden Kapitel wird Bezug auf die aktuelle Rechtslage genommen, um am Ende ein Fazit zu ziehen und dort etwaige Gegenargumente aufzuführen
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verantwortung in der Wertschöpfungskette
3. Aktuelle Rechtslage
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit einer gesetzlichen Verankerung von Sorgfaltspflichten entlang globaler Lieferketten. Dabei wird analysiert, inwiefern freiwillige Maßnahmen von Unternehmen zur sozialen Unternehmensverantwortung (CSR) bisher gescheitert sind und warum ein staatlicher Eingriff zur Gewährleistung sozialer und ökologischer Standards gerechtfertigt und betriebswirtschaftlich sinnvoll ist.
- Versagen freiwilliger Selbstverpflichtungen im Rahmen des Nationalen Aktionsplans (NAP)
- Die moralethische und ökonomische Begründung für unternehmerische Verantwortung
- Die Notwendigkeit und Ausgestaltung eines wirksamen Lieferkettengesetzes
- Der aktuelle Stand der legislativen Debatten in Deutschland und der Europäischen Union
Auszug aus dem Buch
2. Verantwortung in der Wertschöpfungskette
Der Einfluss von Unternehmen auf soziale und ökologische Bedingungen ist auf der gesamten Welt immens. Auf der einen Seite versuchen sich viele Unternehmen (oft vor allem große multinationale Konzerne) der daraus entstehenden Verantwortung zu entziehen. Auf der anderen Seite geben laut einer aktuellen Befragung 43 Prozent der Finanzverantwortlichen an, bei ihren Lieferanten stärker auf Nachhaltigkeit zu achten. Dabei sind CO2-Reduktion, Menschenrechte, humane Arbeitsbedingungen sowie Energieeffizienz die Kernaspekte. Vielen Unternehmen ist damit der nachhaltige Umgang mit Ressourcen, auch über das eigene Unternehmen hinaus, entlang deren Lieferkette, wichtig. An die in Kapitel 3 angesprochene freiwillige Selbstverpflichtung im Zuge des Nationalen Aktionsplans (NAP) halten sich im Moment allerdings nur ca. 22 Prozent der zuletzt befragten Unternehmen.
Dies zeigt, dass eine entsprechende freiwillige Regelung, wie sie bisher umgesetzt war, nicht funktioniert. Dabei wäre zu erwarten, dass Unternehmen zumindest in einem größeren Umfang, gewissen ethischen Grundsätzen folgen, ohne dass diese gesetzlich geregelt werden müssen. Nach den traditionellen Grundsätzen der Moral von Immanuel Kant wäre zu schlussfolgern, dass Unternehmen bereits so handeln müssten, wie es nun durch die Gesetzgebung vorgesehen ist. Er beschreibt zudem, dass bereits die reine Vernunft dem Menschen ein Sittengesetz gebe, nach welchem dieser handle. Diese moralische Norm als Teil der Pflichtenethik sollte in der heutigen Zeit gerade Aspekte wie Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung abdecken. In der Theorie hat eine Missachtung entsprechender Konventionen allerdings Sanktionen, in Form von gesellschaftlicher Ächtung, zur Folge. Dies würde bedeuten, dass Endverbraucher die Produkte von Unternehmen, die diesen Grundsätzen nicht folgen, nicht kaufen würden. Es zeigt sich allerdings, dass Sanktionen so bisher nicht stattgefunden haben und somit Unternehmen nicht gezwungen waren, sich an entsprechende Konventionen zu halten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Anhand des Beispiels eines Fabrikbrands in Pakistan wird die Problematik der mangelnden Haftung von Unternehmen für Verfehlungen in ihren globalen Lieferketten und die politische Relevanz der gesetzlichen Regelung eingeführt.
2. Verantwortung in der Wertschöpfungskette: Das Kapitel beleuchtet das Scheitern freiwilliger CSR-Instrumente und argumentiert aus ethischer sowie wirtschaftlicher Sicht für die Notwendigkeit verbindlicher Sorgfaltspflichten.
3. Aktuelle Rechtslage: Es wird der Stand der gesetzgeberischen Initiativen in Deutschland und der EU analysiert, wobei internationale Vorbilder wie Frankreich als Vergleich herangezogen werden.
4. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass eine gesetzliche Verankerung von Sorgfaltspflichten unabdingbar ist, da freiwillige Instrumente keine ausreichenden Anpassungseffekte bei Unternehmen erzielt haben.
Schlüsselwörter
Lieferkettengesetz, CSR, Soziale Unternehmensverantwortung, Sorgfaltspflicht, Nachhaltigkeit, Menschenrechte, Wertschöpfungskette, Wirtschaftsethik, Pflichtenethik, ESG, Haftung, Transparenz, Umweltschutz, Globalisierung, Unternehmensführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit, Unternehmen durch ein Lieferkettengesetz rechtlich dazu zu verpflichten, soziale und ökologische Standards entlang ihrer gesamten Produktionskette einzuhalten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die soziale Unternehmensverantwortung (CSR), die Grenzen freiwilliger Selbstverpflichtungen, die aktuelle politische Debatte in Deutschland und der EU sowie die ethische Begründung staatlicher Regulierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum freiwillige Instrumente wie der Nationale Aktionsplan (NAP) nicht ausreichen und warum eine gesetzliche Verankerung von Sorgfaltspflichten zum Schutz von Menschenrechten und Umwelt zwingend erforderlich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein Thesenpapier, das auf einer Analyse aktueller wirtschaftspolitischer Debatten, theoretischer Grundlagen der Wirtschaftsethik und dem Auswerten von Studien und Expertenmeinungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil analysiert die Verantwortung von Unternehmen in der Wertschöpfungskette, die Unwirksamkeit freiwilliger Ansätze, die moralische Pflichtenethik nach Kant und den aktuellen Rechtsrahmen im nationalen sowie europäischen Kontext.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Lieferkettengesetz, CSR, Sorgfaltspflichten, Menschenrechte und Nachhaltigkeit.
Warum hält der Autor freiwillige Maßnahmen für gescheitert?
Der Autor argumentiert, dass die niedrige Umsetzungsquote bei Unternehmen (ca. 22 Prozent beim NAP) und das Fehlen spürbarer Marktsanktionen belegen, dass CSR ohne gesetzlichen Zwang nicht zu den erforderlichen globalen Verbesserungen führt.
Wie bewertet der Autor das Risiko von Bürokratielasten?
Der Autor räumt ein, dass Bürokratiekosten befürchtet werden, hält diese jedoch für gerechtfertigt, da sie in keinem Verhältnis zum gesellschaftlichen Mehrwert und dem ethischen Gewinn einer gerechteren Welt stehen.
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- Fabian Frischknecht (Autor), 2021, Das Lieferkettengesetz. Zur Notwendigkeit einer gesetzlichen Regelung für soziale Unternehmensverantwortung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024635