Rückblick auf das 19.Jhrdt. in Deutschland


Referat / Aufsatz (Schule), 1999
2 Seiten

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Die großen Veränderungen: Ein Rückblick auf das 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert dauert bei den Historikern 125 Jahre, weil die Ereignisse und Entwicklungen von 1789 bis 1914 zusammen gehören. Die Revolution von 1789 wirkte überall in Europa wie ein Fanal für Reform-, Freiheits- und Nationalbewegungen gegen die „alten Ordnungen“ des Absolutismus. Die politischen Krisen, die 1914 den 1. Weltkrieg auslösten, hatten eine Ursache in dem Wettlauf der großen europäischen Nationalstaaten und Kolonien, um Rohstoffgebiete und Absatzmärkte seit 1880. Die Menschen des 19. Jahrhunderts würden uns von Revolutionen und Kriegen erzählen, vor allem jedoch von den großen Veränderungen, die ihr Leben beeinflussten, z.B. Stadt, Fabriken, Eisenbahnen, Schulen, Mietskasernen, Elektrizität, Zeitungen Wahl und Kino. Aber auch von Armut, Hunger, niedrigen Löhnen und langen Arbeitstagen würden sie erzählen.

Eine fast unglaubliche Veränderung der Natur und der räumlichen Umwelt der Menschen entstand um 1900. Auch die Karte Mitteleuropas zeigt große Veränderungen. Deutschland war 1789 der berühmte Fleckenteppich mit hunderten von Klein- und Kleinststaaten. Seit dem Siebenjährigen Krieg (1756 - 1763) gehörten zwei europäische Großmächte, Preußen und Österreich, dazu. Aber das Reich war keine politische und nationale Einheit. Seit 1871 gab es einen deutschen Nationalstaat, das Deutsche Reich. Von seinen 25 Bundesstaaten war Preußen die Führungsmacht, während die Österreicher seit 1866 nicht mehr dazugehörten. Der Historiker Walter Bußmann schreibt, die „Zauberworte der Epoche“ seien Nationalstaat, Verfassung, Maschine und soziale Frage gewesen. Eine Verfassung regelt das Zusammenleben einer Gesellschaft. Eine demokratische Verfassung garantiert die unveräußerlichen und unverletzlichen Grundrechte jedes Einzelnen. Heute scheint uns das alles selbstverständlich zu sein, aber diese Rechte erstritten sich die Menschen des vorigen Jahrhunderts erst in vielen Verfassungskämpfen und Revolutionen.

Die großen Veränderungen im Leben der Menschen, in der Politik, der Wirtschaft, der Wissenschaft und Technik, setzten sich im 19. Jahrhundert in dramatisch kurzer Zeit durch.

Die Aufklärung, des 17./18. Jahrhunderts, stand am Beginn der großen Veränderungen. Zur Aufklärung gehört die Entwicklung und Anwendung der Wissenschaften auf allen Gebieten.

Aber nicht nur dort sollte die Vernunft Denken und Handeln bestimmen. Wenn sie alle von der Natur mit Vernunft begabt sind, dann darf es keine absolute Herrschaft eines Königs geben, dann muss alle Herrschaft vom Volk ausgehen. Aufklärerische Vernunft kann sich nur dort entfalten, wo die freie Meinungsäußerung und die Toleranz gegenüber anderen Meinungen garantiert ist.

Träger der Aufklärung waren vor allem die Bürger in den Städten. Deshalb werden diese Revolutionen auch bürgerliche Revolutionen genannt. Aber die Ideale Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit waren mit der Beschränkung auf die wohlhabenderen und gebildeten Bürger nicht zu vereinbaren. Wenn alle Menschen mit Vernunft begabt sind, warum sollen dann nicht alle wählen und mitbestimmen? So wurde das 19. Jahrhundert das Jahrhundert der großen Emanzipationsbewegungen. Aber erst nach dem Ersten Weltkrieg sollte die politische Gleichberechtigung aller Staatsbürger entstehen.

Die Industrielle Revolution begann um 1770 in England. Seit ungefähr 1840 setzte sie sich auch in Deutschland durch.

Schon im 18. Jahrhundert ist die Bevölkerung schneller als die Zahl der Arbeitsplätze und der Ernährungsmöglichkeit gewachsen. Die Not war dadurch eine Massenerscheinung geworden.

Langfristig schuf die Industrielle Revolution neue Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten, aber kurzfristig verschärfte sie die Not für viele. Viele Handwerker und Heimarbeiter litten unter der Konkurrenz der Fabrik. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die soziale Lage der meisten Menschen durch den Ausbau der Industrie und auch durch Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft. Um 1910 konnten sich die Arbeiter und ihre Familien einigermaßen ernähren und kleiden. Um 1850 hatten viele Menschen in der Industrie noch ein Teufelswerk gesehen, fünfzig Jahre später war sie die Verkörperung von Wohlstand und Fortschritt. Jedoch nahmen die Unterschiede zwischen den Reicheren und den Ärmeren zu.

Verfassung, Nationalstaatsbildung, Industrialisierung - diese drei ineinander verschränkten Prozesse bestimmten das 19. Jahrhundert. Seit 1880 kam der Imperialismus hinzu.

Der Kampf der großen europäischen Nationalstaaten um die Aufteilung der Welt wurde härter. Im Zusammenprall der sich immer schneller entwickelnden Zivilisationen Europas und Nordamerikas mit den ganz anderen Kulturen Afrikas und Asiens entstand jedes Gefälle der Ungleichheit, das noch heute unsere Welt bestimmt. Gleichzeitig kam es zu einem Konkurenzkampf der großen europäischen Nationalstaaten untereinander. England und Frankreich hatten einen klaren Vorsprung. Umso gebieterischer verlangten jetzt Deutschland und Italien ihren „Platz an der Sonne“, einen Anteil an der Aufteilung der Welt. Russland und Österreich- Ungarn versuchten ihren Einfluss auf Asien bzw. Südosteuropa und das alte Osmanische Reich auszudehnen. Dieser imperialistische Machtwettbewerb führte 1914 in den Ersten Weltkrieg. Sein Ende leitete den Niedergang der europäischen Vorherrschaft in der Welt ein.

Verfassung, Nationalstaatsbildung, Industialisierung, Imperialismus - das waren die grundlegenden Entwicklungen und Veränderungen im 19. Jahrhundert. Welche davon die wichtigste war ist nicht eindeutig zu beantworten. Es kommt dabei auf den Standpunkt des Betrachters von heute an. Wer den Fortschritt für wichtig hält, wird die Industrialisierung als wichtigste Veränderung bezeichnen. Wer die Geltung von Menschenrechten als sehr bedeutsam erachtet, wird den Verfassungskämpfen und den Emanzipationsbewegungen besonders Aufmerksamkeit schenken. Hier gibt es kein Richtig oder Falsch.

Wir dürfen aber die Geschichte nicht nur von heute aus beurteilen. Wir müssen dabei auch bedenken, was die Menschen des 19. Jahrhunderts für wichtig und richtig hielten. Wenn wir das 19. Jahrhundert beurteilen, müssen wir also immer beides tun: die Menschen in ihrer Zeit verstehen und die Zeit von heute aus erklären und beurteilen.

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Details

Titel
Rückblick auf das 19.Jhrdt. in Deutschland
Autor
Jahr
1999
Seiten
2
Katalognummer
V102468
Dateigröße
326 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rückblick, Jhrdt, Deutschland
Arbeit zitieren
Katrin Faber (Autor), 1999, Rückblick auf das 19.Jhrdt. in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102468

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