Print-Presse nach dem zweiten Weltkrieg in der amerikanischen Zone


Seminararbeit, 2001

17 Seiten, Note: zwei


Leseprobe

I.) Vorgehensweise:

In meiner Arbeit beschäftige ich mich mit der Pressepolitik der Alliierten nach dem zweiten Weltkrieg.

Da das Thema sehr ausführlich ist, habe ich mir speziell das Zeitungswesen herausgegriffen. Die Print-Presse wurde besonders von den Amerikanern geprägt -es kann von einer Amerikanisierung gesprochen werden.

Ich gebe zuerst kurz den Hintergrund mit den Zielen der Alliierten wieder, beschreibe dann die Informationspolitik der Alliierten vor der Stunde Null, erläutere das neue entstehende Pressegesetz und vergleiche dann den deutschen und amerikanischen Pressestil bei der Print-Presse. Anhand der

„Neuen Zeitung“ -einer amerikanischen Zeitung für die deutsche Bevölkerung -erläutere ich, wie der neue amerikanische Stil auf deutschen Boden übertragen werden sollte und welche Probleme es damit gab.

II.) Hintergrund: Pressewesen am Ende des Krieges und Ziel der Alliierten

Pressewesen das zentrale Anliegen der Alliierten

Mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands und dem Ende des zweiten Weltkrieges hörte das bisher bestehende deutsche Presse-und Verlagswesen auf zu existieren. Die Druckereibetriebe und Verlage wurden geschlossen, die zugehörigen Redaktionen aufgelöst.

Das Pressewesen war ein wichtiges, wenn nicht zunächst das wichtigste Anliegen der Alliierten. Denn es stand ihnen nicht nur eine riesige deutsche Armee, sondern auch eine riesige Propagandamaschinerie, geleitet von Goebbels, gegenüber.

Es war zunächst ein totaler „Black Out“ der deutschen Medien nach dem Kriegsende geplant.1 Aber durch den anhaltenden Kriegsverlauf konnten die befreiten Gebiete nicht ohne Informationen bleiben. So kam es, dass schon vor dem eigentlichen Kriegsende die Alliierten in ihren befreiten Zonen Zeitungen herausgaben, um die deutsche Bevölkerung über die Verbrechen der Nazis und den Stand des Krieges zu informieren. Zu dem wurden über deutschem Gebiet zeitungsähnliche Flugblätter abgeworfen.

Die gesetzliche Grundlage für den Neuaufbau des Pressewesens wurde am 24. November 1944 durch ein Gesetz der Militärregierung geschaffen. „Für eine Übergangsphase sollten militärische Nachrichtenblätter die Information der Deutschen übernehmen, ehe der systematische Neuaufbau beginnen sollte“.2

Um eine nationalsozialistische Einfärbung der Presse zu verhindern, führten die drei Westmächte ein Lizenzsystem zur Publikation deutscher Zeitungen ein. Nur politisch Unbedenkliche und nicht nationalsozialistisch vorbelastete Personen durften eine Zeitung herausgeben oder als Journalisten tätig sein. Wer eine Lizenz beantragte, wurde genaustens über sein politisches Vorleben überprüft. Das Lizenzsystem sollte verhindern, dass die Altverleger aus der NS-Zeit wieder Einfluss auf das Informationswesen nehmen. Die Amerikaner setzten sich für ein Herausgeberkolleg ein: Drei oder mehr Männer mit unterschiedlicher Weltanschauung sollten die jeweilige Zeitung herausbringen.

Vor allem die Amerikaner prägten das zukünftige Pressewesen der Print-Medien. Das zentrale Anliegen der Amerikaner war es, den Deutschen die Demokratie als das einzig richtige Staatssystem zu vermitteln.

Als sich die USA auf die Besatzung Deutschlands vorbereiteten und für die zu besetzenden Regionen Richtlinien über das zukünftige Pressewesen schrieben, wurde in der Regierung und in der Öffentlichkeit (Readers Digest, Harpers Magazin) die Frage gestellt, ob die Deutschen überhaupt demokratisierbar seien: „Die Deutschen seien Militaristen, chronisch aggressiv, der deutsche Staat müsse zerschlagen, das Gebiet unter internationale Kontrolle gestellt werden, anderenfalls würden die Deutschen nach kurzer Zeit wieder andere überfallen und einen weiteren noch schlimmeren Weltkrieg anzetteln. Es sei gänzlich unmöglich, die Deutschen zu ändern.“3

Um dieses Ziel der Demokratisierung zu verwirklichen, war es aus amerikanischer Sicht notwendig, dass das US-Pressesystem vollständig übernommen wurde. Deutsche Journalisten wurden angelernt beziehungsweise umerzogen -„Reedukation“ und „Reorientation“ stand für sie auf dem Plan.

Das gemeinsame Ziel der Alliierten für Deutschland lässt sich gemäß der Potsdamer Konferenz (17.7. – 2.8.1945) in fünf „De´s“ zusammenfassen: De mokratisierung, De nazifizierung, De militarisierung, De kartellisierung und De zentralisierung.

Zu dem einigten sich die Alliierten auf folgende Punkte:

-Keine Zulassung eines Generalanzeigertyps
-Kein Wiederaufleben riesig]er Pressemonopole von der Art eines Hugenberg-Konzerns
-Aufbau einer regionalen und lokalen Presse zur Unterstützung des Föderalismusgedankens4

Zu mehr Übereinkünften ist es nicht gekommen, ein allgemein gültiger Pressekodex wurde nicht vereinbart. In jeder der besetzten Zonen gab es eigene Richtlinien, in der britischen Besatzungszone wurde zum Beispiel noch ein Fünfpunkteplan für die Entwicklung der Presspolitik festgelegt:

-Vernichtung der nationalsozialistischen Propagandaeinrichtung
-Bereitstellung von Informationsquellen, Druck-und Verlagsbetrieben und Personal
-Veröffentlichung von Informationsmaterial aus alliierten Quellen
-Herstellung von Informationsmedien durch die Deutschen selbst, mit Berücksichtigung des Geschmacks und Standards
-Lizenzierung von Zeitungen unter deutscher Leitung mit Nachzensur
-Langfristiges Ziel der Briten war zunächst eine objektive Darbringung von Nachrichten.5

Da die Amerikaner das Ziel der „Reedukation“ in den Vordergrund rückten, sollte die Presse vor allem das Schuldgefühl bei den Deutschen wecken:

„Der erste Schritt der Umerziehung wird sich ausschließlich darauf beschränken, die Deutschen mit jenen unwiderlegbaren Tatsachen zu konfrontieren, die eine Einsicht in die deutsche Kriegsschuld und in die Kollektivschuld für solche Verbrechen wie die Konzentrationslager wachrufen.“6

[...]


1 Norbert Frei: Amerikanische Pressepolitik im Nachkriegsdeutschland, in: Zeitschrift für Kulturaustausch 37 (1987), S. 306

2 Norbert Frei: Amerikanische Pressepolitik im Nachkriegsdeutschland, s. 306

3 Ulrich Bausch: Der schwierige Abschied vom Obrigkeitsstaat http://www.lpb.bwue.de/aktuell/bis/3_99/zivil3.htm Zeitschrift: Auf dem Wege zur Zivilgesellschaft

4 Kurt Koszyk: Presspolitik für Deutsche 1945 – 1949, Geschichte der deutschen Presse, Teil IV, Colloquium Verlag, Berlin, 1986, S.369

5 Stephan Schölzel: Die Pressepolitik in der französischen Besatzungszone 1945 – 49, von has & Koehler Verlag, Mainz, 1986, S. 29-31

6 Harold Hurwitz: Die Stunde Null der Deutschen Presse, S. 36

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Print-Presse nach dem zweiten Weltkrieg in der amerikanischen Zone
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
zwei
Autor
Jahr
2001
Seiten
17
Katalognummer
V102477
ISBN (eBook)
9783640008599
ISBN (Buch)
9783640859740
Dateigröße
378 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Print-Presse, Weltkrieg, Zone
Arbeit zitieren
Eike Völker (Autor), 2001, Print-Presse nach dem zweiten Weltkrieg in der amerikanischen Zone, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102477

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