Frisch, Max - Homo Faber - Kann man Max Frischs Homo Faber auch als modernen Ödipus verstehen?


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

8 Seiten, Note: 2


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Max Frisch, Homo Faber - Kann man Max Frischs Homo Faber auch als modernen Ödipus verstehen?

Max Frisch wurde am 15. Mai 1911 in Zürich geboren. Sein Vater Franz Bruno war Architekt, seine Mutter arbeitete eine Zeit lang in Russland als „Kinderfräulein“. Frisch besuchte von 1924 bis 1930 das Kantonale Realgymnasium in Zürich, später studierte er zunächst Germanistik, brach dieses Studium jedoch wegen des Todes seines Vaters ab. Danach war er für kurze Zeit als Journalist tätig. Im Jahre 1936 begann er ein Architekturstudium, das er 1941 abschloss. Obwohl für ihn zeitweise eine Karriere als Architekt im Vordergrund stand, gab er das Schreiben nie ganz auf. Hatte er doch bereits mit sechzehn Jahren ein Schauspiel geschrieben, welches er selbstbewusst dem berühmten Regisseur Max Reinhard schickte. Wegweisend für seine spätere schriftstellerische Arbeit war ein kurzes Prosawerk: „Ein Tagebuch mit der Geschichte von Marion“ (1946).

Internationales Ansehen erlang Frisch durch die drei Romane „Stiller“ (1954), „Homo faber“ (1957) und „Mein Name sei Gantenbein“ (1957). Diesen Werken folgten unter anderen noch das Drama „Andorra“ (1961), sein „Tagebuch“ (1972), „Montauk“ (1975), „Der Mensch erscheint im Holozän“ (1973) sowie schließlich sein letztes Werk, „Blaubart“ (1982). Für seine Arbeiten erhielt Frisch zahlreiche Preise, darunter den Wilhelm-Raabe- Preis (1955), den Schiller-Preis, den Friedenspreis des deutschen Buchhandels (1976) und den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf, den er zwei Jahre vor seinem Tod am 4. April 1991 entgegennahm. Im Folgenden möchte ich mich mit seinem Werk „Homo faber“ befassen und untersuchen, ob man Frischs „Homo faber“ auch als modernen Ödipus verstehen kann.

Ödipus war der Sohn von Laios, dem König von Theben, und der Iokaste. Laios war vom delphischen Orakel davor gewarnt worden, einen Sohn zu bekommen, da dieser ihn töten und seine Mutter heiraten würde. Als Iokaste trotzdem einen Sohn gebar, setze man diesen auf dem Berg Kithairon mit durchstochenen Füßen aus. Er wurde jedoch von einem thebanischen Hirten gerettet und später einem korinthischen Hirten übergeben, welcher das Kind zu König Polybos und dessen Frau Merope nach Korinth brachte, die ihn als Sohn aufnahmen. Sie gaben ihm den Namen Ödipus, was soviel wie „Schwellfuß“ bedeutet. Als Ödipus später das Orakel nach seiner geheimnisvollen Herkunft befragte und dieses die damalige Prophezeiung wiederholte, verließ Ödipus seine vermeintliche Heimat in Korinth um seinen Eltern Tod und Inzest zu ersparen. Auf dem Weg durch Phokis begegnete er an einem Dreiweg Laios. Da er dessen Wagenlenker nicht rechtzeitig auswich, geriet er mit ihm in Streit und erschlug dabei seinen ihm unbekannten Vater. Später löste er das Rätsel der Sphinx, ein weibliches Ungeheuer mit Löwenleib und Menschenhaupt, und bekam dafür als Dank dafür den Thron und die Hand der Königin, die ihm vier Kinder gebar. Als viele Jahre später in Theben die Pest ausbrach, begann Ödipus nach dem Mörder des Laios zu suchen um die Götter zu besänftigen. Als er jedoch erkennen musste, dass er selbst der Mörder ist und er seine eigene Mutter geheiratet hat, stach er sich die Augen aus und irrte von da an als Blinder umher. Iokaste, seine Mutter-Gattin, erhängte sich daraufhin1. Vergleicht man nun Frischs „Homo faber“ mit Sophokles’ „Ödipus“, so kann man doch gewisse Parallelen feststellen. Beide Werke werden in einer analytischen Form erzählt, das heißt es wird das, was bereits geschehen ist, nach und nach enthüllt. Dies kann man an vielen Stellen im Buch aufzeigen: zum Beispiel berichtet Faber erst nach dem Abschied von Ivy über die Rückfahrt von Joachims Plantage2. Dies lässt darauf schließen, dass es für ihn sehr unangenehm ist, an die Bestattung Joachims und an die nächtliche Fahrt durch den tropischen Regenwald zu denken. Diese „Nachholtechnik“ ist jedoch auch durch Fabers Intention bestimmt: Faber will immer die Wahrheit darstellen, jedoch fürchtet er sich auch gleichzeitig oft vor ihr und versucht sie zu verdrängen, solange es ihm möglich ist, bis er dann doch zwanghaft zu ihr zurückkehrt3. Eine weitere Gemeinsamkeit besteht darin, dass Griechenland der letzte Ort, sozusagen die Endstation der Hauptcharaktere ist. Deutlich wird der Bezug zwischen Griechenland und dem Tod im Krankenhaus zu Athen. Als Faber dort vor dem Spiegel steht, kommt er sich vor „wie der alte Indio in Palenque, der uns die feuchte Grabkammer zeigte“4. Auch die Tatsache, dass seine Fortbewegungsmittel immer langsamer und gebrechlicher werden, je näher er an Athen herankommt, nämlich von Flugzeug über Schiff und Auto bis hin zum Eselskarren, kann man als Vorausdeutung auf den Tod auslegen. Denn genau wie sie wird auch Faber immer gebrechlicher, was am Fortschreiten seines Magenkrebses liegt5. Doch es bestehen noch viele Parallelen: so haben beide die Menschen von einem Übel befreit. Während Ödipus das Rätsel der Sphinx löste, hat Faber durch seine Arbeit als Ingenieur bei der UNESCO den Menschen in technisch unterentwickelten Ländern durch verschiedene Projekte geholfen, ihr Leben zu verbessern 6. Allerdings macht Faber dies nicht aus reiner Menschenliebe. Er braucht eine Bestätigung, dass er mit Hilfe der Technik „besser“ ist als andere. Deswegen bezeichnet er auch alle Völker, die noch keine moderne Technik besitzen, als unterentwickelt und stellt sich somit über sie. Auch Ödipus stellt sich durch die Lösung des Rätsels über die anderen Menschen, da er zum König gekrönt wird und über sie herrschen kann. Eine weitere Gemeinsamkeit ist ihr Wunsch nach Blindheit. Während Ödipus sich nach der Heirat seiner Mutter und der Erkenntnis, dass er der Mörder seines Vaters ist, die Augen aussticht und damit Selbstjustiz begeht, spielt auch Faber auf der Zugfahrt nach Zürich mit dem Gedanken, im Speisewagen die beiden Gabeln zu nehmen, sie in seinen Fäusten aufzurichten und in sein Gesicht fallen zu lassen, um seine Augen loszuwerden7. So wie Ödipus gegenüber dem Schicksal, das die Götter über ihn verhängten, blind war, geht auch Faber blind durchs Leben und macht sich - im Gegensatz zu den alten Griechen, die glaubten, dass die Götter das Schicksal eines jeden Menschen vorherbestimmten - ein Bild von sich selbst. Dieses Bild entspricht jedoch nicht der Realität, denn er konstruiert fälschlicherweise ein Leben, in welchem er planen und berechnen kann und in dem es keine Zufälle gibt8. Doch auch in punkto Inzest und der damit verbunden Schuld gibt es Analogien: Faber und Ödipus verstoßen zwar subjektiv unwissend gegen eine Naturordnung, das heißt, sie trifft keine unmittelbare Schuld. Jedoch hätten sie, wenn sie wirklich gewollt hätten, auch schon früher auf die Wahrheit stoßen können. Ödipus hätte seine scheinbaren Eltern in Korinth schon damals, nämlich gleich nach dem zweiten Orakelbesuch nach seiner wahren Herkunft befragen können, anstatt davonzulaufen. Und auch Faber hätte schon in Italien wissen können, dass Sabeth seine Tochter ist, jedoch blieb er, statt nach der Wahrheit zu suchen, bei einer Mischung aus Geahntem und Gefürchtetem9. Erst viel später gesteht er es sich sein: „Ich wusste es.“10 Bis zu diesem Zeitpunkt schreibt Faber den gesamten Bericht als eine einzige Rechtfertigung. Sein wichtigstes Argument für seine Unschuld ist, dass Sabeth es war, die die Initiativen ergriff: Denn „jedenfalls war es das Mädchen, das in jener Nacht, nachdem wir bis zum Schlottern draußen gestanden hatten, in mein Zimmer kam -“11. Dies kann man mit dem sogenannten „Elektra-Komplex“ erklären: ein Mädchen verliebt sich nach der Geburt zuerst in die Mutter, aber schon bald wendet es sich unter dem Eindruck des eigenen Penismangels dem Vater zu und hegt im Unterbewusstsein den Wunsch, sich mit ihm sexuell zu vereinigen. Auf diese Weise wird auch Sabeths kontaktsuchendes Verhalten gegenüber dem einer anderen Generation angehörenden Faber verständlich12.

Bevor wir uns nun den Gegensätzen widmen, möchte ich noch ein paar Stellen im Roman ansprechen, welche auf die griechische Mythologie anspielen. Zum einen ist das die „Mittagsstille“, in der sich auch Sabeths Unfall ereignet. Der antiken Mythologie zufolge ist das die Zeit, in der man die Macht des Gottes Pan am deutlichsten spüren kann. Dieser Gott ist für die Geschlechtskraft und das zeugende Leben verantwortlich, und sobald ein Mensch diesem Gott begegnet, wird er in „panischen“ Schrecken versetzt13. Dies trifft auch auf Sabeths Unfall zu, denn als Faber nackt aus dem Wasser auf sie zugeht, weicht sie erschrocken zurück und stürzt schließlich rücklings die Böschung hinab. Einen weiteren klaren Hinweis auf die griechische Mythologie stellt Sabeths Schlangenbiss dar. Schlangen waren für die Griechen Tiere der geheimnisvollen Erdentiefen und die Dienerinnen der Erddämonen. In ihnen, so Freud, spiegelt sich jedoch auch häufig der Vater-Tochter-Inzest wieder. Zu diesen Erddämonen zählen auch die Erinnyen, welche die antiken Rachegöttinnen verkörpern. Dass an Sabeths Tod die Erinnyen, welche die Schützerinnen der sittlichen Ordnung waren und erbarmungslos alles Unrecht, besonders Blutschuld und Inzest, bestraften und dem Frevler Wahnsinn, Tod und Verderben brachten, schuld sind, zeigt sich besonders im italienischen Museo Nazionale, als Faber den „Kopf einer schlafenden Erinnye“ für sich entdeckt. Denn „wenn Sabeth (oder sonst jemand) bei der Geburt der Venus steht, gibt es Schatten, das Gesicht der schlafenden Erinnye wirkt [infolge einseitigen Lichteinfalls] sofort viel wacher, lebendiger, geradezu wild“14. Da Venus die Göttin der Fruchtbarkeit und der Liebe ist und sie somit einen starken Kontrast zu der Erinnye darstellt, wird die Wirkung noch verstärkt: Steht Sabeth neben der Liebe und Fruchtbarkeit, wird der Hass und das Verderben lebendig. Als letzte Anspielung möchte ich den Vergleich mit Klytemnästra nennen. Sie war die Gattin des Agamemnon, welcher das griechische Heer vor Troja führte. Da er jedoch ihre gemeinsame Tochter Iphigenie geopfert hat, um die Götter den Griechen günstig zu stimmen, erschlägt Klytemnästra ihn rücklings im Bad mit einer Axt15. Auch als Faber in Hannas Wohnung in der Badewanne liegt, fragt er sich, warum Hanna nicht eintritt um ihn „von rückwärts mit einer Axt zu erschlagen“16.

Doch kommen wir nun zu den Unterschieden, wovon ebenfalls eine ganze Reihe existieren. Ein wichtiger Gegensatz findet sich in der Menschenkenntnis der Protagonisten. Ödipus musste, um das Rätsel der Sphinx zu lösen, die Menschen und ihr Verhalten vom Kindesalter bis zum Greis kennen. Faber hätte dieses Rätsel wohl nie lösen können, da er seine Mitmenschen weder ertragen kann noch verstehen will. „In seiner Ich-Bezogenheit kann er sich weder auf sie einstellen noch ihnen emotionale Zuwendung geben. Sie gehen ihm, wie Herbert beim Start in New York, ‚auf die Nerven’17, sind ‚eine Anstrengung’18 für ihn, ‚auch Männer’1819. Aus diesen Gründen möchte Faber allein sein und sich am liebsten in engem Kontakt mit technischen Geräten befinden, weil sie ihm keine Gefühle abverlangen20. Ein weiterer Unterschied besteht in dem Streben nach unterschiedlichen Gütern. Während Ödipus nach der Macht der Elterngeneration strebte und dies durch das Ermorden seines Vaters und die Heirat seiner Mutter auch erreichte, strebt Faber nach den Gütern der Jugend. Auch Hanna betont, er habe sich „so verhalten, als gebe es kein Alter, daher widernatürlich. Wir können das Alter nicht aufheben...“21. Der Grund für das Streben Fabers nach der Jugend kann man mit dem veränderten Zeitgeist begründen. Zu Zeiten Ödipus’ galten die älteren Menschen als Vorbild und man versuchte, ihre Lebenserfahrung und Weisheit zu erreichen. Heutzutage zählen Schönheit, Jugend und Ausstrahlung. Auch die Verschiedenheit der Inzestpartner, hier die Mutter, da die Tochter ist deutlicher Ausdruck des oben beschriebenen Strebens nach unterschiedlichen Gütern. Jedoch gibt es für Ödipus’ Verhalten laut Siegmund Freud noch eine andere Deutungsmethode, nämlich den gleichnamigen „Ödipus-Komplex“. Hierbei handelt es sich um das Gegenteil des „Elektra-Komplexes“, welches bei Sabeth und Faber auftritt. Beim Ödipus-Komplex hingegen verliebt sich das männliche Kind zunächst auch in die Mutter, wechselt dann jedoch nicht zum Vater über sondern versucht, ihn als Rivalen zu beseitigen22. Diese Interpretation ist allerdings sehr umstritten, da die Umstände, der Einfluss des Schicksals bzw. der Götter, das fortgeschrittene Alter sowie die fehlende Absicht Ödipus’ berücksichtigt werden müssen. Der nächste Unterschied ist jedoch wieder eindeutig: es ist die Tatsache, dass Ödipus an die Götter und das Schicksal glaubt, Faber hingegen diese unter keinen Umständen akzeptiert, denn er „glaube nicht an Fügung und Schicksal [...]“23. Faber ist ein Mann der Technik, er muss alles durch Statistiken und Tabellen belegen und ist „gewohnt mit den Formeln der Wahrscheinlichkeit zu rechnen“24. So brauche er, um das Unwahrscheinliche als Erfahrungstatsache gelten zu lassen, keinerlei Mystik, da ihm die Mathematik vollkommen genüge25. Auch wäre es bei Faber nicht das gleiche Schicksal wie bei Ödipus. Denn Fabers Schicksal „kommt [allerdings] nicht von außen, von höheren Mächten, sondern aus den verdrängten Schichten seines Innern und hängt mit seinem Techniker-Konzept zusammen, das alles Nichtberechenbare ignoriert...“26. Sowenig wie Faber an Schicksal glaubt, sowenig kann er sich auch eigene Schuld eingestehen. Wie bereits oben schon erwähnt, schreibt Faber seinen ganzen Bericht als eine reine Rechtfertigung gegenüber der Beziehung zu Sabeth und deren Tod. Dass er sich im Vergleich zu Ödipus seine Schuld daran nicht eingestehen kann, kann man am Beispiel der Blindheit erkennen: Ödipus begeht Selbstjustiz, indem er sich mit zwei Gabeln die Augen aussticht. Faber spielt auf der Fahrt nach Zürich ebenfalls mit dem Gedanken, jedoch vollendet er ihn nicht27. Faber kann seine Schuld allerdings nicht nur sich selbst gegenüber nicht eingestehen, er kann es auch gegenüber Hanna und den Ärzten im griechischen Krankenhaus nicht, da er ihnen die wahre Unfallursache, nämlich den Sturz und den daraus resultierenden Schädelbruch verschweigt. Hätte er dies nicht verheimlicht, hätte Sabeth vermutlicht überlebt, da diese Verletzung „durch chirurgischen Eingriff [...] ohne weiteres hätte behoben worden können.“28. Diese Schuld entsteht durch seine Fehlorientierung an Sabeth, genauer durch sein Bild, das er sich von ihr gemacht hat. Er erkennt seine Schuld jedoch erst durch ihren Tod und seiner tödlichen Krankheit. So kommt Faber auf den Weg zur Selbsterkenntnis, zur Identität, die für ihn allerdings mit dem Tod verbunden ist29.

Nachdem nun die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede diskutiert sind, möchte ich mich noch zur Themafrage äußern. Meiner Ansicht nach sollte Frischs „Homo faber“ nicht unbedingt als moderner Ödipus aufgefasst werden, denn zum einen variiert Frisch den antiken Stoff, „indem er statt des Mutter-Sohn-Inzests einen Vater-Tochter-Inzest stattfinden lässt und deutlich macht, dass der moderne Mensch Walter Faber sich nicht, wie einst Ödipus, bei der Schuldfrage auf Orakel und Götter zurückziehen kann, sondern dass seine Schuld in ihm selbst begründet liegt und Folge seines einseitig rationalen Selbstkonzeptes ist“30. Zum anderen gibt es zu viele Anspielungen auf andere Mythen, zum Beispiel auf die Demetersage, so dass die Anspielungen auf den Ödipusmythos nicht mehr zwingend genug angeordnet sind. Eigentlich dienen die Parabeln zu den griechischen Mythen für Frisch als Gegenpol zur technologischen Weltsicht Fabers. Er möchte die Menschen durch diese Opposition auf die beiden Grenzfälle aufmerksam machen, zwischen denen sie sich orientieren müssen31. Außerdem, so der Autor, genügt es, „wenn darauf aufmerksam gemacht wird, dass der Inzest zwischen Walter Faber und seiner Tochter der Ödipus-Geschichte zuwiderläuft; genauer gesagt, dass es eben der umgekehrte Fall von Inzest ist“32. Als letzten wichtigen Punkt möchte ich noch anfügen, dass für Frisch nicht der Inzest im Mittelpunkt stand. Seine Hauptaspekte waren die „Blindheit“ des modernen Menschen gegenüber der Kunst und der Natur sowie die Technikabhängigkeit und ihre Folgen. Auch auf die Sprachlosigkeit zwischen den Menschen spielt er an, denn obwohl Fabers Mutter von der Existenz seiner Tochter wusste, hat sie nie mit ihm darüber gesprochen und so Faber nie von seinem Kind erfahren lassen33. Der Inzest an sich stand für Frisch somit lediglich als Höhepunkt der Tragik.

Ich glaube, an den oben genannten Beispielen kann man sehr gut erkennen, dass man den Bericht „Homo faber“ nicht als modernen Ödipus verstehen sollte, sondern als eine Art Warnung an den heutigen Menschen um solche Fehler, wie sie von Walter Faber begangen worden sind, zu vermeiden.

Abschließend möchte ich noch eine recht zutreffende Charakterbeschreibung Walter Fabers von Georg Kaiser anführen: „Der Ingenieur Walter Faber ist der Homo faber, das Urbild des technischen Menschen, wobei unter diesem Terminus nicht nur speziell der Techniker, sonder ganz allgeimein der von der technischen Welt geprägte und ihre Kategorien bewusst oder unbewusst akzeptierende Mensch verstanden ist.“

[...]


Zu 1: vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon. Band 17, Seite 560

Zu 2: vgl. Frisch, Homo faber, Seite 68f

Zu 3: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 43

Zu 4: Frisch, Homo faber, Seite 170f

Zu 5: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 96f

Zu 6: vgl. Frisch, Homo faber, Seite 10

Zu 7: vgl. Frisch, Homo faber, Seite 192

Zu 8: vgl. Durm, Interpretationshilfe, Seite 35

Zu 9: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 43

Zu 10: Frisch, Homo faber, Seite 158

Zu 11: Frisch, Homo faber, Seite 125

Zu 12: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 100f

Zu 13: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 99

Zu 14: Frisch, Homo faber, Seite 111

Zu 15: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 99f

Zu 16: Frisch, Homo faber, Seite 136

Zu 17: Frisch, Homo faber, Seite 8

Zu 18: Frisch, Homo faber, Seite 92

Zu 19: Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 56f

Zu 20: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 57

Zu 21: Frisch, Homo faber, Seite 170

Zu 22: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 100

Zu 23: Frisch, Homo faber, Seite 22

Zu 24: Frisch, Homo faber, Seite 22

Zu 25: vgl. Frisch, Homo faber, Seite 22

Zu 26: Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 71

Zu 27: vgl. Frisch, Homo faber, Seite 192

Zu 28: Frisch, Homo faber, Seite 160

Zu 29: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 82f

Zu 30: Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite 100

Zu 31: vgl. Eisenbeis, Lektürehilfen, Seite101

Zu 32: Schmitz, Frischs „Homo faber“, Seite

Zu 33: vgl. Frisch. Homo faber, Seite 183f

Zu 34: Quelle unbekannt

8 von 8 Seiten

Details

Titel
Frisch, Max - Homo Faber - Kann man Max Frischs Homo Faber auch als modernen Ödipus verstehen?
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
8
Katalognummer
V102479
Dateigröße
344 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frisch, Homo, Faber, Max, Deutsch, Hausarbeit, Ödipus
Arbeit zitieren
Andreas Ermann (Autor), 2000, Frisch, Max - Homo Faber - Kann man Max Frischs Homo Faber auch als modernen Ödipus verstehen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102479

Kommentare

  • Gast am 6.10.2013

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