Das Schloss Versailles unter Ludwig XIV. Die Organisation von Hof und Höflichkeit durch die Architektur des Schlosses


Seminararbeit, 2019

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Auftragslage und Bauphasen

3. Grundrissbeschreibung

4. Baudispositionsanalyse und das höfische Zeremoniell
4.1 Das königliche Schlafzimmer
4.2 Das königliche Arbeitszimmer
4.3 Der Spiegelsaal
4.4 Die Gesandtentreppe
4.5 Der Speisesaal und der Saal des Überflusses

5. Fazit

6. Abbildungen

7. Literaturverzeichnis

8. Abbildungsverzeichnis

1.Einleitung

„Nichts wäre nun falscher, als in dieser königlichen Unvoreingenommenheit einen liberalen Zug zu sehen. Im Gegenteil – gerade hier zeigt sich Ludwigs Anspruch auf die totale Macht über Mensch und Materie.“1

Die Baugeschichte des Schosses Versailles beginnt im Jahr 1623 und endet zunächst, als der Bau nach der letzten Umbauphase vor dem Tod Ludwigs XIV. als vollendet erklärt wurde. Erst unter seinem Enkel Ludwig XV. und seinem Urenkel Ludwig XVI. wurden wieder interne Änderungen am Schloss vorgenommen. Dementsprechend kann die Baugeschichte des barocken Schlosses in fünf Bauphasen kategorisiert werden. Relevant für diese Hausarbeit sind die ersten drei Bauphasen, die erste unter Ludwig XIII., die beiden Nächsten unter seinem Sohn Ludwig XIV., welche durch die Epoche des französischen Frühbarocks und Barocks beeinflusst waren.

Versailles selber ist eine Stadt, die ca. 20 Kilometer von Paris entfernt liegt. Der Namensursprung aus dem Lateinischen von „versare“ - umdrehen, umgraben, umwenden, lässt auf die Verfassung des kleinen Ortes schließen. Im 17. Jahrhundert befand sich dort nichts außer einiger Wohnhäuser, einer Mühle, Sumpf- und Ackerland.2 Doch schon ein Jahrhundert später stand dort eines der bedeutendsten Denkmäler der französischen Geschichte. Das Schloss Versailles, welches sich heute aus über 600 Räumen, einem Haupthaus3, zwei Querflügeln und insgesamt vier Längsflügeln zusammensetzt, beinhaltet eine umfassende Gestaltung und Reihung von Innenräumen, welche in dieser Hausarbeit thematisiert werden.

Als Leitfaden dieser Hausarbeit dient die folgende Fragestellung: „ Inwiefern wird das höfische Zeremoniell und die Etikette des französischen Hofes unter Ludwig XIV. durch die Architektur des Schlosses Versailles organisiert?“

Die methodische Vorgehensweise bei der Beantwortung der Fragestellung folgt der Methode von Bill Hillier und Julienne Hanson aus der Untersuchung „The Social Logic of Space“, welche Baumdiagramme von Geschossen und Raumabfolgen erstellen, um die sozialen Bewegungen dieser zu verdeutlichen. Entsprechend dieser Methode gliedert sich die Hausarbeit wie folgt: Das erste Kapitel umfasst eine Beschreibung der drei relevanten Bauphasen, um einen zeitgeschichtlichen Überblick über die Entwicklung des Schlosses und des Hofes zu erlangen. Im zweiten Kapitel schließt die Grundrissbeschreibung, der hier relevanten ersten Etage des Corps de Logis an, in der die Königsfamilie wohnte und lebte. Daher wird diese Arbeit sich ausschließlich mit den Prunk- und Privatgemächern des Königspaares auseinandersetzen. Im nächsten Kapitel folgt die Analyse eben dieser Etage nach dem Modell von Hillier und Hanson. Der Fokus liegt dabei auf der Darstellung von Schnitt- und Verknüpfungspunkten der Räume, auf der öffentlichen Zugänglichkeit und der sozialen Interaktion ebendieser. Zuletzt wird im selbigen Kapitel der Bezug zum französischen Hof gezogen um die Ergebnisse der Analyse mit dem realen Leben am Hof verknüpfen zu können.

2.Auftragslage und Bauphasen

Im 17. Jahrhundert war Versailles nur ein kleines Dorf mit wenigen Einwohnern. Die klimatischen Bedingungen durch das sumpfige Land mit vielen Waldflächen machten das Gebiet jedoch zu einem beliebten Jagdgebiet, auch bei der königlichen Familie.4

Das Großprojekt Versailles begann 1623 mit einem Jagdschloss, dass Ludwig XIII., der Vater von Ludwig XIV., in Versailles erbauen ließ. Zweck des Jagdschlosses sollte es sein, nach dem Jagen nicht mehr einen Weg von 15 Kilometern mit der Kutsche zurück zum königlichen Schloss Saint-Germain-en-Laye zurücklegen zu müssen, sondern direkt im Jagdgebiet, getrennt von den Hirten im örtlichen Gasthof, nächtigen zu können.5 Das Schloss sollte ein funktionaler Rückzugsort für den König sein. Der Maurermeister Nicolas Huan baute somit von 1623-24 einen zweigeschossigen Bau aus Bruchstein und Mörtel.6 1631-34 erwarb der König weitere Ländereien und ließ das kleine Jagdschloss von dem Architekten Philibert le Roy zu einem dreiflügeligen Jagdschloss aus Backstein mit Sandsteingliederungen ausbauen. Dieses Jagdschloss bildet den Kern des späteren Schlosses Versailles.7 (vgl. Abb. 1 ganz links)

1638 kommt in Paris der Sohn Ludwigs auf die Welt, Ludwig XIV. 1643 starb Ludwig XIII. Mit 23 Jahren übernahm Ludwig XIV. die Regierung des Landes. Von dort an hielt er sich viel im Jagdschloss in Versailles auf. Er nutze dieses Schloss hauptsächlich als Lustschloss zur Erholung im Sommer und veranstaltete dort berauschende Feste.8

Durch die zunehmende Häufigkeit der Nutzung begann 1661 der erste Umbau des Jagdschlosses unter Ludwig XIV. Die leitenden Architekten war Louis Le Vau, André Le Notre und der Maler Charles Lebrun.9 Ziel der ersten Umbauphase war eine neue, komplexere Einbindung des Schlosses in die Umgebung. Geplant war die Etablierung eines symmetrischen Systems unterschiedlicher Höfe und Flügel. Um dem Bau eine gewisse Axialität zu verleihen wurde der sogenannte Dreistrahl angelegt, drei Straßen zum Schloss hin, die sich genau vor dem Haupttor des Schlosses pfeilspitzenähnlich trafen. Dem bereits bestehenden Jagdschloss wurde ein Neubau von zwei nach Osten laufenden Flügeln angegliedert. Der Zweck der neu erbauten Flügel war die Unterbringung der königlichen Leibgarde, der Pferde und dem königlichen Fuhrpark. Der nördliche Flügel wurde als Wirtschaftsgebäude für die Versorgung der Schlossbewohner genutzt. Im südlichen befanden sich die Stallungen. Zwischen den Flügeln lag der erweiterte „Anticour“ (Vorhof), der durch ein hohes Eisengitter bis auf das Eingangstor abgeschlossen war.10

Ab 1668 wurde der Kern des Schlosses, das alte Jagdschloss, ummantelt. Diese Ummantelung, auch „enveloppé“ genannt, wurde in zwei Trakte unterteilt: Die südliche Ummantelung bezog sich auf die Appartements der Königin, die Nördliche auf die des Königs. Bis zum Jahr 1678 wurde das Schloss hauptsächlich für „divertissements“, also Feierlichkeiten, genutzt und hatte dementsprechend die Stellung eines Lustschlosses. Daher war für den Hofstaat noch keine dauerhafte Unterkunft geplant, was die geringen Arbeiten am Schloss selber erklärt.11 (vgl. Abb. 1, 2. Grafik von links)

Die zweite große Umbauphase des Schlosses fand 1678, nach dem Tod des Architekten Louis Le Vau, unter Jules Hardouin-Mansart statt. 1682 wurde Versailles offiziell zum Regierungssitz ernannt. Dazu war eine Vergrößerung des Schlosses notwendig, da im Folgenden der gesamte französische Hof nach Versailles umgesiedelt wurde. Zuerst wurden zwei weitere, nach Osten laufende Flügel, die „Communes“, als Erweiterungen der alten Flügel angegliedert. Zuzüglich wurden die großen und kleinen Stallungen weiter ausgebaut, sodass sie Platz für ca. 6.000 Pferde boten. Die noch offene Terrasse auf der Gartenseite des Schlosses, die die Appartements des Königspaares miteinander verband, wurde geschlossen und zum Spiegelsaal, der Galerie du Glaces umgebaut. Im Norden und im Süden des Spiegelsaales wurden ihm noch zwei kleinere Säle angegliedert, im Norden der Saal des Krieges und im Süden der Saal des Friedens. (Vgl.: Abb 1, mittlere Grafik) Von den 15.000 Mitgliedern des Hofes sollten 3.000 im Schloss selber untergebracht werden.12

Durch das stetige Umbauen des Schlosses, der Höfe und der Park- und Gartenanlagen, lässt sich nach 92 Jahren (Beginn des Baus am Jagdschloss bis Ludwigs XIV. Tod) eine erstaunliche Bilanz über die Vergrößerung der Anlage ziehen. Im Jahre 1624 belief sich die Fläche des Areals auf 30 Hektar Land. 1662, als Ludwig XIV. mit seiner ersten Umbauphase begonnen hatte, wurde die Fläche auf 1.000 Hektar Land erweitert. Am Ende seiner Regentschaft, 1715, beinhaltete die Anlage 95 Hektar Garten, 1700 Hektar Park und 6000 Hektar Jagdgebiet, umschlossen von einer 43 Kilometern langen Mauer.13 (Abb. 2)

Nach Ludwig XIV. gab es unter seinem Enkel und Urenkel weitere bauliche Umbaumaßnahmen, welche in dieser Arbeit jedoch nicht thematisiert werden sollen. (Vgl. Abb. 1, Grafik rechts)

3. Grundrissbeschreibung

Um sich im Schloss besser orientieren zu können, folgt eine Grundrissbeschreibung der Belétage des Haupthauses, des Corps de Logis. Die Belétage befindet sich hier im ersten Obergeschoss und ist das Repräsentations- und Wohngeschoss der Königsfamilie (in diesem Fall). Die Räumlichkeiten der Belétage sind axial aufgereiht und achsensymmetrisch angeordnet und die Längsachse des Corps de Logis orientiert sich mit einer Ost-West Ausrichtung an dem Sonnenlauf.

Nach Norden und Osten waren die Appartements des Königs ausgerichtet, während sich die Appartements der Königin im Süden des Schlosses befanden.

Beginnend mit der nördlichen Enfilade lässt sich die Aneinanderreihung der Raumfluchten besonders deutlich erkennen. (Abb. 3 zum Vergleich hinzuziehen). Vom Salon des Herkules(1a) aus betritt man die Enfilade der Götter, bzw. Planetensäle. Hier reihen sich von Osten nach Westen der Saal des Überflusses (1b), der Saal der Venus (1c), der Saal der Diana (1d), der Saal des Mars (1e), der Saal des Merkur (1f) und der Saal des Apollon (1g) aneinander. Diese aufeinanderfolgenden Säle werden nach Westen hin immer prunkvoller und schließen am Eckpavillon mit dem Saal des Krieges ab, ein Saal, der König Ludwig XIV. als Kriegshelden feiert (1h). Der Saal des Krieges leitet über in einen der bedeutendsten Räume des Schlosses, die Spiegelgalerie (1i). Die Spiegelgalerie nimmt mit einer Länge von 73 Metern beinahe die komplette Gartenseite/Westseite des Schlosses ein. Gegliedert ist die Spiegelgalerie durch 17 große, bogenförmige Fenster. Genutzt wurde die Spiegelgalerie als Thron- und Festsaal. Tagsüber war sie jedoch eher eine überdachte Promenade, in der man sich aufhielt, um bei Hofe oder vom König gesehen zu werden. Auf der gegenüberliegenden Seite der Spiegelgalerie befindet sich das Pendent zu dem Saal des Krieges, der Saal des Friedens, der die Appartements der Königin auf der Südseite des Corps de Logis einleitet (2a). Ausgehend vom Saal des Friedens führt wiederum eine Enfilade ostwärts durch die Gemächer der Königin. Hier reihen sich das Schlafzimmer der Königin (2b), das Arbeits- und Audienzzimmer der Königin (2c), ihr Speisesaal (2d) und der Raum für ihre Leibgarde (2e) hintereinander auf.

Mittig im Spiegelsaal befinden sich zwei Eingänge in die öffentlich zugänglichen, im Osten des Corps de Logis gelegenen Schlaf- und Arbeitsgemächer des Königs. Die Eingänge führen in den „Salon mit dem Ochsenauge“(3a), den Salon de L’Oeuil de Bouef, welcher ein Vorzimmer war, und in das Vorzimmer des königlichen Arbeitszimmers (3b). Zwischen diesen beiden Räumen befinden sich das Arbeitszimmer (3c) und das Schlafzimmer König Ludwigs XIV. (3d). Das Schlafzimmer war ebenfalls öffentlich zugänglich und stellt den zentralsten Raum des Schlosses dar, da er ein Kernstück des höfischen Zeremoniells gewesen ist. Es ist nach Osten ausgerichtet und stellt sich somit der aufgehenden Sonne entgegen. Östlich unter dem Salon de L’Oeuil de Bouef befinden sich ein weiteres Vorzimmer (3e) des Königs und das Zimmer seiner persönlichen Leibgarde (3f). Von dem königlichen Arbeitszimmer (3e) gelangt man in die etwas privateren Gemächer des Königs. Diese verlaufen den Nordflügel entlang ostwärts innen liegend, sind wesentlich kleiner als die Prunkgemächer und verlaufen um zwei Lichthöfe (L1 & L2). Nennenswert sind hier das private königliche Schlafzimmer (4a) die Badezimmer (4b & 4c), das Goldene Kabinett (4d), welches durch eine geheime Tür mit dem Saal des Apollon verbunden war und dem König somit erlaubte, ungesehen umherzuwandern, das Zimmer der königlichen Hunde (4e), die Speisesäle (4f & 4g), wobei der Porzellan-Speisesaal (4g) eher für Festivitäten genutzt wurde und etliche Vorzimmer und kleinere Spielesalons.

Um die Lichthöfe der Südseite des Corps de Logis befindet sich das Pendent zu den intimeren Gemächern des Königs, nämlich die der Königin. Auch dort befinden sich mehre Vorzimmer, private Räumlichkeiten wie Ankleidezimmer oder Badezimmer (5a). Diese sind im Folgenden jedoch nicht weiter relevant.

In die Belétage gelangen konnte man durch mehrere sichtbare und nicht sichtbare Treppen. Die zwei Prunktreppen, die Gesandtentreppe (T1) im Nordflügel und die Prinzessinnentreppe (T2) im Südflügel lagen sich architektonisch fast gegenüber. Ihr Zweck diente Empfängen, großen Feierlichkeiten oder der zur Schau Stellung von Macht. Hofmitglieder und Bedienstete nahmen im Alltag jedoch die versteckteren Treppen (T3-T8 und weitere).

4. Baudispositionsanalyse und das höfische Zeremoniell

Betrachtet man nun den Grundriss der Belétage des Haupthauses, so lässt sich ein Baumdiagramm daraus erschließen, aus dem die Verteilung der Räume und die Logik derer deutlich werden (Abb. 4 und 5 zum Vergleich zuziehen). Ausgehend von den beiden Treppen, der Gesandtentreppe im Norden(Pos. 1) und der Prinzessinnentreppe im Süden (Pos. 32) wird die Belétage betreten. Von dort aus gelangt man im Norden in vier weitere Räume (Pos. 2, 3, 25 & 28) im Süden in Drei (Pos. 31, 33 & 34), welche jeweils eine Raumabfolge/Enfilade von zwei bis fünf Räumen einleiten. Die im Diagramm ganz rechts dargestellte Reihung zeigt die nördliche Enfilade der Planeten- bzw. Götterräume. Sie verläuft von der Gesandtentreppe, die in den Saal der Venus (Pos. 2), von dem man über den Saal des Überflusses (Pos. 45) und des Herkules (Pos. 47) in den nördlichen Quertrakt kommt, oder den Saal der Diana (Pos. 3) führt, westwärts bis hin zum Saal des Krieges (Pos. 7), welcher die Enfilade mit der Spiegelgalerie (Pos. 8) verbindet.

Im inneren Teil des Nordflügels des Corps de Logis gibt es ebenfalls eine Aneinanderreihung von Räumlichkeiten, welche jedoch nicht so stark symmetrisch ausgerichtet ist, da sich die Räume um einige interne Treppenhäuser (Pos. 20 & 25) und zwei Lichthöfe (Pos. 16 & 21) verteilen müssen. Die im Diagramm links neben der ganz Rechten Reihung dargestellte Raumabfolge führt hinter und neben der Gesandtentreppe her, durch mehre Vorzimmer (Pos. 19), Salons bzw. Säle (Pos. 18, 26 & 28) und Kabinette (Pos. 17). Außerdem durchschreitet man das „private“ Schlafzimmer des Königs (Pos. 15) und den Speisesaal (Pos. 18). Das „privatere“ Schlafzimmer des Königs verbindet den Flügel, genau wie die Spiegelgalerie (Pos. 8), mit den Prunkgemächern des Königs durch sein Arbeitszimmer (Pos. 11) und dessen Vorzimmer (Pos. 13) Das königliche Badezimmer (Pos.22) und die Toilette (Pos. 23), nördlich des kleinen Lichthofes (Pos. 21), sind die am schwersten zu erreichenden Räume in der Belétage von Versailles, was sie auch zu den intimsten Räumen des Schlosses macht. Sie können nur durch das Durchschreiten mehrere Räume und sogar einer überdachten Terrasse des Lichthofes erreicht werden. Im Corps de Logis haben wir also eine maximale Tiefe von acht Positionen (die Treppen mit eingeschlossen), was bedeutet, dass man in diesem Fall bis zu sieben Positionen durchschreiten musste, um in den am tiefsten gelegenen Raum, die Toilette (Pos. 23) des Corps de Logis zu gelangen.

Im Süden des Corps de Logis befindet sich der Flügel er Königin. Dieser besitzt mit der Prinzessinnentreppe (Pos. 32) einen eigenen Zugang. Von der Prinzessinnentreppe gelangt man zu drei Raumabfolgen. Die erste Raumabfolge, im Diagramm die zweite von links, leitet durch einen Saal (Pos. 33), eine Passage (Pos. 35) und einen Salon (Pos. 36) in den südlichen Querflügel des Schlosses. Ganz links im Diagramm ist die südliche Enfilade der Königin dargestellt. Durch das Zimmer der Leibgarde der Königin (Pos. 34) gelangte man zu einem Vorzimmer (Pos. 39), von dem aus zwei verstecktere Treppen in das Attikageschoss führten (Pos. 40 & 42). Nach dem Vorzimmer erreichte man das Arbeitszimmer der Königin (Pos. 41) woraufhin ihr Schlafgemach folgte (Pos. 49). Geschlossen wurde die Enfilade mit dem Saal des Friedens (Pos. 50), der das Pendant zum Saal des Krieges bildet (Pos. 7) und die Enfilade auf direktem Weg mit der Spiegelgalerie (Pos. 8) verbindet. Von dem Vorzimmer der Königin (Pos. 39) gelangt man durch ein Treppenhaus (Pos. 42) auch zu den Badezimmern der Königin (Pos. 43 & 44). Auch im südlichen Flügel des Corps de Logis sind also die Badezimmer der Königin die am tiefsten gelegenen Räume der Belétage. Jedoch ist der erste Baderaum durch eine Terrasse mit einem Korridor (Pos. 12) verbunden, der in das Vorzimmer des königlichen Schlafzimmers (Pos. 9) führt. Die Toilette der Königin (Pos. 44) jedoch, liegt eine Position vor der des Königs. So musste man, inklusive der Prinzessinnentreppe, sechs Positionen durchschreiten um zu der Toilette der Königin zu gelangen. Somit ist die Toilette des Königs (Pos. 23) noch immer der tiefste und somit intimste Raum des Schlosses. Von der Prinzessinnentreppe führt noch eine weitere Raumabfolge ab, die im Diagramm als die dritte von links zu sehen ist. Diese startet mit dem Durchschreiten eines kleinen Vestibüls (Pos. 31), von dem man in den Raum der königlichen Leibgarde (Pos. 30) gelangte. Dieser führte in ein erstes Vorzimmer der königlichen Prunkgemächer (Pos. 29). Von dort gelangte man in das große Vorzimmer des Königs (Pos. 9), von dem man dann in das königliche Prunkschlafgemach (Pos. 10) fand. Dieses war mit dem Arbeitszimmer (Pos. 11) verbunden, welches wieder zu der Raumabfolge im nördlichen Flügel führte. Das große Vorzimmer (Pos 9) des Königs ist außerdem direkt mit dem Spiegelsaal (Pos. 8) verbunden und hat somit drei Zugangsmöglichkeiten, um in das königliche Schlafzimmer zu gelangen. Auch das Vorzimmer des königlichen Arbeitszimmers und das Arbeitszimmer selber haben jeweils insgesamt drei Zugangsmöglichkeiten, was auf einen regen sozialen Austausch schließen lässt. Von den beiden Präsenztreppen hat die Gesandtentreppe mehr Verbindungen, da diese für wichtigere Anlässe genutzt wurde und somit mehr Wege brauchte. Auch das Badezimmer der Königin (Pos. 43) und der Korridor in den man durch dieses gelangt (Pos. 12) führen zu den Präsenzzimmern König Ludwigs XIV. Die Räume mit den meisten sozialen Bewegungen, d. h. Verbindungsstellen sind also auch die Räume, die stark in den Ablauf des höfischen Zeremoniells und der strengen Etikette am Hofe integriert sind.

[...]


1 Barz, Paul: Versailles, in: Paläste, Schlösser, Residenzen. Zentren europäischer Geschichte , hg. von Hermann Boekhoff, Gerhard Joop, Fritz Winzer, Madrid 1971. S. 92

2 Vgl. Schulz, Uwe. Versailles. Die Sonne Frankreichs. C.H. Beck oHG, München, 2002. S. 13

3 Fachbegriff: Corps de Logis

4 Vgl. Schulz, Uwe. Versailles. Die Sonne Frankreichs. C.H. Beck oHG, München, 2002. S. 13

5 Vgl.: Pérouse de Montclos, Jean - Marie, Robert Polidori: Versailles. Köln 1996. S. 8

6 Vgl. Schulz, Uwe. Versailles. Die Sonne Frankreichs. C.H. Beck oHG, München, 2002. S. 13

7 Vgl.: Pérouse de Montclos, Jean - Marie, Robert Polidori: Versailles. Köln 1996. S. 25

8 Vgl: Barz, Paul: Versailles, in: Paläste, Schlösser, Residenzen. Zentren europäischer Geschichte , hg. von Hermann Boekhoff, Gerhard Joop, Fritz Winzer, Madrid 1971. S. 94 f.

9 Vg..: Barz, Paul: Versailles, in: Paläste, Schlösser, Residenzen. Zentren europäischer Geschichte , hg. von Hermann Boekhoff, Gerhard Joop, Fritz Winzer, Madrid 1971. S. 93

10 Vgl.: Schulz, Uwe. Versailles. Die Sonne Frankreichs. C.H. Beck oHG, München, 2002. S. 24

11 Vgl.: Pérouse de Montclos, Jean - Marie, Robert Polidori: Versailles. Köln 1996. S. 92ff.

12 Vgl.: Schulz, Uwe. Versailles. Die Sonne Frankreichs. C.H. Beck oHG, München, 2002. S. 38-42

13 Vgl.: Schulz, Uwe. Versailles. Die Sonne Frankreichs. C.H. Beck oHG, München, 2002. S. 15

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Das Schloss Versailles unter Ludwig XIV. Die Organisation von Hof und Höflichkeit durch die Architektur des Schlosses
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Menschen, Türen, Korridore: Palast- und Schlossbaudispositionen (15. - 18. Jhd.)
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
25
Katalognummer
V1024813
ISBN (eBook)
9783346424631
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versailles, Ludwig XIV., Architektur, Innenarchitektur, Schlossbau, Palastbau, Hof, Höfisches Zeremoniell, Zeremoniell, Frankreich, Innenraumdisposition
Arbeit zitieren
Chayenne Bociek (Autor), 2019, Das Schloss Versailles unter Ludwig XIV. Die Organisation von Hof und Höflichkeit durch die Architektur des Schlosses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024813

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