Tom L. Beauchamp und James F. Childress haben mit ihren "Principles of Biomedical Ethics" vier Prinzipien ethischen Handelns in der Medizin diskutiert, dessen Grundannahmen bis heute in der Medizin und Medizinethik zu finden sind. Wie diese vier Prinzipien Anwendung finden, wenn sich eine Dilemma-Situation darstellt, untersucht dieser Essay. Dazu wird zunächst ein alltägliches Beispiel, das Ablehnen einer Bluttransfusion aus religiösen Gründen, angeführt. Danach werden die vier Prinzipien auf der abstrakten Ebene eines Gedankenexperiments untersucht, in dem sich der Wunsch nach Sterbefasten und den dringend benötigten Organen einen Organspenders gegenüberstehen.
Inhaltsverzeichnis
Die vier Prinzipien des principalism
Praktische Anwendbarkeit der Prinzipien
Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Das Ziel dieses Essays ist die kritische Auseinandersetzung mit dem Ansatz des "Principalism" von Tom L. Beauchamp und James F. Childress, insbesondere im Hinblick auf dessen Anwendbarkeit in der medizinischen Praxis anhand von konkreten Gedankenexperimenten.
- Grundlagen des Principalism und dessen vier ethische Prinzipien
- Differenzierung zwischen Autonomie-, Nicht-Schadens-, Wohltuens-Prinzip und dem Prinzip der Gerechtigkeit
- Diskussion von Dilemma-Situationen in der klinischen Praxis
- Analyse der Gewichtung konkurrierender ethischer Prinzipien
- Praxisbezogene Evaluation der Theorie anhand zweier Fallbeispiele
Auszug aus dem Buch
Die vier Prinzipien des principalism
Das nachfolgende Essay soll sich mit Tom L. Beauchamps und James F. Childress‘ Werk „Principles of Biomedical Ethics“ auseinandersetzen, in dem die Autoren den sogenannten Ansatz des principalism aufstellen, der in einem Konflikt zu den Ansätzen des deductivism und des casuisty steht. Wie der Name schon vermuten lässt, befasst sich dieser Ansatz der Bio- und Medizinethik mit vier Prinzipien, aus denen jeweils Prima facie-Pflichten resultieren, die eine Art, auf den ersten Anschein Gültigkeit besitzende, ethische Handlungsdevise liefern. Wo die Autoren diese vier Prinzipien früher als bloße Reflexionsmethode gedacht hatten, haben sie sich im jahrelangen, medizinethischen Diskurs zu einer Ethiktheorie gewandelt.
Zunächst sollen die vier Prinzipien inhaltlich näher erläutert werden.
Das erste Prinzip, welches Beauchamp und Childress aufstellen, ist das Autonomie-Prinzip. Dieses stellt die Autonomie des Individuums in eine vorherrschende Rolle und besagt damit, dass Personen bzw. Patienten normativ über die sich selbst betreffenden Angelegenheiten entscheiden und eine überlegte Wahl treffen können, nach ihrer Entscheidung handeln und daraus Entschlüsse fassen können. Das macht das Individuum selbst unabhängiger von Autoritäten oder staatlichen Instanzen, hier beispielsweise von Ärzten. In der Medizinethik leitete man daraus die sogenannten Prima facie-Pflichten ab. Zum Schutz des Patienten vor unüberlegten Schlüssen, muss die Beratung und Aufklärung der Patienten seitens des Arztes also hier an Bedeutung gewinnen. Der Kompetenzvorsprung der Ärzte, sprich die besseren medizinischen Kenntnisse etc., muss den Patienten überhaupt erst in die Lage bringen, eine vernünftige Entscheidung treffen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
Die vier Prinzipien des principalism: Dieses Kapitel führt den Ansatz des Principalism ein und erläutert die vier zentralen ethischen Prinzipien – Autonomie, Nicht-Schaden, Wohltun und Gerechtigkeit – sowie deren Bedeutung für die medizinethische Theoriebildung.
Praktische Anwendbarkeit der Prinzipien: Anhand zweier konkreter Gedankenexperimente – der Bluttransfusion bei Zeugen Jehovas und dem Sterbefasten bei Organspendern – wird die praktische Relevanz und die Konfliktlösungsfähigkeit des Principalism in der klinischen Realität geprüft.
Fazit: Die Arbeit resümiert, dass die Prinzipien zwar als theoretische Grundlage für Ethikkommissionen wertvoll sind, aber aufgrund ihres Zeitaufwands in akuten Notfallsituationen nur bedingt als unmittelbare Handlungsmaximen dienen können.
Schlüsselwörter
Bioethik, Medizinethik, Principalism, Beauchamp, Childress, Autonomie-Prinzip, Nicht-Schadens-Prinzip, Wohltuens-Prinzip, Gerechtigkeit, Prima-facie-Pflichten, Ethikkommission, Patientenverfügung, Organspende, Sterbefasten, Patientenwille
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen Theorie des Principalism von Beauchamp und Childress und untersucht, wie deren vier Prinzipien in der modernen Medizinethik angewendet werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Grundlagen des Principalism, die Anwendung ethischer Prinzipien auf konkrete Dilemmata und die kritische Reflexion des Arzt-Patienten-Verhältnisses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu erörtern, ob und wie die vier ethischen Prinzipien in der Praxis als Entscheidungshilfe für medizinisches Personal dienen können, insbesondere wenn konkurrierende Werte aufeinanderprallen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die durch die Methode der Gedankenexperimente ergänzt wird, um die abstrakten Prinzipien auf praktische Fallbeispiele zu übertragen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der vier Prinzipien und deren Anwendung in zwei unterschiedlichen Fallstudien: eine medizinische Notfallsituation und ein ethisches Dilemma zwischen Sterbefasten und Organspende.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Bioethik, Principalism, Patientenautonomie, Prima-facie-Pflichten und ethische Konfliktlösung charakterisieren.
Wie lösen Ärzte laut der Arbeit das Dilemma bei der Bluttransfusion von Zeugen Jehovas?
Ärzte müssen zunächst den Patienten über die Situation aufklären; bei ausdrücklicher Ablehnung durch den Patienten ist das Recht auf Selbstbestimmung zu respektieren, sofern kein begründeter Zweifel am Patientenwillen besteht.
Welcher Konflikt ergibt sich bei der Kombination von Sterbefasten und Organspende?
Das Dilemma besteht zwischen dem Wunsch des Patienten nach selbstbestimmtem Sterben und der medizinischen Notwendigkeit, Organe für den Mangel auf dem medizinischen Markt zu bewahren.
- Arbeit zitieren
- Sina Chayenne Bociek (Autor:in), 2020, Principles of Biomedical Ethics, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024819