Die Schule als professionelle Organisation. Welche Art von Organisation sind Schulen, welche Merkmale haben sie und wie professionell sind sie wirklich?


Hausarbeit, 2020

14 Seiten

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Organisationen
2.1 Merkmale von Organisationen
2.2 Definition von sozialen personenbezogenen Dienstleistungsorganisationen
2.3 Merkmale von sozialen personenbezogenen Dienstleistungsorganisationen

3. Definition und Leistungen einer Schule
3.1 Die Schule als professionelle Organisation

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema: „Die Schule als professionelle Organisation", kann sehr weit gefasst werden und durchaus den Rahmen für eine Hausarbeit überschreiten. Deshalb wurde das Thema versucht mit folgender Frage einzugrenzen: „Welche Art von Organisation sind Schulen, welche Merkmale haben sie und wie professionell sind sie wirklich?" Diese dreiteilige Fragestellung bietet die Möglichkeit schlüssige Antworten zu finden, die dem Umfang einer Hausarbeit gerecht werden. Natürlich muss hier stark eingegrenzt werden, vor allem bei dem Thema der Professionalität. Besonders interessant sind die Merkmale von Organisationen und speziell die Merkmale, die Schulen zu einer Organisation machen. Darüber hinaus auch die Professionalität, erstmal gilt es herauszufinden, ob eine Schule professionell ist und wenn ja, weshalb ist sie das. Ziel der Arbeit ist es, die dreiteilige Forschungsfrage möglichst genau und logisch stringent zu beantworten. Zunächst stützt sich die Arbeit auf Definitionen, mit diesen weiterführend gearbeitet wird, um dann auf zentrale Merkmale und wichtige Aspekte überzuleiten. Im Hauptteil, wird sich schließlich an der Reihenfolge der Fragestellung orientiert. Das bedeutet, dass zunächst definiert wird, was Organisationen sind und ob Schulen dazu zählen. Zunächst allgemein und ebenfalls darin, die Problematik den Begriff Organisationen allgemein zu definieren. Darauf aufbauend folgen die Merkmale von Organisationen in Hinblick auf Schulen, denn wenn die Schule eine Organisation ist, bedeutet es nicht automatisch, dass die Schulen auch identische Merkmale aufweisen. Dabei wird in dieser Hausarbeit auch das Werk von Thomas Klatetzki in den Fokus rücken, nicht nur weil es Seminarliteratur war, sondern auch weil sich Schulen laut seiner Definition, in sozialen personenbezogenen Dienstleistungsorganisationen wiederfinden. Anschließend folgen auch hier die dazugehörigen Merkmale, welche dann auch für die Anwendung in Schulen erläutert sollen. Im letzten Kapitel des Hauptteils, also Kapitel drei, wird es einmal mehr um die Professionalität gehen. Ein sehr weitläufiges Thema der Erwachsenenbildung, welches hier aber vorranging auf Schulen ausgerichtet wird. Spezialisiert werden in dieser Hausarbeit die Lehrkräfte der Schulen betrachtet. Wie in den vorigen Kapiteln ist der Einstieg auch hier von einer kurzen Definition bestimmt. Darauf aufbauend folgen die Leistungen einer Schule, ehe es schließlich die Lehrkräfte in den Mittelpunkt rücken.

2. Definition von Organisation

Bevor man sich die Frage stellen kann, welcher Art von Organisationen Schulen angehören, sollte man zunächst einmal generell definieren, was eine Organisation überhaupt ist. Wenn das Wort Organisationen fällt, kann man damit eine ganze Menge assoziieren. Beispielsweise das Verb „organisieren" oder verschiedene Organisationen wie z.B. Menschenrechtsorganisationen. Eine genaue und einheitlich anerkannte Definition des Begriffs Organisation ist schwierig zu finden. Dennoch existieren unzählige und darunter auch treffende Definitionen zu diesem Begriff. Zwar ist dieses Zitat kurzgehalten doch eine treffende Definition, wenn aber nicht sehr ausführliche Definition:

„Der Begriff »Organisation« meint in modernen Gesellschaften ein soziales System, das rechtlich konstituiert ist.“ (Klatetzki, 2010, S. 9).

Das bedeutet, dass eine Organisation ein eigenes System darstellt, wie z.B. staatliche Organisationen oder Menschenrechtsorganisationen. Ein System mit ganz bestimmten Merkmalen, welche im weiteren Verlauf noch erläutert werden.

Besonders präzise ist dieses genannte Zitat allerdings noch nicht. Deutlicher wird es in dem Zitat von dem Soziologen Martin Abraham aus dem Jahre 1997, demnach sind Organisationen: „von bestimmten Personen gegründetes, zur Verwirklichung spezifischer Zwecke planmäßig geschaffenes, hierarchisches verfasstes, mit Ressourcen ausgestattetes, relativ dauerhaftes Aggregat (Kollektiv) arbeitsteilig interagierender Personen, das über wenigstens ein Entscheidungs- und Kontrollzentrum verfügt, welches die zur Erreichung des Organisationszweckes notwendige Koordination zwischen Akteuren steuert, und dem als Aggregat Aktivitäten oder wenigstens deren Resultate zugerechnet werden können.“ (Abraham, 1997, S. 52).

Am Beispiel der Schule dargestellt, sind die Personen der Gründung staatlicher oder bei Privatschulen privater Herkunft zur Verwirklichung ihrer Zwecke. Bei der Schule ist es zentral die Wissensvermittlung. Die Hierarchie ist ebenfalls gegeben, in der Regel führt die Schule, der/die Schuleiter/in, dafür gibt es wiederum stellvertretende Kräfte. Darüber hinaus, gibt es Stufenleiter/in und je nach Schule auch weitere Posten, die einem hierarchischen System folgen. Die Ressourcen sind hier Lehrmaterialien, eingesetzte Technik, sowie Räumlichkeiten etc. Ein relativ dauerhaftes Aggregat arbeitsteilig interagierenden Personen, stellt in der Schule das Kollegium dar. Relativ dauerhaft, da auch von Zeit zu Zeit Lehrkräfte die Schule verlassen und andere hinzukommen. Der Koordinator zwischen dem Kollegium ist meist der/die Schuleiter/in oder heruntergebrochen der/die Stufenleiter/in usw. und hier können selbstverständlich auch Resultate zugerechnet werden. Man kann also allgemein sagen, die Schule ist eine Organisation. Doch trotz der Definition einer Organisation kann man die Schule noch genauer verorten. Die Schule ist nämlich eine bestimmte Art von Organisation, welche, wird in 2.2 erläutert. Zuvor folgen noch allgemeine Merkmale von Organisationen, die auch für Schulen relevant sind und sich zuordnen lassen.

2.1 Merkmale von Organisationen

Eine Organisation weist einige spezifische Merkmale auf, die sie z.B. von Gruppen oder Netzwerken unterscheidet. In einer Gruppe ist die Anzahl der Mitglieder stark begrenzt, wohingegen Organisationen nahezu ohne Begrenzung, entsprechend ihrer Kapazitäten, Mitglieder aufnehmen können (vgl. Pohlmann, 2016, S. 35). Doch das Kriterium Mitgliedschaft ist nicht in allen Organisationen gleich, so gibt es die freiwillige- oder Zwangsmitgliedschaft. In Schulen gibt es beispielsweise große Unterschiede zwischen den Schultypen. Die Schulen, die Schülerinnen und Schüler bis zum Ende der Schulpflicht begleiten, haben nicht die Möglichkeit in dem Maße über ihre Mitglieder zu wählen, wie es beispielsweise ein Gymnasium kann. So kann ein Gymnasium auch Bedingungen an die Mitgliedschaft knüpfen, während andere Schultypen es nicht in dem Maß können. Auch deshalb sind Unterschiede in der Leistungsbereitschaft zwischen freiwilliger- und Zwangsmitgliedschaft zu finden (vgl. Maier, 2016, S. 17). Vergleicht man Organisationen nun mit Netzwerken, stellt man fest, dass Organisationen eine klare Hierarchie haben (vgl. Pohlmann, 2016, S. 36). Die hierarchische Ordnung in Schulen erinnert an Ausbildungseinheiten im Militär oder an die Hierarchie im Gefängnis. Es existieren zwei Gruppen, eine Gruppe „A" die kontrolliert und auf die andere Gruppe „B" einwirkt. In der Schule bildet das Lehrpersonal die Gruppe „A" und die Schüler die Gruppe „B". Ein Wechsel dieses Gefüges gibt es nicht, wenn nur in Ausnahmefällen. Ein Vorteil dieser flachen Hierarchie ist die dadurch gesteigerte Kommunikations-, Leistungs- und Kooperationsbereitschaft (vgl. Maier, 2016, S. 17). Weitere Merkmale von Organisationen sind, die prinzipielle Austauschbarkeit von Personal und eine nur teilweise Beanspruchung der Person. Auch diese Merkmale finden sich in Schulen wieder. Lehrer sind prinzipiell austauschbar und die Schülerinnen und Schülern unterliegen keiner totalen Kontrolle (vgl. Pohlmann, 2016, S. 38). Weitere spezifische Merkmale von Organisationen im Hinblick auf Schulen folgen unter 2.3.

2.2 Definition von sozialen personenbezogenen Dienstleistungsorganisationen

Soziale personenbezogene Dienstleistungsorganisationen stellen laut Thomas Klatetzki eine ganz bestimmte Art von Organisationen dar. Da man sich mit einer allgemeinen Definition von Organisationen äußert schwertut, wie „2. Definition und Merkmale von Organisation" aufzeigt, hat Klatetzki ein Buch herausgegeben, welches sich u.a. dieser Problematik annimmt. Darin nimmt er sich dreier besonderer Hürden bezüglich der „Organisation" an. Als ersten Punkt stellt er heraus, dass bisher (Stand 2010) aus der soziologischen Perspektive noch kein Buch in deutscher Sprache existiert, welches sich mit der besonderen Organisation von sozialen Einrichtungen und Diensten auseinandersetzt. Schon allein deshalb, ist es wichtig für sozialwissenschaftliche Studiengänge oder auch allgemein für die Sozialpädagogik, dieses Thema aufzugreifen und neu zu definieren (vgl. Klatetzki, 2010, S. 7). Zweitens werden Sozialeinrichtungen und Dienste im dritten Sektor überwiegend als Wirtschaftsunternehmen verstanden, d.h. organisationssoziologische Ansätze müssen der Managementperspektive weichen. Deshalb sollen der Debatte, u.a. über Leistungssteigerungen und Reorganisationen in Dienstleistungsorganisationen, mit diesem Buch alternative Perspektiven dargestellt werden (vgl. et. al., S.7). Als dritten und letzten Punkt benennt Klatetzki, wie schwierig es ist, Organisationen zu definieren. Dabei spricht er auch eine besorgniserregende Entwicklung an. Denn in den 1960er- und 70er- Jahren wurde sich in der Soziologie noch deutlich häufiger mit den verschiedenen Typen von Organisationen befasst, während nun der absolute Verfall dieses einst erreichten Differenzierungsniveaus droht. Das heißt, es wird heutzutage lediglich über eine „Organisation" gesprochen, ohne den Typus zu differenzieren. Doch zwischen einer „Organisation" und einer „Organisation" kann es erhebliche Unterschiede geben, auch wenn dies auf den ersten Blick vielleicht ein wenig paradox erscheint. Aus diesem Grund, wird in seinem Werk von 2010 noch einmal genaustens definiert, was eine soziale personenbezogene Dienstleistungsorganisation ist und welche unterschiedlichen Typen von Organisationen existieren (vgl. et. al., S. 7-8). Nach Klatetzki müssen die Begriffe aus der Formulierung „soziale personenbezogene Dienstleistungsorganisationen", jeweils für sich erläutert werden. Da wäre zunächst der Begriff „sozial", etwas Soziales steht grundsätzlich für Gemeinnützigkeit. Es bedeutet auch, dass jene die z.B. soziale Hilfen oder Einrichtungen empfangen oder besuchen, diese kostenfrei beanspruchen und nutzen dürfen. Das bedeutet wiederum auch, dass diese sozialen Dienste und Einrichtungen durch dritte finanziert werden, sprich vornehmlich vom Staat (öffentliche Organisationen) aber auch beispielsweise durch Spendengelder (private Organisationen). Finanzielle Einnahmen durch diese Dienste oder Organisationen können somit auch nicht privat verwendet werden und macht soziale personenbezogene Dienstleistungsorganisationen somit zu sogenannten Non-Profit Organisationen (vgl. et. al., S. 8). Es folgt der Begriff „personenbezogen", d.h. es handelt sich dabei in erster Linie um die einzelnen Individuen. Wie bereits angesprochen, können die Personen die Dienste und Einrichtungen kostenfrei in Anspruch nehmen und nutzen. Somit sind sie nicht als Kunden, sondern als Klienten zu bezeichnen. Der Unterschied zwischen Kunden und Klienten besteht darin, dass Klienten bei der aktiven Mitwirkung für soziale Dienste unabdingbar sind. Beispielsweise bei einer Arbeitsvermittlung, wo auch die Interessen der Klienten eine Rolle spielen aber wo auch die aktive Mitwirkung, wie z.B. durch das Schreiben von Bewerbungen, erforderlich ist. Anzumerken ist auch, dass die Klienten Rolle auch aufgezwungen werden kann, z.B. durch eine angeordnete Kur (vgl. et. al., S. 8). Drittens folgt der Begriff „Dienstleistung", dieser wird in drei verschiedene Typen unterschieden. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass keine Kombinationen dieser drei Typen möglich sind. Zum einen gibt es die sogenannten „people processing" Dienstleistungen. Dabei geht es um die Weitervermittlung von Personen, wie z.B. in klassischen Arbeitsvermittlungen. Zweitens, gibt es die „people sustaining" Dienstleistungen. „Sustaining" steht übersetzt für Unterstützung, hierbei handelt um den Erhalt des Zustandes und des Wohlergehens des Klienten. Die Persönlichkeitseigenschaften des Klienten werden dabei nicht geändert, da es sich eben nur um eine Unterstützungsmaßnahme handelt. Diese Unterstützung kann z.B. eine Suchtprävention sein, bzw. auch unterschiedliche Kureinrichtungen oder Pflegeheime. Schließlich bleiben noch die sogenannten „people changing" Dienstleistungen, also Dienstleistungen bei denen der Klient verändert wird. Diese Änderung beläuft sich auf die Persönlichkeitseigenschaften und dient dazu, das Wohlergehen der Klienten zu steigern. Das passiert z.B. in Krankenhäusern aber auch Schulen werden dazugezählt. Abschließend folgt der Begriff der Organisation, welcher bereits in 2.0 aufgegriffen wurde. Aus diesen vier Begriffen setzt sich der Wortlaut „soziale personenbezogene Dienstleistungsorganisation“ zusammen, wobei unter dem Begriff Dienstleistung drei wichtige Unterpunkte erneut differenziert betrachtet werden müssen (vgl. et. al., S.9). Eine Schule ist also nicht nur einfach eine Organisation, sondern fällt unter den Terminus „soziale personenbezogene Dienstleistungsorganisation“. Darunter findet sich die Schule wiederum unter den sogenannten „people changing“ Dienstleistungen wieder. Ausnahmen bilden Privatschulen. Auch die Klienten Rolle ist bei den Schulen durch die Schulpflicht in erster Linie bis zum allgemeinbildenden Schulabschluss aufgezwungen und kann nicht als freiwillig gewertet werden.

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Details

Titel
Die Schule als professionelle Organisation. Welche Art von Organisation sind Schulen, welche Merkmale haben sie und wie professionell sind sie wirklich?
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Jahr
2020
Seiten
14
Katalognummer
V1024846
ISBN (eBook)
9783346403605
ISBN (Buch)
9783346403612
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schule, organisation, welche, schulen, merkmale
Arbeit zitieren
Anonym, 2020, Die Schule als professionelle Organisation. Welche Art von Organisation sind Schulen, welche Merkmale haben sie und wie professionell sind sie wirklich?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1024846

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