Der Glaube bei Paul Tillich. Das Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht


Hausarbeit, 2016

, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Warum Glaube neu definiert werden muss

3. Tillichs universeller Glaubensansatz und das Unbedingte
3.1 Alles kann ein Träger des Unbedingten sein
3.2 Das Unbedingte und die repräsentative Sprache der Symbole

4. Erkenntnis, Wille, Gefühl sind Teile des Glaubens aber nicht der Glaube selbst
4.1 Glaube als Erkenntnis
4.2 Glaube ist kein reiner Willensakt
4.3 Glaube ist nicht nur ein Gefühl, aber das Gefühl ist ein Teil des Glaubens

5. Das Unbedingte und die Dynamik eines lebendigen Glaubens
5.1 Zweifel und Mut dessen was uns unbedingt angeht

6. Der Zirkel der Korrelation oder die Offenbarung des Unbedingten im Menschen

7 Reflexion der Ergebnisse
7.1 Vorteile seines universellen Religionsverständnisses
7.2 Mögliche Schwierigkeiten und Nachteile

8. Fazit und Ausblick

1. Einleitung

In den letzten Jahren lässt sich eine zunehmende Wiederbelebung der Religion beobachten, die aus dem Privaten in den öffentlichen Raum drängt. So zeigen sich beispielsweise in Amerika zahlreiche Kirchenzuläufe, auch in Südamerika gibt es einen Trend hin zum Religiösen und insbesondere in einigen islamischen Ländern kann man eine zunehmende Reislamisierung erkennen, die auch die Politik mitbestimmt. Dies lässt sich besonders an dem Iran verdeutlichen, der seit der islamischen Revolution, als Theokratie, besonders stark religiös geprägt ist, aber auch in einigen so genannten „laizistischen“ Länder, wie der Türkei, scheint die Religion seit den achtziger Jahren und auch heute noch, bedingt durch die Regierungspartei der AKP, eine Aufwertung zu erleben und auch in Russland ist die orthodoxe Kirche durch den Sturz des Kommunismus gestärkt hervorgegangen.1 Trotz des Sichtbarwerdens und der zum Teil zunehmenden Politisierung, scheint die Religion, und hierbei soll nicht nur der Islam, sondern vor allem das evangelische Christentum näher betrachtet werden, sich zunehmend an der Oberfläche ihrer selbst zu bewegen, wodurch sie kaum noch in der Lage ist, den Menschen in seinen Tiefen zu erreichen, woraus der evangelische Theologe und Philosoph Paul Tillich, auf dessen Thesen sich diese Hausarbeit stützt, schließt, dass der Mensch seine Tiefendimension des Glaubens verloren habe und dieser von daher neu definiert werden müsse, um den Menschen von heute nicht nur anzusprechen, sondern diesen vor allem auch in seiner Tiefe wieder erreichen zu können.2

Im ersten Schritt soll untersucht werden, wie das Verständnis des Glaubens für Tillich im Einzelnen aussieht, warum dieses historisch relevant und neu definiert werden muss und vor allem, was man darunter zu verstehen hat. Als kleiner Vorgeschmack und als wichtigste zu untersuchende Aussage gilt Tillichs These über den Glauben, der diesen relativ offen als den „Zustand des Ergriffensein von etwas, was uns unbedingt angeht“3 beschreibt. Nachdem Tillichs Verständnis des Glaubens in der nötigen Kürze, die für diese Hausarbeit zulässig ist, erläutert wurde, soll im zweiten Schritt in einer kritischen Reflexion analysiert werden, welche Chancen, welches Potenzial aber auch welche Missverständnisse und Gefahren hierbei entstehen können und ob Tillichs universeller Ansatz, der sich durch den Begriff des Unbedingten ausdrückt auch für die Gegenwart und der nahenden Zukunft noch interessant ist, beziehungsweise sein kann.

2. Warum Glaube neu definiert werden muss

Tillich ist der Auffassung, dass viele Menschen in der heutigen Zeit vom traditionellen Glauben wie ihn die Kirche oftmals versteht, nicht mehr berührt fühlen, da jene den Menschen und seine Lebenswirklichkeit nicht mehr erfassen, sondern womöglich versucht, eine bestimmte Lehrmeinung zu vermitteln, die das Leben und die Gegenwart des Menschen als ganze Person nicht mehr umschließt. Tillich spricht in diesem Zusammenhang auch vom Verlust der Tiefendimension des Glaubens, die vor allem einer wortwörtlichen und oberflächlichen Glaubenswahrheit gewichen ist, gegen welche er sich in seiner Interpretation des Begriffs des Glaubens, welche er als „Ergriffen sein von dem was uns unbedingt angeht“, wende.4

Hinzu kommt, dass viele Menschen in der heutigen Zeit sich nicht mehr mit dem tieferen Sinn ihrer Existenz oder ihres Daseins beschäftigen, sondern vor allem in einer materialistischen Welt leben, in der die Religion nur noch, wenn überhaupt, an ihrer Oberfläche aufgebrochen wird. Der Verlust dieser Tiefendimension, der sich auf das menschliche Sein bezieht, wird folgendermaßen beschrieben:

Es bedeutet, daß (sic!) derMensch die Antwort auf die Frage nach dem Sinn seines Lebens verloren hat, die Frage danach, woher er kommt, wohin er geht, was er tun und was was er aus sich machen soll in der kurzen Spannung zwischen Leben und Tod.5

Die Ursprünge dieser oberflächlichen Betrachtungsweise der menschlichen Existenz und der zum Teil zu verzeichneten Sinnlosigkeit des Daseins können, neben den Erfahrungen durch die beiden Weltkriege, bei welchem vor allem der erste Weltkrieg für Tillich ein sehr einschneidendes Erlebnis war und ihm in seiner Theologie geprägt hat, bereits schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts beobachtet werden, in welchem Gott, verbunden mit einer zunehmenden Technologisierung und einem großen aufkommenden Interesse für die Naturwissenschaften, wobei die Fragen der Metaphysik seit Kant eher ausgeklammert wurden, zunehmend aus dem Wirkungsfeld des menschlichen Handels ausgeschlossen wurde.6

Gott durfte, auch bedingt durch das wissenschaftliche und aufgeklärte Weltbild, auch nicht mehr in jene Welt eingreifen, da er ansonsten den Menschen, der an Stelle Gottes nun schöpferisch tätig war, in seinem Fortschrittsprojekt behindern würde. Die Religion, so Tillich, wurde zu einer Funktion unter anderen Funktionen des menschlichen Geistes und stand oft im Widerstreit mit diesem ,7

Durch die zunehmende Industrialisierung und Materialisierung entfremdete sich der Mensch von sich selbst und von seinem Wesen immer weiter. Die Kirche versuchte oftmals sich dagegen zu wehren, doch gleichzeitig bediente auch sie sich dieser Oberflächlichkeit an Erklärungsmustern, die sie doch eigentlich zu überwinden suchte. So wurden beispielsweise die religiösen Symbole hinter denen sich eine tiefere Glaubenswirklichkeit verbirgt, oftmals wörtlich genommen.8 Durch einen eher traditionell geprägten christlichen Absolutheitsanspruch, der beispielsweise durch einen Supematurlaismus geprägt wurde, war die christliche Botschaft für viele nicht mehr Zeitgemäß und annehmbar, da sie den Menschen der Gegenwart und als ganze, zentrierte Person, zunehmend ausschloss.

Doch vor allem nach dem ersten Weltkrieg kam es, insbesondere in Deutschland, zu einem Bruch mit der Evangelischen Kirche und dem Kaiserreich, das ab 1918 mit der Flucht von Kaiser Wilhelm ins holländische Exil nicht mehr existierte und somit eine Krise, aber auch eine Neuorientierung nötig machte.9 Auch der Fortschrittsglaube an die eigene Entwicklung und Kultur geriet nach dem ersten Weltkrieg ins Wanken und wurde nicht mehr so positiv, sondern eher kritisch bewertet.10 Hinzu kam, dass die Kirche beispielsweise den hoch technologisierten Krieg mit unterstützt hat, wodurch es schwierig erscheint in diesem Zusammenhang noch von Gott sprechen zu wollen. Neben der liberalen Theologie, die vor allem durch Schleiermacher geprägt worden war, der die Religion als etwas Kulturelles beschrieb, also als ein menschliches Produkt, entwickelte sich nach dem ersten Weltkrieg eine neue Strömung, die sich als dialektische Theologie, dessen Hauptvertreter unter anderem Karl Barth war und dessen einheitsstiftendes Element unter anderem die Kritik gegen die liberale Theologie ausmachte, heraus. Barth, der diese theologische Strömung vor allem in Deutschland stark prägte, richtete sich auch während des zweiten Weltkrieges gegen eine sogenannte Bombentheologie, was zu begrüßen ist.11 Auf der anderen Seite war Gott, in Karl Barths theologischem Denken, für den von der Sünde geprägten Menschen, unnahbar und unerreichbar und vor allem nicht menschlich interpretierbar, weil Gott eben Gott ist und nicht mit menschlichen Kategorien bemessen werden kann. Zudem lässt sich bei Barth auch ein Hang zum Supernaturalismus und zum wörtlichen Verständnis der Bibel feststellen.12 Für Karl Barth ist der sündhafte Mensch weit von Gott entfernt und kann diesen aus eigener Kraft nicht mehr erreichen.

Tillich kritisiert diesen Ansatz von Barth stark und fordert ein Umdenken.13 Er will aber nicht zur liberalen Theologie zurück, die vor allem alles auf das menschliche Schaffen zurückwirft. Gleichzeitig will er aber auch keine Supematurale- und absolute Offenbarungstheologie, die die Offenbarung Gottes in den Vordergrund stellt und den Menschen ausschließt. Er fordert stattdessen eine Mischung aus beiden und stellt den Menschen und seine existenziellen Fragen und Gott und seine Offenbarung in Korrelation zu einander.14

Für Tillich ist es wichtig, dass der Mensch Fragen an Gott stellen kann und auch hierauf antworten erhält, die zwar göttlich inspiriert sind, aber auch das gegenwärtige Leben des Menschen betreffen, damit dieser auch in seinem existenziellen Sein angesprochen wird, was sich bei Barths Ansatz eines unerreichbaren Gottes und eines absolut sündigen Menschen als schwierig erweise dürfte.

Aus diesen Überlegungen heraus kann man sagen, dass Tillich ein zeitbedingtes Umdenken und eine Neuinterpretation des Glaubens forderte, indem er beispielsweise betonte, dass die Theologie sich selbst kritisieren solle und zu ihrer Tiefendimension zurückkehren müsse, damit sie den Menschen der Gegenwart und auch die zukünftigen Generationen wieder erreichen könne.

Die Religion hat den Krieg und die Waffen gesegnet, ohne ihre geistigen Waffen dagegenzustellen. Die Religion hat den Frieden und seine Sicherheit geheiligt, ohne diese Sicherheit durch ihren geistigen Anruf aufzurütteln. Die Religion hat das bürgerliche Ideal von Familie und Eigentum geheiligt, ohne es zu richten und sie hat Systeme der Ausbeutung des Menschen durch Menschen gutgeheißen, ohne sie zu transzendieren. [...]. Die Religion kann den Menschen unserer Tage nur dann erreichen, wenn ihre Botschaft über die Gegenwart hinausgeht, sie unter ihr Gericht stellt und sie umwandelt15.

Um dies zu bewirken entwickelte Tillich einen wichtigen Ansatz zu einem neuen Religionsverständnis, welcher sehr innovativ und aufgrund seiner Universalität, nicht nur auf jenes Verständnis von Religion oder der Theologie zu reduzieren ist, worauf im nächsten Kapitel näher eingegangen werden soll.

3. Tillichs universellerGlaubensansatz und das Unbedingte

Ein möglicher Ansatz, um zur Tiefendimension des Religiösen zurückzukehren und um das Thema Religion auch für den heutigen Menschen ansprechend zu gestalten, bietet Tillichs Religionsverständnis, welches sehr offen ist und viele Möglichkeiten und Optionen zulässt, die sich in einer beengten traditionellen Interpretation nicht wiederfinden lassen würden. Tillich beschreibt Religion als das Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht. Das Besondere dieses Religionsbegriffs ist, dass er jeden Lebensbereich des menschlichen Seins oder Daseins abdeckt und eine große Offenheit bietet, da er sowohl das Profane als auch den religiösen Bereich miteinander verbindet und den Menschen als ganzen Menschen und als ganze Person erfasst. Es gibt somit keinen Bereich mehr, in welchem das unbedingte Sein nicht anzutreffen oder erlebt werden kann. Hierzu äußert sich Tillich folgendermaßen:

Wenn Religion das Ergriffensein ist von dem was uns unbedingt angeht, so kann sich dieser Zustand nicht auf einen bestimmten Bereich beschränken. (...) Das Universum ist Gottes Heiligtum jeder Tag ist ein Tag des Herrn, jedes Mahl ist ein Herrenmahl, jedes Werk ist die Erfüllung einer göttlichen Aufgabe, jede Freude ist eine Freude in Gott. In Allen vorläufigen Anliegen ist ein letztes Anliegen gegenwärtig und heilt es. Ihrem Wesen nach sind die Religiöse und das Profane keine getrennten Bereiche.76

Der große Vorteil dieser Definition ist jener, dass er potenziell alle Menschen erreichen kann und dass sich durch diesen viele Menschen angesprochen fühlen, ob sie nun Christen oder keine Christen sind, ob sie an Gott glauben oder möglicherweise sogar Atheisten sind. Die Kirche nimmt laut Tillich hierbei wieder ihre Funktion ein, die sie eigentlich verfolgen sollte, nämlich Fragen des Seins, beziehungsweise der Existenz aller Menschen, zu beantworten, ohne das sie sich möglicherweise ausgegrenzt oder missverstanden fühlen. Aus dieser Sicht betrachtet, ist die Frage nach dem Unbedingten, die Frage nach dem Sein selbst.16 17

Wenn es etwas gibt was uns unbedingt angeht, dann muss es auch etwas geben, was uns nur bedingt angeht oder möglicherweise kann etwas Bedingtes auch zu etwas Unbedingten werden oder etwas Unbedingtes zu etwas Bedingten.

Doch eigentlich sollte etwas Bedingtes, was auf das Unbedingte hinweist, nur im übertragenden Sinne verstanden werden. Dies geschieht mit Hilfe von Symbolen, die selber nie als absolut verstanden werden dürfen, weil sie sonst ihren symbolischen Charakter verlieren und dann selbst als etwas Unbedingtes, auf das sie aber nur hinweisen sollen, erklärt werden. „Das Symbol repräsentiert etwas, was es selbst nicht ist, das es aber vertritt und an dessen Mächtigkeit und Bedeutung es teil hat“.M

Wird etwas Bedingtes zum absoluten Unbedingten, dann sprechen wir laut Tillich vom Götzendienst. Nach Möglichkeit soll das Bedingte, wie zum Beispiel der Sonnenuntergang oder ein schönes Gedicht, auf das Unbedingte Sein hinweisen. In den folgenden Kapiteln soll auf diesen Aspekt näher eingegangen werden.

3.1 Alles kann ein Träger des Unbedingten sein

Die Erfahrung des Heiligen, des Unendlichen, des existenziellen Seins, des Religiösen oder kurz dem, was Tillich als Gott über Gott beschreibt, ist nicht nur in der Kirche selbst zu finden. Das Wesen der Religion ist mehr als Religion im traditionellen Sinne: „Sie ist das Sein des Menschen, sofern es ihm um den Sinn seines Lebens und des Daseins überhaupt geht.“18 19

Für Tillich offenbart sich das Unbedingte, das existenzielle Sein, auch in der Natur. So kann etwas Bedingtes, wie beispielsweise der Anblick eines schöne Sonnenuntergangs der einen bewegt oder die Strophen eines Gedichtes, als auch das Gemälde eines Künstlers, eine Person so leidenschaftlich ergreifen, wodurch das bedingte Objekt, welches dieses Ergriffensein bewirkt hat, letztendlich durch dieses Ergriffensein wiederum auf das Unbedingte, auf das absolute oder unendliche hinweist, wodurch quasi durch einen bedingten Gegenstand ein Zugang zum Unbedingten geschaffen wird. Alles kann zur Religion transzendiert werden, wenn dies aus dem schöpferischen Geist entspringt, eine ästhetische Funktion und Ausdruck nach den letzten Dingen einnimmt und somit einen Zugang zum Unbedingten ermöglicht.20 Das Profane und das Religiöse bilden hierbei nicht zwei getrennte Bereiche, sondern gehören zusammen.21

Hierbei muss allerdings beachtet werden, dass nicht die Gleichsetzung des Unbedingten mit dem Bedingten im Vordergrund steht, sondern vielmehr das Bedingte lediglich auf das Unbedingte hinweisen soll.22 Somit kann eine Person über die Literatur, über die Kunst, über die Natur oder durch eine wissenschaftliche Erkenntnis, mit anderen Worten durch alle bedingten Gegebenheiten der Kultur, eine besondere Dimension der Tiefe erfahren, mit dessen Hilfe möglicherweise sogar ein atheistisch geprägter Mensch einen Zugang zum Unbedingten, zum Göttlichen, zum wesentlichen Sein, erfahren kann. Doch wie genau kann man das verstehen?

Beispielsweise könnte man sich vorstellen, dass ein Arbeiter, der möglicherweise gar nicht an Gott glaubt, aufgrund seiner täglichen und eintönigen Arbeit sich eines Tages veranlasst sieht sich Fragen zu stellen, die sein existenzielles Sein betreffen und er könnte sich beispielsweise Fragen, warum er diese Arbeit tut? welcher Sinn diese für sein Leben hat? welchen Sinn dieses Leben überhaupt hat? und was er mit diesem zu tun pflegt?23 All dies würde vielleicht nicht direkt den Glauben als solches ansprechen, wie er traditionell verstanden würde, dennoch würde der Mensch unmittelbar betroffen sein und demzufolge auch das was ihn und sein Dasein unbedingt angeht. Auf diese Weise würde auch er nach Tillichs Verständnis glauben, weil er sich mit den tieferen Fragen des Seins, wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? beschäftigt und aus seinem oberflächlichen Leben in eine tiefere Dimension seiner Existenz vorgedrungen ist.

Aus diesen Ausführungen kann geschlossen werden, dass die religiöse existenzielle Erfahrung oder die unmittelbare Erfahrung, dessen was uns unbedingt angeht, nicht auf den Bereich der Kirche, des Gottesdienstes oder auf die Lektüre der Bibel beschränkt ist, sondern in jedem Bereich der menschlichen Existenz erlebt werden kann aber nicht zwangsläufig erlebt werden muss.

Dies ist vor allem auch von dem Individuum und seinen Lebenserfahrungen, seinen individuellen Interessen und seiner gegenwärtigen Lebenssituation abhängig, die ihn bewegen oder um es in den Worten Tillichs zu sagen, die ihn unbedingt angehen.

Hierbei kann es aber auch passieren, dass das Streben nach den letzten Dingen, nach den Unbedingten, nach „der Wahrheit“ die Religion an sich zu widerlegen sucht, weil die Theologie oder die Kirche, sich selbst für das Höchste und Wertvollste hält, wodurch sich paradoxerweise die Religion im Namen der Religion selbst verwirft.24 Dies sollte nach Tillich strengstens vermieden werden. Dieser wendet sich somit auch gegen eine Vereinnahmung eines bestimmten Bereiches.

Es wäre dementsprechend falsch zu behaupten, dass Unbedingte wäre nur in der Natur oder nur in der Bibel oder nur in der Poesie oder in bestimmten Glaubenswahrheiten erlern- beziehungsweise erlebbar.

[...]


1 Vgl. hierzu auch Tillich: Die Verlorene Dimension. Hamburg 1969. S. 7.

2 Vgl. ebd. S. 8.

3 Vgl. Tillich: Wesen und Wandel des Glaubens. Stutgart 1970. S. 113.

4 Vgl. Tillich 1970 S. 113.

5 Vgl. Tillich 1969 S. 8.

6 Vgl. ebd. S. 60 ff.

7 Vgl. Tillichl969 S.28.

8 Vgl. ebd. S. 12.

9 Vgl. Hermann, Fischer: protestantische Theologie im 20. Jh. Stuttgart 2002. S. 12-13.

10 Vgl. ebd. S. 15-16.

11 Vgl. ebd. S. 111.

12 Anmerkung, es ist fraglich, ob Karl Barth wirkliche dialektische Theologie betrieb. Fakt ist aber, dass er eine Wort-Gottes-Theologie verfolgte.

13 Mehr zu diesem Thema vgl. Tillich: Was ist falsch in der dialektischen Theologie. Stuttgart 1962.

14 Was hierunter zu verstehen ist, wird in dem Kapitel zur Korrelation noch ausreichend erläutert.

15 Tillich. 1969, S. 32-33.

16 Vgl. Tillich 1969, S. 58.

17 Vgl. ebd. S. 68.

18 Tillich 1969, S. 42. Über die Verwendung der Symbole wird im Kapitel 3.2 noch ausreichend eingegangen werden.

19 Tillich 1969, S. 9.

20 Vgl. ebd., S. 26.

21 Vgl. ebd., S. 28.

22 Vgl. ebd., S.42.

23 Vgl. Tillich 1969, S. 104.

24 Vgl. ebd., S. 26.

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Details

Titel
Der Glaube bei Paul Tillich. Das Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1.0
Autor
Jahr
2016
Katalognummer
V1025437
ISBN (eBook)
9783346406835
ISBN (Buch)
9783346406842
Sprache
Deutsch
Schlagworte
glaube, paul, tillich, ergriffensein
Arbeit zitieren
Marco Benecke (Autor), 2016, Der Glaube bei Paul Tillich. Das Ergriffensein von dem, was uns unbedingt angeht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1025437

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