Im Verlauf dieser Arbeit sollen insbesondere der erbschaft- und schenkungssteuerliche Aspekt in Bezug auf Tokeninvestitionen und Tokenemissionen näher beleuchtet werden.
Rund um die Thematik einer digitalen Währung wurde bereits schon vor einigen Jahrzehnten diskutiert. Als bekanntere Beispiele sind hier die sog. „Web-Währungen“ Beenz und Flooz im Zeitraum der Jahrtausendwende zu nennen. Jene Versuche einer virtuellen Währung scheiterten jedoch in kürzester Zeit kläglich. Dagegen sollte der Begriff der kryptografischen Währung, basierend auf einer sog. Blockchain-Technologie als erste Kryptowährung erstmals im Jahr 2009 öffentlich gehandelt werden und unter der Bezeichnung Bitcoin in die Geschichte eingehen. Seit jener Veröffentlichung entstand ein regelrechter Hype im Bereich der virtuellen Währungen, welcher sich trotz anhaltend hoher Volatilität einer zunehmenden Beliebtheit erfreut.
Angesichts der stetig zunehmenden Investorenzahl verblüfft es umso mehr, dass bislang die allgemeine Investition in Kryptotoken sowohl aus privater Hand als auch von Institutionen nur minimalistisch aus erbschaftsteuerlicher Sicht beleuchtet wurde. Ebenso existiert bislang kaum eine schenkungssteuerliche bzw. erbschaftsteuerliche Literatur über die seit wenigen Jahren vermehrt eingesetzten Tokenemissionen seitens der Unternehmen, welche mit diesem Vorhaben einen neuen Weg der Kapitalbeschaffung eingeschlagen haben und sich hierdurch anstehende Projekte vorfinanzieren können.
Inhaltsverzeichnis
A. Einführung in die Thematik
I. Einleitung
II. Definitionen
1. Begriff der Kryptowährung
2. Token vs. Coins
a) „Initial Coin Offering“ – Fluch oder Segen?
b) Gegenüberstellung von Tokenarten
3. History
a) Gesamtzahl existenter Coins & Token
b) Marktkapitalisierung
B. Kryptotoken im Steuerrechtssystem
C. Bewertung im Rahmen der ErbSt/ SchenkSt
I. Kryptowährungen im Erbrecht
II. Vorüberlegungen - Kryptowährungen im Erbschaftsteuerrecht
1. Abgrenzung: Vermögensverwaltung vs. Gewerbebetrieb beim Handel mit Kryptotoken
3. Erbgang & Bewertung von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft
4. Betriebsvermögensverschonung i.S.d. § 13a -13c ErbStG
a) Verwaltungsvermögen: Wertpapiere und vergleichbare Forderungen
b) Verwaltungsvermögen: Finanzmittel
aa) Zahlungsmittel
bb) Geschäftsguthaben
cc) Geldforderungen und andere Forderungen
D. Erbschaftsteuerliche Beurteilung – Aus Sicht der Emittenten
I. Erbzeitraum zwischen Tokenerstellung und Emission
1. Einordnung als Wertpapier oder vergleichbare Forderung
2. Einordnung als Finanzmittel
3. Steuerliches Aktivierungsverbot (Systematischer Exkurs)
4. Zwischenergebnis
II. Erbzeitraum nach Tokenemission
1. Einordnung als Wertpapiere
2. Einordnung als Finanzmittel
a) Einordnung als Geschäftsguthaben oder Forderung
b) Einordnung als Zahlungsmittel
aa) Elemente des Geldbegriffs
bb) Auslegung des Zahlungsmittelbegriffs gem. § 13b Abs. 4 Nr. 5 ErbStG
cc) Zwischenergebnis
dd) Berücksichtigung im Rahmen des Schuldenabzugs
III. Erbzeitraum nach Rückgabe an den Emittenten
IV. Zwischenergebnis
E. Erbschaftsteuerliche Beurteilung – Aus Sicht der Investoren
I. Erbrechtliche Beurteilung
II. Investition durch Privatpersonen
1. Praktische Problemfelder
a) Private Key - Verfügungsmacht
b) Vermächtnisansprüche
III. Institutionelle Investoren
1. Begünstigungsfähiges Betriebsvermögen
2. Verwaltungsvermögen
a) Wertpapiere
b) Finanzmittel
F. Persönliche Meinung
I. Sicherer Hafen während Wirtschaftskrisen
II. Persönliche steuerliche Einschätzung
G. Abschließende Beurteilung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die erbschaftsteuerliche Behandlung von Kryptotoken aus zwei Perspektiven: der des emittierenden Unternehmens und der des privaten bzw. institutionellen Investors. Das zentrale Ziel ist es, die steuerliche Einordnung verschiedener Tokenarten innerhalb der geltenden Regelungen, insbesondere im Kontext der Erbschaftsteuer (ErbSt), zu klären und dabei die Herausforderungen durch technische Besonderheiten wie die Verfügungsmacht über Private Keys zu adressieren.
- Grundlagen der Kryptowährungen und deren Abgrenzung von Coins und Token.
- Steuerliche Klassifizierung von Token als Betriebsvermögen oder Verwaltungsvermögen.
- Erbrechtliche und erbschaftsteuerliche Fragestellungen bei der Token-Vererbung.
- Bewertungsproblematik von Kryptotoken in Abwesenheit von Kursnotierungen an regulierten Börsen.
- Analyse der regulatorischen Einordnung durch die Finanzverwaltung und Auswirkungen auf die Unternehmensnachfolge.
Auszug aus dem Buch
3. History
Die Anzahl neu geschaffener Token und Coins steigt kontinuierlich. Gerade in Zeiten neuer Allzeithochs des oftmals als Leitwährung bezeichneten Bitcoins im Jahr 2017/ 2018 ist ein exponentieller Anstieg der unterschiedlichsten Tokenemissionen erkennbar. Sicherlich hat eine Vielzahl der Token einen Boom dem psychologischen Phänomen namens „Fear of missing out“ (FOMO), also der Angst etwas zu verpassen, zu verdanken. Dennoch steckt gerade hinter jüngeren, teilweise langfristig geplanten Tokenprojekten eine vielversprechende Unternehmung, welche sich nach hier vertretener Ansicht nicht nur als vorübergehende „Modeerscheinung“ entpuppt, sondern tatsächlich als neue Alternative neben klassischen Anlageformen am Kapitalmarkt seinen verdienten Platz finden wird.
In nachstehender Abbildung wird der enorme Zuwachs an neu emittierten Token im historischen Verlauf grafisch dargestellt:
Die vorstehend dargestellte exponentielle Zunahme an unterschiedlichen Token lässt eine Aufteilung des Gesamtmarktes unter den verschiedensten Tokenprojekten vermuten. Bislang konnte der Bitcoin allerdings seine Position halten bzw. sogar gegenüber seinen Konkurrenten ausbauen. Dies lässt sich durch Gegenüberstellung der Marktkapitalisierung zur Marktkapitalisierung des Bitcoins veranschaulichen.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einführung in die Thematik: Hinführung zum Thema Kryptowährungen, Definitionen sowie ein historischer Abriss zur Entwicklung von Coins und Token.
B. Kryptotoken im Steuerrechtssystem: Kurze Erläuterung der umsatzsteuerlichen und ertragsteuerlichen Einordnung, die als Grundlage für die erbschaftsteuerliche Bewertung dient.
C. Bewertung im Rahmen der ErbSt/ SchenkSt: Analyse der erbrechtlichen Stellung von Kryptotoken und Vorüberlegungen zur erbschaftsteuerlichen Behandlung, insbesondere der Betriebsvermögensverschonung.
D. Erbschaftsteuerliche Beurteilung – Aus Sicht der Emittenten: Detaillierte Untersuchung der verschiedenen Erbzeiträume bei Tokenemissionen und die steuerliche Zuordnung der Token für das emittierende Unternehmen.
E. Erbschaftsteuerliche Beurteilung – Aus Sicht der Investoren: Analyse der erbschaftsteuerlichen Relevanz für Privatpersonen und institutionelle Investoren, inklusive der Problematik von Private Keys und Vermächtnissen.
F. Persönliche Meinung: Einschätzung zur Rolle von Kryptotoken in Wirtschaftskrisen und eine persönliche steuerliche Einschätzung zur zukünftigen Entwicklung der Behandlung.
G. Abschließende Beurteilung: Zusammenfassendes Fazit über die Herausforderungen und die Notwendigkeit einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit der erbschaftsteuerlichen Thematik bei Tokeninvestitionen.
Schlüsselwörter
Kryptotoken, Kryptowährung, Erbschaftsteuer, Schenkungsteuer, Betriebsvermögen, Verwaltungsvermögen, Tokenemission, Erbrecht, Unternehmensnachfolge, Private Key, Finanzmittel, Wertpapiere, Bewertung, Initial Coin Offering, ICO
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die erbschaftsteuerliche Einordnung und Bewertung von Kryptotoken im Falle einer Vererbung oder Schenkung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Erbschaftsteuerrecht, die verschiedenen Tokenarten (Utility, Security, Currency), Bewertungsverfahren und die Herausforderungen bei der Token-Übertragung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Klärung, wie Kryptotoken im Erbfall steuerlich zu bewerten und einzuordnen sind, sowohl für emittierende Unternehmen als auch für Anleger.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine rechtswissenschaftliche Analyse durchgeführt, die bestehende Gesetzestexte, aktuelle Rechtsprechung und Literatur zur steuerlichen Behandlung von Krypto-Assets auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Perspektiven des Emittenten und des Investors, untersucht Erbzeiträume, Zuordnungsfragen zum Betriebs- oder Verwaltungsvermögen und spezielle Probleme wie Private Keys.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Kryptotoken, Erbschaftsteuer, Betriebsvermögensverschonung, Bewertungsmaßstäbe und die Einordnung als Finanzmittel oder Wertpapiere.
Welche Rolle spielt der "Private Key" bei der Vererbung?
Der Private Key stellt eine erhebliche praktische Hürde dar, da ohne ihn kein Zugriff auf die Token möglich ist, was Auswirkungen auf die steuerliche Bewertung und die faktische Übertragbarkeit im Erbfall hat.
Wie werden Kryptotoken für die Erbschaftsteuer bewertet?
Da oft keine Kurse an regulierten Börsen vorliegen, ist eine Bewertung nach dem gemeinen Wert (§ 9 BewG) oder eine Einordnung als sonstiges Wirtschaftsgut notwendig, wobei häufig Herstellungskosten als Indikator dienen.
Was bedeutet die "Betriebsvermögensverschonung" in diesem Kontext?
Es wird geprüft, ob Kryptotoken zum begünstigungsfähigen Betriebsvermögen gehören und somit unter die Verschonungsregelungen der §§ 13a, 13b ErbStG fallen können.
- Citation du texte
- Julian Rössner (Auteur), 2020, "Kryptowährungen" in der Erbschaftsteuer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1025845