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Die Brüche mit den aristotelischen Einheiten in "Der gute Mensch von Sezuan" von Bertolt Brecht

Untersuchungen zu einem Lehrstück des nicht-aristotelischen Theaters

Titel: Die Brüche mit den aristotelischen Einheiten in "Der gute Mensch von Sezuan" von Bertolt Brecht

Seminararbeit , 2019 , 15 Seiten , Note: 2,3

Autor:in: Falk Kurt Bräcklein (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ziel dieser Arbeit ist es, am Beispiel von Bertolt Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" nachzuvollziehen, mit welchen Mitteln das epische Theater Brüche mit den stilistischen Konventionen des aristotelischen Theaters erwirkt.

Zu diesem Zweck wird der Einsatz von Verfremdungseffekten auf der Figuren- sowie der Handlungsebene untersucht. Darüber hinaus sollen die Brüche des Stückes mit den drei aristotelischen Einheiten (Ort, Zeit und Handlung) anhand von Textstellen nachgewiesen und deren Wirkung auf das Publikum untersucht werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Brüche des Epischen Theaters mit dem Aristotelischen Theater im Drama “Der gute Mensch von Sezuan”

2.1 Verhinderung der Einfühlung durch den V-Effekt

2.2 Aufhebung der Einheit der Zeit

2.3 Aufhebung der Einheit der Handlung

2.4 Aufhebung der Einheit des Ortes

3 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Drama "Der gute Mensch von Sezuan" von Bertolt Brecht unter literaturtheoretischer Perspektive, um nachzuweisen, dass es sich hierbei nicht um ein klassisches aristotelisches, sondern um ein episches Theaterstück handelt. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie Brecht durch den bewussten Bruch mit den aristotelischen Einheiten und dem Einsatz spezieller Stilmittel die klassische Katharsis-Wirkung verhindert und stattdessen ein kritisches Denkvermögen beim Publikum anregen möchte.

  • Analyse der Theatertheorie von Aristoteles im Vergleich zu Brechts Epischem Theater.
  • Untersuchung der Funktion des V-Effekts (Verfremdungseffekt) zur Distanzierung des Zuschauers.
  • Überprüfung der Einhaltung bzw. Aufhebung der aristotelischen Einheiten von Zeit, Handlung und Ort.
  • Erörterung der Rolle von direkten Ansprachen an das Publikum und des Durchbrechens der Vierten Wand.
  • Bewertung der strukturellen und dramaturgischen Brüche im Kontext der Intention eines Lehrstücks.

Auszug aus dem Buch

2.1 Verhinderung der Einfühlung durch den V-Effekt

Nach Aristoteles liegt das Ziel eines klassischen Dramas darin, dass das auf der Bühne dargestellte Geschehen bei den Zuschauer/innen „Jammer und Schaudern hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt.“ Diese angestrebte „Reinigung“ wird in der Literaturwissenschaft auch als Katharsis bezeichnet. Der/die Zuschauer*in verbleibt also in der Rolle des/der Theaterbesuchers/in – des/der reinen Konsumenten/in, welche/r sich zwar von den Ereignissen auf der Bühne für die Dauer des Stückes fesseln lässt und dabei seinen/ihren Alltag vergisst, aber aus dem Gesehenen keine Rückschlüsse für sein/ihr eigenes Handeln ableitet. Oder wie Brecht es beschreibt: die Funktion des klassischen Theaters ist, „ihn besoffen zu machen, ihn mit Illusionen auszustatten, ihn die Welt vergessen zu machen, ihn mit seinem Schicksal auszusöhnen“. Er/sie soll sich durch die Einfühlung in die handelnden Personen, die quasi stellvertretend für ihn/sie leidvolle Situationen durchleben, von Affekten „reinigen“ und als „besserer Mensch“ das Theater verlassen. Brecht bricht mit dieser Vorstellung: sein Ziel ist ein/e kritische/r und nachdenkliche/r Zuschauer/in, welche/r durch das Stück die Welt als veränderbar begreift, seinen/ihren möglichen Anteil an dieser Veränderung erkennt und daraufhin sein/ihr Verhalten überdenkt und ändert.

Wenn es Brecht gelingen soll, die Wirkung der Katharsis zu verhindern, muss er zuerst deren Grundlage zerstören: die Möglichkeit der Einfühlung in die dargestellten Ereignisse sowie die handelnden Figuren. Dazu bedient er sich dem Mittel der Verfremdung: der erzielte Verfremdungseffekt ist auch in seiner Kurzform als V-Effekt geläufig. Brecht beschreibt den Einsatz des V-Effektes wie folgt: „Einen Vorgang oder einen Charakter verfremden heißt zunächst einfach, dem Vorgang oder dem Charakter das Selbstverständliche, Bekannte, Einleuchtende zu nehmen und über ihn Staunen und Neugierde zu erzeugen.“ Dadurch ergibt sich zwischen dem/der Zuschauer/in und dem Geschehen auf der Bühne eine Distanz, die ihm/ihr eine kritische Auseinandersetzung und Reflexion ermöglicht. An der Oberfläche wird im Drama Der gute Mensch von Sezuan der Grundstein für eine Verfremdung bereits durch die Verlagerung der Handlung in den chinesischen Kulturkreis gelegt, da man Rezipient/innen aus der westlichen Welt als Publikum voraussetzen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung stellt die Bedeutung von Brechts Werken dar, formuliert die zentrale Fragestellung zur Vereinbarkeit von Moral und Überleben in einer kapitalistischen Welt und erläutert die methodische Herangehensweise der Untersuchung durch den Abgleich mit der Poetik des Aristoteles.

2 Die Brüche des Epischen Theaters mit dem Aristotelischen Theater im Drama “Der gute Mensch von Sezuan”: Dieses Kapitel analysiert die Abweichungen des Dramas von den klassischen Vorgaben durch die Untersuchung des V-Effekts sowie die Aufhebung der Einheiten von Zeit, Handlung und Ort.

2.1 Verhinderung der Einfühlung durch den V-Effekt: Hier wird dargelegt, wie Brecht durch den Verfremdungseffekt und die direkte Ansprache des Publikums das Ziel verfolgt, die emotionale Identifikation (Katharsis) zu unterbinden, um ein kritisches Bewusstsein zu schaffen.

2.2 Aufhebung der Einheit der Zeit: Der Abschnitt belegt durch eine chronologische Analyse der Szenen, dass die Handlung den klassischen Zeitrahmen von 24 Stunden bei weitem überschreitet und sich über etwa zehn bis zwölf Monate erstreckt.

2.3 Aufhebung der Einheit der Handlung: Es wird untersucht, wie Brecht durch den Wegfall von Nebenhandlungen, das offene Ende und die Integration von Songs und Epilog die klassische, in sich geschlossene Handlungsstruktur auflöst.

2.4 Aufhebung der Einheit des Ortes: Dieses Kapitel listet die neun verschiedenen Schauplätze des Dramas auf und zeigt, dass auch die räumliche Konstanz, wie sie im klassischen Theater gefordert wird, in diesem Stück nicht gegeben ist.

3 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt den Bruch mit sämtlichen klassischen Konventionen und gibt einen Ausblick auf mögliche weiterführende Analysen in den Bereichen Religions- und Kapitalismuskritik.

Schlüsselwörter

Bertolt Brecht, Der gute Mensch von Sezuan, Episches Theater, Aristotelisches Theater, V-Effekt, Verfremdung, Katharsis, Aristotelische Einheiten, Einheit der Zeit, Einheit der Handlung, Einheit des Ortes, Vierte Wand, Kapitalismuskritik, Dramentheorie, Lehrstück

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Drama "Der gute Mensch von Sezuan" von Bertolt Brecht und analysiert, inwiefern dieses Stück gezielt mit den Regeln des klassischen aristotelischen Theaters bricht.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Mittelpunkt stehen die Theatertheorie von Aristoteles, das Konzept des epischen Theaters, der Verfremdungseffekt (V-Effekt) sowie die Einhaltung der dramatischen Einheiten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist der Nachweis, dass Brechts Werk nicht den Kriterien des klassischen Theaters entspricht, da es die Katharsis-Wirkung bewusst verhindert, um beim Publikum stattdessen einen kritischen Denkprozess zu initiieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Analyse angewandt?

Die Arbeit nutzt eine literaturtheoretische Perspektive, indem sie die Kriterien der aristotelischen "Poetik" auf das konkrete Drama von Brecht anwendet und Szenen auf strukturelle Abweichungen prüft.

Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Verhinderung von Einfühlung durch den V-Effekt, die Ausdehnung der Zeitspanne, die Auflösung der stringenten Handlung sowie die Nutzung vielfältiger Schauplätze.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Episches Theater, Verfremdungseffekt, Katharsis, aristotelische Einheiten und Kapitalismuskritik bestimmt.

Wie trägt die direkte Ansprache des Publikums zur Intention des Autors bei?

Die Ansprache durchbricht die "Vierte Wand", nimmt dem Zuschauer die Rolle des passiven Konsumenten und zwingt ihn zur aktiven Reflexion über das Geschehen auf der Bühne.

Welche Bedeutung hat die Figur des Shui Ta im Kontext der Verfremdung?

Die Verwandlung von Shen Te in Shui Ta dient als Mittel der Ummontierung und Verdeutlichung der Unvereinbarkeit moralischen Verhaltens innerhalb kapitalistischer Zwänge, was den Zuschauer distanziert.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Brüche mit den aristotelischen Einheiten in "Der gute Mensch von Sezuan" von Bertolt Brecht
Untertitel
Untersuchungen zu einem Lehrstück des nicht-aristotelischen Theaters
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Basiskurs - Textanalyse
Note
2,3
Autor
Falk Kurt Bräcklein (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
15
Katalognummer
V1025848
ISBN (eBook)
9783346425591
ISBN (Buch)
9783346425607
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutsche Philologie Germanistik Neuere Deutsche Literatur Literaturwissenschaft Theaterwissenschaft Theater Dramatik Drama Textanalyse Literaturtheorie Aristoteles Klassisches Theater Bertholt Brecht Brecht Episches Theater Verfremdungseffekt Verfremdung V-Effekt Der gute Mensch von Sezuan Dramaturgie Inszenierung Vierte Wand Dramenanalyse
Produktsicherheit
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Arbeit zitieren
Falk Kurt Bräcklein (Autor:in), 2019, Die Brüche mit den aristotelischen Einheiten in "Der gute Mensch von Sezuan" von Bertolt Brecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1025848
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Leseprobe aus  15  Seiten
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