Material und Einsatzgebiete von Doppelstoffen


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
3 Seiten, Note: 2

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Doppelstoffe

Doppelstoffe sind Gewebe, bei denen mehrere Gewebelagen übereinander gewebt werden und hauptsächlich bindungsmäßig verbunden sind.

Optisch zeichnen sie sich durch Absteppungen und dadurch aus, dass sie oftmals „Reversibles“ sind, d.h. auf der rechten und linken Warenseite reziproke Farbwechsel aufweisen.

Anwendungsgebiete (allg.):

Kleider-, Kostüm-, Mantel-, Dekor-, Möbelstoffe, DOB, Decken,...

Anforderungen (allg.): strapazierfähig, wärmerückhaltend, lichtbeständig, knitterarm, gut waschbar, hautverträglich, dekorativ,...

Hohlschuss- bzw. Struckbindung (Schaftweberei)

Optisch zeichnen diese Schaftgewebe ihre plastisch hervortretenden Rippen aus.

Man unterscheidet zwischen Längs-, Quer- und Diagonalstruck, je nach dem, in welche Richtung die Rippen verlaufen. Der Gemusterte Struck ist eine Variante bei der statt Rippen, andere flächige Musterungseffekte, wie z.B. Zick-Zack oder Rauten entstehen, die plastisch hervortreten, während ihre Konturen, wie die seitliche Begrenzung einer Rippe wie Einkerbungen aussehen.

Diese Effekte werden dadurch erzielt, dass die Kette an bestimmten Stellen mit dem Schuss Leinwand, also eine sehr feste Bindung bindet und so die Einkerbungen bildet. Bei den Flächen, die plastisch hervortreten sollen (Rippen...) liegt ein großer Teil der Schüsse auf der Warenrückseite flott und drückt die Warenoberseite nach oben.

Musterungsmöglichkeiten: verschiedenfarbige Rippen, Verschiedene Bindungseffekte (Köper in S- oder Z-Grat, Mehrgratköper...), Unterschiedliche Rippenbreiten.

Einsatzgebiete: Möbelbezugs-, Autositzbezugs-, Mantel-, Anzugsstoffe, Hosencord, Arbeitsund Reithosen, Kostüm-, Kleider-, Blusenstoffe

Piquégewebe (Jacquardweberei bzw. teilweise Jacquard) beidseitig:

Sie sind der Übergang von den Hohl- zu den Doppelgeweben und gehören zu der Gruppe der Steppgewebe. Die Konturen der Figuren wirken beim Piqué wie abgesteppt, jedoch macht es im Vergleich zu später angesprochenen Doppelstoffen einen eher flachen Eindruck.

Die in Leinwandhohlgewebetechnik gearbeiteten Piquégewebe sind meist einfärbig, die Konturen der Figuren werden entweder durch

- a) mustermäßigen Warenwechsel erreicht (wie bei den Hohlgeweben)
- b) Konturbildung durch die Unterware auf der Oberware
- c) Konturbildung durch die Unterkette auf der Oberware

Oft werden die Konturen in kontrastreichen Farben gestaltet, sodass man dann ein oft weißes Grundgewebe mit farbigen Konturen erhält. Füllschüsse, die zwischen den gewebelagen zu liegen kommen verstärken den Steppeffekt. Sie bestehen aus dicken, weich gedrehten Garnen bzw. Vigogne-Garnen

Die Oberkette (LW) wird durch Schäfte ausgehoben, die Unterkette (LW und Konturen)muss gegebenenfalls (- c) durch die Jacquardeinrichtung gehoben werden.

einseitig:

Bei eindseitigen Piquégeweben werden die Konturen und damit verbunden auch die plastische Gewebestruktur von der straff gespannten Steppkette (Unterkette) gebildet. Die Grundkette (Oberkette) hingegen ist locker gespannt. Dies und die auch hier verwendeten Füllschüsse unterstützen den plastischen Effekt der Ware.

Bei einseitigen Piques bindet nur die Oberware in Leinwandbindung ein, die Unterware bildet einen 5-er Atlas oder einen Köper. Daher wird die Grundkette durch Schäfte, die Steppkette durch die Jacquardeinrichtung ab.

Das Verhältnis zwischen Grund- und Steppkette verhält sich meist 2:1 (sehr feine/dichte Qualitäten: 4:1, 6:1)

Musterung:

Oft geometrische Formen bzw. Linien (jedoch keine durchgehenden senkrechten Linien, da diese den Steppeffekt nicht ermöglichen)

Bei größeren Rapporten auch geschwungene Motive

Wie schon erwähnt, ist das Grundgewebe oft einfärbig, während die Konturen in einer kontrastreichen Farbe gestaltet sind.

Material:

Oberkette, Oberschuss: Seide, Polyester Viskose, selten feine Baumwolle

Füllschüsse: locker gedrehte Garne, Vigogne-Garne

Steppkette: Polyester, sehr selten Leinen (hohe Festigkeit)

Einsatzgebiete: Kleider-, Dekor-, Möbelstoffe, DOB

Piqué ist eine teure Technik und ist daher eher im gehobenen Marktsegment zu finden.

Jacquardhohlschussgewebe (Jacquardweberei)

Sie weisen einen reliefartigen Musterungseffekt auf, der durch die Kombination von der Hohlschuß- bzw. Struckbindungstechnik mit einem flachen Grundeffekt zustande kommt . Dieser flache Grundeffekt bildet hauptsächlich die Konturen, die hier etwas breiter (markanter) ausfallen als bei Piquégeweben.

Bindungsaufbau nach Art der Struckbindungen (aus der Schaftweberei). Durch Verwendung einer Jacquardmaschine werden die Musterungsmöglichkeiten erweitert (Figuren).

Einsatzgebiete: hauptsächlich Kleiderstoffe

Matelasségewebe (Jacquardweberei bzw. Kombination Jacquard/Schaft)

mit Füllschüssen:

Ihre reliefartigen Motive der dichten Oberware weisen unterschiedliche Bindungseffekte auf und werden durch den Unterschuß gebildet, der an den Musterkonturen auf die Oberware tritt und von der Unterkette abgebunden wird.

Oberware: verschiedene (auch lockerere) Bindungen, aus wertvollem Material, sehr dicht (KD 60-80/cm, sehr feine Qualitäten bis zu 120/cm)

Unterware: meist Leinwandbindung (verstärkt die Unterseite ->Ausgleich zur Oberbindung, Verbesserung der Schiebefestigkeit und der Stabilität -> eingesetzt für Möbelbezugstoffe -> daher nicht störend, wenn die Bindung etwas steifer ausfällt)

Geweberückseite: schüttere Unterware, dazwischen sind die locker gedrehten Füllschüsse sichtbar.

Verhältnisse von Ober-zu Unterkette:3:1, 7:1(teilbar durch 4 od. 8 >Platinenr. am Gallierbrett) Verhältnisse von Ober- zu Füll- zu Unterschuss: z.B. 2:2:1; 4:2:1;...

mit Füllkette:

Statt der Füllschüsse verstärkt hier die Füllkette die plastischen Effekte. Alle drei Kettsysteme (Oberkette: Füllkette: Unterkette) werden von der Jacquardeinrichtung ausgehoben. Die Verhältnisse zwischen den drei Ketten können unterschiedlich ausfallen:

z.B. 2:2:1 bis 4:4:1

Das Schussverhältnis (Oberschuss :Unterschuss)verhält sich zwischen 2:1 und 4:1

Matelasségewebe mit Füllkette haben einen wesentlich härteren Griff, als jene mit Füllschüssen.

Material:

Ober-/ Unterkette: Organzinseide (scharf gedreht, hochwertig, durchgehende Filamente)

Ober-/ Unterschuss: Traméseide (locker gedreht, enthält eventuell Abfallseidenanteile) Füllschuss/Füllkette: locker gedrehte Baumwollmullgarne

Einsatzgebiete: feine Qualitäten für Kleiderstoffe, mittlere bis grobe für Möbelbezugsstoffe Aufgrund seiner teuren Produktion ist Matelassé heutzutage nicht mehr gebräuchlich.

Mehrlagendoppelgewebe

Mehrlagendoppelgewebe sind eine Kombination aus den bereits besprochenen Doppelgewebetechniken.

Plastische Figureffekte: Hohlgewebe mit 2 Füllschusssystemen. Wenn die dünne Unterkette alle nicht auf der Warenoberseite verwendeten Schüsse zwischen sich und die Oberware bringt, so entsteht eine hervortretende Wölbung.

Konturen/Begrenzung: Matelassé-artiger Leinwand-Steppeffekt

Flache Effekte: Technik der mehrschüssigen Gewebe mit Anheftkette .Die nicht verwendeten Schüsse liegen auf der Warenrückseite flott und werden durch ein zweites Kettsystem, der Anheftkette abgebunden. Dies ist auf der Warenoberseite nicht sichtbar. Wenn die dünne Unterkette zwischen Oberware und den auf der Warenrückseite flott liegenden Schüssen liegt, entsteht ein flacher Effekt, der auch „Spiegelgrund“ genannt wird.

Bei Mehrlagendoppelgeweben kann man eine hohe Anzahl an Farb- und Bindungseffekten erzielen.

Einsatzgebiet: Möbelstoffe

Reliefartige Doppelgewebe

Bei dieser Art von Doppelgeweben wird durch verschieden feste/starke Schussmaterialien und unterschiedlich straff gespannte Ketten eine reliefartige Gewebestruktur erreicht. Aufgrund der verschiedenen Kettspannungen sind mehrere Kettbäume notwendig.

Grundkette = Figurkette: stark gespannt

Grundschuss: dünnfädig ; bindet mit der Grundkette meist Leinwand,

je nach Einsatzgebiet auch lockerere Bindungen

Bindekette: sehr dünnes Material, lockere Spannung

Figurschuss: sehr starkes Material; Wird von der Grund- bzw. Figurkette mustergemäß auf die Warenober- oder -unterseite gepresst. Figurschussflottierungen werden von der Bindekette abgebunden

Die Bindekette kann im Normalfall durch Schäfte gehoben werden, die Grundkette durch die Jacquardeinrichtung (außer sie bildet keine Figuren)

Einsatzgebiete: Dekor-, Möbelbezugsstoffe, feinere Qualitäten eventuell für DOB

Urika-Double

Hierbei handelt es sich um einseitige Gewebe mit 2 Kett- und 2 Schusssystem. Sowohl die Kettdichte (80-120/cm) als auch die Schussdichte (60-80/cm) sind relativ hoch. Durch die Farbgebung der Kett- und Schusssysteme (üblicherweise 1helle Kette, 1 dunkle Kette, 1 heller Schuss, ein dunkler Schuss) kann eine kontrastreiche Musterung erreicht werden. Meist wird der dunkle Schuss als Grundschuss und der helle Schuss als Figurschuss bezeichnet. Dies dient aber lediglich zu ihrer Unterscheidung, bindungstechnisch gesehen sind sie beide gleichwertig und erfüllen (außer natürlich der unterschiedlichen Farbgebung) die selben Funktionen.

Geweberückseite: Das im Moment nicht verwendete Kettsystem bindet auf der Warenrückseite Kettatlas oder Kettköper, da diese Bindungen verhindern, dass die Warenvorderseite farblich von der Rückseite beeinflusst wird.

Kleine Musterbereiche bzw. Flächen werden in der Hohlgewebetechnik (Ladenwechsel) gearbeitet, größere in der Doppelgewebetechnik (Abbindungen).

Einsatzgebiete: hauptsächlich Krawattenstoffe, eventuell auch Kleider-, Möbel-, Dekorstoffe

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Details

Titel
Material und Einsatzgebiete von Doppelstoffen
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
3
Katalognummer
V102585
Dateigröße
331 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Textil ins Internet!!!!!!!!!
Schlagworte
Weberei, Stoffe, Textil, Doppelstoffe, Gewebe, mehrlagig, mehrlagige
Arbeit zitieren
Nina Müller-Ramírez (Autor), 2001, Material und Einsatzgebiete von Doppelstoffen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102585

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