Die Arbeit soll die durch die Einführung des StaRUG neu geschaffenen Möglichkeiten einer übertragenden Sanierung außerhalb des gerichtlichen Insolvenzverfahrens im Restrukturierungsverfahren herausarbeiten.
Hierzu wird zunächst die übertragende Sanierung erläutert, die Eröffnungsvoraussetzungen der jeweiligen Verfahren dargelegt, der Verfahrensablauf skizziert, die grundsätzlichen Interessen der einzelnen Beteiligten sowie mögliche Interessenskonflikte beleuchtet und die Voraussetzungen dargestellt, um die Chancen und Risiken der durch die Einführung des StaRUG neu geschaffenen Möglichkeiten anhand der bisherigen Regelungen im Insolvenzverfahren vergleichend darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff der übertragenden Sanierung
3. Eröffnungsvoraussetzungen
4. Ablauf und zeitliche Aspekte
5. Interessen der Beteiligten
5.1 Käuferseite
5.2 Verkäuferseite
6. Sanierungsfähigkeit als zentrale Voraussetzung
6.1 Leistungswirtschaftliche Voraussetzungen
6.2 Finanzwirtschaftliche Voraussetzungen
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die durch das Gesetz über den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen für Unternehmen (StaRUG) neu geschaffenen Möglichkeiten für eine übertragende Sanierung außerhalb des Insolvenzverfahrens und vergleicht diese mit den etablierten Mechanismen innerhalb des gerichtlichen Insolvenzverfahrens.
- Grundlagen und Definition der übertragenden Sanierung
- Verfahrensablauf und Eröffnungsvoraussetzungen im Vergleich
- Analyse der Interessenkonflikte bei Käufer und Verkäufer
- Leistungswirtschaftliche und finanzwirtschaftliche Sanierungsaspekte
- Chancen und Risiken des neuen Restrukturierungsrahmens
Auszug aus dem Buch
5.1 Käuferseite
Der Unternehmenserwerb aus der Krise stellt sich für einen Käufer nur als sinnvoll dar, wenn der Kauf für ihn wirtschaftlich vorteilhaft ist und ein potentiell funktionsfähiges Unternehmen möglichst günstig erworben werden kann. Das Unternehmen muss nach Vornahme von leistungswirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen am Markt wettbewerbsfähig sein und potentiell Erträge erwirtschaften können.
Ein insolventes Unternehmen ist in der Regel jedoch von einer leistungswirtschaftlichen Unternehmenskrise geprägt und verfügt über Überkapazitäten von Produktionsräumlichkeiten, -mitteln oder Arbeitskräften. Es wird sich somit nur ein potentieller Erwerber für das Unternehmen interessieren, wenn dieser lediglich das Unternehmen als solches und ohne die mit dem Unternehmen verbundenen haftungsrechtlichen Konsequenzen und Verbindlichkeiten erwerben kann.
Da im Rahmen der übertragenden Sanierung lediglich die Vermögenswerte übertragen werden und der insolvente Unternehmensträger mit den Verbindlichkeiten verbleibt, greift der Tatbestand des § 25 (1) HGB für eine Haftung des Erwerbers für vor der Übernahme begründete Verbindlichkeiten nicht. Der Erwerber des Unternehmens kann sich zudem gemäß § 25 Abs. 2 HGB durch Vereinbarung eines Haftungsausschlusses und der Veröffentlichung im Handelsregister sowie einer Information an die größten Gläubiger absichern. Zudem erfolgt der Verkauf des Unternehmens nach der Rechtssprechung des BFH im Interesse der Gläubiger, weshalb sie nicht als Dritte i.S.d. § 25 (1) HGB gelten können. Da die Planbeteiligten dem Restrukturierungsplan ausdrücklich zustimmen, sollte dies auch bei dem Restrukturierungsverfahren gelten. Diese Trennung der haftungsrechtlichen Verbindung zwischen dem Unternehmen und dem insolventen Unternehmensträger ist für den Erwerber essentiell und stellt die Grundlage für einen Unternehmenserwerb in Form der übertragenden Sanierung dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen von Unternehmensinsolvenzen und die Zielsetzung des Gesetzgebers, durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen eine Sanierungskultur zu etablieren.
2. Begriff der übertragenden Sanierung: Dieses Kapitel definiert die übertragende Sanierung als Asset Deal, bei dem ein "gesunder Kern" des Unternehmens im Wege der Singularsukzession auf eine Auffanggesellschaft übertragen wird.
3. Eröffnungsvoraussetzungen: Hier werden die insolvenzrechtlichen Eröffnungstatbestände den Voraussetzungen für ein außergerichtliches Restrukturierungsverfahren gemäß StaRUG gegenübergestellt.
4. Ablauf und zeitliche Aspekte: Das Kapitel beschreibt die zeitlichen Herausforderungen der Masseverwertung im Insolvenzverfahren und die prozessualen Abläufe innerhalb eines Restrukturierungsplans.
5. Interessen der Beteiligten: Diese Sektion untersucht die divergierenden wirtschaftlichen Interessen von Käufern und Verkäufern im Kontext von Unternehmenssanierungen.
5.1 Käuferseite: Der Fokus liegt auf der Haftungssituation des Erwerbers und der Notwendigkeit, das Unternehmen von Altlasten befreit zu erwerben.
5.2 Verkäuferseite: Dieses Kapitel erörtert die Interessen von Gläubigern und Gesellschaftern, die primär auf die bestmögliche Befriedigung der Forderungen bzw. den Werterhalt des Unternehmens gerichtet sind.
6. Sanierungsfähigkeit als zentrale Voraussetzung: Hier wird dargelegt, dass eine Sanierung nur bei gegebener Ertragsfähigkeit und einer funktionsfähigen Betriebsorganisation sinnvoll ist.
6.1 Leistungswirtschaftliche Voraussetzungen: Dieses Kapitel thematisiert Maßnahmen zur operativen Optimierung und Anpassung des Unternehmens an Marktbedingungen.
6.2 Finanzwirtschaftliche Voraussetzungen: Es werden Methoden zur Verbesserung der Kapitalstruktur, wie beispielsweise Kapitalschnitte oder Debt-Equity-Swaps, analysiert.
7. Fazit: Das Fazit stellt zusammenfassend fest, dass das StaRUG eine Lücke im deutschen Sanierungsrecht schließt und einen Beitrag zu einer offeneren Sanierungskultur leistet.
Schlüsselwörter
übertragende Sanierung, Insolvenzordnung, StaRUG, SanInsFoG, Restrukturierungsplan, Asset Deal, Gläubigerbefriedigung, Insolvenzverwaltung, Sanierungsfähigkeit, Unternehmenskrise, Haftung, Restrukturierungsverfahren, Insolvenzanfechtung, Unternehmenserwerb, Eigenverwaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den rechtlichen Möglichkeiten der übertragenden Sanierung von Unternehmen in der Krise, insbesondere unter Einbeziehung des neuen Sanierungs- und Insolvenzrechtsfortentwicklungsgesetzes (SanInsFoG) und des StaRUG.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit vergleicht das gerichtliche Insolvenzverfahren mit dem neuen außergerichtlichen Restrukturierungsverfahren, wobei rechtliche Rahmenbedingungen, wirtschaftliche Interessen und Sanierungsvoraussetzungen im Vordergrund stehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Chancen und Risiken herauszuarbeiten, die sich durch das StaRUG für eine übertragende Sanierung ergeben, und diese den bewährten insolvenzrechtlichen Instrumenten gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wendet eine vergleichende Darstellung (Rechtsvergleich) an, indem er existierende Insolvenzregelungen den neuen Bestimmungen des StaRUG gegenüberstellt und bewertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die Analyse von Eröffnungsvoraussetzungen, den Ablauf der Verfahren sowie die detaillierte Betrachtung der Interessen von Käufern und Verkäufern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind übertragende Sanierung, StaRUG, Insolvenzrecht, Restrukturierungsplan und Gläubigerinteressen.
Warum ist das StaRUG für Käufer vorteilhaft?
Das StaRUG ermöglicht eine nicht-öffentliche Verfahrensweise, was den Werterhalt durch den Erhalt von Kunden- und Lieferantenbeziehungen begünstigt, während gleichzeitig ein rechtssicherer Rahmen geboten wird.
Welches ist laut dem Autor das "Sanierungshindernis ersten Grades"?
Der Autor identifiziert den § 613a BGB (Betriebsübergang) als erhebliches Hindernis, da die Übernahme von Arbeitsverhältnissen hohe Kostenrisiken für den Käufer birgt.
Wie unterscheidet sich die Publizität der Verfahren?
Während die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens öffentlich bekanntgemacht wird, ermöglicht das Restrukturierungsverfahren ein diskreteres Vorgehen, um den Ruf des Unternehmens und die Geschäftsbeziehungen zu schützen.
- Quote paper
- Patrick Reckmann (Author), 2021, Übertragende Sanierung StaRUG. Möglichkeiten bei einer übertragenden Sanierung außerhalb und innerhalb des Insolvenzverfahrens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1025993