Der deutsche Widerstand im III. Reich


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
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1. Verschiedene Definitionen des Begriffs ,,Widerstand"

M1: ,,Wer immer sich mit den Problemen der deutschen Oppositionen gegen Hitler beschäftigt, wird zunächst sich dem sichtbarsten Ausdruck des Widerstandes zuwenden, der in dem Anschlag auf das Leben des ,Führers' am 20. Juli 1944 zutage trat. In der Reihe von Aktionen, die entweder im Stadium des Planes steckengeblieben oder in der Ausführung missglückten, war dies die einzige, die tatsächlich durchgeführt wurde und nahe zum Ziel kam. So hat das Datum des 20. Juli eine Art symbolische Bedeutung gewonnen." (H. Rothfels, Die deutsche Opposition gegen Hitler, Frankfurt 1977, S. 20)

M2: ,,Jeder, der vom verordneten Modell abweicht, der sich auf irgendeinem Gebiet nicht gleichschalten lässt, ist für die Führung des totalitären Staates ein Widerstandskämpfer und erfährt die Folgen." (Ger van Roon, Neuordnung Im Widerstand, München 1967, S. 18)

M3: ,,Vom historischen Blickwinkel her können wir darunter jede Handlung sehen, die darauf gerichtet war, dem totalitären Staat in den Arm zu fallen, sei es, um die eigene oder die Gruppenexistenz zu behaupten oder um Unrecht im kleinen wie im großen zu verhüten, die sich darum bemühte, eine Staatsordnung zu erhalten oder vorzubereiten, die den Prinzipien des nationalsozialistischen Staates widersprach oder die danach strebte, die bestehenden Machtverhältnisse durch Propaganda oder mit den Mitteln der Gewalt zu ändern. Im allgemeinen verbindet sich mit dem Begriff ,Widerstand im totalitären Staat' die Vorstellung, dass diese Handlungen unter bewusster Inkaufnahme der Gefahr von persönlichen Nachteilen, von Maßregelungen, Inhaftierungen oder gar der Todesstrafe begangen wurden. Bloße Unzufriedenheit und daraus resultierende Affekthandlungen, die unter Umständen auch schwerste Bestrafungen nach sich ziehen konnten, werden schwerlich als Widerstand bezeichnet werden können." (F. Zipfel, Stand und Problematik der Erforschung des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, Bad Godesberg 1965, S. 3)

Zusammenfassung der Definitionen:

M1: - einzige Widerstandsbewegung im III. Reich, die zum Ziel führen konnte, war ,,Bewegung 20. Juli 1944"

M2: - jeder, der nicht unbedingt dem NS-Regime zustimmte, ohne jedoch unbedingt etwas gegen selbes zu unternehmen, galt nach dieser Definition als Widerstandskämpfer

M3: - Widerst.: jede Handlung, die gegen den totalitären Staat gerichtet ist

- Ziel: Selbstbehauptung; Staatsordnung, die den nat.-sozialist. Prinzipien widersprach; Mittel: Propaganda, Gewalt

- dabei Inkaufnahme persönlicher Nachteile bis hin zur Todesstrafe

Probleme:

- M1: Widerstandsbewegungen, wie Weiße Rose, nicht als solche anerkannt, nur

Gruppen, die einen (mit/ohne Gewalt verübten) Umsturzversuch begingen, (der Erfolg versprechen konnte), verdienten Begriff ,,Widerstandskämpfer"

- M2: jedes nicht regime-konforme Alltagsverhalten, ohne Rücksicht auf die Motive = Begriff ,,Widerstand", jeder, der NS-Regime nicht ständig Beifall spendete · schon Widerstand geleistet

2. Allgemeine Definition von Widerstand

- ,,Die Bezeichnung Widerstand fasst als Oberbegriff verschiedenartige Einstellungen, Haltungen und Handlungen zusammen, die gegen den Nationalsozialismus als Ideologie und praktizierte Herrschaft gerichtet waren."

- im weitesten Sinn auch z.B. die ins Exil geflohenen, die keine Möglichkeit hatten, etwas Entscheidendes gegen die Hitler-Regierung zu unternehmen; diejenigen, die ihre demokrat., rechtsstaatl., religiöse und weltanschauliche Überzeugung bewahrten, sich nicht durch Lockung oder Zwang vom NS vereinnahmen ließen

- im engeren Sinn: es muss zwischen kritischer bis abweisender Haltungen der

Verweigerung und Selbstbehauptung einerseits und den bewussten Anstrengungen zur Änderung der Verhältnisse andererseits unterschieden werden.

- d.h.: Opposition gegen das NS-Regime war nicht gleichbedeutend mit persönlichem Einsatz und den damit verbundenen Gefährdungen

- Gefährdungen durch Aktivwerden z.B. mit Flugblättern, Wandparolen oder durch Teilnahme an Verschwörerkreis mit Ziel: Sturz der Diktatur · neue Staats- und Gesellschaftsordnung

- Merkmale des Widerstands: Verweigerung (als persönliche Abwehr von

Herrschaftsanspruch und Selbstbehauptung von Gruppen) · Opposition (als Haltung grundsätzlicher Gegnerschaft) · Widerstand als bewusstes Handeln

- diese bauten aufeinander auf, steigerten sich von der passiven Abwehr zum aktiv verwirklichten Wunsch nach Veränderung des Regimes

- Widerstand nicht nur als Haltung zu definieren, sondern als Handeln, das auf

grundsätzlicher Ablehnung des NS beruhte, das aus ethischen, politischen, religiösen, sozialen oder individuellen Motiven darauf abzielte, zum Ende des Regimes beizutragen

- ,,Widerstand ist [...] der bewusste Versuch, dem NS-Regime entgegenzutreten [...], und damit Gefahren auf sich zu nehmen [...]" (Kleßmann)

3. Allgemeine Motive des Widerstands

- Beseitigung der Demokratie bzw. der ihr zugrundeliegenden Prinzipien
- Verfolgung Andersdenkender
- Verfolgung von Minderheiten, besonders der Juden
- generelle Missachtung menschlicher Freiheit und Würde
- Anzettelung und Ausweitung des Krieges
- aussichtslose Lage bzw. die Chance eines erträglichen Friedens
- Dokumentation gegenüber dem Ausland, dass es Deutsche gab, die sich nicht mit dem Dritten Reich bzw. seinem Führer identifizieren lassen wollten

4. Allgemeine Formen des Widerstands

- Verweigerung von Befehlen
- Sabotage
- Flugblätter, Wandparolen
- geistiger Widerstand, d.h. der Versuch, politische, juristische, gesellschaftliche Modelle für die Zeit nach Hitler zu entwickeln
- Attentatsversuche

5. Widerstandsgruppen

5.1. Widerstand in der Jugend Beispiel: - ,,Weiße Rose"

- ,,Edelweißpiraten"

- ,,Swingjugend"

Weiße Rose

- Sommer 1942: Gruppe um Geschwister Hans und Sophie Scholl

- außerdem Willi Graf, Alexander Schmorell, Christoph Probst, Philosophie-Prof. Kurt Huber

- Ziel: Bewahrung der Unabhängigkeit, Entziehung der totalen Vereinnahmung durch den NS, ,,Fall des Nationalsozialistischen Unrechtsstaates" und ,,Erneuerung des schwerverwundeten deutschen Geistes von innen her..."

- sie wollten neues Europa, Freiheit, Menschenwürde, Garantie der Menschenrechte

- es ging ihnen nicht um einen Staatsstreich

- sie wusste jedoch, ,,dass die nationalsozialistische Macht militärisch gebrochen werden muss."

- Juni 1942: erste 4 Flugblätter geschrieben

- Winter 1942/43: hören von sinnlosen Leiden und Opfern in der Schlacht um Stalingrad · Wandparolen, 2 weitere Flugblätter · Aufruf zum passiven Widerstand gegen Hitler und zur Sabotage

- richteten sich an Öffentlichkeit und besonders an Studenten

- Allg. Inhalte: Informationen über Terror des nationalsozialistischen Unrechtsstaates, seine Vergehen an Juden und Polen, die geistige Verführung der Jugend und die sich verschlechternde Kriegslage

- 18.2.1943: Verhaftung der Geschwister Scholl durch Gestapo bei Verteilung hunderter von Flugblättern in der Münchner Uni

- dieses letzte Flugblatt forderte ,,die Erkämpfung unserer freien Selbstbestimmung, ohne die geistige Werte nicht geschaffen werden können" und die ,,Brechung des nationalsozialistischen Terrors aus der Macht des Geistes"

- 22. Feb. 1943: Hinrichtung der Geschw. Scholl und von Christoph Probst

- Willi Graf und Kurt Huber einige Monate später hingerichtet

- weitere Hinrichtungen aus dem Umfeld der Weißen Rose

Der Widerstand Jugendlicher gegen den Nationalsozialismus war ein spontaner Widerstand, der kaum politisch oder ideologisch untermauert war. Vielmehr handelte es sich um eine generelle Verweigerung und Opposition, die, im Gegensatz zur Weißen Rose oder zu den konfessionellen Jugendgruppen, auch nicht von christlichen und ethischen Werten getragen wurde. Die Jugendlichen wehrten sich einfach gegen die immer stärker werdende Unterdrückung durch den nationalsozialistischen Staat.

5.2. Bürgerlicher Widerstand

Beispiel: - ,,Kreisauer Kreis"

- Carl Friedrich Goerdeler

- ,,Mittwochsgesellschaft"

- ,,Freiburger Kreis"

- ,,Solf-Kreis"

Kreisauer Kreis

- ab 1940 in Kreisau (Schlesien), München und Berlin: Treffen von Gruppen aus Männern und Frauen aus unterschiedlichen sozialen Schichten (Konservative, Sozialisten, Großgrundbesitzer, Gewerkschafter, Protestanten, Katholiken) und geistigen Traditionen, unter ihnen die Freunde James Graf von Moltke und Peter Graf Yorck von Wartenburg (· Kreisauer Kreis)

- hatten keine konkreten Umsturzpläne, Ablehnung eines Attentats auf Hitler

- sie wollten: durch Tagungen, Gespräche und Denkschriften Vorbereitung auf die ,,Zeit danach", die Zeit nach dem NS

- arbeiteten Grundzüge (s.u.) einer geistigen, politischen und sozialen Neuordnung aus, später Überlegungen zu einzelnen Fragen der Politik und Verwaltung

- als Ergebnis der drei großen Zusammenkünfte des Kreisauer Kreises verfasst Moltke die ,,Grundsätze für die Neuordnung"

Inhalt:

- Grundlage: Humanität, Gerechtigkeit, Überwindung von Klassenschranken

- innenpolitisch: Wiederherstellung des Rechtsstaates, Anerkennung der Unverletzlichkeit der menschlichen Würde, die Garantie von Glaubens- und Gewissensfreiheit, das Recht auf Arbeit, Eigentum und Selbstbestimmung, politische Verantwortung und Mitwirkung jedes Einzelnen, die Mitbestimmung im Betrieb und in der Wirtschaft

- außenpolitisch: Überwindung des Nationalismus bei gleichzeitiger Förderung des Internationalismus in Hinblick auf ein vereintes Europa im Vordergrund

- außerdem auf der 3. Tagung: Grundsätze einer ,,Bestrafung der Rechtsschänder", der Verbrecher des NS erarbeitet

- Januar 1944: Verhaftung von Moltke durch Gestapo · Ende des Kreisauer Kreises

- einige Mitglieder schließen sich Goerdeler-Kreis an, andere näherten sich militärischen Widerstand

- wegen dieser Verbindungen: meisten Mitglieder nach dem 20. Juli 1944 als Mitverschwörer angeklagt und zum Tode verurteilt

5.3. Widerstand in der Arbeiterschaft Beispiele: - ,,Rote Kapelle"

- ,,Neu Beginnen"

-,,Roter Stoßtrupp"

Rote Kapelle

- vom Oberst des sowjetischen Geheimdienstes, Leopold Trepper, von Brüssel aus aufgebaut

- RK geleitet von Harro Schulze-Boyson (seit 1936 Oberleutnant im Reichsluftfahrtministerium) und Arvid Harnack (Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium)

- Mitglieder der Roten Kapelle: zumeist Intellektuelle, nicht alle waren Kommunisten

- bestanden aus Offizieren, Beamten, Wissenschaftlern, Künstlern, Arbeitern, Angestellten, Soldaten, Marxisten und Christen

- Motiv: alle lehnten den Faschismus ab

- Ziel: politischer und militärischer Zusammenbruch des nat.soz. Regimes

- sie sahen ihre Aufgabe darin, die Eigenständigkeit Deutschlands als Nationalstaat zu sichern

- die Anhänger der RK in einen ,,inneren" und ,,äußeren" Kreis geteilt

- innerer Kreis: gaben illegale Flugblätter und Zeitschriften heraus, organisierten Fluchthilfe und führten Sabotageaktionen durch

- ä ußerer Kreis: stand in Funkkontakt mit Sowjetischen Stellen

- über dieses Funknetz: Sowjets mit Berichten über politische, militärische, und wirtschaftliche Vorgänge, besonders über die Rüstungsproduktion versorgt

- sie sahen in der Zusammenarbeit mit der SU die einzige Möglichkeit, Deutschland und Europa vor einer dauernden Herrschaft des NS zu retten

- Bsp.: Ankündigung des deutschen Angriffs 1941 auf SU · wurde aber von Stalin nicht ernst genommen

- August 1942: Aufdeckung der Organisation

- nach Folterungen und Geheimprozessen wurden die meisten Anhänger auf Hitlers Weisung (,,Landesverräter und Bolschewisten") erhängt

5.4. Widerstand politischer Gruppen (Parteien)

Beispiel: - KPD

- SPD

KPD

- Ziel kurzfristig: Ende der nationalsozialistischen Herrschaft
- Ziel langfristig: Abschaffung der Weimarer Republik durch eine kommunistische Revolution
- Methoden: keine physische Gewalt, keine Attentate
- sondern: Appelle an die Vernunft, Aufklärung über den Nationalsozialismus und Widerlegung der NS-Propaganda
- Mittel: Massendemonstrationen, Generalstreiks
- wollten in Reichtagswahlen am 5. März 1933 Nazis auf demokratischem Wege bekämpfen
- aber Parteiverbot bereits vor Reichtagswahlen
- Aufbau von Kontakten zu Kommunisten im Ausland
- spektakuläre Aktionen: rote Fahnen an Schornsteinen, Sprechchöre auf Berliner

Hinterhöfen, Straßenumbenennungen, Durchtrennen des Hauptstromkabels bei HitlerRede in Stuttgart

- ü berregionale Zeitungen: Aufklärung über NS-Praktiken und Konzentrationslager, praktische Anleitungen zum Widerstand, Tipps für Verhalten vor Gericht

- lokale Zeitungen: Karikaturen von Bürgermeistern, Aufrufe zur Teilnahme an KPDVeranstaltungen, Berichte über Nationalsozialismus in jeweiliger Stadt

- Flugblätter: Appelle an Arbeiterschaft, Aufrufe zur Teilnahme an Streiks und Demonstrationen, Bewusstseinsbildung für soziale Ungerechtigkeiten

- Propaganda in Betrieben, Beeinflussung der Betriebsratswahlen
- Verbreitung von Hitler-Witzen, um Hitler lächerlich zu machen
- im Krieg: Aufbau eines Verbindungsnetzes zwischen Berlin, Rheinland, Moskau und mehreren nord- und westeuropäischen Städten durch Funk, Schiffsverkehr und weibliche Kuriere; 1942 von der Gestapo zerschlagen

Probleme:

- Radikalismus und fehlende Kooperationsbereitschaft mit anderen Widerstandsgruppen
- außerdem: ,,Sozialfaschismus-These" (d.h. sie bezeichneten u.a. die Sozialdemokratie als ,,kleinen Bruder des Faschismus")
- zu großes Vertrauen in sowjetische Unterstützung
- daher auch Verwirrung und Enttäuschung über deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt zwischen Hitler und Stalin

SPD

- Ziel kurzfristig: Ende der nationalsozialistischen Herrschaft

- Ziel langfristig: Wiederherstellung der alten Weimarer Republik

- schon vor der Machtübernahme Hitlers: Kampf gegen die Herrschaft des NS

- Methoden: z.B. Gründung einer Sabotage-Organisation in Magdeburg (Straßensperren, Bahnblockaden, Durchtrennen von Telefonleitungen)

- Massendemonstrationen

- parlamentarischer Widerstand gegen die Ermächtigungsgesetze

- öffentliche Bloßstellung der NSDAP durch eine Reichtagsrede von SPD-Fraktionschef Otto Wels (· bedeutete Parteiverbot)

- Protestdemonstrationen gegen Boykott jüdischer Geschäfte am 1. April 1933

- Flugblätter und lokale Zeitungen: ausführliche Analysen des Nationalsozialismus, Aufrufe zur Teilnahme an Demonstrationen, Appelle an die Arbeiterschaft

- Propaganda in Betrieben, Beeinflussung der Betriebsratswahlen

- "Grenzsekretariate" zum Austausch von Nachrichten und Propaganda mit dem Ausland

- Nachrichtendienst mit Kontakt zur ausländischen Presse

Probleme:

- SPD-Führung verhielt sich ganze Zeit über passiv

- Widerstand ging ausschließlich von Einzelgruppen aus und wurde nie zentral gesteuert

- naives Vertrauen in Weimarer Verfassung und Demokratie

- geringe Kooperationsbereitschaft mit der KPD

Obwohl die politischen Parteien aufgrund ihrer organisierten Struktur das höchste

Widerstandspotential hatten - ein weitaus höheres als die zahlreichen privaten Gruppen - scheiterten sie an ihrer eigenen Sturheit und Kompromisslosigkeit. Hätten Kommunisten, Sozialdemokraten und andere Parteien gemeinsam gegen die Nationalsozialisten gearbeitet, anstatt sich aus Konkurrenz und aufgrund ideologischer Differenzen gegenseitig zu bekämpfen, so hätte der politische Widerstand im Dritten Reich vermutlich eine Chance gehabt.

5.5. Widerstand in der Kirche

- Katholische Kirche, Papst

- Evangelische Kirche

- ,,Bekennende Kirche"

Katholische Kirche

- stand Nationalsozialismus bis zum Jahr 1933 völlig ablehnend gegenüber

- Nazis nicht zu Sakramenten zugelassen und nicht kirchlich beerdigen

- Sommer 1933: Reichskonkordat

- Inhalt dieses Vertrags: Garantie der Freiheit des Bekenntnisses, der selbständigen

Ordnung kirchlicher Angelegenheiten, des Schutzes katholischer Organisationen, die sich auf religiöse und karitative Zwecke beschränkten

- NS-Regime hielt sich nicht an Konkordat (erhöhte Druck auf kath. Org., Geistliche regelrecht verfolgt)

- so begann Widerstand in der kath. Kirche

- Predigten mit Doppelsinn verlesen · Verleumdung der Ideologie des NS, Folge: Prozesse wegen angeblicher Sittlichkeitsdelikten oder Devisenvergehen, Zensierung der katholischen Presse und später Verbot

- 14. März 1937: Papst Pius XI. nahm in Enzyklika ,,Mit brennender Sorge" Stellung gegen Angriff auf die katholische Kirche in Deutschland

- Kritik, aber wollte Gunst der Nazis nicht verlieren

- Folge: Kampf der NS gegen Kirche radikaler

- jeder Geistliche, der sich in seiner Predigt über die Enzyklika in irgendeiner Weise äußerte, wurde ins KZ gebracht im Krieg:

- seit Herbst 1939 ,,Schutzhaft" für Pfarrer und Religionslehrer bei negativer Bemerkung zum NS

- jedoch allgemein kein Protest gegen Krieg, im Gegenteil: meisten Bischöfe hatten volles Verständnis für Kriegszug gegen den Bolschewismus (sahen ihn als Hauptfeind des christlichen Glaubens und der Kirche an)

- kaum Appelle zum Frieden, Bischöfe lebten mit Angst, als Staatsfeinde verdächtigt zu werden, deshalb Aufklärung der Menschen über Notwendigkeit des Krieges

- außer Bischof von Preysing zogen die kath. Bischöfe Schweigen dem Aufklären vor

- er klärte in u.a. in Predigten Menschen über NS auf, Aufruf zum Widerstand

- nur Eingreifen der Kirche bei Entfernung der Schulkreuze und beim Sturm auf die

Klöster

- Bsp.: 1941 Auflösung von 123 Klöstern

Evangelische Kirche

- nur wenige erkannten Unvereinbarkeit von Christentum und NS-Ideologie

- Ev. Kirche stellte Krieg nicht in Frage

- hofften auf eine Gesinnungsrevolution gegen den Liberalismus und den Bolschewismus

- Gruppierung ,,Deutsche Christen" rissen in ev. Kirche Leitung an sich

- 1933 jedoch: Abwendung der Ev. Kirche von DC, da Abschaffung des AT und Verkündung eines neuen heidisch, germanischen Jesus gefordert wurde

- Bekenntnissynode von Barmen: Protest gegen die nationalsozialistische Unterwanderung der Kirche und gegen den Totalitätsanspruch der Nazis

- Bekennende Kirche

- Frühjahr 1934: aus Protest gegen die Gleichschaltung von den Landeskirchen mit der Reichskirche · Entstehung: Bekennende Kirche

- sahen sich als einzige rechtmäßige Evangelische Kirche in Deutschland

- kämpften gegen die Deutschen Christen

- lehnten Unterordnung der Kirche unter Partei und NS-Staat ab; wandten sich gegen

Verfälschung des Evangeliums durch Einführung des Führerprinzips und Arierparagraphen in der ev. Kirche

- Gruppenbildung in der BK: ein lutherischer Flügel · erklärte sich bereit, sich der

Obrigkeit (= von Gott gesandt) zu unterwerfen und nur offenen Widerstand gegen den Staat zu leisten

- andere Gruppe, die sich um Pfarrer Martin Niemöller, Dietrich Bonhoeffer sammelte: aktive Zuwehrsetzung gegen nationalsozialistische Rechtsbrüche (Reden, Predigten, Schriften)

- politische Verfolgung vieler Mitglieder der BK: durch Suspendierungen, Ausweisungen, Redeverbote und Verhaftungen

Kirche zur Euthanasie:

- ev. Kirche und kath. Kirche über die grausigen Ereignisse in den Anstalten, in denen die Vernichtung ,,unwerten" Lebens erfolgte, bestens informiert

- Pastor Braune: versuchte Lebensvernichtung zu stoppen

- aber: Leiter der Kirchenkanzlei distanzierte sich von Denkschrift Braunes und halbes

Jahr später erhielt Staat stillschweigende Zustimmung des Geistlichen Vertrauensrat zur Vernichtung ,,unwerten" Lebens

- nur durch starken Widerstand der Bevölkerung und durch öffentlichen Protest des

Bischof von Galen (erstattete Anzeige gegen Morde an Geisteskranken, jedoch keine KZHaft · war zu bekannt im Volk) erfolgte Ende der Euthanasieaktion im August 1941

Kirche zur Judenverfolgung:

- zu Beginn der Verfolgung keine Stimme des Protests im Protestantismus

- auch katholischen Kirche: keine Hilfe

- nur wenige, die mutig für die Juden Partei nahmen

- auf evangelischer Seite: 1938 entstand Büro Grüber, dass sich auf die Unterstützung der Juden konzentrierte, aber im Dezember 1940 Schließung des Büros und Verhaftung von Pfarrer Grüber sowie viele seiner Mitarbeiter, die ihren Einsatz meist mit ihrem Leben bezahlten

- 1941-1945: fast gänzliche Verstummung der Proteste

- Ausnahme: Dompropst Bernard Lichtenberg · unterstützte Juden immer wieder und schloss sie in seine Gebete ein · er starb 1943 bei einem Transport in das KZ Dachau

- Mitglied der BK: Bischof Wurm: schrieb Briefe an Hitler wegen Judenmorde

5.6. Widerstand im Militär (Wehrmacht)

- spielte besondere Rolle im aktiven Widerstand

- Militär war einziger Machtfaktor im Hitlerstaat, der zur Organisation und Durchführung eines Umsturzes in der Lage schien

- Generaloberst Beck führender Kopf einer Gruppe von Offizieren der RW, die 1938 Plan verfolgten in Staatsstreich Hitler abzusetzen

- weiteres Ziel dieses Staatsstreichs: weniger die Wiederherstellung der parlamentarischen Demokratie, eher Errichtung einer Militärdiktatur

- Motiv: Kriegsplanung Hitlers, sie konnten einen wegen der ,,tschechischen Frage" zu diesem Zeitpunkt (!) begonnenen Krieg nicht verantworten

- aber RW-Führung sah sich nicht in Lage, selbst aktiv zu werden

- sie warteten eher Aktivitäten der zivilen Opposition oder des Auslands (England) ab

- drängten England zu einer harten Haltung gegenüber Dtl. in Sudetenfrage

- der geplante Putsch der Generäle, für den 29. September 1938 geplant, unterblieb aber

- Grund: Münchener Abkommen (Anschluss des Sudetenlandes ohne Anwendung militärischer Gewalt) · somit entzog es den Generälen die innere Begründung für ihr Vorgehen

- 1941/42: mit andauernden deutschen Siegen eine Art moralische Verpflichtung der Wehrmacht gegenüber Hitler

- von NS propagierte Gleichsetzung Vaterland = Nationalsozialismus · jede Widerstandshandlung = Verrat am Vaterland

- durch siegreiche Feldzüge 1939-42 breiter Rückhalt in der Bevölkerung · Kritik beschränkte sich auf Hoffnung, mit den jeweils gegenwärtigen Eroberungen sei das Ziel erreicht

- somit musste der militärische Widerstand der führenden RW-Kreise die erwarteten Rückschläge abwarten und kommendes Stimmungstief für Aktionen ausnutzen

Probleme:

- einerseits wurde Idee der Aburteilung des Führers vor dt. Gericht verworfen

- andererseits Ermordung kam auch erst nicht in Frage · neue ,,Dolchstoßlegende"

- wie würde Bevölkerung, NSDAP, SS und SA bei Putsch reagieren?

5.7. Attentate

Beispiel: ,,20. Juli 1944" - militärische Verschwörung gegen Hitler

,,Bürger-Bräu-Attentat" - Attentat Georg Elsers auf Hitler (8. Nov. 1939) ,,Operation Walküre" - Der 20. Juli 1944

- trotz seines Rücktritts blieb Beck treibende Kraft der zum Staatsstreich entschlossenen Militärkreise

- erwartete Situation von Rückschlägen und Niederlagen im Sommer 1944 gekommen

- führender Kopf der militärischen Verschwörung war Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg, seit Juni 1944 Stabschef beim Befehlshaber des Ersatzheeres

- er kam durch seinen Chef, General Friedrich Olbricht in Kontakt zu dem Widerstandskreis

Plan (Deckname ,,Operation Walküre"):

- Stauffenberg sah einzige Möglichkeit in Sprengstoff-Attentat auf NS-Führung und besonders auf Hitler selbst

- nach Attentat Erklärung des Ausnahmezustandes

- Übernahme der vollziehenden Gewalt durch Heeresbefehlshaber

- Verhaftung der Partei-, SS- und Gestapo-Führer

- Regierung: General Ludwig Beck als Reichspräsident, Carl Friedrich Goerdeler als Reichskanzler, Gewerkschaftler Wilhelm Leuschner als Vizekanzler

Attentat:

- akuter Anstoß zum Attentat am 20. Juli 1944 auf Hitler war Gefahr, dass Verschwörung entdeckt würde

- Stauffenberg hatte als einziger Zugang zu Hitlers Hauptquartier, der ,,Wolfsschanze" in Ostpreußen

- 12:30 Uhr Schärfung der Bombe (nur 1 Päckchen statt 2 geplanten)

- S. geht zur Lagebaracke und stellt Aktentasche mit Bombe unter Tisch

- S. verlässt Baracke mit Vorwand telefonieren zu müssen

- zw. 12:40 und 12:50 Uhr explodiert Bombe

- 5 Tote, 19 Verletzte; Hitler überlebt leichverletzt (beugte sich über schweren Eichentisch · geschützt vor Bombe)

- S. flog unmittelbar darauf nach Berlin, um Staatsstreich zu leiten

- S. wusste nichts vom Überleben Hitlers

- Putsch brach in Berlin zusammen, als die Nachricht über Hitlers Überleben eintraf

Folgen:

- Hauptbeteiligten am Attentat verhaftet, manche sofort erschossen

- andere in Schauprozessen (hastig und brutal geführt) unter Vorsitz von

Gerichtspräsident Roland Freisler im ,,Volksgerichtshof" zum Tode verurteilt und im Zuchthaus Plötzensee zum Teil auf bestialische Weise hingerichtet

Einige weitere, fast erfolgreiche Attentate

- am 8.Nov. 1939 kann Johann Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller eine selbstgebaute Zeitbombe zünden, Hitler war jedoch früher gegangen

- Nov. 1938 Versuch des Schweizers Maurice Bavaud, Hitler mit einer Pistole zu erschießen, Passanten verstellen jedoch das Schussfeld

- 13. März 1943: Henning von Tresckow und sein Adjutant Fabian von Schlabrendorff geben einem Begleitoffizier Hitlers auf dem Rückflug vom Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte ein Päckchen mit einer als Cognacflasche getarnten Bombe mit, der Zünder aber versagt

- 21. März 1943: Versuch von Rudolf Freiherr von Gersdorff, Göring und Hitler beim

Besuch einer Beutewaffenausstellung durch eine Bombe töten, doch Hitler bleibt zu kurz; ein Attentat ist unmöglich

- der Versuch von Axel Freiherr von Bussche sich mit Hitler in die Luft zu sprengen, scheitert an einer Verletzung Bussches kurz vor dem geplanten Attentat

- insgesamt 42 Attentate auf Hitler (davon 28 zwischen 1933 und 1945)

- meisten scheitern jedoch an strengen Sicherheitsmaßnahmen und technischen Schwierigkeiten

7. Bewertung

Aktiver Widerstand forderte ein überaus hohes Maß an Charakterstärke, Persönlichkeit und Mut. Nur die wenigsten brachten diese Eigenschaften auf. Will man zu einer realen Einschätzung des Widerstandes kommen muss man die tatsächlich gegebenen Möglichkeiten angesichts des offiziellen und inoffiziellen Terrors berücksichtigen.

Denn eine Reihe von Faktoren erschwerte den Widerstand aller Kreise, reduzierte die

Chance des Gelingens von vornherein und war verantwortlich dafür, dass mit Ausnahme der Gruppe um Stauffenberg der Widerstand insgesamt keine Chance hatte, Hitler bzw. das nat.soz. System insgesamt zu beseitigen

Probleme/Hindernisse des Widerstandes:

- Zukunftsangst, durch WWK von 1929 geschürt und von NS propagandistisch ausgenützt
- Abkehr von Hitler würde danach Rückkehr zu alten Weimarer ,,Zuständen" bedeuten
- scheinbare wirtschaftliche Erfolge
- Kaschierung der Arbeitslosigkeit durch Beschäftigungsprogramme
- erste außenpolitische Erfolge: Nichtangriffspakt mit Polen 1934 als Zeichen des

Friedenswillens; Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ohne nachhaltigen Protest der Westmächte

- die Zerrissenheit der Arbeiterschaft, die in ihren Organisationen keine Basis für einen gemeinsamen Widerstand fand

- Charisma des Führers

- unablässige Propaganda der NSDAP (Volk war geblendet · kaum demokratisches Bewusstsein mehr)

- terroristische Methoden der Einschüchterung bei aktiven Gruppen

- Furcht vor einer deutschen Niederlage im Krieg und den sich daraus ergebenden Konsequenzen

- Misstrauen, vor allem der englischen Regierung, gegen den preußischen Adel, der den Widerstand trug, war stärker als das Vertrauen, mit ihm zusammen Hitler zu beseitigen

- die sich abzeichnende Niederlage Deutschlands verschärfte nat.soz. Terror gegenüber allen oppositionellen und kritischen Stimmen

- das NS-System ermöglichte die nahezu totale Überwachung und Bespitzelung

- die Ausschaltung des Parlaments, der Parteien und potentieller Widerstandsgruppen

- diesem Terror fielen gerade die Teile der geistigen Elite Dtl.s zum Opfer, die zu Widerstandshandlungen gegen Hitler fähig waren

- Wehrmacht auf Hitlers Person vereidigt

- Sturz Hitlers: Gefahr eines Bürgerkrieges in Dtl.

- Außerkraftsetzung der Grundrechte · erschwerte den systemat. Aufbau und die Koordination des Widerstands innerhalb einer Gruppe und unter Gruppen

- aber keine Trennung in Gut und Böse, da Widerstand gegen NS aus Gefühl, das

verbrecherische Regime zu bekämpfen; auch wenn Rote Kapelle (beging rein juristisch Landesverrat) oder Weiße Rose (nach legalen Hochverratsparagraphen) rein juristisch verurteilt wurden

- Rechtsgefühl der Wid.-kämpfer bleibt zu achten, 10000e bezahlten dafür mit ihrem Leben

Zahlen/Fakten:

zwischen 1933 und 1945:

- mehr als 11 000 Menschen wurden aus politischen Gründen hingerichtet

- von den insgesamt 1 583 Abgeordneten des Deutschen Reichstags (darunter 330 Nationalsozialisten) wurden 766 Abgeordnete nach 1933 aus politischen Gründen verfolgt, 88 kamen dabei ums Leben

- im Gefolge des Attentats vom 20.Juli 1944 wurden etwa 7 000 Menschen verhaftet, rund 5000 Todesurteile gefällt, 200 Männer und Frauen hingerichtet

- Kriegsdienstverweigerer: allein 1944 etwa 200 000 Fälle, mindestens 35 000 deutsche Soldaten deswegen angeklagt, 10 000 wegen Selbstverstümmelung

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Details

Titel
Der deutsche Widerstand im III. Reich
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V102604
Dateigröße
357 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Widerstand, Reich
Arbeit zitieren
Andreas Ringel (Autor), 2001, Der deutsche Widerstand im III. Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102604

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