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Theorien sozialer Ungleichheit - Die Ansätze Stefan Hradils und Reinhard Kreckels im Vergleich

Title: Theorien sozialer Ungleichheit - Die Ansätze Stefan Hradils und Reinhard Kreckels im Vergleich

Seminar Paper , 1999 , 16 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dominik Sommer (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Summary Excerpt Details

Mit dieser antagonistischen Gegenüberstellung leitet Georg Büchner seine 1834 entstandene und 300 Mal gedruckte Kampfschrift "Der hessische Landbote" ein.
Büchner war Gegner der alten, durch die Restauration geschaffene Ordnung und arbeitete angesichts der Not der hessischen Landbevölkerung mit auf einen Umsturz hin. Weiter schreibt er: "Das Leben der Vornehmen ist ein langer Sonntag: Sie wohnen in schönen Häusern, sie tragen zierliche Kleider, haben feiste Gesichter und reden eine eigene Sprache; das Volk aber liegt vor ihnen wie Dünger auf dem Acker. Der Bauer geht hinter dem Pflug, der Vornehme aber geht hinter ihm und dem Pflug und treibt ihn mit den Ochsen am Pflug, er nimmt das Korn und lässt ihm die Stoppeln.
Das Leben des Bauern ist ein langer Werktag; Fremde verzehren seine Äcker vor seinen Augen, sein Leib ist eine Schwiele, sein Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen."2
Eine klare Dichotomie bestimmt Büchners Zeilen: Der Vornehme und das Volk. Die Regierenden und die Regierten, die Ausbeuter und die Ausgebeuteten. Und die zwei Pole sind mit den entsprechenden Attributen, sprich Ressourcen, und deren Auswirkungen auf das tägliche Leben versehen: Paläste, eigene Sprache, schöne Häuser, zierliche Kleider und daraus resultierend feiste Gesichter und Herrschaft auf der einen Seite, Hütten, Schwielen und Schweiss auf der Seite der Ausgebeuteten - das wenige, was diesen bleibt, wird ihnen auch noch genommen: "Fremde verzehren seine Äcker vor seinen Augen", ... ihr "Schweiß ist das Salz auf dem Tische des Vornehmen."3 Die Unerträglichkeit des Zustands wird unterstrichen durch eine zynische Hierachie: Vornehmer - Bauer - Pflug - Ochse.
[...]
1 Georg Büchner (1970): Gesammelte Werke. München: Wilhelm Goldmann Verlag, S.169
2 ebenda, S.169
3 ebenda, S.169

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Friede den Hütten! Krieg den Palästen!

2. Hauptteil

2.1 Grundlegende Begriffe sozialer Ungleichheit

2.2 Kreckel und Hradil: Gemeinsamkeiten im Ungleichheitsverständnis

2.3 Definitionsvergleich

2.3.1 Gemeinsamkeiten

2.3.2 Unterschiede

2.4 Konzeptionen sozialer Ungleichheit

2.4.1 Stefan Hradil

2.4.2 Reinhard Kreckel

2.5 Synthese

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Ansätze von Stefan Hradil und Reinhard Kreckel zur Analyse sozialer Ungleichheit vergleichend gegenüberzustellen und eine Synthese ihrer Konzepte zu erarbeiten, um zeitgemäße Erklärungsmuster für gesellschaftliche Ungleichheitsstrukturen zu identifizieren.

  • Vergleich der Begriffsdefinitionen sozialer Ungleichheit bei Hradil und Kreckel.
  • Analyse der theoretischen Konzeptionen und Modernisierungsansätze.
  • Untersuchung der Zentrum-Peripherie-Metapher als globaler Erklärungsansatz.
  • Diskussion über die Notwendigkeit, Klassen- und Schichtungstheorien durch neue Modelle wie Lage-, Milieu- und Lebensstilanalysen zu ergänzen.

Auszug aus dem Buch

2.4.2 Reinhard Kreckel

Kreckels Konzeption sozialer Ungleichheit tendiert in eine andere Richtung. Schichtungskonzepte befassen sich nach ihm vorrangig mit der Verteilung von Gütern, Belohnungen, Bewertungen und Sanktionen, lassen dabei aber die asymmetrischen Beziehungen zwischen Menschen außer Betracht. Marxistischen Klassenkonzepten geht es umgekehrt "regelmäßig um Produktionsverhältnisse, also um ungleich strukturierte Beziehungen zwischen Menschen, denen gegenüber die ungleiche Verteilung von Gütern nachgeordnet ist." Die Ausdifferenzierung von sozialer Ungleichheit in zwei Aggregatzustände, nämlich die relationale und die distributive Form der Ungleichheit ist Kreckels Antwort auf die jeweilige Einseitigkeit der beiden Modelle. Ungleich verteilte Güter (distributive Form - positionsgebunden) als auch asymmetrische Beziehungen (relationale Form - personengebunden) gelten als strategische Ressourcen.. Diese prägen die Lebenschancen der Menschen. D.h. Kreckel spricht über Chancen(un)-gleichheit, denn er differenziert die strategischen Ressourcen in solche, die Zugänge zu Positionen schaffen, als auch in solche, die zur Ausstattung von Positionen gehören.

Als zweiten wichtigen Punkt versucht Kreckel, sich von dem vertikalen Gesellschaftsbild der Theorie der sozialen Ungleichheit zu lösen. Für ihn hat die "historische Erfahrung der vertikal strukturierten Ständegesellschaft und der bürokratisch inszinierten Hierachien in unserer Zeit ... zu einer begrifflichen Überverallgemeinerung der Vertikalitäts- bzw. Stratifikationsmetapher geführt." Herkömmliche Ungleichheitsbilder beschrieben nur den gesellschaftlichen Normalfall, d.h. in der Regel einheimische, männliche Haushaltsvorstände im erwerbsfähigen Alter. Untersucht wurde eine Art Normal- und Kernbevölkerung. Ausgeblendet blieben: Junge, Alte, Hausfrauen, Kranke, Ausländer, Kasernisten, Behinderte, Landwirte. Ausgeblendet blieben auf der Geraden mit vertikalen Polaritäten auch regionale Disparitäten und internationale Kontexte. All diese alten, neuen, neuen, nationalen, internationalen, vertikalen und nicht-vertikalen Disparitäten brauchen nach Kreckel ein gemeinsames begriffliches und theoretisches Dach. Er schlägt hierfür das Begriffspaar Zentrum und Peripherie vor, die Zentrum-Peripherie-Metapher.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Friede den Hütten! Krieg den Palästen!: Diese Einleitung nutzt ein historisches Zitat von Georg Büchner, um die Relevanz sozialer Ungleichheit zu verdeutlichen und den theoretischen Fokus auf Hradil und Kreckel zu legen.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen der Ungleichheitsforschung, vergleicht die Definitionsansätze der beiden Autoren und beleuchtet deren spezifische Konzepte.

2.1 Grundlegende Begriffe sozialer Ungleichheit: Hier werden zentrale Kategorien definiert, wie Ressourcen, wertvolle Güter und Dimensionen, die als Fundament für die weitere Untersuchung dienen.

2.2 Kreckel und Hradil: Gemeinsamkeiten im Ungleichheitsverständnis: Dieses Kapitel zeigt Übereinstimmungen auf, insbesondere die gemeinsame Kritik an klassischen Klassen- und Schichtungstheorien.

2.3 Definitionsvergleich: Die unterschiedlichen Herangehensweisen an den Begriff "soziale Ungleichheit" werden detailliert gegenübergestellt.

2.3.1 Gemeinsamkeiten: Es wird erörtert, in welchen Punkten die Definitionen der Autoren bei der zeitlichen und inhaltlichen Abgrenzung übereinstimmen.

2.3.2 Unterschiede: Dieses Kapitel analysiert die divergierenden Auffassungen zu wertvollen Gütern und den Zugangschancen zu sozialen Positionen.

2.4 Konzeptionen sozialer Ungleichheit: Ein Überblick über die spezifischen methodischen Modelle, mit denen Hradil und Kreckel soziale Ungleichheit erfassen.

2.4.1 Stefan Hradil: Vorstellung von Hradils Modell der Ausdifferenzierung, inklusive Lagekonzepten, Milieus und Lebensstilanalysen.

2.4.2 Reinhard Kreckel: Analyse von Kreckels Fokus auf die relationale Ungleichheit und die Zentrum-Peripherie-Metapher.

2.5 Synthese: Abschließender Versuch, die Stärken beider Ansätze in einem integrativen Modell zu verbinden, um soziale Ungleichheit auf verschiedenen Ebenen zu begreifen.

Schlüsselwörter

Soziale Ungleichheit, Stefan Hradil, Reinhard Kreckel, Klassentheorie, Schichtungstheorie, Lagekonzepte, Soziale Milieus, Lebensstil, Zentrum-Peripherie-Metapher, Distributive Ungleichheit, Relationale Ungleichheit, Strategische Ressourcen, Weltgesellschaft, Sozialstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit vergleicht die soziologischen Ansätze von Stefan Hradil und Reinhard Kreckel zur Analyse sozialer Ungleichheit, um zu prüfen, ob klassische Modelle noch zeitgemäß sind.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Kritik an vertikalen Schichtungsmodellen, die Bedeutung von Lebensstilen und Milieus sowie die globale Perspektive auf soziale Ungleichheit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Erarbeitung einer Synthese beider Ansätze, um moderne Ungleichheitsstrukturen sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene besser erfassen zu können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, in der die theoretischen Konzepte der Autoren anhand zentraler Begriffe und ihrer Werke gegenübergestellt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, den Vergleich der Definitionen, die detaillierte Darstellung der Autoren-Modelle und eine abschließende theoretische Synthese.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere soziale Ungleichheit, Zentrum-Peripherie-Metapher, Lagekonzepte, relationale/distributive Ungleichheit und die Kritik an der vertikalen Schichtung.

Worin liegt der Hauptunterschied zwischen Hradil und Kreckel?

Hradil fokussiert sich auf die mikrosoziologische Differenzierung durch Milieus und Lebenslagen, während Kreckel soziale Ungleichheit in einem makrosoziologischen Weltmaßstab durch die Zentrum-Peripherie-Metapher betrachtet.

Warum hält Hradil klassische Schichtungsmodelle für überholt?

Laut Hradil erfassen traditionelle Modelle nicht die Vielfalt heutiger Lebenslagen wie Arbeitslose, Hausfrauen oder Studenten, die nicht direkt in das Erwerbsschema passen.

Wie ergänzt die Zentrum-Peripherie-Metapher das Verständnis von Ungleichheit?

Sie ermöglicht es, Ungleichheiten nicht nur innerhalb einer Gesellschaft, sondern auch in globalen Abhängigkeitsverhältnissen zu denken und intergesellschaftliche Vergleiche wissenschaftlich fundiert durchzuführen.

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Details

Title
Theorien sozialer Ungleichheit - Die Ansätze Stefan Hradils und Reinhard Kreckels im Vergleich
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
Proseminar: Sozialstruktur und Institutionen des neuen Europa
Grade
1,3
Author
Dominik Sommer (Author)
Publication Year
1999
Pages
16
Catalog Number
V10266
ISBN (eBook)
9783638167437
Language
German
Tags
soziale Ungleichheit Ressourcen Güter Definitionen Status Klasse
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dominik Sommer (Author), 1999, Theorien sozialer Ungleichheit - Die Ansätze Stefan Hradils und Reinhard Kreckels im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/10266
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