Fasst man Intelligenz als multidimensionales Set an Fähigkeiten auf, stellt sich die Frage, welche weiteren Intelligenzformen neben dem IQ für den Erfolg von Individuen relevant sind. Diese Frage versucht diese Arbeit durch die Auseinandersetzung mit Konzepten und Messverfahren zu Emotionaler Intelligenz zu erörtern. Dabei wird zunächst auf die konzeptuelle Abgrenzung zu IQ eingegangen. Im Anschluss daran werden die zwei grundsätzlichen Theorieansätze zu Emotionaler Intelligenz exemplarisch an Sternbergs Konzept der Praktischen Intelligenz sowie an Daniel Golemans Konzept der Emotionalen Intelligenz vorgestellt und diskutiert. Im Anschluss hieran widmet sich die Arbeit der Messbarmachung von Praktischer Intelligenz.
Was entscheidet darüber, ob wir als Menschen erfolgreich im Leben sind? Diese Frage ist von alltagsweltlicher Relevanz für Individuen und wird in der Psychologie kontinuierlich erforscht und verhandelt, wobei es divergierende Antworten auf die Frage nach den relevanten Einflussfaktoren auf Lebenserfolg gibt. Intelligenz gilt als entscheidender Faktor und in Form des Intelligenzquotienten (IQ) gilt sie als mittels standardisierter Testverfahren messbare Größe.
Aus dem individuellen IQ wird oftmals in der Anwendungspraxis, wie beispielsweise im Arbeitskontext, abgeleitet, wie erfolgreich die Person in ihrem zukünftigen Leben bzw. Job sein wird. Erfolg an sich ist jedoch ein multidimensionales Phänomen, dessen Definition von sozialen Normen wie auch von individuellen Vorstellungen und Begabungen geprägt ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Intelligenz als zentraler Einflussfaktor für ein erfolgreiches Leben – Eine Einleitung
2 Emotionale Intelligenz: Theoretische Ansätze
2.1 Emotionale Intelligenz nach Daniel Goleman
2.1.1 Theoretischer Ansatz
2.1.2 Rezeption und Kritik
2.2 Praktische Intelligenz nach Robert J. Sternberg
2.2.1 Theoretischer Ansatz
2.2.2 Implizites Wissen
2.2.3 Rezeption und Kritik
3 Messen von Praktischer Intelligenz
3.1 Abgrenzung von anderen Messverfahren
3.2 Erfassen Praktischer Intelligenz am Beispiel des „Tacit Knowledge for Military Leaders“-Tests
3.3 Kritik an Sternbergs Messverfahren
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Intelligenzformen jenseits des klassischen Intelligenzquotienten (IQ) für den Erfolg im privaten und beruflichen Kontext. Ziel ist es, Konzepte zur Emotionalen und Praktischen Intelligenz kritisch zu beleuchten, deren theoretische Fundierung zu hinterfragen und die Möglichkeiten sowie Grenzen ihrer Messbarmachung zu erörtern.
- Konzeptuelle Abgrenzung von klassischer Intelligenz und EQ
- Theorie der Emotionalen Intelligenz nach Daniel Goleman
- Triarchische Theorie der Intelligenz nach Robert J. Sternberg
- Operationalisierung und Messung von implizitem Wissen
- Kritische Reflexion der empirischen Validität von Intelligenzkonzepten
Auszug aus dem Buch
3.2 Erfassen Praktischer Intelligenz am Beispiel des „Tacit Knowledge for Military Leaders“-Tests
Wie aus den Ausführungen unter 3.1 deutlich wird, kann die Messbarmachung von Praktischer Intelligenz nicht im Rahmen von Persönlichkeits- oder klassischen Intelligenztests vorgenommen werden. Der Ausprägungsgrad von Praktischer Intelligenz zeigt sich in persönlichem wie beruflichem Erfolg und stimmt unter anderem aufgrund seiner Situationsbezogenheit und Bezug auf implizites Wissen häufig nicht überein mit dem, was klassische Intelligenztests erfassen und vorhersagen.
Hinsichtlich der Operationalisierung von Praktischer Intelligenz haben Sternberg und weitere Kolleg*innen tacit knowledge tests konzipiert, die auf der Identifikation kritischer Arbeitssituationen beruhen. Beispiel für einen solchen Test ist der „Tacit Knowledge for Military Leaders“-Test (TKML) (Hedlund und Sternberg, 2000). Der Test dient der Messung von Führungskompetenz im Militärbereich, indem er die Aneignung und Anwendung impliziten Wissens aufdeckt. In einem Fragebogen werden spezifische Situationen praktischer Führungsprobleme im Militärkontext beschrieben und zwischen fünf und 15 Handlungsoptionen zur Wahl gestellt oder eine offene schriftliche Antwort erfordert. Die Aufgabe ist dabei, die Qualität jeder Handlungsoption zu bewerten hinsichtlich ihrer Effektivität bzw. eine effektive Antwort zu formulieren. Hedlund und Sternberg haben das Testverfahren mit 64 US-Soldaten durchgeführt, die zum Zeitpunkt der Testung in Führungspositionen wie Kompanieführer*in, Battailonführer*in oder Zugführer*in waren. Die Analyse der Ergebnisse erfolgte unter anderem anhand des Dienstgrads, der Berufserfahrung und dem Grad an implizitem Wissen, das zur korrekten Einstufung der Antworten notwendig ist.
Ziel des Tests ist das Messen interpersonaler Fähigkeiten und Problemlösungskompetenz anhand beobachtbarer Indikatoren in - basierend auf den drei Kernelementen Sternbergs Intelligenztheorie - kreativer, analytischer und praktischer Hinsicht. Somit kann die Beziehung zwischen IQ, implizitem Wissen sowie praktischem Erfahrungswissen erfasst werden und damit auch individuelle Leistungsunterschiede innerhalb einer Kohorte anhand von effektiven und ineffektiven Verhaltensweisen erklärbar gemacht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Intelligenz als zentraler Einflussfaktor für ein erfolgreiches Leben – Eine Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein und stellt die Forschungsfrage, ob neben dem IQ weitere Intelligenzformen für den Lebenserfolg entscheidend sind.
2 Emotionale Intelligenz: Theoretische Ansätze: Hier werden die Konzepte der Emotionalen Intelligenz nach Goleman und der Praktischen Intelligenz nach Sternberg als Ergänzungen oder Alternativen zum klassischen Intelligenzmodell theoretisch vorgestellt.
3 Messen von Praktischer Intelligenz: Das Kapitel befasst sich mit der Operationalisierung praktischer Intelligenz, insbesondere durch den „Tacit Knowledge for Military Leaders“-Test, und diskutiert die methodische Kritik an diesen Verfahren.
4 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung über die Notwendigkeit, Intelligenzkonzepte auf ein fundiertes psychologisches Fundament zu stellen und die Forschung zum impliziten Wissen in Organisationen zu intensivieren.
Schlüsselwörter
Emotionale Intelligenz, Praktische Intelligenz, Intelligenzquotient, IQ, Implizites Wissen, Tacit Knowledge, Daniel Goleman, Robert J. Sternberg, Triarchische Theorie, Führungskompetenz, Psychologische Diagnostik, Validität, Intelligenzforschung, Wissensmanagement, Testverfahren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Intelligenz über den klassischen IQ hinaus und analysiert, wie emotionale und praktische Intelligenz definiert, gemessen und für den beruflichen Erfolg genutzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die theoretischen Ansätze von Daniel Goleman und Robert J. Sternberg, die Bedeutung von implizitem Wissen sowie die methodischen Herausforderungen bei der Messung von alltagsrelevanten Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die konzeptuellen Grundlagen und die empirische Messbarkeit von Emotionaler und Praktischer Intelligenz zu hinterfragen, um deren tatsächlichen Mehrwert gegenüber traditionellen Intelligenzkonzepten zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse basiert, die existierende Modelle vergleicht, kritisch reflektiert und anhand von beispielhaften Testverfahren wie dem „Tacit Knowledge for Military Leaders“-Test überprüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Ansätze von Goleman und Sternberg detailliert vorgestellt, die Rolle des impliziten Wissens beleuchtet und die wissenschaftliche Kritik an den jeweiligen Testverfahren, insbesondere durch Forscher wie Hans J. Eysenck und Linda S. Gottfredson, dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Emotionale Intelligenz, Praktische Intelligenz, IQ, implizites Wissen, psychologische Diagnostik und Validität.
Warum ist der „Tacit Knowledge for Military Leaders“-Test für die Arbeit relevant?
Dieser Test dient als exemplarisches Fallbeispiel, um zu verdeutlichen, wie Sternberg versucht, praktische Intelligenz operational messbar zu machen und welche methodischen Grenzen dabei entstehen.
Wie bewertet die Autorin die wissenschaftliche Fundierung der untersuchten Konzepte?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass trotz der Popularität der Konzepte noch ein hoher Bedarf an Verfeinerung und empirischer Absicherung besteht, da viele Annahmen bisher wissenschaftlich umstritten sind.
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- Anonym (Author), 2019, Emotionale Intelligenz. Theorie und Messung von Praktischer Intelligenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1027260