Die Arbeit will die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der risikotheoretischen Ansätze Luhmanns und Becks mittels eines Vergleichs ihrer Perspektiven auf soziale Bewegungen in der modernen Gesellschaft erarbeiten. Der Fokus auf soziale Bewegungen ermöglicht den Vergleich der beiden Theorien wie durch ein Brennglas. Denn aufgrund ihres Systemstatus übernehmen sie bei Luhmann eine stabilisierende Rolle der Gesellschaft – während sie bei Beck eine prominente Rolle im Wandel politischer Steuerung spielen.
Auf Grundlage von Becks Werk "Risikogesellschaft" von 1986 werden zunächst seine Gesellschaftstheorie sowie sein Risikobegriff nachgezeichnet. Anschließend wird die Bedeutung sozialer Bewegungen in der Risikogesellschaft herausgearbeitet. Der zweite Teil der Arbeit widmet sich der Gesellschaftstheorie und dem Risikobegriff Luhmanns. Grundlage hierfür bilden seine Werke "Soziale Systeme" (1984) und "Soziologie des Risikos" von 1991. Im Anschluss wird Luhmanns Konzeption von sozialen Bewegungen unter Rückgriff auf die von Kai-Uwe Hellmann zusammengestellten Arbeiten Luhmanns in "Protest" (1996) dargelegt. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Vergleich der beiden Perspektiven anhand der Konzeption von Gesellschaft, Risiko und sozialen Bewegungen sowie ein Fazit zur Bedeutung Luhmanns und Becks für die Risiko- und Protestsoziologie.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Risiko der Gegenwart - Einleitung
2. Die Risikosoziologie Ulrich Becks
2.1 Von der Ersten zur Zweite Moderne: Die Risikogesellschaft
2.2 Risikobegriff bei Beck
2.3 Neue soziale Bewegungen in der Risikogesellschaft
2.3.1 Der Systemwandel des Politischen
2.3.2 Neue soziale Bewegungen als Arena der Subpolitik
3. Die Risikosoziologie Niklas Luhmanns
3.1 Die moderne Gesellschaft als soziales System
3.2 Risikobegriff bei Luhmann
3.3 Protestbewegungen im Gesellschaftssystem
3.3.1 Funktion von Protestbewegungen
3.3.2 Protestbewegungen als soziales System
4. Vergleich und Fazit
4.1 Vergleich der Gesellschaftsbeschreibungen und Risikobegriffe
4.2 Verhältnis von Risiko und soziale Bewegungen
4.3 Beck und Luhmann als Impulsgeber der Risiko- und Bewegungsforschung - Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht die risikosoziologischen Ansätze von Ulrich Beck und Niklas Luhmann, insbesondere unter dem Fokus ihrer Perspektiven auf soziale Bewegungen in der modernen Gesellschaft. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihren Gesellschaftstheorien und ihrem Verständnis von politischer Steuerung und Risikowahrnehmung herauszuarbeiten.
- Gesellschaftstheoretische Grundlagen der Risikogesellschaft bei Beck
- Systemtheoretische Perspektive auf Risiko bei Luhmann
- Analyse der Rolle von sozialen Bewegungen bzw. Protestbewegungen
- Gegenüberstellung von Subpolitik und funktionaler Differenzierung
- Bedeutung der Ansätze für das Verständnis aktueller gesellschaftlicher Krisen
Auszug aus dem Buch
2.2 Risikobegriff bei Beck
Die Risiken der Zweiten Moderne haben eine spezifisch neuartige Qualität und zeichnen sich durch drei Merkmale aus. Erstens sind sie allgegenwärtig, denn ihre Ursachen und Folgen sind nicht mehr an einen einzigen, räumlich eingrenzbaren Ort gebunden. Sie besitzen damit einen globalen Charakter und unterlaufen das nationalstaatliche (Kompetenz-)Gefüge. Zweitens ist den Modernisierungsrisiken eine Unberechenbarkeit im wortwörtlichen Sinne zu eigen. In der Risikogesellschaft ist nur das Wissen um das Nicht-Wissen gesichert, denn es gibt keinen Konsens über die Anerkennung von Risiken und Gefahren und wie mit ihnen umgegangen werden soll. Das dritte Merkmal ist die hypothetische Unumkehrbarkeit von Risiken im Schadensfall, denn diese Schäden sind nicht wieder wett zu machen.
Das Verhältnis von Risikoproduktion und Risikobetroffenheit zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass alle Individuen von Risiken betroffen sind - auch ihre Verursacher:innen und Profiteur:innen5. Dieses Phänomen benennt Beck als „Bumerang-Effekt“: „Modernisierungsrisiken erwischen früher oder später auch die, die sie produzieren oder von ihnen profitieren“ (Beck 1986: 30).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Risiko der Gegenwart - Einleitung: Die Einleitung verortet die Relevanz der Risikosoziologie im Kontext aktueller Krisen wie der Corona-Pandemie und skizziert das Vorhaben, die Ansätze von Beck und Luhmann anhand ihrer Sicht auf soziale Bewegungen zu vergleichen.
2. Die Risikosoziologie Ulrich Becks: Dieses Kapitel erläutert den Übergang zur Risikogesellschaft, den Risikobegriff bei Beck sowie das Konzept der Subpolitik, in der neue soziale Bewegungen agieren.
3. Die Risikosoziologie Niklas Luhmanns: Hier werden die systemtheoretischen Grundlagen, Luhmanns Risikobegriff als Unterscheidung von Risiko und Gefahr sowie die Funktion von Protestbewegungen im Gesellschaftssystem dargelegt.
4. Vergleich und Fazit: Dieser Teil führt die Analysen zusammen, arbeitet die fundamentalen Unterschiede hinsichtlich Stabilität und Steuerung heraus und reflektiert die Bedeutung beider Denker für die heutige Zeit.
Schlüsselwörter
Risikogesellschaft, Systemtheorie, Ulrich Beck, Niklas Luhmann, Moderne, soziale Bewegungen, Protestbewegungen, Subpolitik, funktionale Differenzierung, Risiko, Gefahr, reflexives Modernisierung, gesellschaftliche Steuerung, Bumerang-Effekt, Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen systematischen Vergleich der risikosoziologischen Theorien von Ulrich Beck und Niklas Luhmann unter besonderer Berücksichtigung ihrer Analysen sozialer Bewegungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Wandel der modernen Gesellschaft, den spezifischen Risikobegriffen der beiden Autoren, dem Verständnis von politischer Steuerung sowie der Rolle von Protesten in der Moderne.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Ansätze aufzuzeigen, um zu verstehen, wie sie das Verhältnis von Individuum, Gesellschaft und Risiko theoretisch modellieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, indem sie die theoretischen Schriften von Beck und Luhmann analysiert und anhand des Fokus auf soziale Bewegungen kontrastiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der jeweiligen Risikosoziologien von Beck und Luhmann, inklusive ihrer Gesellschafts- und Protestbegriffe, gefolgt von einem direkten Vergleich dieser Konzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Risikogesellschaft, Systemtheorie, Subpolitik, funktionale Differenzierung und Soziologie charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Becks Sicht auf soziale Bewegungen von Luhmanns Sicht?
Während Beck soziale Bewegungen als Akteure der Subpolitik sieht, die institutionelle Macht herausfordern, betrachtet Luhmann sie als autopoietische Systeme, die durch Protest eine spezifische Selbstreflexion der Gesellschaft erzwingen.
Was bedeutet der „Bumerang-Effekt“ bei Ulrich Beck?
Dieser Begriff beschreibt, dass die von der modernen Industriegesellschaft produzierten Risiken letztlich auch diejenigen treffen, die von der Risikoproduktion profitieren oder sie verursachen.
Warum lehnt Luhmann den Begriff „neue soziale Bewegungen“ ab?
Luhmann lehnt diesen Begriff ab, da er soziale Bewegungen nicht als ein spezifisch modernes Phänomen betrachtet, sondern ihre Funktion in der Unterscheidung von Risiko und Gefahr innerhalb des Gesellschaftssystems verortet.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Protest und Risiko bei Ulrich Beck und Niklas Luhmann. Perspektiven auf soziale Bewegungen in der modernen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1027281