Goethe, Johann Wolfgang von - Die Leiden des jungen Werther (Brief vom 10. September)


Referat / Aufsatz (Schule), 1999

2 Seiten, Note: 1


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Gliederung:

A) Inspiration zum Roman „Die Leiden des jungen Werther“

B) Erschließung der Textstelle
1. Aufbau des Textes
2. Seelische Verfassung Werthers

C) Einordnung des Briefes in den Roman

Johann Wolfgang von Goethe lernt im Januar 1772 in Wetzlar Charlotte Buff, die Tochter eines Amtsmannes, kennen und wird zu ihrem Begleiter, da deren zukünftiger Ehemann verreist. Bei einigen der Veranstaltungen, die sie gemeinsam besuchen, ist auch Jerusalem zu Gast, ein ehemaliger Kommilitone Goethes. Wenig später nach seiner Abreise jedoch erfährt Goethe von Selbstmord Jerusalems, den die unerfüllte Liebe zur Frau seines Freundes Herd dazu getrieben hat. Im Jahre 1774 verarbeitet Goethe die Geschichte seines Mitstudenten und seine eigene zu einem Roman. Er verfasst „Die Leiden des jungen Werther“, in denen sich ein junger Mann namens Werther in das Mädchen Lotte verliebt, die kurz vor der Verlobung mit einem anderen Mann nämlich Albert steht, der jedoch gerade auf Dienstreise unterwegs ist. Als dieser zurückkehrt, erkennt Werther, dass seine Liebe zu Lotte keine Zukunft hat und verfällt in Depressionen, die schließlich im Suizid enden. In dem im Folgenden analysierten Textausschnitt, dem Brief vom 10. September, nimmt Werther von Lotte Abschied, da er verreisen will.

Der Anfang des Briefes wendet sich direkt an den Adressaten, Werthers Freund Wilhelm (S. 80/Z. 24 --S. 81/Z. 2), geht dann aber bald auf das Ereignis über, das der eigentliche Hauptinhalt des Briefes ist, der Abschied von Lotte am Tag zuvor. Zuerst schildert Werther allerdings die Natur, den Schauplatz des Geschehens und die Erinnerungen, die in ihm geweckt werden (S. 81/Z. 12 - S. 82/Z. 8). Dann endlich hört er Lotte zusammen mit Albert die Terrasse heraufsteigen (vgl. S. 82/Z. 11 f.). Nach einem kurzen Schweigen beginnt Lotte ein Gespräch über den Tod, äußert dabei aber auch ihre Hoffnung auf eine Existenz danach (S. 82/Z. 27 ff.), was ihre Gedanken auf ihre Mutter lenkt und sie von deren Tod erzählen lässt. Diese Schilderung unterbricht der Briefschreiber, um sie dem Empfänger zu verdeutlichen (S. 84/Z. 4 - 6). Darauf folgt der Abschied, jedoch ohne dass Lotte und Albert wissen, dass Werther am nächsten Morgen abreisen will.

Man kann also ersehen, dass Werther das Geschehen auf verschiedenen zeitlichen Ebenen schriftlich festhält. Am Anfang nimmt er Bezug auf die gegenwärtige Situation, schildert dann seine Erinnerungen aus der Vergangenheit, geht später auf das Gespräch am Abend zuvor über und lässt schließlich noch Lotte aus der Zeit vor ihrer Bekanntschaft erzählen.

Werthers seelische Verfassung ändert sich analog zu den verschiedenen Erzählebenen, die im Vorigen geschildert wurden. Zu Beginn des Briefes ist er euphorisch und traurig zugleich. Einerseits ist er zuversichtlich und glaubt, nun alles zu überstehen (vgl. S. 80/Z. 24 f.), andererseits ist er aber den Tränen nahe. Darauf folgt eine nüchterne Schilderung des Schauplatzes, den er jedoch als düster und einsam beschreibt 8vgl. S. 82/Z. 2 f.). Daraus kann man auf seine eigene seelische Verfassung schließen, da der Briefschreiber während des gesamten Romans die Natur als Spiegel der Gefühle benutzt. Bei Lottes Erscheinen ist

Werther sehr aufgeregt und unruhig, er läuft ihr entgegen (vgl. S. 82/Z. 12) und spaziert auf und ab (vgl. S. 82/Z. 18 f.). Als Lotte schließlich das Gespräch auf den Tod bringt, äußert Werther seine Hoffnung auf ein Wiedersehen, bricht jedoch auch in Tränen aus. Er befürchtet, dass Lotte die zukünftigen Entwicklungen voraussieht. Die Erzählungen Lottes jedoch, die er wörtlich wiedergibt, kommentiert er verliebt, ganz ihren Worten verfallen („Wie kann der kalte todte Buchstabe diese himmlische Blüthe des Geistes darstellen!“ S. 84/Z. 5 f.). Er wirft sich auch vor ihr nieder (vgl. S. 84/Z. 20). Von Lottes weiterer Erzählung ist Werther so gefesselt, dass er ganz in diese Welt abtaucht und sich darin verliert. Erst als Lotte sich verabschieden will „ward [er] erweckt und erschüttert“ (S. 86/Z. 6 f.). Dabei ist er völlig zerrissen; er hält ihre Hand fest und lässt sie nicht gehen (vgl. S. 86/Z. 8 f.), sagt aber gleichzeitig, dass er „willig“ gehe (S. 86/Z. 12). Der Abschied fällt Werther schwer, er findet aber dennoch Kraft, um zu scherzen (vgl. S. 86/Z. 16). Erst nachdem Lotte und Albert gegangen sind, lässt er seinen Gefühlen freien Lauf, die er vorher zurückgehalten hat: er wirft sich weinend auf die Erde (vgl. S. 86/Z. 19). Seine Sehnsucht nach Lotte zeigt sich auch darin, dass er ihr ein kurzes Stück nachläuft und noch einmal die Hand nach ihr ausstreckt (vgl. S. 86/Z. 20 ff.).

In diesem Textabschnitt baut Goethe also einen Spannungsbogen auf, der den ganzen Brief umfasst. Die Gefühlsintensität Werthers, die am Anfang vorliegt, wird am Schluss wieder aufgenommen.

Dieser Brief ist neben einigen anderen ein sehr wichtiger Abschnitt im gesamten Roman. Goethe plaziert ihn am Ende des ersten Buches, was ihm eine zentrale Stelle zukommen lässt. Er drückt all die Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste Werthers aus. Er verabschiedet sich von Lotte und Albert mit dem Vorsatz, nicht mehr zurückzukommen. Dies gelingt ihm aber nicht; nur wenige Monate später wird er zurückkehren und sein Schicksal besiegeln. Lotte ist inzwischen mit Albert verheiratet und somit für Werther unerreichbar geworden. Er wird nicht über seine Liebe zu ihr hinwegkommen und letztendlich Selbstmord begehen.

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Details

Titel
Goethe, Johann Wolfgang von - Die Leiden des jungen Werther (Brief vom 10. September)
Note
1
Autor
Jahr
1999
Seiten
2
Katalognummer
V102735
ISBN (eBook)
9783640011155
Dateigröße
329 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe, Johann, Wolfgang, Leiden, Werther, September)
Arbeit zitieren
Elisabeth Prifling (Autor:in), 1999, Goethe, Johann Wolfgang von - Die Leiden des jungen Werther (Brief vom 10. September), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102735

Kommentare

  • Gast am 30.9.2002

    Danke.

    Danke für diese gelungende Arbeit.Hat mir sehr geholfen. MFG
    Daniel

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Titel: Goethe, Johann Wolfgang von - Die Leiden des jungen Werther (Brief vom 10. September)



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