Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung. Begriffe, rechtliche Grundlagen und Begleitmöglichkeiten


Hausarbeit, 2019

13 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Inhalt

1. Einleitung

1. Geistige Behinderung

2.1. Verständnis von Behinderung
2.2. Normalisierungsprinzip
2.3. Selbstbestimmung
2.4. Inklusion

3. Rechtliche Grundlagen
3. 1. Behinderungsbegriff
3. 2. Grundrechte
3. 3. Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen
3. 4. Bürgerliches Gesetzbuch
3. 5. Sozialgesetzbuch

4. Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung
4.1. Kinderwunsch
4.2. Elterliche Kompetenzen
4.3.Kindeswohl
4.4. Begleitetete Elternschaft

5. Fazit

6. Literaturnachweis

1. Einleitung

„Familie“ wird als eine Institution mit gesellschaftlicher Relevanz angesehen. Diese Institution trägt zum Erhalt und der Weiterentwicklung der Gesellschaft bei (vgl. Hermes 2004, 20).

Doch Familie ist mehr als das: Innerhalb einer Familie sind Bindung und Beziehung sehr bedeutend, da Familienmitglieder meist einen großen Teil ihres Lebens gemeinschaftlich verbringen (vgl. Schneewind 2010, 21). Wahrscheinlich würden viele Eltern mit geistiger Behinderung bei der Versorgung und Erziehung ihrer Kinder ohne Unterstützung schnell an Grenzen stoßen, jedoch beschränkt sich Elternschaft nicht nur auf die körperliche Seite. Daher soll im Folgenden die Unterstützung von Eltern mit geistiger Behinderung im Sinne der begleiteten Elternschaft vorgestellt werden.

1. Geistige Behinderung

2.1. Verständnis von Behinderung

Bevor die Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung thematisiert wird, möchte ich erst auf verschiedene Verständnisse des Begriffs „Behinderung“ eingehen, denn je nach Verständnisweise des Behinderungsbegriffes ändert sich auch die Sichtweise auf die Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung.

Das Krankheitsfolgemodell – ein individuelles, medizinisches Verständnis: Hier wird „die Behinderung des Menschen als Krankheit, Folgeleiden einer Krankheit, Devianz, Dysfunktionalität, Defekt, usw.“ (Bleidick 1972, 310 nach Zirfas 2004, 55) definiert. Daraufhin wird der Mensch mit seiner Behinderung identifiziert: „[A]us dem Menschen wird ein Behinderter, er ist behindert. […] Die Identifikation des Menschen mit seinen Beeinträchtigungen wird dann […] auf inhaltliche Sollensanforderungen des Menschen bezogen [.] […] Der als behindert geltende Mensch hat sich am Maßstab des Nicht-Behinderten, des statistisch Normalen oder idealistisch Guten des Menschen zu messen“ (ebd.). Diese Defizitorientierung ermöglicht keine allzu positive Einstellung gegenüber der Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung. Wenn man Behinderung jedoch nicht nur medizinisch und als individuelles Leid betrachtet, sondern als gesellschaftliches Problem, ändert sich auch die Perspektive auf die Elternschaft:

Das soziale Modell von Behinderung geht davon aus, dass „der Nachteil, der mit einer Behinderung verbunden ist, eher eine gesellschaftliche und weniger individuelle Angelegenheit, etwas, das nicht biologisch vorgegeben, sondern als Resultat bestimmter gesellschaftlicher Prozesse entstanden ist“ (Priestley 2003, 26). Je weniger Menschen mit Behinderung auf Barrieren treffen, desto weniger werden sie beeinträchtigt und behindert durch äußere Umstände.

Es lässt sich nicht abstreiten, dass Menschen mit geistiger Behinderung in manchen Bereichen Defizite aufweisen. Auch im Hinblick auf die Elternschaft und im Interesse der Kinder dürfen diese Defizite nicht ausgeblendet werden. Jedoch führt eine Defizitorientierung leicht dazu, dass die positiven Eigenschaften des Menschen mit Behinderung vernachlässigt werden. Dann werden die Stärken und Fähigkeiten, die der Mensch mit geistiger Behinderung in anderen Bereichen – die eventuell für die Elternschaft bedeutend sein können – aufweist, nicht mehr beachtet. (vgl. Pixa-Kettner 1996, 6f).

2.2. Normalisierungsprinzip

Die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen soll so “normal“ wie möglich sein. Die Grundlage des Normalisierungsprinzips beruht laut Bank-Mikkelsen auf der Rechtsgleichheit von Menschen mit und ohne Behinderung, auf der Akzeptanz und Anerkennung – woraus resultiert, dass Menschen mit Behinderung mit allen anderen Menschen gesellschaftlich gleichgestellt sind – und der Modifikation der Gleichbehandlung, laut der Menschen mit Behinderung das Recht auf Unterstützung, Unterricht, etc. haben, die/der jeweils an die Kompetenzen und dem Grad der Behinderung angepasst ist (vgl. Bank-Mikkelsen 1974; 1975 zitiert nach Pitsch 2006, 224f).

Das Normalisierungsprinzip beinhaltet unter anderem einen angemessenen Kontakt zwischen den Geschlechtern und die Respektierung von Bedürfnissen und Wünschen (vgl. Nirje 1974, 34ff). Für die Elternschaft ist hierbei besonders letzteres von Bedeutung, denn aus diesem lässt sich die Respektierung des Kinderwunsches ableiten.

2.3. Selbstbestimmung

In Deutschland entwickelte sich aus dem Normalisierungsprinzip die „Autonom-Leben“-Entwicklung. „Ein Leben, so normal wie möglich, d.h., so autonom wie möglich, führen, bedeutete, es wie Andere möglichst selbstständig bzw. unabhängig gestalten können, ein Leben, das auch den eigenen Interessen und Fähigkeiten entspricht und eine Teilhabe am sozialen und öffentlichen Leben ermöglicht“ (Speck 2007, 301). Mithilfe der Selbstbestimmung von Menschen mit geistiger Behinderung lässt sich ebenfalls das „Recht auf ein Kind“ ableiten (vgl. Wohlgensinger 2007, 91).

2.4. Inklusion

Die Inklusion ist vom Verständnis geprägt, dass jeder Mensch das in seiner Lebenswelt willkommen ist und als ein geachtetes Mitglied der Gesellschaft betrachtet wird. Es wird davon ausgegangen, dass niemand in eine Gruppe integriert werden muss, denn die Gruppe wird als heterogen angesehen. Durch diese Heterogenität ist es weder möglich, noch sinnvoll, kleinere Gruppierungen voneinander abzugrenzen (vgl. Hinz 2006, 258). Im Sinne der Inklusion soll Menschen mit geistiger Behinderung die notwendige Unterstützung angeboten werden, „um ihnen einen Zugang zu gesellschaftlichen “Regelkontexten“, eine Teilhabe an gesellschaftlichen Bezügen sowie ein Leben in ihrer vertrauten (natürlichen) Lebenswelt zu ermöglichen“ (Theunissen 2007, 171).

3. Rechtliche Grundlagen

3. 1. Behinderungsbegriff

Im Behinderungsbegriff des Sozialgesetzbuchs lassen sich die Ideen des sozialen Modells von Behinderung wiederfinden. Menschen mit Behinderung werden dort wie folgend definiert: „Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht.“ (§2 Abs. 1 S. 1 – 2 SGB IV). Bedeutend für diese Definition sind die äußeren Barrieren, die die Teilhabe an der Gesellschaft erschweren oder verhindern und nicht allein ihre Beeinträchtigungen.

3. 2. Grundrechte

Die Unantastbarkeit der Menschenwürde (vgl. Art. 1 Abs. 1 GG) und die freie Entfaltung der Persönlichkeit (vgl. Art. 2 Abs. 1 GG) liefern erste Grundlagen für die Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung. Zusätzlich ist bereits im Grundgesetz verankert, dass niemand aufgrund seiner Behinderung benachteiligt werden darf (vgl. Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG), auch nicht in Bezug auf das natürliche Recht auf Pflege und Erziehung ihrer Kinder (vgl. Art. 6 Abs. 2 GG). „Gegen den Willen der Erziehungsberechtigten dürfen Kinder nur aufgrund eines Gesetzes von der Familie getrennt werden, wenn die Erziehungsberechtigten versagen oder wenn die Kinder aus anderen Gründen zu verwahrlosen drohen“ (Art. 6 Abs. 3 GG). Außerdem wird jeder Mutter den Anspruch auf Schutz und Fürsorge der Gemeinschaft zugestanden (vgl. Art. 6 Abs. 4 GG), sodass sie keinesfalls auf sich allein gestellt ist.

3. 3. Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Für die Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung ist vor allem Artikel 23 des Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen relevant, da dort die Achtung der Familie verankert ist: Die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung muss u.a. auch in den Bereichen Ehe, Partnerschaft und Elternschaft beseitigt werden (vgl. UN BRK, Art. 23). Es soll gewährleistet sein, dass

„a) das Recht aller Menschen mit Behinderungen im heiratsfähigen Alter, auf der Grundlage des freien und vollen Einverständnisses der künftigen Ehegatten eine Ehe zu schließen und eine Familie zu gründen, anerkannt wird;
b) das Recht von Menschen mit Behinderungen auf freie und verantwortungsbewusste Entscheidung über die Anzahl ihrer Kinder und die Geburtenabstände sowie auf Zugang zu altersgemäßer Information sowie Aufklärung über Fortpflanzung und Familienplanung anerkannt wird und ihnen die notwendigen Mittel zur Ausübung dieser Rechte zur Verfügung gestellt werden;
c) Menschen mit Behinderungen, einschließlich Kindern, gleichberechtigt mit anderen ihre Fruchtbarkeit behalten.“ (UN BRK, Art. 23)

3. 4. Bürgerliches Gesetzbuch

Laut dem Bürgerlichen Gesetzbuch haben Eltern das Recht auf elterliche Sorge. Sie haben sowohl das Recht als auch die Pflicht für ihr minderjähriges Kind zu sorgen. Die Personensorge und die Vermögenssorge sind Teil der elterlichen Sorge (vgl. §1626 BGB IV Abs. 1).

3. 5. Sozialgesetzbuch

Das Recht auf elterliche Sorge aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (vgl. §1626 BGB IV Abs. 1) lässt sich in ähnlicher Form auch in §1 2. Abs. SGB VIII wiederfinden: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft“. Zudem soll „Jugendhilfe […] dazu beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien sowie eine kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen“ §1 Abs. 3 S. 4). Des Weiteren sollen Eltern bei der Erziehung beraten und unterstützt werden (vgl. §1 Abs. 3 S. 2 SGB VIII).

Eltern haben bei der Erziehung ihres Kindes Anspruch auf Hilfe, „wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist“ (§27 Abs. 1 SGB VIII).

Die Eltern, die personensorgeberechtigt sind und ihr Kind werden über die Art und den Umfang von möglicher Hilfe beraten. Sie werden an der Entscheidung über die „Auswahl der Einrichtung oder der Pflegestelle“ (§36 Abs. 1 SGB VIII) beteiligt und ihren Wünschen ist zu entsprechen, solang die Mehrkosten verhältnismäßig sind.

Nach §53 Abs. 1 SGB XII haben Menschen mit geistiger Behinderung Anspruch auf Leistungen der Eingliederungshilfe, wenn die „Aussicht besteht, dass die Aufgabe der Eingliederungshilfe erfüllt werden kann“.

4. Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung

4.1. Kinderwunsch

Der Kinderwunsch von Menschen mit geistiger Behinderung sollte auf der Grundlage des Normalisierungsprinzips, nämlich der Respektierung ihrer Bedürfnisse und Wünsche und dem angemessenen Kontakt zwischen den Geschlechtern, ernst genommen werden. Dies wird ebenfalls durch die Gedanken und Forderungen der Inklusion und der Selbstbestimmung gestärkt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung. Begriffe, rechtliche Grundlagen und Begleitmöglichkeiten
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Jahr
2019
Seiten
13
Katalognummer
V1027356
ISBN (eBook)
9783346479167
ISBN (Buch)
9783346479174
Sprache
Deutsch
Schlagworte
elternschaft, menschen, behinderung, begriffe, grundlagen, begleitmöglichkeiten
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Elternschaft von Menschen mit geistiger Behinderung. Begriffe, rechtliche Grundlagen und Begleitmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1027356

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