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Die Sozialpsychologie als Hilfswissenschaft des historischen Materialismus

Title: Die Sozialpsychologie als Hilfswissenschaft des historischen Materialismus

Term Paper (Advanced seminar) , 2019 , 16 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Anonym (Author)

Philosophy - Miscellaneous
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Seit Fromms Aufsatz über die Methode und Aufgabe einer analytischen Sozialpsychologie (1932), sind inzwischen fast neunzig Jahre vergangen. Eine lange Zeit in der die Sozialpsychologie sich weiterentwickelt hat – im Positiven wie im Negativen. Der florierende Monopolkapitalismus und das Wiederaufflammen rechter Tribalismen, bilden eine fruchtbare Mesalliance, welche die hart erkämpften Demokratien, Freiheit und gemeinschaftliche Werte stetig weiter erodieren lässt. Ein Großteil der humanwissenschaftlichen Forschung hat sich empirisch kaltstellen lassen und findet aus ihrem Tief des quantitativen Messbarkeitswahn keinen Ausweg. Dennoch sind sie in einer Zeit wie der unseren – gezeichnet durch „Utopielosigkeit“ und „Alternativlosigkeit“, wichtiger denn je. In einer Welt, in der sich Wissen und soziale Rollen, in Myriaden von Sparten und Spezialisierung zergliedert, wird interdisziplinäres Denken oft im Keim erstickt. Aber auf der anderen Seite, greifen heute in der Praxis meist Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie und Systemtherapie Hand in Hand und werden in der Regel ganz pragmatisch kombiniert, wo früher noch ideologische Streitereien herrschten. Rückblickend gilt die Freud´sche Psychoanalyse in Reinform heute meist nur noch als elitärer Atavismus, der aus Mythologie mit Göttern, Mythologie mit Trieben gemacht hat. Statt über verborgene Triebstrukturen und faschistische Charakterstrukturen in der Gesellschaft zu spekulieren, möchte die vorliegende Arbeit schulübergreifende, sozialpsychologische Konzepte aufspüren, die etwas zum Verständnis von Ideologiebildung beitragen könnten. Da Adorno in seinen Studien zum autoritären Charakter, die Anlagen des Menschen ausführlich untersucht hat, konzentriert sich dieser Text mehr auf die Umweltkomponente, in der Hoffnung, mit den Anlagen zu einem vollständigen Ganzen zu verschmelzen. Dabei versucht sie im Fahrwasser Erich Fromms zu bleiben, der die Aufgabe der Sozialpsychologie vor allem in der Aufdeckung von Ideologieentstehung sah.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. VORÜBERLEGUNGEN

2.1 MILGRAM EXPERIMENT

3. ÜBER DIE HEUTIGE AUFGABE DER SOZIALPSYCHOLOGIE

4. DREI SOZIALPSYCHOLOGISCHE BEGRIFFE

4.1 SHIFTING BASELINES

4.2 KOGNITIVE DISSONANZ

4.3 PFADABHÄNGIGKEIT

5. VORBEUGENDE UND KORRIGIERENDE MAßNAHMEN

5.1 SHIFTING BASELINES

5.2 KOGNITIVE DISSONANZ

5.3 PFADABHÄNGIGKEIT

6. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, sozialpsychologische Konzepte zur Aufklärung von Ideologiebildung zu identifizieren, indem sie über rein anlagenbasierte Erklärungsmodelle hinausgeht und insbesondere Umweltkomponenten und gesellschaftliche Strukturen einbezieht. Dabei wird untersucht, wie Individuen in ihrem Handeln durch psychologische Mechanismen und situative Rahmenbedingungen beeinflusst werden.

  • Verbindung von Triebkonzepten mit umweltpsychologischen Einflüssen
  • Analyse des Milgram-Experiments im Kontext von Konformität
  • Untersuchung der Mechanismen von Shifting Baselines, kognitiver Dissonanz und Pfadabhängigkeit
  • Strategien zur Vermeidung ideologischer Verfestigung
  • Kritische Reflexion der Rolle der Sozialpsychologie als Hilfswissenschaft des historischen Materialismus

Auszug aus dem Buch

4.1 Shifting Baselines

Der erste Begriff ist der, der Shifting Baselines. Shifting Baselines sind ein Phänomen, dass beschreibt, wie sich die Orientierungspunkte, anhand derer Menschen ihre Umwelt beurteilen, sich schleichend verschieben (Welzer, 2005). Dieser Begriff ist von der Fischereiwissenschaft in die Gesellschaftstheorien gesickert. Wo jede Generation von Fischern, die Menge der gefangenen Fische für normal hielt welche sie im Durchschnitt gefangen hat. Übertragen auf die Gesellschaft bedeutet dies, dass sich die Umstände unter denen man lebt, so unmerklich verändern, dass man sie erst wahrnimmt, wenn ein größerer Umbruch zu spüren ist. Uns bleibt nichts anderes übrig, als uns im Alltag an bestimmten gelernten Referenzpunkten zu orientieren, dies findet aber unhinterfragt und unbewusst statt.

In den Worten Welzers (2005) verschieben sich diese Referenzrahmen so schleichend, dass wir es nicht merken. Ältere Generationen werden immer weniger von dem Eis der Pole sehen, bis sie irgendwann einen vollständig blauen Planeten für normal halten. Flüchtlinge werden in immer gefährlichere Seerouten getrieben, und die daraus entstehenden Unbilden kaum mehr in der Zeitung erwähnt, obwohl man früher noch schockiert auf diese Inhumanität reagiert hatte. Staaten greifen immer häufiger zur Gewalt und intensivieren diese, obwohl man früher Frieden und Demokratie hart erkämpft hatte. Staatsüberwachung wird akzeptiert, da man ja „nichts zu verbergen hat“; so ist man auch gern bereit, seine eigene Stasi in der Hosentasche zu verwahren, obwohl man früher noch, gegen einen elektronisch-auslesbaren Personalausweis auf die Straße gegangen ist – alles Beispiele für Shifting Baselines.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung beleuchtet die historische Entwicklung der Sozialpsychologie seit Erich Fromm und begründet die Notwendigkeit, Ideologiebildung durch die Einbeziehung der Umweltkomponente besser zu verstehen.

2. VORÜBERLEGUNGEN: Es wird die Abkehr von rein charakterbasierten Erklärungsmodellen für antidemokratisches Verhalten vollzogen und das Milgram-Experiment als Beispiel für die Macht situativer Faktoren analysiert.

3. ÜBER DIE HEUTIGE AUFGABE DER SOZIALPSYCHOLOGIE: Dieses Kapitel diskutiert die Rolle der Sozialpsychologie in Anlehnung an Erich Fromm als Instrument zur kritischen Analyse gesellschaftlicher Strukturen und der Entstehung von Ideologien.

4. DREI SOZIALPSYCHOLOGISCHE BEGRIFFE: Einführung und Erläuterung der Kernkonzepte Shifting Baselines, kognitive Dissonanz und Pfadabhängigkeit als Werkzeuge zur Erklärung irrationals Handels.

5. VORBEUGENDE UND KORRIGIERENDE MAßNAHMEN: Auf Basis der zuvor eingeführten Konzepte werden Strategien und Ansätze diskutiert, wie Individuen und Gesellschaften ideologischen Mustern aktiv entgegenwirken können.

6. FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass gesellschaftlicher Wandel durch das Erkennen von Pfadabhängigkeiten und die bewusste Schaffung neuer Referenzpunkte möglich ist, um Ideologien entgegenzutreten.

Schlüsselwörter

Sozialpsychologie, Ideologiebildung, Autoritarismus, Shifting Baselines, Kognitive Dissonanz, Pfadabhängigkeit, Erich Fromm, Theodor W. Adorno, Konformität, Gesellschaftstheorie, Umweltkomponente, psychische Bedürfnisse, Systemtheorie, analytische Sozialpsychologie, Historischer Materialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der sozialpsychologischen Analyse von Ideologiebildung und antidemokratischen Tendenzen, wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel von individuellen Anlagen und gesellschaftlichen Umweltbedingungen liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die kritische Sozialpsychologie, das Verständnis von Konformität, die Mechanismen der Wahrnehmungsverschiebung sowie Strategien zur gesellschaftlichen Transformation.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, das Verständnis für Ideologieentstehung zu schärfen, indem drei spezifische sozialpsychologische Konzepte genutzt werden, um zu erklären, warum Menschen zu irrationalem oder antidemokratischem Handeln neigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, die auf klassischen sozialpsychologischen Studien und gesellschaftstheoretischen Ansätzen (u.a. von Fromm, Adorno, Festinger und Welzer) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst das Milgram-Experiment sowie die drei Kernbegriffe (Shifting Baselines, Kognitive Dissonanz, Pfadabhängigkeit) theoretisch hergeleitet und anschließend in Hinblick auf präventive Handlungsoptionen diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Shifting Baselines, Kognitive Dissonanz, Pfadabhängigkeit, Ideologiebildung und der autoritäre Charakter.

Wie definiert der Autor das Phänomen „Shifting Baselines“ im Buch?

Es wird als ein schleichender Prozess beschrieben, bei dem sich Referenzrahmen zur Beurteilung der Umwelt so unmerklich verändern, dass die Veränderung selbst kaum wahrgenommen wird.

Welche Rolle spielt die Familie laut Fromm in dieser Analyse?

Die Familie wird als eine zentrale Agentur für die Tradierung von Verhaltensweisen und Pfaden angesehen, die maßgeblich zur Stabilität oder Veränderung gesellschaftlicher Strukturen beiträgt.

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Details

Title
Die Sozialpsychologie als Hilfswissenschaft des historischen Materialismus
College
University of Frankfurt (Main)
Grade
2,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2019
Pages
16
Catalog Number
V1027471
ISBN (eBook)
9783346429995
ISBN (Book)
9783346430007
Language
German
Tags
sozialpsychologie hilfswissenschaft materialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2019, Die Sozialpsychologie als Hilfswissenschaft des historischen Materialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1027471
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