Die Doppelwahl im Jahre 366 nach Christus ist ein bedeutendes Ereignis für die Stadt Rom. Zwei Diakone, Damasus und Ursinus, werden mehr oder weniger gleichzeitig zum Bischof von Rom gewählt und geweiht. Was heutzutage undenkbar erscheint, war damals schon die zweite Doppelwahl in Folge. Die Vorgänger Liberius und Felix hatten für eine Spaltung des römischen Klerus gesorgt, die auch den Streit zwischen Damasus und Ursinus stark beeinflusste. Zwischen den Jahren 366 bis 378 kommt es nun zu heftigen Ausschreitungen, die sogar in einem Blutbad endeten. Der Ausgang des Streits ist bekannt: Damasus wird Bischof von Rom und treibt die Christianisierung voran.
Wie konnte sich Damasus gegen Ursinus durchsetzen? Besaß er gewisse Vorteile, oder war seine Ordination ein glücklicher Zufall?
Das sind die Fragen, auf die diese Hausarbeit eine Antwort zu finden versucht. Betrachtet wird dabei der Kommentar des Rufin von Aquileia, der sich in seiner Erweiterung der Kirchengeschichte des Eusebius von Aquileia wiederfinden lässt. Quellen sind jedoch immer in einem gewissen Kontext geschrieben, und hinter jeder Notiz steckt meist eine ganz bestimmte Intention. Um trotzdem einen, so weit wie möglich, objektiven Blick auf die Geschehnisse rund um die Bischofswahlen zu erhalten, wird der Kommentar des Rufin zunächst quellenkritisch behandelt.
Dazu wird zunächst der Verfasser, Tyrannius Rufin, und danach die Quelle beleuchtet. Anschließend wird die Quelle in einen Kontext gesetzt und die Intention des Verfassers wird hervorgehoben. Der Kommentar des Rufin bietet fünf verschiedene Informationen, die im zweiten Teil der Hausarbeit, nämlich der Analyse und der Interpretation der Quelle, extrahiert werden.
Rufin kommentiert die Wahl und Weihe der beiden Diakone, die Straßenkämpfe, das Eingreifen des Stadtpräfekten in die Streitigkeiten, die Anhänger der beiden Kandidaten und einen juristischen Vorfall, der zu der Zeit stattgefunden haben soll. Letzteres wird nicht behandelt werden, da diese Information nicht nur Lösung der Fragestellung beitragen würde.
Außer Rufin berichten uns noch drei weitere Quellen über die Streitigkeiten. Neben Hieronymus, einem Freund von Rufin, besitzen wir noch den Bericht des Ammianus Marcellinus, einem Historiker und den Ursinerbericht, eine Art Verteidigungsschrift, die zugunsten des Ursinus argumentiert. Letzteres ist der längste Bericht und bietet somit auch die meisten Informationen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellenkritik
2.1 der Verfasser
2.2 das Werk
2.3 Kontextualisierung und Intention
3. Analyse
3.1 Wahl und Weihe der beiden Kanditaten
3.2 die beiden Parteien
3.3 die Straßenkämpfe
3.4 Das Eingreifen durch den Stadtpräfekt
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
5.1 Literatur
5.2 Quellen
6. Die Quelle
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht die Hintergründe der Doppelwahl des Jahres 366 n. Chr. in Rom, bei der Damasus und Ursinus gleichzeitig zum Bischof erhoben wurden, und analysiert quellenkritisch den Bericht des Tyrannius Rufin, um die Faktoren für den Erfolg von Damasus zu identifizieren.
- Quellenkritische Einordnung des Kommentars von Rufin von Aquileia
- Analyse der Wahl- und Weiheumstände beider Kandidaten
- Untersuchung der Rolle der kirchlichen Gruppierungen und Parteien
- Bewertung der gewaltsamen Auseinandersetzungen im urbanen Raum
- Einfluss staatlicher Akteure und politischer Rahmenbedingungen auf den Machtkampf
Auszug aus dem Buch
3.1 Wahl und Weihe der beiden Kanditaten
Rufin stellt zu Beginn seines Kommentars zunächst einmal fest, wer der rechtmäßige Bischof Roms war, nämlich Damasus. Rufin fährt seine Schilderung der Ereignisse mit folgenden Worten fort:
„Ursinus, a deacon of this church, unable to accept his being preferred to himself, became so unhinged that with the aid of some naive, inexperienced bishop, whom he persuaded, and a riotous and unruly gang which he got together, he forced through his ordination as bishop in the Basilica of Sicininus, overturning in his path law, order, and tradition.“
Zunächst beschreibt Rufin den Bischof, der Ursinus geweiht haben soll, als naiv und unerfahren. Damit versucht er die Weihe des Ursinus abzuwerten, indem er die Qualifikation des Bischofs, der diese durchgeführt hat, in Frage stellt. Was er jedoch nicht anzweifelt, ist die Rechtmäßigkeit der Weihe. Bis auf den Kommentar, er hätte entgegen jeglicher Tradition gehandelt, wird diese nicht weiter kommentiert. Auch die anderen Quellen zweifeln weder die Rechtmäßigkeit der Weihe des Ursinus, noch die des Damasus an (der Ursinerbericht hätte diesen Makel eindeutig aufgegriffen, wenn Damasus nicht rechtmäßig geweiht geworden wäre). Die Relevanz lag anscheinend bei der Reihenfolge der Wahl, beziehungsweise Weihe. Rufin gibt hier jedoch nur Auskunft über den Weihort und nicht über den Wahlort des Ursinus. Die Reihenfolge der Wahl, oder Weihe, lässt er einigermaßen offen. Es wird jedoch klar, dass Damasus der rechtmäßige Bischof ist, zum einen durch den Satz „unable to accept his being preferred to himself“, zum anderen durch die Art, wie er Ursinus abwertet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Doppelwahl des Jahres 366 n. Chr. ein und definiert die Forschungsfrage sowie die quellenkritische methodische Vorgehensweise anhand des Berichts von Rufin.
2. Quellenkritik: In diesem Kapitel wird der Verfasser Tyrannius Rufin biographisch eingeordnet und sein Werk sowie dessen Entstehungskontext und Intention analysiert.
3. Analyse: Der Hauptteil untersucht detailliert die Wahl- und Weihevorgänge, die Rolle der Anhängerschaften, die eskalierenden Straßenkämpfe und das Eingreifen der staatlichen Macht durch den Stadtpräfekten.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Verbannung des Ursinus der entscheidende politische Faktor für den Sieg des Damasus war.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Sekundärliteratur und Quellen für diese wissenschaftliche Arbeit.
6. Die Quelle: Wiedergabe des originalen Quellentextes von Rufin von Aquileia.
Schlüsselwörter
Damasus, Ursinus, Doppelwahl, Rom, Rufin von Aquileia, Quellenkritik, Bischofswahl, Kirchengeschichte, Machtkampf, Spätantike, Liberius, Stadtpräfekt, Basilika, Historiographie, Klerus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Doppelwahl des Jahres 366 n. Chr., bei der Damasus und Ursinus gleichzeitig zum Bischof von Rom gewählt wurden, und analysiert deren Machtkampf.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Wahl- und Weiheabläufe, die politische Instrumentalisierung von Anhängergruppen, gewaltsame Konflikte zwischen christlichen Parteien sowie die Rolle staatlicher Eingriffe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, quellenkritisch zu eruieren, welche Faktoren Damasus schlussendlich zum Sieg über seinen Konkurrenten Ursinus verhalfen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine quellenkritische Analyse, insbesondere des Kommentars von Rufin von Aquileia im Kontext anderer zeitgenössischer Berichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der Wahl- und Weiheorte, die Analyse der sozialen und politischen Netzwerke der Kandidaten sowie eine Untersuchung der Eskalation und des staatlichen Eingreifens.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Damasus, Ursinus, Kirchengeschichte, quellenkritische Analyse und das politische Umfeld des 4. Jahrhunderts in Rom geprägt.
Warum spielt die Person des Tyrannius Rufin eine so zentrale Rolle?
Rufin dient als primärer Zeuge, dessen Kommentar zur Kirchengeschichte eine spezifische, auf Damasus ausgerichtete Perspektive bietet, die durch den Abgleich mit anderen Quellen kritisch hinterfragt wird.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Siegesursache?
Die Autorin folgert, dass Damasus durch seine besseren Kontakte in den Machtzentren und die resultierende Verbannung des Ursinus durch den Staat den entscheidenden Vorteil gegenüber seinem Rivalen erlangte.
- Quote paper
- Talina Meyer (Author), 2019, Der Sieg des Damasus über Ursinus. Der Kommentar des Rufin von Aquileia zu den Geschehnissen um die Bischofswahlen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1027479