Ehrenamtliches Engagement ist im bayerischen Bevölkerungsschutz nicht wegzudenken. Das Ziel dieser Forschung ist es, zu bestimmen, inwiefern die erhobenen Motivausprägungen von ausgewählten soziodemographischen Parametern (Geschlecht, Alter, Qualifikation und berufliche Funktion) abhängen. Dazu wird die folgende Forschungsfrage gestellt: Welcher Zusammenhang besteht zwischen den Motiven für das ehrenamtliche Engagement im Bevölkerungsschutz und ausgewählten soziodemographischen Parametern der Ehrenamtlichen?
Zur Beantwortung der Forschungsfrage ist unter Ehrenamtlichen der bayerischen Hilfsorganisationen eine Online-Befragung durchgeführt worden. Neben den soziodemographischen Parametern wurden die Motive für freiwilliges Engagement anhand der deutschen Adaption des von Clary und Snyder entwickelten Volunteer Functions Inventory verwendet.
Die Datenanalyse erfolgte anhand zweier parameterfreien Testverfahren, dem Mann-Whitney-U-Test und dem Kruskal-Wallis-Test. Es nahmen 1.164 Probanden an der Umfrage teil. Die Ergebnisse werden in dieser Arbeit besprochen und analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Relevanz der Thematik und Problembeschreibung
1.2 Zielsetzung, Fragestellung und Hypothesen des Forschungsvorhabens
1.3 Terminologische Vorbemerkung
1.4 Methodisches Vorgehen
1.5 Gang der Arbeit
2. Bedeutung des Ehrenamtes für die Gesellschaft
2.1 Begriffsdefinition: „Ehrenamt“
2.2 Ehrenamtliches Engagement in der Gesellschaft
2.3 Struktur, Ausdrucksform und Umfang des ehrenamtlichen Engagements in der Gesellschaft
2.4 Sozialkapital - Notwendigkeit der Bindung von Ehrenamtlichen im Bevölkerungsschutz
2.5 Die Betriebswirtschaftslehre und ehrenamtliche Organisationen
2.6 Hintergrundinformationen zu den untersuchten ehrenamtlichen Verbänden
2.6.1 Arbeiter-Samariter-Bund
2.6.2 Bayerisches Rotes Kreuz
2.6.3 Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft
2.6.4 Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.
2.6.5 Malteser Hilfsdienst
2.6.6 Medizinisches Katastrophen-Hilfswerk Deutschland
2.6.7 Technisches Hilfswerk
3. Stand der Forschung zur Motivation
3.1 Führung
3.2 Begriffsdefinitionen der Motivation
3.2.1 Motive und Bedürfnisse
3.2.2 Motivation
3.2.3 Volition
3.3 Intrinsische und extrinsische Motivation
3.3.1 Theorie des Flow-Erlebens von Csíkszentmihályi
3.3.2 Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan
3.4 Altruistische und egoistische Motivation
3.5 Inhaltstheorien der Motivation
3.5.1 Bedürfnispyramide von Maslow
3.5.2 ERG-Theorie von Alderfer
3.5.3 Zwei-Faktoren-Theorie von Herzberg
3.6 Prozesstheorien der Motivation
3.6.1 VIE-Theorie von Vroom
3.6.2 Modell von Porter und Lawler
4. Nutzen, Zufriedenheit und Anreiz im Ehrenamt
4.1 Inhalt des ehrenamtlichen Engagements
4.2 Soziales Klima in der Organisation
4.3 Wertschätzung und Anerkennung durch die Leitung
4.4 Image der Organisation
4.5 Entgelt
4.6 Auszeichnung
4.7 Persönliche Entwicklungsmöglichkeiten
5. Befragung und Vorgehensweise
5.1 Auswahl des Forschungsdesigns
5.2 Untersuchungsfeld, Grundgesamtheit und Stichprobe
5.3 Konstruktion des Fragebogens
5.4 Pretest des Fragebogens
5.5 Durchführung der Untersuchung
6. Ergebnisse der empirischen Untersuchung
6.1 Beschreibung der Stichprobe
6.2 Deskriptive Auswertung
6.3 Inferenzstatistische Auswertung
7. Diskussion der Ergebnisse und Schlussfolgerung
8. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Motivation für ehrenamtliches Engagement im bayerischen Bevölkerungsschutz und ausgewählten soziodemographischen Parametern der Ehrenamtlichen, um Leitungskräften gezieltere Motivationsansätze zu ermöglichen.
- Analyse des Einflusses soziodemographischer Parameter auf Motivausprägungen
- Anwendung des Volunteer Functions Inventory (VFI) im Bevölkerungsschutz
- Vergleich verschiedener Motivationstheorien und deren Übertragbarkeit
- Untersuchung der Bedeutung von Anreizsystemen im Ehrenamt
- Empfehlungen für modernes Personalmanagement in Hilfsorganisationen
Auszug aus dem Buch
3.6.1 VIE-Theorie von Vroom
In der Valenz-Instrumentalität-Erwartungs-Theorie (VIE-Theorie) betrachtet Vroom die Motivation durch Ziele oder anders ausgedrückt, wie bestimmte Werte in Motivation umgewandelt werden können. Er vertritt die These, dass ein bestimmtes Tun nur dann geleistet wird, wenn ein Resultat als begehrenswert verstanden wird. Seine Theorie fußt auf dem ökonomischen Versuch der Erklärung menschlichen Verhaltens und auf der Idee vom Menschen als rational handelndem Wesen. Dieser ökonomische Ansatz wird aber durch die Nutzung von subjektiven Größen relativiert.
Menschen zeigen ein instrumentelles Verhalten, um bestimmte Ergebnisse zu erreichen. Unter Verhalten ist immer die Folge des Zusammenwirkens des Individuums und der jeweiligen Situation zu verstehen. Vroom differenziert auf Seiten des Einzelnen das persönliche Wollen von den individuellen Fähigkeiten. Anders als in den Inhaltstheorien, hängt die Helfermotivation nicht nur vom Charakter ab, sondern von der konkreten Situation und den vorhandenen Handlungsoptionen.
Nach Vroom ist Leistung eine mathematische Funktion, die sich aus Fähigkeiten und Motivation zusammensetzt. In der VIE-Theorie basiert die Motivation in Abhängigkeit zum möglichen Nutzen und den Erfolgsaussichten. VIE steht für die Variablen „Valenz“, „Instrumentalität“ und „Erwartung“:
- „Valenz“ ist der subjektive Nutzen, die Attraktivität oder die Anziehungskraft des erwarteten Ziels.
- „Instrumentalität“ beschreibt die subjektive Beurteilung der instrumentellen Eignung eines Ziels. Sie gibt an, wie stark eine bestimmte Handlung und dessen Ergebnis für das Individuum als Auslöser für die Zielerreichung verstanden werden kann.
- „Erwartung“ entspricht der subjektiven Wahrscheinlichkeit eines bestimmten Erfolges.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz des Ehrenamts im Bevölkerungsschutz sowie die Zielsetzung und das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Bedeutung des Ehrenamtes für die Gesellschaft: Definiert den Begriff des Ehrenamts, beleuchtet dessen gesellschaftliche Rolle, die verschiedenen Hilfsorganisationen und stellt den Bezug zum Management her.
3. Stand der Forschung zur Motivation: Gibt einen Überblick über theoretische Grundlagen zu Führung und Motivation, einschließlich Inhalts- und Prozesstheorien.
4. Nutzen, Zufriedenheit und Anreiz im Ehrenamt: Analysiert verschiedene Anreizfaktoren wie Sinnstiftung, soziales Klima, Anerkennung und Entgelt im ehrenamtlichen Kontext.
5. Befragung und Vorgehensweise: Erläutert das gewählte Forschungsdesign, die Konstruktion des Fragebogens (VFI) und die Durchführung der empirischen Online-Umfrage.
6. Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Präsentiert die deskriptive und inferenzstatistische Auswertung der Daten zur Motivation der Ehrenamtlichen.
7. Diskussion der Ergebnisse und Schlussfolgerung: Reflektiert die Studienergebnisse vor dem Hintergrund der Forschungsfrage und diskutiert Limitationen.
8. Zusammenfassung und Ausblick: Fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und gibt Empfehlungen für die praktische Führung von Ehrenamtlichen.
Schlüsselwörter
Motivation, Motiv, Führung, Ehrenamt, Hilfsorganisation, VFI, Bevölkerungsschutz, Freiwilligenarbeit, Personalmanagement, Zufriedenheit, Anreiz, Engagement, Teamentwicklung, Organisationsführung, Arbeitsmotivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Motivation von Ehrenamtlichen in bayerischen Hilfsorganisationen des Bevölkerungsschutzes und analysiert, wie soziodemographische Faktoren diese Motivation beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Motivationstheorien, dem ehrenamtlichen Engagement im Bevölkerungsschutz, Anreizsystemen sowie der praktischen Anwendung von Führungsinstrumenten in NPOs.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist zu bestimmen, ob und wie soziodemographische Parameter (Geschlecht, Alter, Qualifikation, berufliche Funktion) die Motivausprägungen der Ehrenamtlichen beeinflussen, um Leitungen Anhaltspunkte für eine gezieltere Motivation zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quantitative Untersuchung auf Basis einer Online-Umfrage unter 1.164 Probanden, wobei das „Volunteer Functions Inventory“ (VFI) zur Erhebung genutzt und mittels Mann-Whitney-U-Test sowie Kruskal-Wallis-Test ausgewertet wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Motivation und Führung, eine Darstellung der Organisationen des bayerischen Bevölkerungsschutzes sowie die empirische Analyse und Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Motivation, Ehrenamt, Bevölkerungsschutz, Führung, Personalmanagement, Hilfsorganisation, VFI und Freiwilligenarbeit sind zentral für das Verständnis der Arbeit.
Warum spielt das VFI-Modell eine so wichtige Rolle für diese Studie?
Das VFI (Volunteer Functions Inventory) ist ein standardisiertes Messinstrument, das ermöglicht, unterschiedliche Beweggründe für freiwillige Arbeit multidimensional zu erfassen und wissenschaftlich fundiert zu vergleichen.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse bezüglich der Führung von Ehrenamtlichen?
Die Studie unterstreicht, dass Führungskräfte auf die individuellen Bedürfnisse und Motivbündel der Helfer eingehen müssen, wobei insbesondere Sinnstiftung, persönliche Entwicklung und Wertschätzung entscheidende Hebel sind.
- Arbeit zitieren
- Michael Reil (Autor:in), 2021, Motivation von Ehrenamtlichen im bayerischen Bevölkerungsschutz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1027489