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Meritokratie und herkunftsbedingte Ungleichheit

Was ist damit gemeint, dass das meritokratische Prinzip herkunftsbedingte Ungleichheiten legitimiert und verschleiert?

Titel: Meritokratie und herkunftsbedingte Ungleichheit

Essay , 2020 , 9 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Julien Heiligenthaler (Autor:in)

Sozialwissenschaften allgemein
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Vom Tellerwäscher zum Millionär? Diese Redewendung scheint Einzug in den Köpfen der Menschen gefunden zu haben. Gerade wenn es um soziale Mobilität geht, scheint in modernen Gesellschaften alles möglich zu sein. Mit dieser Illusion angetrieben, scheinen Ungleichheiten zum Problem des Einzelnen zu werden, denn letztlich habe es jeder selbst in der Hand, über sein Schicksal zu bestimmen. Aber was genau steht hinter dieser Mantra-ähnlichen Aussage? Was für Auswirkungen könnte das Denken haben, sowohl für das Individuum als auch die Gesellschaft. Zentral soll es in diesem Essay um die Frage gehen, inwieweit meritokratische Prinzipien herkunftsbedingte Ungleichheiten verschleiert und legitimiert. Dazu wird sich das Essay zunächst thematisch auf die Meritokratie konzentrieren. Mit Ungleichheiten sind nachfolgend jene gemeint, „an den sozialen Positionen von Menschen und nicht ihren individuellen Persönlichkeiten hängen und […] daher nicht zufällig, sondern soziale strukturiert sind“.

Zunächst sollen, der Verständnis wegen, einleitende Worte zur Meritokratie den Weg ebnen. Dazu wird unteranderem eine kurze Definition von Young angeführt. Darauf folgen die Darstellung und Diskussion verschiedener Texte. Der Abschluss wird durch ein Fazit und abschließende Worte gemacht.

Zunächst folgt ein Gedankenexperiment, um die Kernproblematik des Essays zu verdeutlichen. Stellen wir uns eine Grundschulklasse vor. Die Klasse 4b. Der Lehrer der 4b stellt ihnen zum Abschluss des Jahres eine Aufgabe, die bis zum nächsten Tag erledigt sein soll. Die Aufgabe lautet in etwa lautet, schreibt drei Sätze über eure Hobbys, in der deutschen Sprache, ohne Rechtschreibfehler. Diese Aufgabe soll über den weiteren Bildungsweg der Kinder entscheiden. Nun erscheint diese Aufgabe für die Kinder kein Problem zu sein. Doch in dieser Klasse sitzen nicht nur Kinder, dessen Muttersprache die Deutsche ist, sondern auch Kinder, die mit einer anderen Muttersprache aufgewachsen sind und Kinder die an einer Lese- und Rechtschreibstörung leiden. An späterer Stelle wird dieser Sachverhalt nochmal aufgegriffen und erläutert, was genau eine vermeintlich simple gestellte Aufgabe für die Kinder der 4b bedeuten kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Verschleierung und Legitimation durch meritokratische Prinzipien

Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem meritokratischen Ideal der Chancengleichheit und der tatsächlichen sozialen Ungleichheit, wobei der Fokus darauf liegt, wie meritokratische Prinzipien die Auswirkungen herkunftsbedingter Faktoren verschleiern und legitimieren.

  • Grundlagen und Definition der Meritokratie nach Michael Young
  • Analyse des Einflusses askriptiver versus leistungsbasierter Merkmale auf den sozialen Status
  • Diskussion empirischer Studien zur sozialen Mobilität (u.a. Blau & Duncan, Featherman & Hauser)
  • Kritische Reflexion der Bildungssoziologie im Kontext der Chancengleichheit
  • Die Funktion von Meritokratie als Legitimationsmythos in modernen Gesellschaften

Auszug aus dem Buch

Verschleierung und Legitimation durch meritokratische Prinzipien

Im Kontext soll die Thematik der Meritokratie einleitend kurz verortet werden. Dazu soll gesagt sein, dass die Forderung von Gleichheit aller Menschen kein Neuland darstellt und seit beispielsweise der französischen Revolution, in den alltäglichen Diskurs gerückt ist. Doch finden sich Ungleichheiten, gerade in modernen Gesellschaften, an der Tagesordnung und wird nahezu als gegebene Realität hingenommen. (Vgl. Müller & Schmid 2003: 5) Warum ist dem so? Dieser Frage wird sich, unteranderem, in der Ungleichheitsforschung gewidmet.

Hierzu werden Faktoren untersucht, die Einfluss auf soziale Ungleichheit nehmen. Um die Verbindung zur Fragestellung zu schaffen, soll kurz dargestellt werden, was in diesem Kontext mit askriptiven Merkmalen gemeint ist und was jene mit der Thematik zu tun hat.

Wenn in der Ungleichheitsforschung von askriptiven Merkmalen die Rede ist, dann sind damit jene Merkmale gemeint, die sozial zugeschrieben sind, wie etwa das Alter oder Geschlecht. Sie sind in der Regel unveränderbar und erzeugen soziale Sichtbarkeit. Im Gegensatz dazu steht der Status, der aufgrund der eigenen Leistung erreicht wurde. Stellt man sich die Gesellschaft vor, so kann man sagen, dass die Schichtung nicht nur auf rein askriptiven Merkmalen beruht, sondern sich eine Mischung aus, unteranderen askriptiven und leistungsbasierten Merkmalen herauskristallisiert. (Vgl. Emmerich & Hommel 2013: 30) Eben dieser Tatsache geschuldet ist das was nun folgt. Um nun den konkreten Einstieg ins Thema zu finden, sollen kurz einleitende Worte von Young zur Meritokratie folgen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der sozialen Mobilität ein, stellt die Forschungsfrage nach der legitimierenden und verschleiernden Wirkung meritokratischer Prinzipien und illustriert die Problematik anhand eines schulischen Gedankenexperiments.

Verschleierung und Legitimation durch meritokratische Prinzipien: Dieser Hauptteil analysiert theoretische Konzepte der Meritokratie, verknüpft diese mit empirischen Erkenntnissen zur sozialen Schichtung und diskutiert die Rolle askriptiver Merkmale sowie die gesellschaftliche Akzeptanz ungleicher Lebenschancen.

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Meritokratie trotz ihres Ideals der Chancengleichheit soziale Ungleichheit faktisch mitproduziert und durch den Glauben an ein leistungsbasiertes System als notwendiges gesellschaftliches Instrument stabilisiert.

Schlüsselwörter

Meritokratie, soziale Ungleichheit, soziale Mobilität, Chancengleichheit, askriptive Merkmale, Statuszuweisung, Bildungssoziologie, Legitimationsprinzip, Leistungsprinzip, Schichtung, soziale Herkunft, Funktionalismus, Pseudo-Meritokratie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert kritisch, inwieweit das Leistungsprinzip in modernen Gesellschaften dazu dient, soziale Ungleichheiten, die eigentlich auf herkunftsbedingten Faktoren basieren, zu rechtfertigen und zu verbergen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Definition der Meritokratie, der Einfluss von Geburtsmerkmalen (askriptiven Merkmalen) gegenüber individueller Leistung, soziale Schichtungsprozesse und die psychologische sowie funktionale Bedeutung des Meritokratie-Mythos.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Annahme einer absoluten Chancengleichheit in einer meritokratischen Ordnung eine Illusion ist, die bestehende soziale Disparitäten verschleiert.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Der Autor stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung soziologischer Fachliteratur und diskutiert klassische empirische Studien der Ungleichheitsforschung, wie die von Blau & Duncan oder Becker & Hadjar.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Einbettung der Meritokratie, der Bedeutung von sozialer Herkunft bei der Statusfindung und der kritischen Auseinandersetzung mit der These, dass Ungleichheit für den Fortbestand moderner Gesellschaften funktional instrumentalisiert wird.

Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit besonders?

Wichtige Begriffe sind Meritokratie, askriptive Merkmale, soziale Mobilität, Chancengerechtigkeit, Legitimationsmythos und herkunftsbedingte Ungleichheit.

Welche Rolle spielt das Gedankenexperiment der Klasse 4b?

Das Beispiel der Klasse 4b dient dazu, die theoretischen Ausführungen zu veranschaulichen: Es zeigt, dass eine scheinbar neutrale Leistungsaufgabe Kinder mit unterschiedlichen Startvoraussetzungen (Sprachkompetenz, Lernstörungen) ungleich trifft und somit die soziale Herkunft über den Bildungserfolg entscheidet.

Warum wird in der Arbeit von einem "Pseudo-Meritokratismus" gesprochen?

Der Begriff wird verwendet, um zu verdeutlichen, dass das moderne System nur dem Schein nach leistungsgerecht ist, während in der Realität die soziale Herkunft weiterhin eine dominante und oft verdeckte Rolle spielt.

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Details

Titel
Meritokratie und herkunftsbedingte Ungleichheit
Untertitel
Was ist damit gemeint, dass das meritokratische Prinzip herkunftsbedingte Ungleichheiten legitimiert und verschleiert?
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
1,3
Autor
Julien Heiligenthaler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
9
Katalognummer
V1027521
ISBN (eBook)
9783346429902
Sprache
Deutsch
Schlagworte
soziale Ungleichheit Bildungsungleichheit Meritokratie Leistungsgesellschaft Sozialwissenschaften Soziologie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julien Heiligenthaler (Autor:in), 2020, Meritokratie und herkunftsbedingte Ungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1027521
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Leseprobe aus  9  Seiten
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