Die vorliegende Hausarbeit möchte untersuchen, in welcher Weise ein schlichtes sich kümmern als Basis für eine Transformation der heutigen Gesellschaft und somit einer Ablösung neoliberaler Dogmen fungieren kann. Die Idee dahinter ist, dass Care in seiner Andersartigkeit im Vergleich zum von (neo-)klassischen Ökonom*innen propagierten Menschenbild des homo oeconomicus eventuell einen Kontrapunkt zum Kapitalismus setzten kann.
Um diese Fragestellung zu beantworten, soll zunächst der Werdegang des kapitalistischen Menschenbildes auf der Grundlage der Theorie des homo oeconomicus skizziert werden. Anschließend gilt es zu untersuchen, inwiefern sich der Begriff Care von den Eigenschaften eines ausschließlich rational abwägenden Menschen, wie ihn das besagte Modell zeichnet, unterscheidet und was passiert wenn man gegenseitige Sorge statt Konkurrenz als Grundlage menschlichen Handelns festlegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die historische Konstruktion des Menschen als eigennutzorientierter Nutzenmaximierer
2.1 Adam Smith und die Grundlagen
2.2 Der reduktionistische Ansatz John Stuart Mills
2.3 Die Gleichsetzung von Nutzen und Eigennutz in der Neoklassik
3. Eine sorgende Perspektive zur Erweiterung der etablierten Ökonomie
3.1 Sichtbarmachung blinder Flecke
3.1.1 Die Dichotomie von Arbeit
3.1.2 Care als Gegenentwurf zu Tauschbeziehungen
3.2 Die Gestaltung einer Care-Ökonomie
3.2.1 Das Verhältnis von Care- und Marktökonomie
3.2.2 Verschiedenheit und Veränderlichkeit von Präferenzen
3.2.3 Kollektive Bedürfnisbefriedigung
4. Fazit
5. Bibliographischer Apparat
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern das Konzept des „Sich-Kümmerns“ (Care) als transformatives Fundament für eine Gesellschaft dienen kann, die sich von neoliberalen Dogmen und einem rein auf Eigennutz basierenden Menschenbild löst.
- Kritik am Menschenbild des homo oeconomicus
- Die Bedeutung von Care-Arbeit vs. Erwerbsarbeit
- Entwurf einer Care-Ökonomie als Gegenentwurf zur Marktlogik
- Die Rolle von Commons bei der kollektiven Bedürfnisbefriedigung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die Dichotomie von Arbeit
Innerhalb des feministischen Diskurses stößt man immer wieder auf eine Dichotomie des Arbeitsbegriffs. Zum einen gibt es da die Care-Arbeit, die zumeist von Frauen verrichtet wird, zu großen Teilen unbezahlt ist und innerhalb der Mainstream-Ökonomie nicht in die Produktivität von z.B. Nationen mit eingerechnet wird. Auf der anderen Seite hat man es mit der Erwerbsarbeit zu tun, die männlich konnotiert ist und stets bezahlt wird. Zumindest im globalen Norden ist die Vorstellung von wirtschaftlicher Prosperität eng mit der Bemühung verbunden, möglichst viele Menschen einer Erwerbsarbeit nachgehen zu lassen (vgl. Segbers 2016, 693ff.). Der übergeordnete qualitative Unterschied zwischen den beiden Arbeitsbegriffen liegt derweil darin, dass es sich jeweils um Arbeiten handelt, die auf eine Beziehung zwischen Subjekten im einen Fall und eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt im anderen Fall aufbaut (Haller 2018, 76f.).
Dieser basale Unterschied bringt in Volkswirtschaften eine bestimmte Regelmäßigkeit hervor, die innerhalb der Ökonomie als baumolsche Kostenkrankheit oder auch Baumol-Effekt bekannt ist. Der Namensgeber William J. Baumol stellte fest, dass in Gesellschaften des globalen Nordens eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1% so gut wie immer auch eine etwa gleich große Erhöhung der staatlichen Gesundheitskosten bedeutete (Baumol 2012, 94ff.). Dieser Umstand lässt sich dadurch erklären, dass personengebundene Dienstleistungen wie sie etwa im Gesundheitswesen erbracht werden, nicht unendlich rationalisierbar sind. Im Falle von Care-Arbeit im allgemeinen ist irgendwann ein Punkt erreicht, an dem Effizienzgewinne gleichbedeutend mit einer verminderten Qualität der Dienstleistung ist (vgl. etwa zum Beispiel des Gesundheitswesens Engartner 2016, 177–202).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Durchdringung unseres Alltags durch kapitalistische Logiken und stellt die Forschungsfrage, ob Care als Kontrapunkt zum neoliberalen Menschenbild fungieren kann.
2. Die historische Konstruktion des Menschen als eigennutzorientierter Nutzenmaximierer: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung des homo oeconomicus nach, von Adam Smiths Grundlagen über John Stuart Mills Reduktionismus bis hin zur neoklassischen Nutzentheorie.
3. Eine sorgende Perspektive zur Erweiterung der etablierten Ökonomie: Hier wird der Begriff Care als umfassende Handlungsmotivation definiert und aufgezeigt, wie eine Care-Ökonomie durch die Einbindung von Commons und die Anerkennung sozialer Beziehungen alternative Wege der Bedürfnisbefriedigung bietet.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das transformative Potenzial von Care darin liegt, kapitalistische Effizienzlogiken durch Beziehungsarbeit und kollektive Verantwortung zu ersetzen.
5. Bibliographischer Apparat: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Care-Ökonomie, Kapitalismus, homo oeconomicus, Eigennutz, Sorgearbeit, Commons, Neoklassik, Marktökonomie, Bedürfnisbefriedigung, soziale Beziehungen, Umweltschutz, gesellschaftliche Transformation, baumolsche Kostenkrankheit, feministische Ökonomie, Doing Capitalism.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten einer gesellschaftlichen Transformation, indem sie das kapitalistische Menschenbild kritisiert und das Konzept der Sorge (Care) als alternative Grundlage menschlichen Handelns in den Fokus rückt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kritik am homo oeconomicus, die ökonomische Abwertung von Care-Arbeit, das Verhältnis von Markt- und Care-Ökonomie sowie die Bedeutung kollektiver Strukturen (Commons).
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, inwiefern ein „Sich-Kümmern“ als Basis dienen kann, um neoliberale Dogmen abzulösen und einen Kontrapunkt zum kapitalistischen Verständnis des Menschen zu setzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse ökonomischer Konzepte und deren historischer Genese, ergänzt durch feministisch-ökonomische Perspektiven.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die historische Konstruktion des rationalen Nutzenmaximierers nachgezeichnet, gefolgt von der Gegenüberstellung mit dem Care-Begriff und der Erläuterung von Strategien wie der Commons-Bildung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Care-Ökonomie, homo oeconomicus, Gemeinwohl, soziale Einbettung und systemische Transformation geprägt.
Was unterscheidet Care-Arbeit von klassischer Erwerbsarbeit?
Der fundamentale Unterschied liegt laut Arbeit darin, dass Care-Arbeit auf Beziehungen zwischen Subjekten basiert, während Erwerbsarbeit primär eine Beziehung zwischen Subjekt und Objekt sowie eine Verwertungslogik verfolgt.
Warum wird der Begriff "Commons" im Kontext von Care verwendet?
Commons werden als ein Lösungsansatz diskutiert, um Bedürfnisse selbstorganisiert und kollektiv jenseits von Markt und Staat zu befriedigen, ohne dabei auf monetäre Transfers angewiesen zu sein.
- Citation du texte
- Patrick Nehren (Auteur), 2021, Sorge statt Konkurrenz. Care als Ausgangspunkt für eine grundlegende Kritik des kapitalistischen Menschenbildes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1027592