Vogelweide, Walther von der


Referat / Aufsatz (Schule), 2000

5 Seiten, Note: 14 P. / 1


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Walther von der Vogelweide

⇒ Ursprung des Namens; Herkunft; Lebenslauf

- selbstgegebener Beiname, „nähere Bezeichnung“
- im 13. Jh. noch keine festen, vererbbaren Familiennamen bei niederen Ministerialen
- man kann durch Namen nicht auf Herkunft schließen, da es überall Vogelweiden gab, wo im Mittelalter in der Nähe von Klöstern und Feudalsitzen Vögel für die Habicht-, Falkenund Sperber-Beize gehegt und gefüttert wurden
- eventuell nicht nach Vogelweide-Hof benannt, sondern als Beiname selbst erfunden, um auf sein mittelloses Sängertum hinzuweisen
- „von der Vogelweide“ = „von Habenichts“ V auf Vogelweide angewiesen und besitzlos wie die Vögel bald hier, bald dort nach Nahrung suchend
- ebenso unklar ist seine Herkunft
- Niederösterreich: bekundete Zuneigung für Wien; Nennung von österreichischen Fürsten, bezeichnet sie als „heimische“ Fürsten
- Tirol: Vorkommen mehrerer Vogelweide-Höfe
- diese gibt es aber auch im übrigen Österreich, in der Schweiz, in Ungarn und in Böhmen
- aus Mundart kann Heimat nicht bestimmt werden, da sich in seinen Reimen eine sprachvereinheitlichende Tendenz zeigt (alte bayerische Primärform ê (gên, stên) neben alter alemanischer Primärform â (gân, stân) in einem Gedicht)
- Leben lässt sich fast nur aus Spruchdichtung rekonstruieren, die sich oft auf große politische Ereignisse bezieht
- nur eine historische Quelle, die bedeutsamen Literaturfund aus dem Jahre 1874 darstellt
- Bischof Wolfger von Passau notierte in einer Reiseabrechnung von 1203, dass er einem „Waltherus cantor de Vogelweide“ eine großzügige Geldsumme von 5 Schillingen zum Kauf eines Pelzmantels gegeben habe
- Walther wurde wahrscheinlich 1170 geboren
- hauptsächlich wird Niederösterreich bei Wien als seine Heimat angenommen („ Ze Osterriche lernt ich singen unde sagen “ V S. 54)
- entstammt einem armen Ministerialengeschlecht
- seine erste Stellung fand er um 1190 am Babenberger Hof zu Wien unter Leopold V.
- erhielt dort seine höfische und unter dem 10 Jahre älteren Reinmar von Hagenau seine literarische Bildung
- mit Hilfe von Reinmar wuchs er schnell in die höfische Gesellschaft hinein und gelangte zu großem Ansehen
- zog immer mehr die Aufmerksamkeit der Hofgesellschaft auf sich und Reinmar sah darin die Gefährdung seines eigenen Ruhmes
- auch unterschieden sie sich stark in der Auffassung vom Minnesang und im ganzen Temperament
- folgte bald dem Vorbild von Heinrich von Morungens Dichtung und geriet in Konflikt mit Reinmar
- stellte donauländische Minnesangstraditionen gegen das künstliche Spiel Reinmars
- musste auf Grund dieser Auseinandersetzungen 1198 im Alter von 28 Jahren den Wiener Hof verlassen
- in den folgenden Jahren wurde er am Stauferhof zum Sprecher Philipps von Schwaben und lernte den Minnesang der Hausen-Schule kennen
- traf auf der Wartburg mit Wolfram von Eschenbach zusammen und kam mit der lateinischen Vagantendichtung in Berührung
- 1203 kehrte er für kurze Zeit nach Wien zurück
- in seinem Preislied, mit dem er sich die Aufnahme am Wiener Hof erhoffte, singt er nicht mehr das Lob der höfischen Dame, sondern des weiblichen Wesens allgemein
- wendet sich damit gegen Reinmars Unterscheidung von wîp (Frau) und frouwe (Dame)
- Formulierung: „ wîp muos iemer sîn der wîbe hôhste name, // und tiuret baz den frouwe, als ichz erkenne
- 1220: Beendigung des unsteten Wanderlebens als ihm Kaiser Friedrich II. ein Lehen im Würzburger Raum gab
- 1230 starb Walther im Alter von 60 Jahren
- mutmaßliche Grabstätte ist der Kreuzgang des Stifts Neumünster in Würzburg

⇒ Hohe Minne; Aufbau des traditionellen Minneliedes

- Aufgabe der ritterlichen Lyrik: angemessene Unterhaltung und Erziehung der an den großen Höfen versammelten Ritterschaft im Sinne des Standesideals
- deshalb war Vortrag eines Sängers in hohem Maße ein gesellschaftliches Ereignis
- „Minne“ war dabei Hauptthema und bald auch einziges Thema
- Minnelieder hatten lange Tradition
- Vorgänger Walthers: Der von Kürenberg, Heinrich von Morungen, Reinmar von Hagenau
- Minnesänger war in der Regel Textdichter, Melodist und vortragender Sänger in einer Person
- Begleitung mit Fiedel oder Harfe spielten aber untergeordnete Rolle
- formal besteht das Minnelied aus zweigeteilten Strophen
- die ersten 4 Verse werden entsprechend der Melodie als Aufgesang bezeichnet
- stehen im Kreuzreim (a-b-a-b) und haben jeweils gleich viele Hebungen
- daran schließt sich ein davon abweichender Teil an, der Abgesang genannt wird
- kann freier gestaltet werden (z.B. umarmender Reim a-b-b-a)
- im Minnesang wurde die Frau nach dem Vorbild des Marienkultes vollkommen idealisiert
- daher war es auch egal, ob die hohe frouwe wirklich so schön und gut war
- im „Dienst“ der here frouwe (Herrin) versicherte der Dichter ihr Treue, Beständigkeit und das Erdulden von Mühsal und Leid
- Vorstellung des Zeitalter: „Leidenschaft hat mit Leid zu tun, wahre Liebe lebt durch den Verzicht“
- Mann verehrte die Frau, doch sie blieb unerreichbar
- Ehemann der Besungenen profitierte von diesem Gesellschaftsspiel, sonnte sich im Ruhm seiner Frau, von der durch den Minnesang bald überall die Rede war
- Ehebruch galt als Verbrechen, das die Frau meist mit dem Tod bezahlen musste
- Verdacht reichte, um sie lebenslang ins Kloster zu verbannen
- Herrin war aber zu einem entgegenkommenden lon verpflichtet
- konnte Zeitpunkt und Maßselbst festlegen
- Minnesänger war glücklich, wenn er einen Blick, einen Grußoder ein Lächeln erhielt, es konnte aber auch eine materielle Gabe sein
- hoher Minnesang war immer auch Gesellschaftskunst
- Pflege des Minnesangs an den mittelalterlichen Höfen verlieh dem Rittertum das Gefühl einer inneren Geschlossenheit und Überlegenheit gegenüber anderen Schichten, vor allem gegenüber den Bauern, die als roh und tölpelhaft verachtet wurden
- Minnesang erhielt Charakter einer Zeremonie, der der höfischen Gesellschaft zur Repräsentation diente
- all diese Traditionen lehrte Reinmar Walther unter seinem Motto: „ Stirbet sî, sôbin ich tôt. “, was die Übertreibung des hohen Minnesangs deutlich macht
- Walther bricht aber mit dem Wiener Hof und Reinmars Minnesehnsucht, indem er Reinmars Motto umdreht und erklärt: „ Stirbe ab ich, sôist sîtôt.
- d.h. die Dame erhält ihr Leben überhaupt erst durch den Dichter und nicht andersherum · Walther wirkte also für eine Erneuerung des hohen Minnesangs, bei dem eine Verehrung einer unerreichbaren Frau im Mittelpunkt stand

⇒ Niedere Minne

- nächster Schritt in Walthers Minnedichtung waren die Mädchenlieder, mit denen er der niederen Minne zur Anerkennung in der Kunst verhalf
- in diesen Liedern steht nicht mehr die adlige frouwe im Mittelpunkt, sondern ein unverheiratetes Mädchen ohne soziale Auszeichnung
- Begriff der niederen Minne ist im Minnesang selbst geprägt und rein ständisch gemeint: Liebesbeziehung zu Mädchen oder Frauen nichtritterlichen Standes, somit zu Bauernmädchen im weitesten Sinne
- neues Ideal ist die gegenseitige, erfüllte Liebe
- Walther kam das erste Mal 1203 mit der niederen Minne durch Neidharts Lieder in Berührung
- damals erschreckten ihn die ungefuegen doene und die bäuerliche Welt, in der die Lieder angesiedelt waren
- sein Ziel war dann aber nicht die Zerstörung des traditionellen Minnesangs, sondern die menschliche Erfüllung
- stellte die Forderung nach mâze gegen das Treiben der Bauern, die versuchten, die höfische Gesellschaft nachzuahmen
- stellte ebenso die niedere Minne gegen das ebene werben der hohen Minne
- diese Phase in Walthers Dichtung repräsentiert das Lied „ Herzeliebez frouwelîn “ („Herzeliebes Mädchen“; „Liebe junge Dame“ V S. 104)
- die herzeliebe (personale werthaltige Neigung zweier Menschen zueinander) tritt gegen gesellschaftliche Minneform
- nur herzeliebe schafft für Walther eine innere Schönheit, aus ihr entwirft er sein Menschenbild
- verlässt zunehmend die Enge der thematischen Wiederholung des Gleichen und Vorgeschriebenen
- in Reinmars Liedern klang immer eine ästhetische „Trauer“ mit wegen des Ausbleibens von erhofften Gunstbezeigungen der angebeteten Dame
- Walther will die optimistische, ritterliche Lebenshaltung erhalten und sucht die freude
- in der niederen Minne ist die Bindung zwischen Ritter und Dame wie im donauländischen Minnesang wechselseitig: Ritter verehrt Dame, die von aller Zuneigung nicht unberührt bleibt
- Schönheit und Besitz sind nicht mehr äußere Zeichen innere Qualitäten, auch wertlose Dinge erhalten einen Wert durch die Person, die sich diesen Dingen zuwendet
- herzeliebes frouwelîn gehört weder zur hohen noch zur niederen Gesellschaft, sondern vertritt eine Wirklichkeit jenseits aller ständischen Grenzen, ohne dass dabei die höfische Weltordnung in Frage gestellt wird
- besonderer Typus der niederen Minne wurde die Pastorelle

⇒ Ursprünge und Entwicklung der Minnelyrik

- Pastorelle hat die Begegnung eines Ritters oder Klerikers mit einem einfachen Landmädchen oder einer Schäferin in einer idealen Landschaft zum Inhalt V dialogisierendes Schäfergedicht
- erotische Atmospäre (in lateinischer Dichtung direkt spürbar) hat sich in der Gesellschaft bis ins Rokoko erhalten
- Patorelle ist eine von 4 typischen Liedformen, die Walther in Wien (1190-1198) und während seiner Wanderjahre (1203-1220) kennengelernt hatte und kunstvoll in seiner späten Minnelyrik vermischte
- als deutsche Gattung lernte er den Frauenmonolog kennen
- dieser reicht von volksliedhaften Strophen über epische Gattungen bis hin zu reiner Gedankenlyrik
- ist entweder als Lied einer wartenden Frau überliefert oder als Wechselgesang, wobei die Liebenden nicht miteinander sondern nebeneinander über ihre Minne sprechen
- andere volkssprachliche Gattung ist das Taglied: Abschied der Liebenden am Morgen nach gemeinsamer Nacht; steht Frauenmonolog nahe; lebt in der Dichtung über das Volkslied bis in die Gegenwart
- aus lateinischer Dichtung übernahm Walther Elemente der Mädchenklage: Gattung, die seit Ovid (43 v. Chr. - 18 n. Chr.) gebräuchlich ist und an keine ständische Festlegung gebunden ist
- Walther übernahm Anregungen, arbeitete sie jedoch in sehr eigenwilliger Weise um und fand so zu neuen Formen, Aussagen und Gestaltungen des Minnesangs
- Traum und Wirklichkeit sind in dieser Dichtung kaum zu unterscheiden
- nur in der Traumwelt ist wirkliche Erfüllung von Walthers Minneideal möglich, dort sind die Damen nicht übertrieben unnahbar, sondern vereinigen gesellschaftliches Ansehen und menschliche Wärme und Zuneigung ist möglich (z.B. Kranzlied V S. 108)

⇒ Politische Dichtung

- von der Antike bis ins Hochmittelalter wurden politische Schriften nur in lateinischer Sprache verfasst
- mit seiner Spruchdichtung wurde Walther zum ersten politischen Dichter der deutschen Sprache
- begriff auch als einer der ersten Dichter die Verantwortung des Dichters für seine Werke · Spruchdichtung ist vor allem im weiteren Sinne erzieherisch
- verkörpert Lebenserfahrung und Lebensweisheit
- Hauptthemenkreis bilden die politische und soziale Ordnung der Welt
- Walther bezog Stellung zu Problemen seiner Zeit und wandte sich gegen den weltlichen Machtanspruch der Kirche
- zeigt strengen Gerechtigkeitssinn
- will so erziehen, dass die sittlichen Prinzipien die politischen bestimmen sollen
- wenn Kirche in Einflusssphäre des weltlichen Herrschers eingreift, ist die Ordnung gestört · in späten Gedichten beschäftigt sich Walther auch mit dem Kreuzzug, in dem er Auftrag und Erfüllung des Rittertums sah
- Zorn in seinen Gedichten gilt unter anderem der schamelôs gewordenen Jugend
- beklagt auch den immer größer werdenden Einfluss des Geldes, der Wucherer und Raubrittertum hervorbrachte
- Reich zersplitterte in viele Territorialgewalten, womit die Welt aus den Fugen geriet
- Walther bezieht sich in dem Gedicht „ Ich saz û f eime steine “ (V S. 20) auf diese Situation: Frieden und Recht sind Vergangenheit, Gewalt beherrscht die Straße
- zeigt sich schließlich resigniert, erlebt die Krise des Landes als persönliches Geschick und stirbt bald darauf

⇒ Sprache und Wortschatz

- Walther verkörpert in seiner Dichtung den Wortschatz in seiner spezifischen Bedeutung im Rahmen des mittelalterlichen Tugendsystems
- „Leitwörter“ des Minnesangs: liebe, minne, mâze (rechtes Maß), ê re (Ansehen), sœlde (Glück), tiure (teuer, kostbar, angesehen), wert, sorge, riuwe (Reue), arebeit (Mühe), kumber, wân, trôst, gedinge
- sœlde besitzt im frühen Minnesang und bei Walther viele Bedeutungsschattierungen: dem Menschen beschiedenes Glück, glückliche Lebenslage, das Gelingen, der Erfolg, das persönliche Geschick
- tiure kommt nur in Walthers Minnesang vor, bezeichnet äußere und innere Vornehmheit · sorge: seelischer Schmerz, Liebeskummer (vor allem des Mannes) Bekümmernis · andere Bezeichnungen für Liebesschmerz: arebeit (nur bei Walther und Reinmar), kumber, leit, nôt, riuwe und swœre
- wân: Erwartung, Hoffnung und Vermutung, Meinung
- auch trôst und gedinge bezeichnen ursprünglich Hoffnung im Minnesang, die Hoffnung auf Liebeslohn und -glück, trôst dann auch durch Linderung des Liebeskummers

5 von 5 Seiten

Details

Titel
Vogelweide, Walther von der
Hochschule
Real Centro Universitario Maria Cristina
Note
14 P. / 1
Autor
Jahr
2000
Seiten
5
Katalognummer
V102760
Dateigröße
338 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vogelweide, Walther
Arbeit zitieren
Claudia Siegel (Autor), 2000, Vogelweide, Walther von der, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102760

Kommentare

  • Gast am 14.1.2002

    Ein fliehendes Pferd von Claudia zusammengefasst.

    Hi Claudia,

    du hast mir wirklich super weitergeholfen, denn Du hast das Buch echt gut zusammengefasst...! Deine 14 Punkte hast du reglich verdient!

    Danke

  • Gast am 29.1.2002

    Ganz toll!.

    Deine Arbeit war echt klasse und hat mir eine Mege rumstöbern in irgendwelchen verstaubten Büchern erspart, Danke!

  • Gast am 29.5.2002

    Re: Ein fliehendes Pferd von Claudia zusammengefasst.

    |
    |Andrea schrieb:
    ||Hi Claudia,
    |
    |du hast mir wirklich super weitergeholfen, denn Du hast das Buch echt gut zusammengefasst...! Deine 14 Punkte hast du reglich verdient!
    |
    |Danke

    Hallo Andrea,

    ist ja auch kein Wunder, denn Claudia Siegel ist von Beruf Lehrerin und unterrichtet Musik,Deutsch und Ethik!!

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Titel: Vogelweide, Walther von der



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