Meyer, C.F. - Das Amulett


Referat / Aufsatz (Schule), 2001
3 Seiten, Note: 13 Punkte

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„Das Amulett“

(1873) von Conrad Ferdinand Meyer

Biographie des Autors:

Meyer wurde 1825 in Zürich geboren. Der Sohn eines früh verstorben Beamten stand zunächst unter den lähmenden Einfluß seiner streng calvinistisch und depressiven Mutter, die ihn wegen seiner brotlosen künstlerischen Versuche für einen verlorenen Menschen hielt. Erst durch einen Aufenthalt in einer Nervenheilanstalt 1852 und der Kontakt zu Freunden der Familie gelang es, den apathisch gewordenen jungen Mann etwas Selbstbewußtsein einzuflößen, und ihn von seiner krankhaften Menschenscheu zu befreien. Der Tod seiner Mutter 1856 bedeutete für ihn einen weiteren Schritt hin zu einer normalen Lebensweise und Selbständiger Lebensgestaltung. Zusammen mit seiner Schwester Betsy verfügte er nun über ein ansehnliches Vermögen, was er auch für einige Auslandsreisen nach München, Paris und Italien benutzte. Dabei begleitete ihn stets seine Schwester die ihn sehr bewunderte.

Die ersten beiden Gedichtsbände erschienen 1864 und 1870. Der Krieg 1870/71 überzeugte den Bewunderer Bismarcks, der nach Abstammung und Erziehung der französischen Kultur zuneigte, sich für Deutschland und seine Literatur zu entscheiden. Der daraufhin erscheinende Gedichtzyklus „Huttens letze Tage“ bedeutet den Durchbruch. 1873 erschien die erste Novelle „Das Amulett“, im Jahr darauf folgte ein historischer Roman. 1875 heiratete der nun bekannte Dichter in eine der angesehensten Züricher Familien ein, was ihn von allen materiellen Sorgen befreite. In den folgenden 15 Jahren schrieb er im eigenen Heim in Kilchberg seine großen Novellen: „Der Schuß von der Kanzel“, „Der Heilige“, „Plautus im Nonnenkloster“, „Gustav Adolfs Page“, „Das Leiden eines Knaben“, „Die Hochzeit des Mönchs“, „Die Richterin“, „Die Versuchung des Pescara“ und „Angele Borgia“.

Doch zu Beginn der neunziger Jahre war seine seelische Kraft erschöpft, 1892 musste er wieder eine Nervenheilanstalt aufsuchen. Krank und umdüstert dämmerte er dahin bis er 1898 starb. Sein Grab ist auf dem Kilchberger Friedhof, auf dem auch Thomas Mann begraben liegt.

„Das Amulett“ - Ein Werk des Realismus:

Das Amulett ist nicht nur aufgrund seiner Entstehungszeit der literarischen Epoche des kritischen Realismus zuzuordnen.

Kennzeichnend für die Erzählung des Realismus ist die Rahmentechnik: Ein Erzähler erinnert sich an eine Begebenheit aus seinem Leben oder eine alte Chronik, in der die dann folgende Geschichte erzählt ist. Die Erzählung bekommt durch die Rahmentechnik den Anstrich eines Berichtes über ein reales vergangenes Geschehen. Die Dichter versuchten ohne persönliche Stellungnahme und ohne eine Spur von Teilnahme am Geschick der Handlungspersonen zu berichten.

Bei Meyers Werk erkennt man die Rahmentechnik schon an den ersten Sätzen: „Alte vergilbte Blätter liegen vor mir mit Aufzeichnungen aus dem Anfange des siebzehnten Jahrhunderts. Ich übersetze sie in die Sprache unserer Zeit.“ Durch diese Vorbemerkung wird die Fiktion des Objektiven und Chronikhaften erweckt, so dass der Autor hinter das Erzählte zurücktreten kann.

Inhaltsangabe:

Der Ich-Erzähler, Schadau von Bern, Sohn eines früh verstorbenen Kriegsmannes, wächst elternlos unter der Obhut eines alten Oheims am Bieler See auf. Die politische Lage ist von Religionsstreit geprägt: Spaniens Alba besetzt die Niederlande und bedroht das calvinistische Genf. Frankreich gewährt den Hugenotten seit 1570 Zugang zu allen Ämtern, und der Admiral Coligny plant die Befreiung der Niederlande. Ein Krieg steht also bevor, und der junge Schadau will hierin für die protestantische Sache gegen Alba kämpfen. Hierzu läßt er sich von einem Fechtmeister aus Böhmen ausbilden, bis sich herausstellt, dass dieser wegen Mordes gesucht wird. Er kann sich durch Flucht vor der Festnahme retten.

Auf dem Weg nach Paris, wo er sich den Admiralstruppen anschließen möchte, lernt Schadau neue Freunde kennen: Seinen Landsmann Wilhelm Boccard, außerdem den ehrwürdigen Parlamentsrat Chatillon aus Genf und dessen hübsche Nichte Gasparde. Wilhelm B. ist als einziger Katholik und ein Disput über den Unterschied der Konfessionen bringt zutage, dass er sich der „Muttergottes von Einsiedeln“ verbunden fühlt. Weiter stellt sich heraus, dass Gasparde das Patenkind des so verehrten Admirals ist und für Schadau ein Wörtchen einlegen möchte.

Tatsächlich wird Schadau, als er in Paris bei dem Admiral vorstellig wird zum Privatsekretär des mit Kriegsvorbereitungen vielbeschäftigten Mannes. Als er zu Besuch beim Parlamentsrat ist legt dieser die Hoffnungen dar, die mit dem bevorstehenden Krieg verknüpft sind, nämlich die Glaubensspaltung durch den gemeinsamen Kampf für die Freiheit der Niederlande zu überwinden. Zur gleichen Zeit hört man in der gegenüberliegenden Kirche einen katholische Priester gegen die "Ketzer" predigen. In der aus der Kirche strömenden Menge erscheint Graf Guiche, ein Höfling des königlichen Bruders, welcher der hübschen Gasparde unverschämt zuwinkt. Sie aber präsentiert ihren neuen Beschützer: Schadau.

Am nächsten Morgen beim Admiral lernt Schadau den jungen König kennen. Dessen kindisches Verhalten beunruhigt ihn sehr, hängt doch das Schicksal der Hugenotten von diesem Könige ab. Auf der Straße begegnet Schadau seinen Freund Boccard, welcher nun zur Schweizer Leibgarde des Königs gehört. Zufällig treffen sie Graf Guiche welcher den Hugenotten Schadau anrempelt: Ein Duell ist unausweichlich. Zum großen Leidwesen Wilhelms ist Schadau von Bern ein langsamer Fechter und den Beistand der "Lieben Frau von Einsiedeln" verschmäht er auch noch, weil er als Calvinist der Prädestination vertraut.

Das Duell am nächsten Morgen geht gut aus: Der Degen des überlegenen Guiche prallt am Amulett der "Lieben Frau" ab, welches Boccard ihm heimlich ins Wams gesteckt hatte. Die Nachricht, dass der treue Kirchgänger Graf von Guiche von einem Hugenotten erstochen worden ist, beunruhigt den Admiral und den Parlamentsrat sehr, denn die Lage der Protestanten in Paris ist schon schwierig genug. Einzig Gasparde erahnt den Zusammenhang und ihre Liebe ist Schadau nun gewiss.

Ein Monat später, die Lage der Protestanten spitzt sich zu: Auf den Admiral wurde ein Attentat verübt, der Pöbel von Paris wird gegen die hugenottischen Außenseiter immer ausfälliger. Der verwundete Admiral bestimmt, dass Schadau seine Gasparde an Ort und Stelle heiraten und nach Deutschland in Sicherheit bringen soll. Letzteres misslingt vorerst, da Schadau nach der Hochzeit verhaftet wird.

In dieser Nacht läuten die Glocken Sturm und auf Befehl des Königs (Einfluß der Mutter Katharina v. Medici) wird unter den Hugenotten von Paris ein Blutbad angerichtet, der Admiral wird getötet. Am Morgen kommt Boccard in Schadaus Zelle, dieser bittet ihn im Namen der „Muttergottes von Einsiedeln" zu seiner Frau zu lassen. Wilhelm nimmt ihn in der Tracht der Schweizer Königlichen auf die Straße mit. Sie kommen gerade recht, um Gasparde vor der Meute zu retten, doch wird Boccard erschossen. Auf der Flucht treffen Gasparde und Schadau am Stadttor den böhmischen Fechtmeister wieder, bei dem der Schweizer einst Unterricht hatte. Der Katholik macht kein Hehl daraus, an der Ermordung des Admirals beteiligt gewesen zu sein, revanchiert sich aber bei Schadau für die damals ermöglichte Flucht, indem er ihm einen Passierschein für die Ausreise in die Schweiz verschafft. Dort angelangt lassen sich die beiden in dem Haus des schon verstorbenen Oheims nieder.

Der historische Zusammenhang:

„Das Amulett“ ist wie viele Werke Meyers in einen genauen historischen Hintergrund eingebettet. Der Autor bezieht sich auf den Zeitraum der sogenannten Hugenottenkriege in Frankreich, spezifisch auf die Bartholomäusnacht 1572 in Paris bei der 3000 Protestanten ermordet wurden. Diese gehörten größtenteils der politischen und gesellschaftlichen Oberschicht an. Es wird davon ausgegangen dass der König den Befehl zu diesem Massaker nur auf Druck seiner Mutter Katharina von Medici gab. Diese war nach dem Tod ihres Mannes 1559 die eigentliche Herrscherin des Landes, da die Thronfolger alle noch zu jugendlich waren um das Amt wirklich auszuführen. Sie hat damit in ihrer Politik eine krasse Kehrtwende gemacht. Früher setzte sie sich stark für die Gleichberechtigung der Konfessionen ein und gewährte den Hugenotten Zugang zu allen Ämtern. Sie vertrat die Meinung der Konflikt zwischen den Bekenntnissen sei weniger gewichtig als die Gefahr die dem Staat aus den Bürgerkrieg erwuchs. Katharinas einziges Ziel war immer ihre Söhne an der Macht zu halten, und das glaubte sie dadurch zu erreichen in dem sie sich relativ neutral gegenüber den extremistischen Bestrebungen beider Gruppierungen verhielt. Sie versuchte keine Seite so mächtig werden zu lassen dass sie eine Bedrohung für das Königshaus würden. Ihre Bemühungen erlitten aber immer wieder Rückschläge: Der katholische Herzog von Guise überfiel 1562 ein Gebetshaus der Protestanten und brachte die gesamte Gemeinde um. Im Süden fielen Hugenotten über Katholische Kirchen her. Die Folge war ein blutiger Bürgerkrieg, den aber Katharina im Jahr darauf durch eine Garantie der Glaubensfreiheit geschickt beendete. In den folgenden Jahren versuchen nun die Hugenotten allen voran der Admiral Coligny, den jugendlichen König Karl IX zum Protestantismus zu bekehren, um mit ihm dann einen Staat des „wahren Glaubens“ zu begründen. Die Katholiken ihrerseits versuchten mit den Herzog von Guise ins Königshaus einzuheiraten um so eine neue politische Linie hin zur Vernichtung der Hugenotten zu erreichen. Katharina musste somit feststellen dass ihre Versöhnungspolitik gescheitert war, und dass sie sich wenn sie den Staat zusammenhalten wollte für eine Seite entscheiden musste. Als ein Hugenotte einen Anschlag auf den König und die Königsmutter verübte war die Entscheidung gefallen. Sie lies den Admiral vergiften ohne ihren Sohn zu unterrichten. Als dieser von den Komplott erfährt gerät Katharina in Panik. Sie überzeugt ihn dass sie alle verloren seien wenn er nicht sofort zum Äußersten ginge: Ein fürchterliche Rachefeldzug der Hugenotten stehe bevor wenn diese erführen wer hinter den Attentat auf ihren Anführer stehe. Karl zögerte, schwankte gab aber dann schließlich nach und gab den Befehl. Um halb zwei Uhr morgens am 24. August 1572 gab Glockengedröhn das Zeichen zur Ermordung der Pariser Hugenotten, einen grausigen Blutbad bei dem 3000 Menschen ums Leben kamen.

Quellen: Meyer, Conrad Ferdinand. Das Amulett. Stuttgart: Reclam Verlag 1970.

Erläuterungen und Dokumente, C.F. Meyer Das Amulett. Stuttgart :Reclam Verlag 1977.

Wucherpfennig, Wolf. Geschichte der deutschen Literatur. 2.Auflage; Stuttgart: Ernst Klett Verlag 1986. Nürnberger, Helmuth. Geschichte der deutschen Literatur. 24.Auflage; München: BSV Verlag 1992. Ploetz, Karl. Hauptdaten der Weltgeschichte. 33.Auflage; Freiburg: Ploetz Verlag 1977.

Seebeck, Stefan. Referat für das Fach Deutsch: Realismus. in http://www.seebeck-online.de/html/referate/realismus.html Dautel, Klaus. Unterrichtsmaterial zu C.F. Meyer „Das Amulett“. in http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/Novellen/meyer1.html

Schlüter, Henning. Seminararbeit, Meyer:“Die Füße im Feuer“. in http://www.hausarbeiten.de/archiv/deutsch/deutsch-o- fussfeuer.shtml

3 von 3 Seiten

Details

Titel
Meyer, C.F. - Das Amulett
Veranstaltung
Grundkurs Deutsch
Note
13 Punkte
Autor
Jahr
2001
Seiten
3
Katalognummer
V102771
Dateigröße
329 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Thesenpapier zum Referat
Schlagworte
Meyer, Amulett, Grundkurs, Deutsch
Arbeit zitieren
Andreas Mayr (Autor), 2001, Meyer, C.F. - Das Amulett, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102771

Kommentare

  • Gast am 7.1.2004

    Das Amulett.

    Ja Hi mal ne kurze Frage befasse mich schon lange mit dem Buch da wollte ich fragen wie man Hans Schadau und boccard charakteriesieren kann

Im eBook lesen
Titel: Meyer, C.F. - Das Amulett


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