Brecht, Bertolt - Maßnahmen gegen die Gewalt - Textvergleich mit Günter Kunert "Zentralbahnhof" und Franz Kafka "Vor dem Gesetz"


Referat / Aufsatz (Schule), 2001

2 Seiten, Note: 2


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Textvergleich: Brecht "Maßnahmen gegen die Gewalt", Kunert "Zentralbahnhof", Kafka "Vor dem Gesetz"

Vergleicht man die drei Texte miteinander, kann man bestimmte Parallelen ziehen, zum Beispiel bei den Hauptpersonen, sie stehen gesellschaftlich nicht gerade im Vordergrund.

Der Mann aus ,,Vor dem Gesetz" wird nur als ,,Mann vom Lande" bezeichnet, der Herr aus ,,Zentralbahnhof" wird mit Bezeichnungen aufgeführt, die seinen gegenwärtigen Gemütszustand oder die von ihm gerade ausgeführte Aktivität beschreiben, wie zum Beispiel: ,,Jemand", ,,der Lesende", ,,der solcherma ßen Betroffene", ,,der nur noch begrenzt Lebende".

Nur in ,,Maßnahmen gegen die Gewalt" erhielten die Personen eigene Namen, doch der an Herrn ,, Keuner" vergebene Name erinnert sehr stark an ,,Keiner", also NIEMAND. Somit wird auch diese Person gesellschaftlich sehr niedrig eingeordnet und bleibt eher anonym. Alle genannten Hauptpersonen, inklusive dem ,,Herrn Egge" aus der Erzählung von Herr Keuner, befinden sich in einer Situation, in der sie sich der Obrigkeit unterwerfen und gar nicht erst versuchen, sich dagegen zu erheben:

Der Herr Keuner, und dessen Herr Egge, fügen sich der Gewalt, bzw. dem Agenten mit der Macht über die Stadt, ,,der zur Herrentoilette beorderte" begibt sich, wie ihm befohlen wurde zum Zentralbahnhof, wo er hingerichtet werden soll und ,,der Mann vom Lande" traut sich nicht in das Gesetz einzutreten, weil er Angst vor dem T ürhüter hat.

Wie daaus erkennbar hervorgeht, gibt es in jedem der Texte ein Gewaltmotiv, welches sich unterschiedlich äußert: Bei dem Herrn Keuner wird es anonym mit dem Begriff ,,Gewalt", in seiner Erzählung personifiziert durch den Agenten und bei dem Mann von Lande in Form des Türhüters dargestellt. Einzig und allein im ,,Zentralbahnhof" wird die Gewalt nicht direkt von einer Person, sondern in Form eines Schreibens verk örpert.

Die Absichten der Gewaltausübungen sind in allen drei Texten, sich den ,,normalen" Bürger unterwürfig zu machen, die Machtposition des höheren Ranges zu verdeutlichen. Die von der Gewalt betroffenen Personen werden unterschiedlich mit der Macht konfrontiert: Herr Keuner wird nur eingeschüchtert (mit der Frage der Gewalt nachdem, was er sagte), der Herr Egge aus der Erzählung wurde sofort von dem Agenten herumkommandiert (er musste ihn bedienen), sowie auch ,,der zur Herrentoilette beorderte", der sich ohne Ankündigung, von der Macht hinzurichten lassen hat. Hingegen der Mann vom Lande wurde vom Türhüter eingeschüchtert, indem dieser ihm seine Macht und die der noch folgenden Wächter vorhielt. Anschließend wurde ihm noch Hoffnung auf späteren Einlass gemacht, um ihn ,,bei Laune zu halten".

Um ihm das Gefühl zu geben, dass er alles in seiner Macht stehende getan hat um Einlass zu erhalten, wurden seine Bestechungsgeschenke angenommen (allerdings ohne Gegenleistung).

Meiner Ansicht nach wollen die Autoren alle den gleichen Sachverhalt in ihren Geschichten äußern, nämlich die Angst vor der Obrigkeit. Die Geschichten ähneln sich diesbezüglich sehr in ihrer Handlung, wobei, meiner Auffassung nach der Text von Brecht ,,Maßnahmen gegen die Gewalt" noch am optimistischsten gehalten ist, weil in diesem Text die unterdrückten Charaktere zwar gegen ihre Prinzipien handeln (Herr Egge, der gelernt hatte, ,,nein" zu sagen, aber dies nicht tut), beziehungsweise sich gegen ihre Einstellung äußern (Herr Keuner, der sich vorher gegen die Gewalt aussprach) und überleben. In den beiden anderen Texten handeln die Personen auch so, wie es die Obrigkeit gerne sieht, aber sie können dem keinen Vorteil entziehen.

Ganz im Gegenteil, sie werden dafür noch bestraft, in dem sie get ötet (,,Zentralbahnhof") oder die Zeit ihres ganzen restlichen Lebens für eine Sache geopfert haben, bei der von vornherein fest stand, dass sie gar keine Chance hatten (,,Vor dem Gesetz"), wenn sie nicht ihr Verhalten ändern, sprich sich der Gewalt auch mal zu widersetzen. Kunert und Kafka widerlegen die Nachteile der ,,Ja"-sagermentalität. Brecht hingegen spricht sich dafür aus, sich in schlechten Zeiten wie eine Schildkröte in ihren Panzer zurückzuziehen und auf bessere Zeiten zu warten.

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Details

Titel
Brecht, Bertolt - Maßnahmen gegen die Gewalt - Textvergleich mit Günter Kunert "Zentralbahnhof" und Franz Kafka "Vor dem Gesetz"
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
2
Katalognummer
V102798
Dateigröße
329 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brecht, Bertolt, Maßnahmen, Gewalt, Textvergleich, Günter, Kunert, Zentralbahnhof, Franz, Kafka, Gesetz
Arbeit zitieren
Sebastian Zigan (Autor), 2001, Brecht, Bertolt - Maßnahmen gegen die Gewalt - Textvergleich mit Günter Kunert "Zentralbahnhof" und Franz Kafka "Vor dem Gesetz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102798

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