Die Sprachpolitik der Partner: Spanien


Seminararbeit, 2000

22 Seiten, Note: 2,0


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Die Sprachpolitik der Partner: Spanien

1. Einleitung

Spanisch ist heute mit ca. 332.610.000 Sprechern, also 5,7% weltweit, neben Englisch, Chinesisch und Hindi unter den vier wichtigsten Sprachen der Welt.1 Das Idiom, das von Haus aus 22 Millionen US- Amerikaner beherrschen, gewinnt dort als zweite Sprache immer mehr Boden. 80 Prozent der dortigen Schüler wählen bereits Spanisch als zweite Fremdsprache, jeder zweite Student spricht Spanisch.2

Was einst die Sprache der lateinamerikanischen Einwanderer war, ist heute schon fast salonfähig. Dabei existiert das Instituto Cervantes, die größte Institution, die sich bewußt für die Verbreitung der spanischen Sprache und Kultur einsetzt, erst seit 10 Jahren. Lange Zeit ruhte die ausswärtige Sprachpolitik, was vielleicht auch an der komplizierten Sprachpolitik innerhalb des Landes liegt. Spaniens Regierung mußte sich lange Jahre- und immer noch- den verschiedenen Nationalitätensprachen (Catalan, Euskadi, Galego) und deren Status widmen. Im Gegensatz zu den Problemen innerhalb des Landes, in dem die Anerkennung des Spanischen nicht jedermanns Sache war, und ist, erfreut sich die Sprache im Ausland zunehmender Beliebtheit und führte somit zu wachsenden Zahlen der Erlernenden. Spanisch ist mehr oder minder wie das Englische eine Art Selbstläufer. Angefangen im US- Wahlkampf bis hin zur Wirtschaft gewinnt Spanisch immer mehr an Bedeutung. Somit sah die spanische Regierung auch weniger Sinn darin als z.B. die Französische aktive internationale Sprachpolitik zu betreiben.

Die größte Nachfrage besteht in den USA durch die dort immer wohlhabenderen südamerikanischen Einwanderer und in Brasilien, da dieses Land von spanischsprechenden Staaten praktisch eingekreist ist und somit für das wirtschaftliche Wachstum unverzichtbar ist.

Spanisch ist in der Wirtschaft so gut wie zweitwichtigste Sprache. Anders als Englisch und Französisch ist Spanisch jedoch nur in 20 Ländern der Erde offizielle Amtssprache. Es existieren keine Länder, in denen Spanisch zweite Amtssprache, wie z.B. Französisch in den Arabischen Ländern oder Englisch in Indien ist. Somit beschränken sich die Muttersprecher nur auf diese 20 Staaten.

Dennoch hat Spanisch, wie oben erwähnt Konjunktur. Nicht nur Ökonomen, auch immer mehr Jugendliche lernen Spanisch.

2. Internationale Sprachpolitik/ Fremdsprachenpolitik

Sprachbarrieren, die durch die Verschiedenheit der Staats- und Nationalsprachen bedingt sind, behindern die für die internationalen wirtschaftlichen, kulturpolitischen, kulturellen Beziehungen und den individuellen Verkehr erforderliche Verständigung, die durch Fremdsprachenspezialisten (Dolmetscher und Übersetzer) in der sich zunehmend internationalisierenden Welt allein nicht zu bewältigen ist. Es entstehen Strategien zur Durchsetzung einer oder mehrerer Sprachen als internationale Verkehrssprachen sowie Haltungen und Verhaltensweisen gegenüber Fremdsprachen.3

Die politische Interessenlage ist dadurch charakterisiert, daß die politisch und wirtschaftlich führenden Kräfte, vor allem die Großmächte- aktuelle wie ehemalige- an der Durchsetzung ihrer Sprache im internationalen Verkehr interessiert sind. Zumal damit für sie bessere Voraussetzungen bestehen, den internationalen Markt zu beherrschen, politische Unterstützung und Ansehen im Ausland zu erlangen oder zu bewahren oder bestimmte Regionen der Welt in politischer, wirtschaftlicher, kultureller und ideologischer Botmäßigkeit zu halten.4 Auf der anderen Seite streben aus persönlichem Interesse große Kreise von Einzelpersonen unabhängig von jenen Gruppeninteressen nach Fremdsprachenkenntnissen bzw. wünschen eine möglichst problemarme internationale Verständigung. Das Zusammenspiel der unterschiedlichsten Motive wird am Beispiel des Englischen besonders deutlich: Sprache der wirtschaftlich, politisch und massenkulturell führenden Großmacht sowie einiger weiterer wichtiger Länder, wird es von immer mehr Personen in allen Teilen der Welt als "die" Weltsprache aufgefaßt, die noch dazu besonders bequem zu erlernen und zu gebrauchen sei.

Ähnlich verhält es sich beim Spanischen. Zwar ist es in keiner Großmacht Amtssprache, doch die enorm große Zahl der Muttersprecher und ihr wachsender wirtschaftlicher Einfluß in den Vereinigten Staaten macht das Lernen dieser Sprache immer attraktiver. Klar muß bleiben, daß das Spanische das Englische nicht so schnell- wenn überhaupt als Lingua Franca ablösen wird. Doch als Zweitsprache hat es sich schon längst etabliert.

Die sprachpolitischen Strategien sind aus historischer Sicht die folgenden:

1) Sprachlicher Kolonialismus

Die Durchsetzung oder Verbreitung der eigenen Staatssprache in Kolonien oder eroberten Territorien ist häufig mit gewaltsamen Mitteln praktiziert worden. "Sprachpolitik mit dem Schwert" durch Ausrottung oder Dezimierung fremder Völker ist seit Altertum von der Romanisierung bis über den Niedergang der irischen Sprache bekannt.5 Kolonialistische Sprachpolitik äußert sich vorwiegend in der Unterdrückung einheimischer Sprachen und Zivilisationen und durch das Verbot ihrer öffentlichen Benutzung sowie durch die Vernachlässigung ihrer Pflege und Erforschung. Eine Variante derselben Politik besteht darin, die einheimische Sprache ausschließlich als Mittel zur erfolgreichen sprachlichen Assimilierung oder zur Missionierung zu gebrauchen.

Man spricht auch von "neokolonialistischer Sprachpolitik", sofern mit der Aufrechterhaltung sprachpolitischer Bindungen von Entwicklungsländern an die ehemalige Kolonialmacht kulturelle, politische und wirtschaftliche Abhängigkeiten verfolgt werden. Auch hier sind Verschleierungen möglich: In der Francophonie spielen das Interesse der ehemaligen französischen Kolonien, sich sprachlich einen leichteren Zugang zum internationalen know- how und ein engeres Verhältnis zu einem führenden Industrieland zu erhalten, mit den Vormachtsstellungsbedürfnissen Frankreichs zusammen. Die Unidad de la lengua ist eine der frühsten Formen solchen sprachlichen Neokolonialismus; mit ihr sollte der Verlust der spanischen Kolonien in Amerika gewisser Weise kompensiert werden. (vgl. Kap. 3.1)

2) Sprachexport

Die Verbreitung einer Sprache im Ausland, meist mit Kulturpropaganda verbunden, ist zur Sache aller halbwegs bedeutenden und national selbstbewußten Staaten geworden und wird mit Hilfe der diplomatischen Missionen, Kulturzentren, Institutionen zur Pflege bestimmter Sprachen im Ausland (Goethe- Institut, British Council, D é l é gation g é n é ral de la langue fran_aise, Instituto Cervantes) und nationaler und internationaler Organisationen zum Studium fremder Sprachen betrieben. Dieser Export von Sprache und Kultur in zivilisierter Form unterliegt wie der sprachliche Kolonialismus den unterschiedlichen Interessenbündelungen, deren Spektrum von humanistischen und völkerverbindenden bis zu imperial-hegemonistischen Bestrebungen reicht.6 Zum spanischen Sprachexport vergleiche Kap 4.2

3) Internationale Kommunikation

Solange es eine einheitliche Sprache des internationalen Verkehrs gegeben hat, war das Problem der Verständigung über die Sprachgrenzen hinweg eher ein individuelles. Im Mittelalter war Latein zumindest in West- und Mitteleuropa als internationale Verkehrssprache vorherrschend, bis sich nationale Volkssprachen durchsetzten. Bis zum 1.Weltkrieg war Französisch in Europa Sprache der internationalen Diplomatie, was jedoch schon im Verlauf des 19. Jahrhunderts durch Englisch als Sprache des britischen Königreichs und Nordamerikas, Spanisch in Südamerika und Deutsch in Mittel- und Osteuropa angefochten wurde.7 Das Englische gewann jedoch nach Beendigung des 2.Weltkriegs eindeutig an Vorsprung. Dennoch ist die Tendenz in den öffentlichen Gremien bemerkbar, nicht nur eine Sprache als internationale Handels- und Verkehrssprache geltend zu machen. So liegen z.B. die verbindlichen Dokumente der KSZE in sechs originalen Sprachvarianten vor (deutsch, englisch, französisch, italienisch, russisch und spanisch). Die Abfassung von international verbindlichen Schriftstücken bringen jeweils den Staaten Vorteile, in deren Sprache sie zuerst abgefaßt sind. Die EU-Richtlinien, die zuerst auf Englisch und Französisch veröffentlicht werden, können von Firmen in anderssprachigen Ländern, die über keinen eigenen Übersetzungsdienst verfügen, erst mit Verzögerungen zur Kenntnis genommen werden, was zu geschäftlichen Verlusten führen kann.8

4) Schaffung von Plansprachen

Der einseitige Nutzen, den die politischen Mächte aus Gebrauch ihrer Sprache ziehen und die strukturellen Schwierigkeiten bei der Erlernung einer Fremdsprache sin u.a. der Beweggrund für die Entwicklung von internationalen Plansprachen wie z.B. Esperanto gewesen. Diese Plansprachen konnten sich jedoch aus unterschiedlichen Motiven niemals durchsetzen. Daher soll hier nicht weiter darauf eingegangen werden.

5) Fremdsprachenbildung

Die Regelung des Fremdsprachenunterichts ist seit der Zeit, als sich der Staat dem Bildungswesen gewidmet hat, ein Politikum gewesen. Die Auswahl der staatlicherseits geförderten Fremdsprachen reflektiert die außenpolitischen Orientierungen und Abhängigkeiten des jeweiligen Staates. Dies wird besonders am Beispiel des getrennten Deutschlands deutlich. So wurde in Westdeutschland Englisch als erste Fremdsprache und in der DDR Russisch gelehrt. Zur Zeit ist im vereinigten Deutschland noch Französisch (und teilweise noch Russisch) zweite Fremdsprache, doch auch hier sind Tendenzen erkennbar, daß beides früher oder später von Spanisch abgelöst wird (nicht weil Spanien ein besonders wichtiger Staat in der EU ist, sondern eher wegen des Lateinamerikanischen Raum und dessen wachsenden Einfluß auf die US-Wirtschaft).

6) Fremdwortpolitik/ Sprachpflege

Der Umgang mit Entlenungen aus fremden Sprachen ist überwiegend binnenorientiert und dient eigentlich seltener der Verständigung oder deren Vereinfachung. Meist ist der Kampf gegen das Fremdwort ein Teil der nationalen Selbstverständigung oder dient der Abwehr einer als feindlich angesehenen Kultur. In fast allen Ländern existieren Bestrebungen für das Fremdwort ein passendes Synonym in der eigenen Sprache zu finden- oder auch oft wiederzuentdecken und sich somit auf seine Ursprünge zu beziehen. Vergleiche hierzu Kapitel 4.1

Von diesen Strategien sollen in dieser Arbeit die ersten beiden und die letzte in Bezug auf Spanisch erörtert werden.

3. Spanische Sprachpolitik in der Vergangenheit

3.1 Die unidad de la lengua als Ersatz für den Verlust der spanischen Kolonien

Die lateinamerikanische Unabhängigkeitsbewegung brachte zwar einige Verschiebungen in der Norm der Sprache, stellte den Status des Spanischen selbst jedoch nicht in Frage.9 Die vorangegangen sprachpolitischen Maßnahmen der spanischen Krone hatten keine vollständige Hispanisierung erreicht.10. Der Großteil der Bevölkerung - die unteren Klassen und Schichten - wurden davon nicht erfaßt. So sprach die Mehrzahl der Indios zu Beginn der Befreiungskriege kein Spanisch oder verstand es nicht einmal. Im Befreiungskampf kämpften zwar vor allem Indios mit, doch an diesem Kampf waren keine Überlegungen zur Emanzipation der Sprache geknüpft. Da in keiner Verfassung die Sprachenfrage angeschnitten wurde (anders als im Mutterland Spanien), muß angenommen werden, daß sie als zugunsten des Spanischen gelöst betrachtet wurde. Die Bildungsprogramme sahen jedenfalls die Alphabetisierung in Spanisch vor.

In den siebziger Jahren des 19.Jahrhunderts verbreitete sich in Spanien die Ansicht, daß der Verlust der Kolonien und die Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Staaten nicht wieder rückgängig zu machen waren.

Wirtschaftlich eroberte Großbritannien eine Monopolstellung und gegen Ende des 19. Jahrhunderts schwangen sich die USA zur Großmacht auf. Spanien versuchte also über kulturelle Aktivitäten, die Reste des Imperiums zusammenzuhalten und seinen Einfluß zu bewahren. Dabei war die Unidad de la lengua de facto das letzte Gebiet, auf dem es seinen traditionellen Hegemonieanspruch erheben und den Verlust der Kolonien kompensieren konnte. So begann die Real Academia nach 1870 gegenüber den verschiedenen lateinamerikanischen Ländern mittels der Erichtung von Tochterakademien die sprachlichen Bindungen zu straffen und auf die Durchsetzung ihrer puristischen, eurozentrierten Norm als einzig gültige zu drängen.11

In den 80er Jahren schlossen sich die lateinamerikanischen Länder und die ehemalige Metropole wieder stärker politisch zusammen.12.

3.1.1 Die Real Academia Espa ola (RAE)

Spätestens ab Mitte des 19.Jahrhunderts sublimierten restaurative Kräfte in Spanien den Verlust der Kolonien in einer Erfolgsbilanz der imperialen Sprachpolitik und im Anspruch, die Herren der Sprache zu sein, wie es Leopold Alas Clarín formulierte.13 Es keimte die Furcht mit auf, daß mit dem Verlust der Kolonien auch der sprachliche Verfall in Lateinamerika einsetzen könnte. Um so angestrengter hielt die RAE an der Reinhaltung der Sprache und an der Ausrichtung der Norm auf die Literatursprache des Siglo de oro (Stereotyp: ,,La lengua de Cervantes") fest. Es setzte sich die Ansicht durch, dass die Sprache als Bindeglied weiterwirken könnte. Die Sprache schweiße Lateinamerika und Spanien zusammen und mache sie zu Brüdern.14 Wenn schon die Waffen in Südamerika ihre Aufgabe beendet hätten, so sei es jetzt Aufgabe der RAE diese weiterzuführen.15 Über die Sprache sollte wieder die Vormachtsstellung Spaniens realisiert werden. Auf dem ,, Congreso Literario Hispano- Americano" behaarte die Philologische Sektion unter anderem von vorneherein in 15 Programmpunkten auf die Anerkennung der Akademiegrammatik und des Wörterbuchs. Die Entschließungen waren durch die Dominanz der Akademiemitglieder sowie offiziellen Vertretern von Staat und Kirche Spaniens vom akademischen Geist geprägt. Neben Maßnahmen zur Reinhaltung, Pflege und zum Ausbau der Sprache sowie zur sprachlichen Erziehung wird z.B.in Absatz 14 festgelegt, dass ,,die representative Institution die Academia Española und deren autorisierte Organe in den verschiedenen Ländern ist"16 Eine ähnliche Funktion übernahm später der Congreso Social y Econ ó mico Hispano- Americano. Die diversidad de lenguas stehe der fraternidad humana entgegen und nur die ,,unidad del idioma" gewähre die Völkerverständigung.17 Die verabschiedeten Empfelungen sahen die Durchsetzung des überwiegend europäischen Sprachideals und der sprachpolitischen Lenkung der RAE vor. Der Kongess sah Spanienaufenthalte für Jugendliche und die Erarbeitung von Lesebüchern für die Grund- und Oberschule zur sprachlichen Erziehung der lateinamerikanischen Jugend vor.

3.1.2 Die Academias Correspondientes

Mit dem Aufruf vom 24.11.1870 zur Errichtung von Institutionen nach dem Muster der RAE und der Gründung der Academias Correspondientes wurde schließlich der Versuch gewagt, den Vorherschaftsanspruch zu realisieren. So wurden z.B. als Ziele der Academia Columbiana u.a.. die Pflege der spanischen Sprache, ihrer Unversehrtheit und ihres ursprünglich, unverfälschten Charakters verbindlich festgelegt. Alle spanischsprachigen Länder sollten sich der Entscheidungsgewalt der RAE unterordnen, um so die unidad de la lengua zu bewahren.

Es folgten jedoch nicht gleich alle Länder dem Gründungsaufruf der RAE. So wurde z.B. die Academia Argentina de Letras erst 1931 nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen gegründet.

3.2 Sprachpolitik der spanischen Falange

Die Sprachpolitik des Franco- Faschismus war dadurch geprägt, dass sie anders als in anderen zeitgleichen Diktaturen sich nur auf Spanien selbst bezog. Der Status des Spanischen in Südamerika war sicher und für Franco auch nicht weiter wichtig. Sein Ziel war es, eine Staatsprache in Spanien zu etablieren und die übrigen Nationalitätensprachen wie Katalanisch, Baskisch und Galizisch auszurotten. Über die Unterdrückung dieser Nationalitätensprachen liegen umfangreiche Dokumentensammlungen vor (mehr als über jeden anderen Aspekt der spanischen Sprachpolitik). Diese betreffen aber nicht das Thema dieser Arbeit und können somit hier vernachlässigt werden.

4. Spanische Sprachpolitik in der Gegenwart

Auch die heutige Sprachpolitik ist sehr durch die Nationalitätensprachendiskussion geprägt. Dennoch beinhaltet sie auch Aspekte der internationalen Sprachpolitik.

4.1 Sprachpflege

Der Staat überlässt die Reinhaltung der Sprache im wesentlichen der Akademie, in deren neuen Statuten von 1993 die Schaffung der unidad eine weitere expliziete Aufgabe darstellt.18 Wie oben erwähnt, wurden seit 1871 die 21 Academias de la Lengua Espa ñ ola ausserhalb Spaniens geschaffen, die seit 1951 organisatorisch in der Asociaci ó n de Academias de la Lengua Espa ñ ola vereint sind. Innerhalb dieser Asociaci ó n wird bereits 1960 die Comisi ó n de Vocabulario T é cnico gegründet, deren Hauptaufgabe die deskriptive Erfassung des internationalen spanischen Fachwortschatzes ist.19 Eine wichtige Rolle für die spanische Terminologiearbeit spielt daneben die 1988 gegründete TermEsp, die mit der Erstellung terminologischer Datenbanken in Zusammenarbeit mit den Ländern Lateinamerikas betraut ist. Ziel ist nicht vordergründig, Anglizismen zu bekämpfen, sondern vor dem Hintergrund der unidad ling üí stica die Vereinheitlichung der Fachterminologien zu garantieren. Denn die einzelnen hispanophonen Länder nehmen aufgrund ihres bilingualen Kontaktes mit dem Englischen Anglizismen und Neologismen anders auf, als das Europäischspanische (z.B. span. Ordenador, latam. PC). Durch die Arbeit von TermEsp sind somit sowohl in der spanischen als auch in der mexikanischen Pressesprache gerademal 15% von insgesamt 334 Anglizismen gebräuchlich20. Vereinheitlichungsinitiativen gehen auch von der Red Iberoamericana de Terminología aus, die 1988 im Internet gegründet wurde (http://www.iula.upf.es/riterm/ritermes.htm). Es handelt sich bei diesen Vereinigungen um freiwillige Zusammenschlüsse von Interessierten, die die gebräuchlichsten Termini empfehlen, wobei klare Tendenzen bestehen, einerseits die in Spanien gebräuchlichen Wörter gegenüber den in Lateinamerika geläufigen und andererseits spanische Wörter anstatt englischer zu bevorzugen. Diese Bemühungen um spanische Fachterminologien sind ein Baustein in einem gegenwärtig existierenden Netzwerk von Sprachkultur, das seit den siebziger Jahren mit der transici ó n einen wesentlichen Impuls erfährt und sich unter anderm in den Libros de estilo der wesentlichen Zeitungen (El País, ABC) und der Agencia Efe äusert. Bei den Entlehnungen zeichnet sich derzeit eine neue Entwicklung ab: Ausser der Tradition, Anglizismen in ihrer adaptierten Form zu präsentieren (beicon, eslogan) besteht zunehmend die Tendenz, die Ursprungsgeographie beizubehalten (clown, slogan) und sich somit dem Gebrauch in den anderen spanischsprachigen Ländern anzunähern, die bevorzugt die fremde Graphie verwnden.

El País betreibt Sprachpflege mit dem Ziel, einen klaren, knappen, präzisen, flüssigen und für den Leser leicht verständlichen Redaktionsstil zu erhalten. Die im Libro de estilo von El País seit 1977 aufgestellten Normen sind für die Journalisten der Zeitung verpflichtend. Aus diesem Grund kann dieses Stilbuch als eine Art Gesetz angesehen werden, das zwar nur intern Gültigkeit hat, das aber aufgrund der starken Verbreitung von Zeitungssprache als vorgeschriebene Norm angesehen werden kann. Anders als in Frankreich wird nicht ein bestimmtes Ersatzwort genannt oder künstlich geschaffen, sondern eine ganze Palette von Ausdrucksmöglichkeiten angeboten. Es bleibt den Journalisten überlassen, selbst auszuwählen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

El Pais, Diccionario (1996) Dictionnaire des termes officiels (1994) Sowohl die Tatsache, dass von den Vorschriften nicht nur englische, sondern alle Fremdwörter betroffen sind, als auch die Tatsache, daß mehrere Ersatzvorschläge für einen beanstandeten Term gemacht werden, zeigt deutlich, dass es El País nicht darum geht, Anglizismen zu bekämpfen oder sie aus der Komunikation zu verbannen, was erklärtes Ziel in Frankreich ist, sondern darum, die Sprache und somit den Inhalt der Zeitung (auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen) für die Leser verständlich zu machen (was man in Frankreich nicht behaupten kann).

Bei einer Analyse des Wirtschaftsteiles von El País über 4 Wochen (April 1988) zeigte sich gemessen an der Gesamtwortzahl eine Anglizismenfrequenz von nur 0,11%- und dies in einem Fachbereich, der als besonders anglizismenfreundlich angesehen wird. Eine entsprechende Analyse des Le Monde ergibt einen höheren Prozentsatz, jedoch auch nur 0,3%.21 Im Spanischen ist also der Anglizismenanteil- nicht nur in der Wirtschaftssprache, auch generell- geringer als erwartet- sogar wesentlich geringer als im Französischen. Das Verhalten der Sprecher den Ersatzwörtern gegenüber scheint in beiden Ländern ähnlich. Die Assimilierung eines Anglizismus wird leichter akzeptiert als die Ersetzung durch einen Neologismus. Doch selbst im anglizismenverdächtigen Fachgebiet des Internets stellen die englischen Entlehnungen gerademal 3% dar.22 Ein Spezifikum der spanischen Informatikersprache sind jedoch die spanglisch- Formen ,die vor allem in Lateinamerika häufig auftreten: linkar, uplodear, forwordear.

Es hat sich in den Bemühungen um das Spanische mittlerweile sehr viel getan. Mit dem Centro Virtual Cervantes (http://cvc.cervantes.es), unterstützt vom Willen der RAE und der Hispanophonie zur unidad de la lengua, mit dem Einstieg der RAE im Oktober 1998 ins Internet (http://www.rae.es) etc. zeichnet sich gegenwärtig eine neue Epoche der Sprachpflege ab.

Die Hispanisierung des ciberespacio war 1997 Hauptthema des ersten hispanophonen Congreso Internacional de la lengu Espa ñ ola in Zacatecas (Mexiko). Das neue Bewusstsein der Spanier für ihre Sprache war noch nie bestimmter zur offiziellen Programmatik erhoben worden. Das vom Centro Virtual Cervantes unterstützte Zacatas- Projekt des Kongresses hat sich zur Aufgabe gestellt, die 51 libros de estilo, darunter 21 lateinamerikanische, zu homogenisieren, um einen einheitlichen Sprachgebrauch in den Massenmedien der Hispanophonie zu garantieren. In den Rahmen des Netzwerkes der aktuellsten Sprachpflegerischen Aktivitäten gehören etwa auch der 1990 in Madrid organisierte internationale Kongress der Agencia Efe über El Espa ñ ol en las agencias de prensa und die Tagung der Fundaci ó n Duques de Soria 1998 in Valladolid über Sprachkorektur in der Presse, auf der der Direktor der RAE betonte, dass mittlerweile die Verantwortung der Sprachpflege in den Händen der Journalisten liege. Eine solche Abtretung der Kompetenzen dieser traditionsbewussten Institution wäre in Frankreich wohl kaum denkbar.

4.2 Sprachexport

Das Spanische Kultusministerium fördert in Zusammenarbeit mit dem Instituto Cervantes folgende Berreiche:

1. Unterstützung von Spanisch als Fremdsprache im Ausland
2. Lernzentren des spanischen Staates
3. Gemeinsame Lernzentren mit dem jeweiligen Gastland
4. Spanische Abteilungen in den ausländischen Lernzentren
5. Europäische Schulen
6. Sprachbildung für im Ausland lebende Kinder Spanischer Bürger
7. Spanische Abteilungen in zweisprachigen Institutionen in Mittel- und Osteuropa

4.2.1.2 Unterstützung von Spanischunterricht im Ausland

Die beiden Achsen dieser Unterstützung sind, so das Ministerium, einerseits die Vorstellung eines Prestigebildes und andererseits die Wertschätzung des Nutzens einer Sprache, die von mehr als 350 Millionen Menschen gesprochen wird.23

Die Vorführung dieses Bildes wird durch eine umfassende Palette von Publikationen und diesbezüglichen spezifischen Taten umgesetzt.24 Die Unterstützung des Fremdsprachenunterrichts lässt sich kurz in in Werbekurse- und Tage zusammenfassen, in der Eröffnung von offiziellen Kulturzentren, von denen derzeit fünf in den USA, vier in Deutschland, vier in Marokko, drei in Belgien, drei in Großbritannien, zwei in Australien und eines in den jeweiligen Ländern: Andorra, Brasilien, Kanada, Dänemark, Frankreich, Niederlande, Schweden und Schweiz.

4.2.1.2 Die aktuelle Situation in Deutschland

Obwohl man nach dem deutschen Schulsystem rein theoretisch Spanisch als erste Fremdsprache wählen kann, gibt es in der gesamten Bundesrepublik nur eine einzige Schule, die Friedrich Engels Oberschule in Berlin, in der dies auch tatsächlich Fakt ist., in einigen wenigen Schulen besteht die Möglichkeit Spanisch als Zweit- oder Drittsprache zu erlernen. Spanisch konzentriert sich in der Praxis derzeit noch auf die freiwillige Erlernung an Volkshochschulen, Sprachakademien oder als Wahlsprache an den Universitäten. In den letzten Jahren ist jedoch ein starkes Wachstum in der Nachfrage zu verzeichnen. Zwischen 1980 und 1994 verdoppelte sich die Zahl der Spanischlernenden.25 Spanisch ist derzeit führende Sprache der zu erlenenden ,,Minderheitssprachen" im deutschen Schulsystem. Doch Spanisch wird immer häufiger freiwillig, außerhalb des normalen Bildungssystem erlernt. Das liegt klar, zum hundersten mal, an der wachsenden Bedeutung der spanischsprachigen Welt.

Es sollte hervorgehoben werden, daß Spanisch vor allem in Bremen und Berlin Anklang findet. So wurd in Berlin die ,,Europäische Schule Berlin" eröffnet, die Spanischunterricht bereits für 5- Jährige, also vor der Einschulung anbietet.26 Das Problem, das sich in Deutschland stellt, ist der Mangel an Spanischlehrern. Doch auch hier ist ein Aufschwung bemerkbar, da die Zeichen der Zeit langsam von immer mehr Studenten erkannt werden, und somit jedes Jahr mehr Spanischstudenten imatrikuliert werden.

Es gibt in Deutschland, im Verglich zu den USA jedoch keine offiziell spanischen Zeitungen, Fernseh- oder Radiostationen. Dies liegt wohl daran, daß es hier keine so große bedeutende spanischsprachige Minderheit gibt. Hier kann man lediglich die internationalen Sender empfangen (z.B. Radio Espanya oder TVE Internacional), die jedoch Europaweit ausgestralt werden.

4.2.2 Lernzentren des spanischen Staates

Der Hauptzweck ist hier, die Nachfrage spanischer Bürger im Ausland nach spanischer Schulbildung zu befriedigen. D.h. Anbieten von muttersprachlichem Extraunterricht von Kindern spanischer Einwanderer, der meistens ein mal wöchentlich zusätzlich zum Schulbetrieb des Gastlandes. Hierfür werden muttersprachliche Grund- und Volksschullehrer für mehrere Jahre angestellt.

4.2.3 Gemeinsame Lernzentren mit dem jeweiligen Gastland

Diese Lernzentren sind Spanische Auslansschulen, die bisher nur in Argentinien und Brasilien existieren, die sowohl Spanische als auch Einheimische aufnehmen und Kultur- und Sprachunterricht geben.

4.2.4 Spanische Abteilungen in den ausländischen Lernzentren

Dies sind Schulen, dem normalen Schulbetrieb des Gastlandes entsprechen mit Schwerpunkt auf die Spanische Sprache und Kultur.. D.h. Spanisch wird hier als erste Fremdsprache unterrichtet. Hiervon existieren weltweit 25, eine in Berlin, zwei in den USA, zwölf in Frankreich, drei in den Niederlanden und sieben in Italien.

Bei all den Zentren und Schulen von 5.2.2 bis 5.2.4 handelt es sich um vom spanischen Staat unterstützte. Es ist klar, daß es z.B. in den USA mehr als nur zwei Schulen gibt, die Spanisch als erste Fremdsprache anbieten.

4.2.4 Europäische Schulen

Der spanische Staat fördert die Europäischen Schulen mit. Derzeit unterrichten 53 spanische Lehrer an insgesamt 10 Europäischen Schulen. In den Europäischen Schulen von Brüssel I, Luxemburg und München gibt es extra spanische Abteilungen, während in Bergen, Brüssel II, Brüssel III, Culham, Karlsruhe, Mol und Varese Spanisch als dritte, vierte oder fünfte Fremdsprache erlernt werden kann.

4.2.5 Sprachbildung für im Ausland lebende Kinder Spanischer Bürger

Der Hauptzweck ist hier ebenfalls wie in 5.2.2, die Nachfrage spanischer Bürger im Ausland nach spanischer Schulbildung zu befriedigen. D.h. Anbieten von muttersprachlichem Extraunterricht von Kindern spanischer Einwanderer, der meistens ein mal wöchentlich zusätzlich zum Schulbetrieb des Gastlandes. Hierfür werden ebenfalls muttersprachliche Grundschullehrer für mehrere Jahre angestellt.

Der Unterschied zu 5.2.2 ist hier, daß kein offizieller spanischer Abschluß angeboten wird. Der Extraunterricht ist auf freiwilliger Basis und wird in Spanien nicht als spanische Schulbildung anerkannt.

4.2.6 Spanische Abteilungen in zweisprachigen Institutionen in Mittel- und Osteuropa

Hier wurde kulturelle Zusammenarbeit mit Bulgarien, der Slowakei, Ungarn, Polen, der Tschischen Republik und Rumänien in 16 bilingualen Gymnasien vereinbart. Spanisch wird hier von rund 5.000 Schülern als Fremdsprache erlernt.

5.3 Das Instituto Cervantes

Das Instituto Cervantes ist ein vom spanischen Staat im Jahr 1991 gegründetes, offizielles Institut mit dem Ziel, die Lehre der spanischen Sprache sowie die Verbreitung der Kultur spanischsprechender Länder zu fördern. Es ist heute weltweit die grösste Orgenisation, die sich der Lehre der spanischen Sprache widmet.

Dass Instituto Cervantes ist eine gemeinnützige Institution.27

Die Aufgaben des Instituto Cervantes bestehen darin, für jedes Sprachniveau Spanischkurse, und darüber hinaus auch Sonderkurse zu erteilen. Desweiteren ist es die ausrichtened Institution für die Prüfungen des D.E.L.E (Diplomas Oficiales de Espa ñ ol como Lengua Extrangera), der offiiellen und international anerkannten Sprachzertifikate für Spanisch als Fremdsprache. Es fördert die Entwicklung neuer Lehrmethoden, die Fortbildung der Dozenten, unterstützt die Tätigkeiten sowie Forschungsprojekte von Hispanisten, organisiert im Gastland kulturelle Veranstaltungen, unterstützt internationale Sprachmessen, spanische Radio- und Fernsehprogramme im Ausland und stellt zuletzt noch Interessierten Bibliotheken, sowohl in den jeweiligen Instituten, als auch in den sogenannten Aulas Cervantes und den Centros Culturales in den spanischsprachigen Ländern zur Verfügung.28 Der Hauptsitz des Instituto Cervantes befindet sich in Alcalá de Henares, dem Geburtsort des Schriftstellers Miguel de Cervantes. Die Arbeit des Instituto Cervantes wird von einer Stiftung geleitet, deren Ehrenvorsitzender König Juan Carlos, und der spanische Regierungspräsident Jose- Maria Aznar geschäftsführender Vorsitzender ist. Die Arbeit des Instituto Cervantes besteht zu 60% aus Sprachunterricht. Es respektiert die kulturellen und linguistischen Unterschiede der spanischsprachigen Welt und lehrt somit universelles Schriftspanisch. Die Kurse sind in 4 Ebenen aufgeteilt- Anfängerkurs, Mittelstufe, Fortgeschrittene und Kurse für Teilnehmer mit hohem Sprachniveau. Die weiteren 40% der Arbeit des Instituto Cervantes machen die kulturellen Aktivitäten, wie z.B. Ausstellungen, Vorträge, Diskussionsrunden, Filmvorführungen, Theateraufführungen, Konzerte und Seminare und Konferenzen zu aktuellen Themen aus. So organisierte das Instituto Cervantes wie oben erwähnt den Kongress der Hispanisten mit. Im Gegensatz zum British Council oder zum Goethe- Institut eröffnet das Instituto Cervantes jährlich neue Niederlassungen weltweit. Die Nachfrage nach Spanisch ist enorm und steigt von Jahr zu Jahr, was das Instituto Cervantes mit seinem Etat von 94 Millionen Mark nicht befriedigen kann. So wurden Verträge mit staatlichen und privaten Institutionen geschlossen, damit diese dann als asoziierte Zentren das D.E.L.E. ebenfalls aushändigen können.29 Jedes Jahr ist in der Kursbelegung ein Wachstum von ca. 20% zu verzeichnen. So wurden 1994- 1995 1.711 Kurse, 1995- 1996 2.108 Kurse, 1996- 1997 2.853 Kurse, 1997-1998 3.415 Kurse und 1998- 1999 4.011 Kurse belegt.30 Insgesamt wurden im Jahr 94/95 1.819 Kulturveranstaltungen, 95/96 1.930, 96/97 2.276, 97/98 2.731 abgehalten. 1998- 1999 fanden 1.074 Filmvorführungen, 617 Konferenzen und Kolloquien, 261 Konzerte, 221 Ausstellungen, 90 Buchvorstellungen, 77 Theatervorstellungen, 55 Festveranstaltungen, 39 Workshops, 39 kulturelle Wochen, 29 Ehrungen und 24 Kongresse statt.31

5.3.1 Das Instituto Cervantes in München

Das Münchner Institut wurde 1994 gegründet und übernahm die langjährige Tradition des spanischen Kulturinstituts, das seit 1956 mit der Vermittlung der spanischen Sprache und Kultur in Deutschland vertraut war.32 Das Münchner Instituto Cervantes bietet Sprachkurse, sonstigen sprach- und kulturkundlichen Unterricht, kulturelle Veranstaltungen und die Benützung seiner Bibliothek an. Die Aktivitäten umfassen u.a. Filmreihen in Originalfassung, Vorträge und Literaturlesungen, Kunstausstellungen, Konzerte mit spanischer oder lateinamerikanischer Musik, Tanz-und Theateraufführungen. Das Institut unterhält zudem einen Chor und eine Theatergruppe.

5.3.2 Das Instituto Cervantes in Bremen

Das Instituto Cervantes in Bremen wurde als zweites in Deutschland am 22. September eröffnet. Es widmet sich logischerweise ebenfalls der Sprachvermittlung und bietet somit die üblichen Sprachkurse und Sprachzertifikate an. Es kooperiert mit dem Fremdsprachenzentrum der Hochschulen im Land Bremen und bietet somit Studenten die Möglichkeit kostenlos die Spanischkurse zu erlernen. Die kulturellen Aktivitäten des Instituto Cervantes in Bremen setzt sich aus Lesungen, Filmzyklen, Konzerten, Ausstellungen, Vorträgen, Tagungen und Festen zusammen.

5.4 Spanisch in den internationalen Institutionen am Beispiel der EU

Die Europäische Einigung, die sich zunächst in einer westeuropäischen Wirtschaftsgemeinschaft verwirklicht hatte, ist weit vorangeschritten und schreiten auch immer weiter. Immer mehr Kompetenzen gehen von staatlichen auf übernationale Instanzen über. Damit wird sich in absehbarer Zukunft die Sprachenfrage in Europa, wenn nicht sogar weltweit, erneut stellen. Heutige Staatssprachen geraten in neue Positionen, denn in gewissen Situationen müssen vielsprachige Gemeinschaften auf einige wenige Komunikationsmittel zurückgreifen (womit Spanien bereits Erfahrung hat). Diese Bedürfnisse werden mit zunehmender Integration wachsen. Für Spanien ist die Europäische Union heute das wichtigste Feld.

Die Zukunft Europas hängt sehr davon ab, ob und wie sich die Europäer künftig verstehen und verständigen. Europas Schiksal hängt von der Lösung der Sprachfrage ab, vom Problem, welche Sprache bzw. Sprachen von wievielen Europäern aktiv oder passiv für welche Komunikationszwecke benutzt werden.33

Die gegenwärtige Sprachsituation in Europa ist durch Vielsprachigkeit und einen schlechten, oder treffender gesagt ,,unpassenden" Stand der Fremdsprachenkenntnis gekennzeichnet. Gewichtet man die europäischen Sprachen nach der Zahl der Muttersprachler, so führt Deutsch mit Vorsprung zu Französisch und Englisch. Die am häufigst gewählten Sprachen sind jedoch- wie auch weltweit- Englisch und Französisch, die eben entweder von ihrer weltweiten Wirtschaftskraft (Englisch) oder der europäischen Vergangenheit (Französisch) profitieren. Das Sprachproblem kann nicht durch die Einführung einer Nationalsprache als europäische Nationalsprache gelöst werden. Die einzige Sprache, die diese Anforderung gegenwärtig sein könnte ist Englisch, was jedoch, wie oben erwähnt schon fast als Minderheitensprache in Europa durchgehen könnte.

Die Lösung des Sprachproblems in Europa kann weder in einer Planssprache (was sowieso schon längst verworfen wurde), noch in der Übersetzung liegen. Bei 11 Amtssprachen in der Europäischen Union ergeben sich theoretisch 110 Übersetzungswege. Für die Humanübersetzung ist ein solcher Aufwand unmöglich zu leisten. Ähnlich, wenn nicht fataler ist die Lage derzeit in der automatischen Sprachübersetzung.

Die Lösung des Sprachproblems kann nur in der Intensivierung des Fremdssprachenlernens liegen. Dabei wird es zu einer Begrenzung der Zahl primärer Sprachen kommen müssen34 Genau darauf baut Spanien auf. Spanien hat bereits seit seinem Beitritt in die EU auf die Bewahrung des mehrsprachige Systems der EU, durch Übersetzung der verbindlichen Dokumente beharrt.35 Dies liegt wahrscheinlich auch daran, daß Spanien, durch seine faschistische Vergangenheit sehr viel später- nicht nur der EU, auch anderen internationalen Organisationen- als andere Staaten beigetreten ist. Somit konnte man schlecht à la Frankreich auf seine Sprache als Amtssprache bestehen. Dennoch wird öfters der Wunsch laut, neben Englisch und Französisch auch Spanisch und Deutsch als offizielle Amtssprache anzuerkennen (In diesem Punkt verfolgen die spanische und deutsche Regierung seltsamerweise soger das gleiche Ziel). Jedoch wird darauf geachtet, dies nicht allzu aufdringlich zu fordern, sondern nur hin und wieder der Vorschlag geäußert, man könne doch Deutsch und Spanisch als offizielle 3. und 4. Sprache, oder eben gleich alle 11 Arbeitssprachen als Amtssprache anerkennen. Schließlich sei es in Spanien ebenfalls kein Problem mit 4 offiziellen Sprachen zu leben36. Dennoch sollte man bedenken, daß es in Spanien eben nur 4 und keine 11 Sprachen sind, von denen 3 (Katalanisch, Baskisch, Galizisch) nur in den jeweiligen Regionen offiziell sind.

In der Europäischen Union hat Spanisch auch deshalb nicht den selben Stellenwert wie weltweit, da die größte Sprecherzahl einfach weit weg von Europa ist. Die wachsende Erlernerzahl auch in Europa ist sicher nicht auf die Beliebtheit Spaniens als Urlaubsland oder gar wegen seiner Wirtschaftsmacht zu beziehen, sondern weil es eindeutig die Sprache eines ganzen Kontinenten ist.

6. Zusammenfassung

Die Zeit der großen Sprachpolitik Spaniens ist schon lange vorbei. Die Sprache ist ein Selbstläufer und wird sich wohl auch ohne große Unterstützung weit verbreiten. Natürlich darf man deswegen nicht die Kulturpolitik vergessen. Doch ich denke, das Instituto Cervantes profitiert eindeutig davon, daß die Sprache, die mit seiner Kultur zusammenhängt, die Sprache eines ganzen Kontinentes ist.

Somit wird Spanisch auch bald in Europa wichtig, möchte man die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem amerikanischen Kontinent fortführen.

Die Tendenz weißt daraufhin, daß Spanisch Französisch auch bald in Europa überholt. Noch ist die Situation zu verfahren und Frankreich pocht logischerweise zu sehr auf seine Sprache, doch der logische menshenverstand rät jedem nach Englisch Spanisch zu erlernen. Englisch wird wohl noch lange seine Vormachtsstellung behalten, doch wie im Kapitel 5.4 angesprochen liegt die Zukunft im Erlernen mehrere Fremdsprachen, am besten in der Reihenfolge 1. Englisch, 2. Spanisch, 3. Französisch, Deutsch, Russisch oder eventuell Chinesisch.

Literaturverzeichnis

Bücher

- Meid, Wolfgang (Hrsg.): Sprachen in Europa. Sprachsituation und Sprachpolitik in Europäischen Ländern. Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft, 1999
- Kornbeck, Jacob (Hrag): Sprachpolitik und Interkulturalität. Zentrum für europäische Studien, Universität Trier, 1996
- Sprachpolitik in der Romania : zur {Geschichte sprachpolitischen Denkens und Handelns von der Französischen Revolution bis zur Gegenwart} / eine Gemeinschaftsarbeit der Leipziger Forschungsgruppe "Soziolinguistik" Jenny Brumme ... unter der Leitung von Klaus Bochmann. Weitere Beitr. von Louis Guespin - Berlin : DeGruyter, 1993.
- Anales cervantinos / Consejo Superior de Investigaciones Científicas, Instituto de Filología ; Centro de Estudios Cervantinos. Madrid : Consejo ISSN, 1997
- Anales cervantinos / Consejo Superior de Investigaciones Científicas, Instituto de Filología ; Centro de Estudios Cervantinos. Madrid : Consejo ISSN, 1998
- Anales cervantinos / Consejo Superior de Investigaciones Científicas, Instituto de Filología ; Centro de Estudios Cervantinos. Madrid : Consejo ISSN, 1999
- El español en el mundo : anuario del Instituto Cervantes ... / Instituto Cervantes. Madrid : Arco Libros Erscheinungsverlauf: 1998
- "Werkzeug Sprache" : {Sprachpolitik, Sprachfähigkeit, Sprache und Macht} ; 3. Symposion der Deutschen Akademien der Wissenschaften / Union der Deutschen Akademien der Wissenschaften ... (Hrsg.) [Red.: Katharina Weisrock]. - Hildesheim ; Zürich : Olms, 1999.

Zeitungen

- Haubrich, Walter:"Unsere Sprache ist unser ökonomischer Reichtum, Interview mit dem Leiter des Cervantes- Instituts, Fernando Rodriguez Lafuente". In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.02.01
- Nowak, Nikolaus:"Madrid wirbt mit Datenbank für spanische Sprache". In: Die Welt, 21.02.2000

Internet

Homepage der Real Academia Española: http://www.rae.es

Homepage des spanischen Kultusministerium: http://www.mec.es

Homepage des Instituto Cervantes: http://www.cervantes.es

Centro Virtual Cervantes: http://cvc.cervantes.es

http://www.el-castellano.com

http://www.difusion.com

7. Anhang:

Tabellen/ Statistiken vom Ministerium, Instituto Cervantes und Español en el mundo, Textseite El País aus Sprachen in Europa

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus der Homepage des Instituto Cervantes

[...]


1 El Español en el mundo

2 Die Welt

3 vgl. Sprachpolitik in der Romania, S.51

4 vgl. ebenda

5 ebenda

6 ebenda, S. 54

7 vgl. ebenda

8 ebenda

9 ebenda, S.342

10 ebenda

11 ebenda, S.347

12 ebenda

13 ebenda S.348

14 vgl. ebenda S.348

15 vgl. ebenda

16 vgl. Ebenda S.349

17 ebenda S.350

18 Sprachen in Europa, S.289

19 ebenda

20 ebenda, S. 289

21 ebenda, S.291

22 ebenda, S.292

23 vgl. ebenda

24 ebenda

25 ebenda

26 ebenda

27 Homepage des Instituto Cervantes http://www.cervantes.es/internet/gab/foll/aleman.html

28 vgl ebenda

29 Frankfurter Allgemeine Zeitung

30 El Español en el mundo S.398

31 ebenda

32 Homepage des Instituto Cervantes München: http://www.cervantes.es/centros/munich_ale.intro.htm

33 Sprachpolitik und Interkulturalität, S.219

34 ebenda, S.222

35 vgl. El Español en el mundo, S.222

36 vgl. Ebenda S.223

22 von 22 Seiten

Details

Titel
Die Sprachpolitik der Partner: Spanien
Hochschule
Universität Stuttgart
Veranstaltung
Proseminar Die deutsche Sprache als Instrument der Außenpolitik
Note
2,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
22
Katalognummer
V102800
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zusammenfassung zu dürftig (wurde auch bemängelt) Ziele, Positionen etc. müssen genauer erklärt werden. Alles in allem hoffe ich für keinen, daß er jemals darüber eine Arbeit schreiben muß (sehr aufwendig, aber -das muß man auch sagen- auch sehr interessant...
Schlagworte
Sprachpolitik, Partner, Spanien, Proseminar, Sprache, Instrument, Außenpolitik
Arbeit zitieren
Susana Catalina (Autor), 2000, Die Sprachpolitik der Partner: Spanien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102800

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