Soziale Marktwirtschaft in Deutschland


Hausarbeit, 2001

13 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Soziale Marktwirtschaft
1a. Geschichte
1b. Konzeption der sozialen Marktwirtschaft
1c. Die politische Umsetzung in Deutschland

2. Die Währungsreform

3. Der Marshall Plan
3a. Die Maßnahmen des ERP
3b. Die Folgen des Marshall Plans

4. Conclusio

5. Anhang

Einleitung

In meiner anschließenden Arbeit möchte ich mich mit der Wirtschaftpolitik der Nachkriegszeit in Deutschland befassen.

Im speziellen mit der Enstehung der sogenannten „sozialen Marktwirtschaft“. Ich möchte einen kleinen Überblick über die Enstehung des Begriffes aber auch der Umsetzung der konkreten Politik geben. Außerdem soll die weitere Entwicklung dieser wirtschaflichen Konzeption beleuchtet werden.

Auch der Einfluß der Währungsreform vom Jahre 1946 und der sogenannte Marshall Plan auf die Entstehung der sozialen Marktwirtschaft, zumindest auf ihre politische Umsetzung, soll herausgearbeitet werden. Die Arbeit ist gegliedert in drei Kapitel, wobei sich das erste mit der sozialen Marktwirtschaft an sich befaßt. Kapitel zwei befaßt sich mit der Währungsreform. Im dritten Kapitel wird die Enstehung des Marshall Plans und die Folgen dargestellt.

1. Soziale Marktwirtschaft

1a. Geschichte

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, mit all seinen zerstörerischen Auswirkungen, war die deutsche Bevölkerung entschlossen auch unter großen Anstrengungen eine Gesellschaft zu schaffen, in der Freiheit, Demokratie und Wohlstand zu festen Bestandteile gehören sollten. Ein schneller Wiederaufbau sollte den ausufernden „schwarzen Markt“ bekämpfen und so auch zu einer gerechteren Verteilung des Vermögens führen.

Die Meinung innerhalb der Bevölkerung war, daß dies nur durch staatliche Lenkung möglich sei. Dies führte zu einen „sozialistischen Zeitgeist“, welcher sich auch im „Ahlener Programm“ der CDU niederschlug.

Die liberalen wie die sozialistischen Lösungsvorschläge waren weder durch die Grundwerte, noch durch Ihre Ziele getrennt, sondern durch die von ihnen angestrebten Wege bei deren Erreichung. Dabei spielte die Wirtschaftsordnung eine maßgebliche Rolle. Kennzeichnend war die Suche nach dem dritten Weg, der die „goldene Mitte“ zwischen Ost und West, also zwischen Kapitalismus und sowjetischen Kommunismus, darstellen sollte. Dabei prägte 1945 Alfred Müller-Armack den Begriff „Soziale Marktwirtschaft“.

Er ging davon aus, daß sich beide Systeme innerlich verbrauchen würden und versuchte eine wirtschaftspolitische Synthese herbeizuführen.

Ursprünglich waren die Ansätze auch vom herrschenden sozialistischen Zeitgeist geprägt und waren ein Konzept um mehr Sozialismus mit mehr Freiheit zu verbinden.

Später kam es zu einer deutlichen Abgrenzung zum Sozialismus, es sollte das Prinzip der Freiheit der Märkte mit einem sozialen Ausgleich verbunden werden.

1b. Konzeption der sozialen Marktwirtschaft

„Bei wirtschaftspolitischen Zielen wird oft das Bild vom „magischen Dreieck“ verwendet an dessen Ecken sich die widerstreitenden Ziele“persönliche Freiheit, wirtschaftliche und gesellschaftliche Sicherung und Wachstum“ finden. Die soziale Marktwirtschaft gilt als „irenische Formel“.

Sie ist ständige Aufgabe, weil die Zielsetzungen geschichtlichem Wandel unterliegen.“1

Die entstehenden inneren Konflikte der Gesellschaft sollen mittels des Subsidiaritätsprinzip zu lösen versucht werden. Beim Subsidiaritäts- prinzip wird der Eigeninitiative eines Individuums oder einer Gruppe der Vorrang gegeben gegenüber einem staatlichen Eingriff. Dadurch sind auch Gewerkschaften und andere Kooperationen im Konzept inkludiert. Durch diese intermeditären Gruppen soll es zu einem Wettbewerbsmechanismus im gesellschaftlichen Bereich kommen, wo sich die Kräfte gegenüberstehen und sich gegenseitig kontrollieren, um nicht einen übermächtigen Markt oder Staat entstehen zu lassen.

Die soziale Marktwirtschaft fordert eine Parallelität von marktwirtschaftlichen- und sozialem Fortschritt.

„Marktwirtschaft und Wachstum als beste Sozialpolitik.“2

Durch die Einführung der Marktwirtschaft soll der „schwarze Markt“ abgeschafft werden. Dies und das wirtschaftliche Wachstum werden schon als eine soziale Leistung gesehen. Die soziale Steuerung soll über ein indirektes Einwirken auf die unternehmerische Freiheit, Stil und Gesinnung geschehen. Es sollten Appelle durchgeführt werden und nicht gezielte staatliche Eingriffe. Es schließt staatliche interventionen aber nicht aus.

Ein Prinzip für staatliches Handeln ist, daß dies marktkonform sei.

Damit wird gemeint, den sozialen Zweck zu sichern, ohne in den Markt störend einzugreifen.

Durch diese Marktkonformität wird staatliche Intervention anerkannt, diese sollte aber primär Zielkonform sein. Andererseits zwingt die Marktkonformität, die Ordnungsidee des sich selbst steuernden Marktes zu beachten.

Aus diesem Konflikt entstand die Abwägungsregel, eine Art ökonomisches Subsidiaritätsprinzip:

“Die Wirkung eines Instruments, die Ziele zu erreichen (Zielkonformität), ist ständig gegen eine mögliche Verletzung der Norm „marktwirtschaftliche Ordnung“ abzuwägen.“3

Die staatlichen Eingriffe werden als „Gegengift“ gesehen.

1c. Die politische Umsetzung in Deutschland

Die Durchsetzung der sozialen Marktwirtschaft ist nur zum Verstehen unter der Berücksichtigung der ordnungspolitischen Vorstellungen der damaligen politischen Kräfte. Bei der CDU gab es Anfangs zwei unterschiedliche Anschauungen. Einerseits den mit der katholischen Soziallehre zusammenhängenden Christlichen Sozialismus und andererseits eine gemäßigte Form des Wirtschaftsliberalismus. Der wirtschaftsliberale Flügel setzte sich zwar für die Handlungsfreiheit der mittelständischen Unternehmen ein, lehnte aber den freien Wettbewerb ohne staatliche Intervention ab.

Bei den Liberalen stand der freie Wettbewerb und die Sicherung der Entscheidungsautonomie des privaten Unternehmertums im Mittelpunkt.

Der zentrale Punkt bei der SPD waren Sozialisierungs und Mitbestimmungspläne.

Ab 1947 nahm Adenauer eine zentrale Rolle bei der CDU ein. Sein Anti- sozialismus und anti-planwirtschaftliches Denken bekam mehr Gewicht. Um jedoch nicht der SPD den Alleinanspruch des sozialen Denkens zu überlassen, kam es zum Ahlener Programm. Dies war ein Wahlpolitisches Instrument, in dem folgende Forderungen aufgestellt wurden:

- Sozialisierung des Bergbaus und der Schwerindustrie
- Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Groß- und Mittelbetrieben
- staatliche Wirtschaftsplanung und -lenkung
- Übertragung der Rechte zur Durchführung dieser Maßnahmen auf deutsche politische Organe

„Allerdings muß gesehen werden, daß im weiteren Verlauf die tatsächlich eingebrachten Gesetzesanträge hinsichtlich ihres sozialstaatlichen Charakter deutlich hinter dem Ahlener Programm zurückblieben, und das zunehmende Gewicht der Amerikaner in dem vereinigten Wirtschaftsgebiet, auch durch den immer deutlicher werdende Kalten Krieg, deutschen Initiativen in Richtung Sozialisierung oder staatliche Wirtschaftsplanung kaum Chancen auf Erfolg ließ.“4 Aufgrund des Warenverkehrsgesetz, kam es im Herbst 1947 zu einem Konflikt zwischen einerseits der CDU und der Liberalen und anderseits der SPD. Dadurch wurde erkennbar, daß die ordnungspolitischen Vorstellungen der CDU und der FDP sich annäherten. Die CDU verabschiedete sich von staatlichen Planungs- und Lenkungszielen zugunsten einer Vorstellung des freien Marktes. Zu diesem Zeitpunkt haben sie sich endgültig vom Ahlener Programm verabschiedet.

Nach einer Reorganisierung der bizonalen Verwaltung im Dezember 1947 durch die Alliierten, kam es zum endgültigen Bruch zwischen CDU und FDP einerseits und SPD anderseits. Es kam zum Bekenntnis der CDU zur Zusammenarbeit mit der FDP und zur sozialen Marktwirtschaft als Gegenmodell zur sozialistischen Planwirtschaft durch die Wahl Ludwig Erhards zum Direktor der Verwaltung für Wirtschaft. In einer programmatischen Rede Erhards verkündete er, daß er eine liberale Wirtschaftsordnung anstrebe mit indirekter Lenkung und ohne temporärer plannungs- und lenkungswirtschaftlicher Methoden.

Mitte der sechziger Jahre kam es zu einer Abkehr von der Idee des freien Marktes und eine Hinwendung zu staatlichen, lenkenden Eingriffen in die Wirtschaft, also zu einer keynesianischen Wirtschaftspolitik, die in der Bundesrepublik entscheidend durch den sozialdemokratischen Wirtschaftsminister Karl Schiller (ab 1966) geprägt wurde.

Damit befand sich die soziale Marktwirtschaft in Deutschland sozusagen in der zweiten Phase. Nachdem in der ersten Phase der wirtschaftliche Aufbau des Landes im Vordergrund stand, kam es in der zweiten Phase zur Ausrichtung auf gesellschaftspolitische Ziele. Die Wirtschaftspolitik wurde etwas in den Hintergrund gedrängt, um für soziale Politik die Türen zu öffnen. Die Politik war, wie oben schon erwähnt, geprägt durch Eingriffe in den Markt, also durch die Lenkung des Marktes, jedoch mit einer gewissen Zurückhaltung. „Für das wirtschaftliche Instrumentarium wurde eine Ergänzung durch antizyklische Fiskalpolitik und - unter Hinweis auf längerfristigen Investitionspläne großer Unternehmen - eine längerfristige Budgetpolitik in bestimmten Bereichen (Verkehr und Bau) angeregt, sowie eine Berücksichtigung von Problemen der Umwelt und der Infrastruktur.“5

2. Die Währungsreform

Nach dem zweiten Weltkrieg kam es in Deutschland zu einem Geldüberhang, ausgelöst durch die Kriegsausgaben des Deutschen Reiches und die Nichtbedienung der wertlosen Reichstitel. Die Aktiva der Deutschen Banken bestanden zu etwa 2/3 aus den nunmehr wertlosen Titel.

Dies machte einen starken Währungsschnitt erforderlich.

Ausgangspunkt war der von Colm-Dodge-Goldsmith 1946 ausgearbeitete CDG Plan, bei dem alle monetären Forderungen und Verbindlichkeiten im Verhältnis 10:1 abgewertet wurden. Weiters kam es zu einer finanziellen Erstausstattung der Haushalte, sowie Unternehmen.

Mit der Steuerung wurde die Bank deutscher Länder, eine Art Zentralbank, die im März 1948 gegründet wurde, betraut.

Eine rasche und ungestörte Währungsumstellung auf DM gelang. Hilfreich war dabei das beschlossene Leitsätzegesetz, welches die Aufhebung von Preiskontrollen bevorzugte.

Erhard gab die Preise fast aller gewerblichen Produkte frei, wodurch es zu einem vermehrten Angebot kam und zu einem wahren Kaufboom. Nach einer erheblichen Preisinflation im Herbst 1948 intervenierte die Bank Deutscher Länder mit hohen Diskontsätze und Kreditrestriktionen. Es gelang die Preise in den Griff zu bekommen und das Vertrauen in die Währung und die Bank Deutscher Länder zu stärken. Die Währungsreform wurde zum vollen Erfolg.

3. Der Marshall Plan

Eine große Rolle beim Wiederaufbau in Deutschland spielte der Marshall Plan (ERP) . Ausgearbeitet wurde der Plan von der USA, um die westlichen Staaten wirtschaftlich zu stärken gegen den Einfluß der Sowjetunion, und um so eine Ausbreitung des Kommunismus in diesen Ländern zu verhindern.

Es gab aber auch noch andere Faktoren die zum Marshall Plan führten.

- Nach dem Zusammenbruch des Nachkriegsrekonstruktionsbooms kam es zu einer Dollarknappheit, aufgrund der Nichtfinanzierbarkeit von Nahrungsmittel- und Rohstoffimporten, die die USA durch eine einseitige Kapitalhilfe beseitigen wollte.
- Nach dem Glauben der USA war eine Stabilität Europas nur mit einer wirtschaftlichen Gesundung Deutschlands zu erreichen. Dies war mit hohen Reparationszahlungen aber nicht vereinbar. Weiters war es für die USA politisch nicht sinnvoll nur Deutschland zu unterstützen.
- Es standen auch kurzfristige Finanzmotive der USA und Großbritanniens im Mittelpunkt. Sie wollten die Besatzungskosten reduzieren.
- Und aus machtpolitischen Motiven, wie schon oben erwähnt, um den Einfluß der Sowjetunion zu bremsen.

3a. Die Maßnahmen des ERP

„ERP Mittel sollten in 1. Linie zur Finanzierung von Dollarimporten dienen. Aber der Gegenwert der umgesetzten Importwaren in deutscher Währung sollte an eine Sonderinstitution fließen. In Westdeutschland war dies die Kreditanstalt für Wiederaufbau, die damit Investionsvorhaben - vornehmlich im Infrastrukturbereich - finanzierte.“6

Es gab für die Hilfe jedoch folgende Bedingungen der USA:

- Die Empfänger mußten ernsthaft versuchen Handelshemmnisse quantitativer Art zu beseitigen.
- Es mußte die Organisation European Economic Cooperation (OEEC) gegründet werden. Diese koordinierte die ERP in den verschiedenen Ländern und sollte auch Verhandlungen führen über Handelsliberalisierungen.

3b. Die Folgen des Marshall Plans

Quantitativ war die Hilfe der USA mittels des Marshall Plans im Vergleich zu den GARIOA Mitteln geringer. Trotzdem schloß die Hilfe eine Lücke im deutschen Kapitalmarkt und verhalf so zu größeren Investitionen.

Die vielleicht wichtigste Maßnahme war die gleichzeitige Unterstützung Frankreichs, so daß es zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland kam und das gespannte Verhältnis, auch mit anderen Restitutionsgläubigern, entlastete.

Conclusio

Ex post kann man das Projekt der „sozialen Marktwirtschaft“ als gelungenes Projekt sehen. Angetrieben durch den Marshall Plan entwickelt sich die deutsche Wirtschaft in den Nachkriegsjahren rasant. In den Anfangsjahren wurde das Hauptaugenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung gelegt und so beim Konzept „soziale Marktwirtschaft“ am „sozialen“ gespart, dies änderte sich aber in der zweiten Phase. Hier kam es zu einer Schwerpunktverlagerung hin zu einer sozialen Gestaltung der Gesellschaft.

Bei der ex post Betrachtung hat man den Eindruck als hätte es nicht besser laufen können, denn der wirtschaftliche Aufbau Deutschlands war eng verbunden mit der Währungsreform, die ebenfalls fast komplikationslos von statten ging, bis auf eine kurze aber heftige Inflationsphase im Herbst 1948. Nachdem diese Phase überwunden war trug sie dem Vertrauen der Bevölkerung in die quasi Zentralbank (Bank der Deutschen Länder) bei.

Aufgrund der geopolitischen Lage und der wirtschaftlichen Bedeutung Deutschlands für ganz Europa, und damit auch für die USA, waren die Finanzhilfen der USA nicht uneigenützig, aber hilfreich für Deutschland und für ganz Westeuropa, um die materiellen Zerstörungen des Krieges zu beseitigen und auch mit Hilfe der sozialen Marktwirtschaft, ein Konzept, das sich nicht nur in Deutschland durchgesetzt hat, ein wirtschaftlich und sozial stabiles Europa zu schaffen.

5. Anhang:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Literatur:

Tilly, Geschichte der Wirtschaftspolitik. Wien-München 1993

Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften 5

[...]


1 vgl. Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften 5: S.155

2 Zitat, Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften 5: S.156 5

3 Zitat, Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften 5: S.161 6

4 Zitat, Tilly Geschichte der Wirtschaftspolitik, 1993 S.205 7

5 Zitat, Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften 5: S.160 8

6 Zitat, Tilly Geschichte der Wirtschaftspolitik, 1993 S.211 10

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Soziale Marktwirtschaft in Deutschland
Hochschule
Universität Wien
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V102868
Dateigröße
352 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale, Marktwirtschaft, Deutschland
Arbeit zitieren
Roland Csenar (Autor), 2001, Soziale Marktwirtschaft in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102868

Kommentare

  • Gast am 2.10.2002

    Super.

    Wirklich super geil, hat mir sehr geholfen !!!

  • Gast am 19.9.2007

    goil.

    super gut

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Titel: Soziale Marktwirtschaft in Deutschland



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