Konrad Adenauer - Die deutsche Politik von 1949 bis 1963 in Bezug auf Westanbindung und Westintegration


Referat / Aufsatz (Schule), 2000
8 Seiten, Note: 1

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Inhaltsverzeichnis:

1. Konrad Adenauer - Seine Politik, eine staatsmännischen Glanzleistung

2. Die Zielsetzung Adenauers

3. Die Fortschritte - 1949 bis 1955

4. Adenauers Europapolitik

5. Adenauer und Charles de Gaulle

6. Die deutsche Einheit und Adenauers Haltung

1. Konrad Adenauer - Seine Politik, eine staatsmännischen Glanzleistung

Konrad Hermann Josef Adenauer, Sohn des katholischen Kanzleirates Konrad Adenauer und dessen Frau Helene, wurde am 5. Januar 1876 als drittes von vier Kinder in Köln geboren. Nach einem ereignisreichen Leben, geprägt von Höhen und Tiefen in seiner politischen Laufbahn, stirbt er im Alter von 91 Jahren am 19. April 1967 in Bad Honnef - Rhöndorf. Als einer der wenigen deutschen Politiker genoß und genießt er bis heute internationales Ansehen und wurde zu Lebzeiten mit Ehrungen geradezu überhäuft. Als er 1951 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Köln erhält erklärt er : „ Was ich bin - im Guten wie im Schlechten -, das ist gewachsen auf diesem Boden und geformt von dieser Umgebung und dieser Atmosphäre.1 “ Aufgrund dieser Aussage lässt es sich erklären, warum Adenauer sich als der „ Hauptverantwortlicher für das deutsche Volk2 “ fühlte. Ihm war das Schicksal Deutschlands wichtig, vor allem aber die Sicherung des Friedens, im Hinblick auf die Bedrohung durch den Kommunismus, aber auch die Freiheit der Bürger der BRD lag ihm am Herzen. Diese Gedanken ließen nur ein vornehmliches Ziel Adenauers zu; die Anbindung und Integration der BRD an und in den Westen und damit eine Absage an den sozialistischen Osten.

Konrad Adenauer, der am 15. September 1949 mit einer Stimme Mehrheit als neuer und erster Bundeskanzler der BRD vereidigt wurde, zog aus den neuen Machtverhältnissen in Europa, also der Zweiteilung Deutschlands zwei Schlüsse. Er wollte „ weder eine Schaukelpolitik betreiben, noch eine nationalstaatliche Restauration vornehmen.3 “ Sein Hauptziel war die Westanbindung der BRD. Somit wollte er zum einen den anderen westeuropäischen Staaten Sicherheit gewährleisten, zum anderen die Aussöhnung mit ihnen vorantreiben und gleichzeitig die Besatzung durch die Westalliierten beenden.

Heere Ziel für einen 73 - jährigen Mann, der als ältester Regierungschef der Welt galt, früher geboren war als die meisten Kanzler der Weimarer Republik, 13 Jahre älter als Hitler war und im selben Alter das Amt des Kanzlers übernahm, indem der ehemalige Reichspräsident Hindenburg entlassen wurde. Beim Antritt seines neuen Amtes, war selbst ihm nicht klar, welche Auswirkungen seine Politik für Deutschland, Europa vielleicht sogar auf die Weltgeschichte bis heute, haben würden. So regierte Adenauer nicht, wie er selbst annahm ein bis zwei Jahre, nein, er regierte länger als alle 21 Kabinette der Weimarer Republik zusammengefasst und länger als das Tausendjährige Reich Adolf Hitlers. 1949 konnte weder er, noch die Wähler, noch die Opposition im Land vorhersehen, welches weltpolitische Ausmaß sein Handeln, seine Person und seine Politik haben würde. Am 15. Oktober 1963 tritt Konrad Adenauer als Bundeskanzler zurück und übergibt sein Amt an Ludwig Erhard. Er hinterließ Deutschland als ein wirtschaftlich boomendes Land. Was 1949 noch in Schutt und Asche lag, war zur drittgrößten Industrie- und zweitgrößten Handelsnation der Welt geworden. Die BRD durchlebte in seiner 14 - jährigen Amtszeit Tumult und Trubel, errang mehr politische Siege als deren Niederlagen und erlangte wieder internationale Reputation. Das alles durch einen Mann, der seine Kraft aus seinem streng katholischen Glauben schöpfte, Staatsmann par excellence war und sich aufopferungsvoll Hingab. Sowohl in den Schweren Gründerstunden und als er versuchte Deutschland wieder in die westliche Welt zu integrieren.

2. Die Zielsetzung Adenauers

Adenauer war von vornherein bewußt, das er keine leichte Aufgabe übernommen hatte. In seiner oft kritisierten nüchternen Art, die ihm jedoch half komplizierte Vorgänge zu vereinfachen und diese auf ihren Kern zurückzuführen, steckte er sich vier Hauptziele für seine Politik.

1. Deutschland in die westliche Welt integrieren
2. Souveränität für Deutschland
3. Ankurbeln der Wirtschaft
4. Schaffung einer inneren Ordnung

Die Westintegration und eine „ vertrauensvolle Zusammenarbeit4 “ mit Frankreich waren für Adenauer sozusagen der Schlüssel zu einem erfolgreichen und geordneten Aufbau der BRD und Europas. Sich den Franzosen anzunähern war jedoch nicht einfach, da die über zwei Dutzend Kriege in den letzten vier Jahrhunderten, die Beziehungen schwer belasteten und außerdem die Saarfrage nicht geklärt war.

„ Handlungsspielraum, Sicherheit und Gleichberechtigung5 “ hießen die Schlagworte.

Um diese Hauptgedanken in die Tat umzusetzen, mußte die BRD in ein enges Geflecht von Verträgen und Abkommen eingefügt werden.

3. Die Fortschritte - 1949 bis 1955

31. Oktober 1949: Das Petersberger Abkommen

Es war ein Abkommen zwischen Deutschland und dem Alliierten Kontrollrat. Es sicherte Deutschland zu, konsularische Beziehungen zu anderen westlichen Staaten aufnehmen zu dürfen und außerdem internationalen Organisationen beitreten zu können ( z.B. dem Europarat ). Einschränkungen beim Schiffbau werden reduziert, Industrieanlagen im Ruhrgebiet sowie am Rhein, werden von der Demontageliste gestrichen. Im Gegenzug erklärt die Bundesregierung der Ruhrbehörde beizutreten und Deutschland nicht wieder aufzurüsten und die demokratische Ordnung zu fördern und auszubauen.

So erreichte Adenauer zum einen Handlungsspielraum, denn er konnte sich nun ganz dem Westen hin ausrichten, zum Beispiel durch den Beitritt zu verschiedenen Organisationen. Innenpolitisch gab es mit der SPD-geführten Opposition schwere Auseinandersetzungen. Oppositionsführer Kurt Schumacher warf Adenauer sogar vor, „ der Bundeskanzler der Alliierten zu sein6 “ für Adenauer war jedoch klar, nur so internationales Ansehen zurückzugewinnen. Auch die Beendigung der Demontagen war ein großer Erfolg, da somit die Produktion von Waren schneller wieder in Gang gebracht werden konnte um somit die Deutsche Wirtschaft in Schwung zu bringen.

15. Dezember 1949 :

Erster völkerrechtlicher Vertrag mit den USA über wirtschaftliche Zusammenarbeit.

8. Juli 1950 :

Deutschland tritt dem Europarat bei. Vollgültiges Mitglied wird Deutschland jedoch erst am 2. Mai 1951.

Für Adenauer war vor allem aber, die nun engere Verflechtung mit den anderen westeuropäischen Ländern, wie Frankreich oder England, wichtig.

18. April 1951 :

Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). Frankreich, Italien, Deutschland und die Benelux-Staaten, also die westeuropäischen Kernstaaten, sind die Gründungsmitglieder. Die EGKS oder auch Montan - Union genannte Vereinigung, beruhte auf den Vorstellungen der französischen Aussenministers Robert Schuman und seines Beraters Jean Monnet. Ziel war es, Kriege zwischen den Mitgliedsstaaten zu verhindern und die westdeutsche Schwerindustrie zu kontrollieren. Die Zusammenarbeit, die zunächst auf 50 Jahre angelegt wurde sollte jedoch vor allem wirtschaftliche Interessen begünstigen.

- Gemeinsamer Markt für Kohle und Stahl ohne Beschränkungen, Benachteiligungen und Subventionen.
- Gemeinsames Zollschema, heißt die Beseitigung der Binnenzölle und Angleichung der Aussenzölle.

Nachdem der Vertrag am 24. / 25.7.1952 in Kraft tritt, endet für Deutschland ein Großteil der Beschränkungen. Alliierte Kontrollen und Beschränkungen im Montanbereich enden und das Ruhrstatut verliert seine Wirksamkeit.

Für Adenauer war es der erste große aussenpolitische Befreiungsschlag. Deutschland war wieder, zumindest wirtschaftlich, angesehener und geschätzter Partner im Ausland.

Adenauer erläuterte später in seinen Memoiren, dass er drei große Aufgaben zu bewältigen sah. Zum einen die „Wiedervereinigung Deutschlands, sowie die Aussöhnung mit Frankreich und mit Israel, wobei ohne letzteres eine Wiedervereinigung unmöglich sein werde.7

10. September 1952 :

Das Luxemburger Abkommen verpflichtet die BRD zu Warenlieferungen und Dienstleistungen im Wert von drei Mrd. DM an Israel und zu einer Zahlung von 450 Mio. DM an die Vereinigung jüdischer materieller Ansprüche gegenüber Deutschland (engl: Conference on Jewish Material Claims Against Germany). Als kollektive Wiedergutmachung , soll dieses Geld vor allem jüdischen NS-Opfern zu Gute kommen, die größtenteils in den Staat Israel geflohen waren. Weitere zwölf Staaten erhielten ähnliche Wiedergutmachungsverträge, um die NS-Opfer in ihrem Land zu versorgen. Die DDR hingegen lehnte jede Zahlung an NS-Opfer ab.

Die Versöhnung mit Israel hatte begonnen, nun sollte eine Aussöhnung mit Frankreich beginnen.

Jedoch bestand ein tiefer Graben zwischen Deutschland und Frankreich aufgrund der Saarfrage. Das Saarland war abhängig von Frankreich und Adenauer vermutete dadurch eine „versteckte Annexion“. Das Saarland war zwar in Verwaltung, Gesetzgebung und Rechtsprechung größtenteils unabhängig, jedoch sollte es durch die Saar-Konventionen noch enger an Frankreich gebunden werden. Adenauer legte Rechtsverwahrung gegen diese Konventionen ein, da das Saargebiet nach dem Völkerrecht zu Deutschland gehöre.

28. September - 3. Oktober 1954 :

Die Londoner Neunmächtekonferenz (BRD, Benelux-Staaten, GB, Frankreich, Italien, Kanada, USA) war einberufen worden, nachdem die EVG aufgrund des Einspruchs Frankreichs, gescheitert war.

- Italien und der BRD wurde nahegelegt, dem revidierten Br ü sseler Pakt beizutreten.
- Der BRD speziell wurde ein Beitritt zur NATO vorgeschlagen.
- Die drei Besatzungsmächte wollten das Besatzungsstatut aufheben und die Adenauer- Regierung, wie bisher auch, als einzige, für Deutschland zuständige Regierung, anerkennen.
- Die Verantwortung gegenüber Deutschland, sollte jedoch nicht vergessen werden, und so sollten Alliierte Truppen auf dem Kontinent stationiert bleiben.
- Die BRD sollte im Gegenzug die Grundsätze der UN-Charta und der NATO anerkennen.
- Die Wiedervereinigung sollte nicht mit Waffengewalt erreicht werden, genausowenig wie die Änderung der Grenzen Deutschlands.
- Deutschland hatte sich bereit erklärt, sich einer freiwilligen Rüstungskontrolle zu unterziehen und die Produktion von ABC-Waffen zu vermeiden.

Diese Reihe von Verträgen und Abkommen waren der Grundstein für eine Anerkennung Deutschlands in der westlichen Welt. Die Souveränität war jedoch noch eingeschränkt, da die EVG nicht zustande gekommen war und ohne sie auch der Deutschlandvertrag, der die Souveränität Deutschlands bedeutet hätte, nichtig war.

Um die Souveränität zu erhalten, mußte ein neues Vertragswerk verabschiedet werden. Dies geschah vom 19. - 23. Oktober 1954 auf den vier Pariser Konferenzen. Sie sollten die Beziehungen der westeuropäischen Staaten vertraglich neu ordnen, so wie sie bei der Londoner Neunm ä chtekonferenz beschlossen wurden.

Die Pariser Verträge und ihre Ergebnisse :

a) Der Deutschlandvertrag wird revidiert und neu gefasst.

1. das Besatzungsstatut endet,
2. die Westmächte geben der BRD Sicherheits - und Hilfsgarantien

= Nach der Ratifizierung der Pariser Verträge und ihrem Inkrafttreten wird die BRD souverän.

b) Gründung der WEU, der Italien und Deutschland beitreten. Ersatz für die gescheiterte EVG. Die BRD verpflichtet sich, wie auf der Londoner Neunmächtekonferenz beschlossen, zu einem Verzicht von ABC-Waffen.

c) Deutschland wird von der NATO und ihren 14 Mitgliedern als einzige legitime Nachkriegsregierung angesehen und Deutschland wird ein Angebot unterbreitet, der NATO beizutreten, sofern sie die Vereinbarungen aus der Londoner Neunmächtekonferenz einhält.

d) Die Zweimächtekonferenz zwischen Deutschland und Frankreich, hat zur Folge, dass Adenauer und Mendès-France das Saarstatut unterzeichnen. In ihm wird erklärt, dass das Saarland durch einen WEU-Kommisar „europäisiert“ werden soll, um so alle demokratischen Freiheiten des Saarlands wiederherzustellen. Außerdem einigen sich die beiden Vertreter über eine wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit der beiden Länder.

Die Pariser Verträge traten am 5. Mai 1955 in Kraft. Somit endete die Besatzung der BRD und die Alliierte Hohe Kommission löste sich auf. Adenauer hatte nach nur sechs Jahren im Amt erreicht, was keiner für möglich gehalten hatte. Deutschland war politisch und militärisch in der westlichen Welt integriert, die BRD hatte die Souveränität und eine Annäherung zu Frankreich hatte statt gefunden.

„ Handlungsspielraum, Sicherheit und Gleichberechtigung “. Diese Schlagworte zu Anfang seiner Amtszeit erwähnt, waren zu Synonymen für eine erfolgreiche Politik Adenauers geworden.

4. Adenauers Europapolitik

Adenauer hatte von Anfang an erklärt, dass der Zusammenschluss Europas ein weiteres wichtiges Ziel ist.

25. März 1957 Die Römischen Verträge

Die Mitglieder der Montanunion (Benelux - Staaten, BRD, Frankreich und Italien) gründen die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Europäische Atomgemeinschaft (EURATOM). Großbritannien verzichtete auf den Beitritt. Im EWG-Vertrag wurde eine unbegrenzt andauernde Zollunion und eine völlige Wirtschaftsintegration der Mitgliedsstaaten vereinbart. Binnenzölle und Handelsbeschränkungen sollten abgebaut und Außenhandelszölle angeglichen werden. Darüber hinaus verpflichtete sich jeder Mitgliedsstaat seine Wirtschafts-, Handels-, Landwirtschafts-, Verkehrs- und Sozialpolitik mit den anderen abzusprechen und sie aufeinander abzustimmen. Es sollte ein gemeinsamer Markt entstehen, der am Ende die vier Freiheiten des Warenaustauschs bzw. der Dienstleistungen, der Freizügigkeit, der Niederlassung und des Zahlungs- bzw. Kapitalverkehrs zulassen sollte. Das Endergebnis sollte eine absolute Zusammenführung der europäischen Völker sein. Im EURATOM-Vertrag wurde einen dem Frieden dienende, Atomforschung vereinbart, die zum Bau von Atomkraftwerken führen sollte. Eine Zusatzklausel stellte fest, dass im Falle der Wiedervereinigung Deutschlands, das Vertragswerk überprüft werden sollte.

Dieser Vertrag leitete die Zusammenarbeit der westeuropäischen Staaten ein und war der Grundstein für die Europäische Union, so wie wir sie heute kennen. Für Deutschland speziell bot dieses Vertragswerk neue wirtschaftliche Möglichkeiten.

5. Adenauer und Charles de Gaulle

Am 14. September 1958 treffen sich Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, der am 29. Mai 1958 französischer Ministerpräsident geworden war, zum ersten Mal. Auf Einladung de Gaulles trafen sie sich in Colombey-les-deux-Églises, dem Landsitz de Gaulles. Es bestand eine herzliche Atmosphäre zwischen den Regierungschefs. Schnell wurden sie sich einig, durch ständige Konsultationen sich über die wichtigsten aussenpolitischen Ereignisse gegenseitig auszutauschen.

Adenauer und de Gaulle demonstrierten in der Öffentlichkeit immer wieder ein herzliches Verhältnis, doch Adenauer musste erkennen, dass de Gaulle etwas anderes unter Europapolitik verstand als er. Adenauer war „ im Banne General de Gaulles8 “. Adenauers Aussenpolitik basierte auf den Grundsätzen Zusammenarbeit mit Frankreich um (fast) jeden Preis und der Integration in den Westen, dort vor allem mit den USA. De Gaulle jedoch lehnte die Einmischung der USA und ihre Vormachtstellung ab, so zum Beispiel als de Gaulle die NATO reformieren wollte und Westeuropa mehr Mitspracherecht geben wollte. Adenauer war nun in einer Zwickmühle, da durch die Distanzierung de Gaulles den USA gegenüber, eine Vereinbarung der beiden Ziele kaum mehr zu bewältigen war. Die Freundschaft zwischen den beiden Staaten weckte auch Missgunst bei den anderen Staaten der EWG, da befürchtet werden mußte, dass die beiden Staaten zu mächtig werden würden. Adenauers Politik hatte nicht mehr den Schwung der Anfangsjahre. So konnte Adenauers, dass immer als eines der wichtigsten Ziele behandelte Ziel, nämlich dass der Vereinigung der Nationalstaaten Europas zu einem überstaatlichen Gesamtgebilde, aufgrund der egoistischen Staaten selbst, nicht erreicht werden. Diese wohl schmerzlichste Erkenntnis Adenauers war eine Art Dolchstoss für seine Politik. De Gaulle war zwar wie Adenauer auch, ein bekennender Europäer, doch unter Europa verstand de Gaulle etwas anderes. Europa sollte unter Frankreichs Führung eine vermittelnde Rolle zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR einnehmen. Nicht die Vereinigten Staaten von Europa waren nach de Gaulle das Ziel, sondern vielmehr ein Europa, indem Frankreich die geringsten Opfer zu bringen, jedoch am meisten zu sagen hätte.

Der am 21. Januar 1963 im Elysée-Palast unterzeichnete Freundschafts- und Konsultationsvertrag zwischen Frankreich und Deutschland war vielmehr symbolisch zu verstehen, als dass er für die damalige Politik richtungsweisend gewesen wäre. Als Entschädigung, für die nicht erreichte Vereinigung der 6 EWG-Staaten, konnte dieser Vertrag auch bezeichnet werden. Zumindest wurde somit die Aussöhnung zwischen der BRD und Frankreich besiegelt und die jahrhundertelange „ Erbfeindschaft9 “ der beiden Staaten, für beendet erklärt.

Bis heute sind ständige Konsultationen der Minister und Regierungschefs die Regel und die Freundschaft, zu Frankreich ist näher, als eine Feindschaft, wie sie noch vor fünfzig Jahren der Fall gewesen ist.

Graf Finckenstein, ein Korrespondent der WELT, der Adenauer vor seinem Tod regelmäßig sprach schreibt : „ Distanz auch, ein Gran Distanz, schien sich eingeschlichen zu haben gegenüber de Gaulle, der den Weg nach Europa mit ihm nicht mehr weiter gehen wollte, der ihn jäh und abrupt allein gelassen hatte, allein in einer sich wandelnden Welt, die er nicht mehr verstand oder nicht mehr verstehen wollte.10

6. Die deutsche Einheit und Adenauers Haltung

Heutzutage gibt es zwei Lager in der Geschichtsforschung. Zum einen das Lager, das von Adenauer dem Wegbereiter spricht, und das andere, das von Adenauer dem „Spalter“ spricht. Die Befürworter der Adenauer Deutschlandpolitik, wie zum Beispiel Gerd Langguth, der geschäftsführende Vorsitzende der Adenauer-Stiftung, sprechen davon, dass ohne die Sicherstellung des Friedens und der Freiheit, also der Anbindung der BRD an den Westen, die 52 Millionen Westbürger, genauso wie die 17 Millionen Ostbürger, dem kommunistischen Regime der UdSSR in die Hände gefallen wären. So legitimieren sie die „Magnettheorie“ Adenauers, also so dass der Wohlstand im Westen, wie 1989 geschehen, eine Art „Sogwirkung“ auf die „armen“ Ostteile Deutschlands, haben würde. Selbst ehemalige Kritiker wie Baring oder Augstein erkennen die Verdienste Adenauers an: „ Adenauer war der wichtigste deutsche Wegbereiter der Entwicklung, die uns jetzt die Wiedervereinigung gebracht hat.“(Baring) Die Fürsprecher Adenauers bestätigen dessen These, dass die Wiedervereinigung nur durch die Westanbindung realisiert werden konnte. Gegner der Adenauer Politik, wie zum Beispiel Josef Foschepoth, sehen in Adenauer nur den Erfüllungspolitiker der Alliierten, der seine eigenen Landsleute durch die scheinheiligen Versprechungen von Wiedervereinigung, hinters Licht geführt hat, der jedoch nur die Integration in den Westen als oberstes Ziel ausgab. Foschepoth behauptet, dass Adenauer immer darauf bedacht war, die Deutsche Frage offen zu halten um die Spannung in Europa aufrechtzuerhalten, die er brauchte, um die Westintegration schnell vollziehen zu können. Die Angst, dass Deutschland durch den Kommunismus unterjocht wird, hielt Adenauer immer so groß, dass im Falle einer Kritik an seiner Westpolitik, immer wieder die Gefahr durch den Kommunismus vorgeschoben werden konnte. Die Gegner behaupten, dass Adenauer zwar sich öffentlich zur Einheit bekannte, sie jedoch nie in Betracht zog, da die politischen Interessen nach einer Westintegration größer gewesen seien, als das Streben nach Vereinigung. Gerd Langguth sieht jedoch genau in dieser Argumentation der Gegner, dieselbe, die das SED-Regime 40 Jahre lang aufrechterhalten hatte um so vom „Spalter Adenauer“ zu reden.

Vollständig wird man sicher keine genaue Haltung Adenauers zur Deutschlandpolitik erhalten, jedoch liegt irgendwo in den Argumentationen der Gegner und Befürworter Adenauers die Wahrheit.

Quellenangabe:

- Frederik Hetmann Konrad Adenauer Verlag Cecilie Dressler
- Bernecker / Dotterweich (Hrsg.) Persönlichkeit und Politik in der BRD I Verlag UTB Vandenhoeck
- Hans Klein (Hrsg.) Die Bundeskanzler: Ein biografischer Essay von Horst Osterheld edition q
- Hans Georg Lehmann Schriftenreihe Band 332 Deutschland - Chronik 1945 bis 1995 Bundeszentrale für politische Bildung
- Internet : http://www.berlinerzimmer.de/ortmann/

[...]


1 Bernecker / Dotterweich (Hrsg.) Persönlichkeit und Politik in der BRD I S. 25 Verlag UTB Vandenhoeck

2 Hans Klein (Hrsg.) Die Bundeskanzler: Ein biografischer Essay von Horst Osterheld S. 39 edition q

3 Bernecker / Dotterweich (Hrsg.) Persönlichkeit und Politik in der BRD I S. 20 Verlag UTB Vandenhoeck

4 Hans Klein (Hrsg.) Die Bundeskanzler: Ein biografischer Essay von Horst Osterheld S. 41 edition q

5 Bernecker / Dotterweich (Hrsg.) Persönlichkeit und Politik in der BRD I S. 21 Verlag UTB Vandenhoeck

6 Hans Georg Lehmann Schriftenreihe Band 332 Deutschland - Chronik 1945 bis 1995 S. 81 Bundeszentrale für politische Bildung

7 Bernecker / Dotterweich (Hrsg.) Persönlichkeit und Politik in der BRD I S. 24 Verlag UTB Vandenhoeck

8 Frederik Hetmann Konrad Adenauer S. 163 Verlag Cecilie Dressler

9 Frederik Hetmann Konrad Adenauer S. 160 Verlag Cecilie Dressler

10 Frederik Hetmann Konrad Adenauer S. 170 Verlag Cecilie Dressler

7 von 8 Seiten

Details

Titel
Konrad Adenauer - Die deutsche Politik von 1949 bis 1963 in Bezug auf Westanbindung und Westintegration
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
8
Katalognummer
V102897
Dateigröße
353 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Westintegration; Adenauer
Arbeit zitieren
Timo Kieninger (Autor), 2000, Konrad Adenauer - Die deutsche Politik von 1949 bis 1963 in Bezug auf Westanbindung und Westintegration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102897

Kommentare

  • Gast am 1.12.2001

    Adenauers Glanzleistung.

    Lieber Timo
    Die Aufzählung bezüglich der Westintegration ist dir großartig gelungen, aber Adenauers Politik eine Glanzleistung zu nennen, kann ich nicht verstehen.
    Adenauer hat eine Kanzlerdiktatur geführt, er war zeitweilig Kanzler und Außenminister, sein Führungstil war autoritär und undemokratisch. Er hat seinem eigenen Volk nicht getraut und die volltsändige Vernachlässigung einer konstruktiven Ostpolitik hat 40 Jahre lang Deutsche in einer 2 Diktatur leben lassen....

  • Gast am 12.1.2010

    Adenauers Politik war keine politische Glanzleistung, aber vor allem keine Kanzlerdiktatur. Deutschland in den 50er Jahren undemokratisch zu nennen, ist fast schon lächerlich und zeugt von einer einseitigen Geschichtsbetrachtung. Es fanden Wahlen, Bildungs- und Wirtschaftsreformen statt, unter anderem die Einführung der sozialen Marktwirtschaft, freier Wettbewerb etc., alles absolut demokratische Elemente. Weniger konstruktive Ostpolitik kann man es zwar nennen, was er leistete, aber laut SPD hätte zur damaligen Zeit nichts passieren sollen ohne Wiedervereinigung, also auch keine Souveränität zurückerlangen usw.. was also ein weiterhin besetztes Deutschland bedeutet hätte. Der Weg in die Demokratie war der richtige! Auch wenn Adenauer Ostpolitik vernachlässigte, hat er demokratische Elemente in Deutschland verwirklicht, die Wegbereiter waren für die Wiedervereinigung. Es allerdings eine Glanzleistung zu nennen, ist genauso fraglich. Man sollte dennoch immer kritisch sein!

    Übrigens war Adenauer mit Sicherheit nicht 40 Jahre Kanzler...und das Deutschland mit seiner 68er Bewegung und dadurch der sexuellen Revolution und den vielen vielen weiteren Reformen in der Frauenpolitik oder Bildungspolitik, kann man BEIM BESTEN WILLEN nicht undemokratisch nennen!

    Kinder, informiert euch, seid kritisch und betrachtet die Dinge immer aus zwei Sichten!

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