Bildung als Signal auf dem Arbeitsmarkt


Seminararbeit, 2001

21 Seiten, Note: 1,3


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Einleitung

Jedes zielgerichtete Handeln basiert auf Entscheidungen. Diese sind das Ergebnis der Verarbeitung von Informationen. Dabei ist unerheblich ob es sich um wissenschaftliche Leistungen, wirtschaftliche Fragestellungen oder das ganz „Banale“ handelt. In der vorliegenden Arbeit betrachte ich die Entscheidungsfindungen im Prozeß von Vertragsverhandlungen – konkreter bei Arbeitsverträgen. Ziel ist es zu beschreiben, wie die Möglichkeit der Signalabgabe nutzentheoretische Auswirkungen auf den Arbeitnehmer, wohlfahrtstheoretischen auf die Gesellschaft hat und welche Rolle dabei die Höhe des Bildungsniveaus spielt. Die Entscheidungsfindung wird hier zur Interaktion zweier Individuen – Arbeitgeber und Bewerber. Aktion und Reaktion bedingen sich. Es stellt sich die Frage; „ Welche Informationen sind es, die den einen veranlassen Angebote abzugeben den anderen sie zu akzeptieren ? – Wie und warum trifft jeder seine Entscheidungen?“. Bevor ich auf den Kern des Themas eingehe, werde ich zum besseren Verständnis auf den ersten Seiten einen Überblick die Grundlagen des Prinzipal – Agent – Modells geben. Dabei geht es in erster Linie darum, aufzuzeigen welche Formen von Informationszuständen es gibt und welche Auswirkungen diese auf die Nutzenfunktionen der Beteiligten haben. Die Darstellung erfolgt weiter als es das Thema zwingend erfordert, doch ich meine, daß ein Verständnis der Prozesse, die hier wirken einen schnelleren Zugang zum Kern der Arbeit ermöglicht und die Auseinandersetzung mit der Frage erleichtert.

1. Grundlage der Prinzipal – Agent – Theorie

Mit der Prinzipal – Agent – Theorie wird das Verhältnis zweier Individuen im Interessenkonflikt aufgezeigt. Hierbei besteht ein hierarchische Verhältnis zwischen beiden. Auftraggeber – Prinzipal – und Auftragnehmer – Agent - sind über ein Vertragsverhältnis miteinander verbunden oder wollen ein solches aufbauen. Dabei ist sowohl die Beziehung zwischen Geschäftspartnern im Sinne von Kunde und Produzent / Dienstleister gemeint, als auch die innerbetriebliche, hierarchische Beziehung. Auf letztere will ich mich in meinen Überlegungen konzentrieren. Dargestellt wird das Verhältnis zwischen Unternehmer (Prinzipal) und Arbeitnehmer (Agenten).

Beide sind als Entscheidungsträger bestrebt, eine Optimierung auf Grundlage ihrer eigenen Präferenzen zu erreichen. Für die Ergebnisse dieses Entscheidungsprozesses von Bedeutung sind die Form und der Umfang der Informiertheit der Vertragspartner, herrscht eine Symmetrie oder eine Asymmetrie im Vorhandensein von Informationen?

Nutzenmaximierung - das Ziele von Prinzipal und Agent

Wodurch entsteht der oben beschriebene Interessenkonflikt zwischen Prinzipal und Agent ? Beide sind bestrebt, ihren aus den persönlichen Nutzenfunktionen resultierenden Nutzen zu maximieren. Dieser beschränkt sich im folgenden Beispiel auf eine finanzielle Vergütung.

Der Prinzipal als Auftraggeber ist Unternehmer, der bestrebt ist, Gewinn zu erzielen. Dieser Gewinn wird bestimmt durch die eingesetzten Produktionsfaktoren und den im Produktionsprozeß erzeugten Output. Die einfließenden Produktionsfaktoren werden auf den Faktor Arbeit reduziert. Damit läßt sich die Nutzenfunktion des Prinzipals als Funktion von Output Q und Faktorkosten W darstellen. Zu maximieren ist sein Nettogewinn Q n.

M-I (1) Max Q n =f (Q, W) Nutzenfunktion des Prinzipals Der Nutzen A des Agenten wird ebenfalls positiv durch Einkommen beeinflußt, welches als Lohn W ausgezahlt wird. Negativ beeinflußt wird der Nutzen durch die einzusetzende Arbeitsleistung des Agenten, die ihm Anstrengungen abverlangt. Sie werden als subjektive Kosten C in Geldeinheiten ausgedrückt.

(2) Max A =f (W, C) Nutzenfunktion des Agenten Es soll angenommen werden, daß der erzeugte Output vom Anstrengungsniveau des Agenten abhängt. Damit gilt folgende Bedingung:

(3) Q = f(e)

Und im deterministischen Fall ( Q=f(e) gilt mit Sicherheit):

(4) Q = e

Dieses Anstrengungsniveau hat seinerseits Einfluß auf zwei Größen. Zum einen auf den Gewinn Q n des Prinzipals.

(5) Q n = f(e,W)

Zum anderen auf die Kostenfunktion C des Agenten.

(6) C= f(e)

Ein hohes Anstrengungsniveau e des Agenten bedeutet einen hohen Output Q und damit einen hohen Gewinn Q n für den Prinzipal (c.p.). Gleichzeitig reduziert ein hohes Anstrengungsniveau aber auch den Nutzen A des Agenten, da aus (6) die subjektiven Kosten für den Agenten steigen. Der Agent wird also unter normalen Umständen keine Bestrebungen zur Erhöhung seines Anstrengungsniveaus zeigen. Eine Erhöhung der Lohnzahlung W durch den Prinzipal hat die entgegenlaufende Wirkung. Das Nutzenniveau A des Agenten steigt (2) und das des Prinzipals sinkt (1) (c.p.). Hierin zeigt sich der Interessenkonflikt zwischen Prinzipal und Agenten. Eine Maximierung des eigenen Nutzen ist nur unter restriktiven Nebenbedingungen möglich, die eine Auszahlung an den Vertragspartner und eine Reduktion des eigenen Nutzens darstellen.

(Eine detailliertere Darstellung der mathematischen Zusammenhänge folgt später.)

2. Die Informationsverteilung

Es soll angenommen werden, daß sich Prinzipal und Agent in Vertragsverhandlungen zur Anstellung des Agenten als Arbeitnehmer befinden. Der Prinzipal wird dem Agenten ein Vertragsangebot vorlegen, das dieser annehmen oder ablehnen kann. Gehen wir davon aus, daß Fragen wie Arbeitszeit, Urlaubszeiten etc. allgemeinverbindlich geregelt sind, so reduziert sich die vertraglich zu klärende Frage auf die Entlohnung des Angestellten. Diese Entlohnung W steht wie in (1) und (2) dargestellt, in funktionalem Zusammenhang zu den Nutzenfunktionen von Prinzipal und

Agent. Dem Prinzipal kommt somit die Entscheidung zu, eine Entlohnung W anzubieten, die sowohl seinen Nutzen – Gewinn Q n – maximiert, dem Agenten aber trotzdem einen Anreiz verschafft, in den Vertrag einzutreten. Grundlage der Entlohnung wird die Höhe des erwirtschafteten Output Q sein. Unterstellen wir, daß alle exogenen Einflußgrößen auf den Produktionsprozeß Null oder erkennbar sind, so wird der Output alleine über das Anstrengungsniveau des Agenten bestimmt. Das Wissen um dieses Anstrengungsniveau vor Abschluß des Vertrages bestimmt die Art der Informationsverteilung. Folgende Fälle sind zu unterscheiden:

- Informationssymmetrie – sowohl Agenten als auch Prinzipal ist das Anstrengungsniveau des Agenten bekannt
- Informationsasymmetrie - Information über sein Anstrengungsniveau besitzt nur der Agent, dabei wird noch unterschieden, ob diese Asymmetrie vor oder nach Vertragsabschluß vorhanden ist
- Moralisches Risiko – das Anstrengungsniveau ist weder vor noch nach Vertragsabschluß für den Prinzipal zu beobachten
- Adverse Selektion – das Anstrengungsniveau ist vor Vertragsabschluß nicht vollständig zu beobachten

Die Optimierung steht also vor einen großen Problem. Sind nicht alle Einflußgrößen verifizierbar, so müssen äquivalente, beobachtbare Daten oder Erwartungswerte mit bekannter Häufigkeitsverteilung genutzt werden.

Im Allgemeinen wird eine Informationsasymmetrie bestehen – insbesondere bei Adverse Selektion, die den Kern der PA - Theorie bildet. Um die inhaltliche und mathematische Herleitung zu vereinfachen, werde ich im folgenden auf alle drei möglichen Informationszustände eingehen, um dann am Fall der Adversen Selektion den Einfluß von Bildung auf Vertragsverhandlungen aufzuzeigen.

2.1. Informationssymmetrie

Bei Informationssymmetrie verfügen Prinzipal und Agent über den gleichen Informationsstand bezüglich des Anstrengungsniveaus e des Agenten. Der Prinzipal kennt vor Vertragsschluß den Arbeitseinsatz des anzustellenden Arbeitnehmers. Weiterhin wird angenommen, daß er neben der eigenen Nutzenfunktion auch die des Agenten kennt. Ein solcher Zustand wird als Null- Transaktionskosten- Welt bezeichnet, da keine kostenverursachende Erwartungsbildung notwendig ist. Das Vertragsangebot des Prinzipals stellt ein Optimierungsproblem da. Zu maximieren ist sein Gewinn Q n unter der Nebenbedingung der Nutzenfunktion des Agenten. In einem Modell ohne outputbeeinflussende Störgröße (wie z.B. Wetter in der Landwirtschaft) lautet die Formulierung der Maximierung folgendermaßen:

max Q n (Q(e),W(Q(e)))

NB A (e,W(Q(e))) = Ã

Wird der erzeugte Output Q durch eine Störgröße S beeinflußt, von der angenommen wird, daß sie eine normalverteilte Zufallsvariable mit bekannter Wahrscheinlichkeitsverteilung ist, so erfolgt die Maximierung eines Erwartungswertes.

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Details

Titel
Bildung als Signal auf dem Arbeitsmarkt
Hochschule
Universität Potsdam
Veranstaltung
Seminar Bildungsökonomik
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V102947
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildung, Signal, Arbeitsmarkt, Seminar, Bildungsökonomik
Arbeit zitieren
Frank Meissner (Autor), 2001, Bildung als Signal auf dem Arbeitsmarkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102947

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