Javanische Weltanschauung & Moral


Seminararbeit, 2000

13 Seiten


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Inhaltsverzeichnis:

1. Kejawén & Kebatinan
Kejawén-Menschen
Kebatinan-Bewegungen

2. Javanische Weltanschauung & Moral
Die Welt als untrennbares Ganzes
Geister
Die javanische Ordnung des Kosmos
Der Grundgedanke zum richtigen Ort
Der Umgang des javanischen Individuums mit seiner Gesellschaft
Die Dewarucigeschichte
Wayang als Spiegel der javanischen Weltanschauung & Moral

3. Schlußbemerkungen

4. Quellennachweis
Verwendete Literatur
Weiterführende Literatur

5. Zu den Autoren der verwendeten Literatur
Franz Magnis-Suseno
Günter Spitzing

6. Anhang

Karte Javas

Abbildung von zwei Wayang-Handpuppen

Die vorliegende Arbeit stellt nur eines der beiden Standbeine der Vermittlung von javanischer Weltanschauung & Moral dar. Zur vollständigen Betrachtung dieses Themas möchte ich auf die schriftliche Arbeit von Angelika Schroers hinweisen, mit der ich gemeinsam das Referat im Seminar zu diesem Thema hielt.

1. Kejaw é n & Kebatinan

Kejawén-Menschen

Kultur-geografisch unterscheidet man auf Java zwischen den Bewohnern der Nordküste, die die Pesir -Kultur leben und den Bewohnern des Binnenlandes, Kejaw é n genannt. In der Pesir -Kultur, deren Name etwa Küsten-Kultur bedeutet, leben die Leute vornehmlich durch Handel und Fischfang. Aufgrund des steten Kontaktes mit islamischen Händlern und Matrosen entstand im Gegensatz zu den Binnenländern eine spezifische Ausbildung der javanischen Kultur mit islamischen Elementen.1

Im Landesinneren entstanden ohne großen Einfluß des Islams die Kejaw é n -Bewegungen. Sie haben ihre kulturellen Zentren in den Fürstenstädten Jogyakarta und Surakarta und umfassen im wesentlichen die binnenjavanischen Gebiete Banyumas, Kedu, Madiun, Kediri und Malang.2 Hier lebt die Mehrzahl der Menschen als seßhafte Bauern oder verdienen ihr Geld als Landarbeiter. In den Niederungen wird Reis angebaut, in den bergigen Regionen

Cassave und andere Saaten.3 Im Gegensatz zu den beiden Fürstenstädten leben die Leute hier in Bambus- oder Holzhäusern und gelten als wohlhabend, wenn sie einen Wasserbüffel besitzen, der den Pflug zieht.

In den beiden Fürstentümern Jogyakarta und Surakarta lebten und leben die Leute eine urbane Kultur, in der die traditionelle Tanzkunst, die traditionelle Musik (Gamelan -Musik), das Schattenspiel und die Batik kunst die verschiedenen Formen traditioneller javanischer Kunst darstellen. Noch heute sind die beiden Fürstenstädte ein Zentrum javanischer Kultur, in denen ästhetische und religiöse Ideale der Hinduzeit gelebt werden. Dieser Einfluß kam über die Handelskontakte, die Java mit Indien im 5. Jahrhundert pflegte. Javanische Fürsten nutzten die indische Vorstellung, bei der die königliche Macht einen Gottkönig darstellte, der über eine zentrale, hierarchisch, staatliche Organisation wacht, um ihre Macht auszubauen. So kamen brahmanische Priester an die Fürstenhöfe, die die königliche Abstammung von göttlichen Vorfahren ableiteten und so die königliche Macht legitimierten.4

Einen weiteren nennenswerten Einfluß unter den vielen Einflüssen indischer Traditionen stellt die Übersetzung von Teilen des indischen Mahabharata epos dar, welche im 12. Jahrhundert der Hofdichter Mpu Sedah des Hofes von Kediri anfertigte. Sie ist he ute noch eine Quelle für das javanische Schattenspiel (Wayang) und dort unter dem Namen Baratayuda bekannt.5

Die Väter und Mütter der Kejaw é n gehörten fast alle den javanischen Religionen an, in ihrem Leben spielte der Islam kaum eine Rolle, obwohl sich viele zu ihm bekannten. Heute gehören sie und auch meist ihre Kinder einer der sogenannen Kebatinan -Bewegungen an.

Kebatinan-Bewegungen

Kebatinan -Bewegungen sind religiöse Vereinigungen, die durch asketische, meditative und mystische Praktiken die Vollkommenheit des menschlichen Lebens genießen möchten.6 Sie treten als Vereinigung im öffentlich-politischen Sinne auf, d. h. sie haben sich beim Ministerium für Religion anmelden müssen. Dies wurde von der Regierung angeordnet, mit dem Hintergedanken sich so ge gen extremistische Gruppen besser schützen zu können.

Wenn ich nun im folgenden Text versuche, die javanische Weltanschauung zu vermitteln, so spreche ich von der Weltanschauung, wie sie die Kejaw é n leben und fühlen, nicht die Santri Kolot, die einen strikten Islam praktizieren, jedoch auch Slametan, eine Handlung für Harmonie zwischen Nachbarn, feiern.7 Dennoch darf aufgrund dieser Tatsache nicht davon ausgegenangen werden, daß die Weltanschauungen der Kejaw é n und der Santri Kolot identisch sind.

Weiter kann auch nicht gesagt werden, daß die verschiedenen religiösen Bewegungen, die unter dem Namen Kebatinan zusammengefaßt werden und dessen Anhänger meist die mit Wong Kejaw é n bezeichneten Menschen darstellen, auch in sich eine Einheit bilden. Jede Kebatinan -Bewegung hat ihren spezifischen Charakter und grenzt sich bewußt von einer anderen ab, was wiederum erklärt, warum so viele verschiedene, unter dem Namen Kebatinan zusammengefaßte Vereinigungen existieren: In Verbindung mit der Meldepflicht mußte sich jede Gruppe von Menschen melden, die gemeinsam ihren Glauben praktizieren, sich aber nicht in eine schon bestehende Gruppe, aus welchen Gründen auch immer, integrieren wollten.

Gemeinsam haben sie lediglich das Merkmal der gemeinsamen inneren Versenkung der Anwesenden bei ihren Treffen, mit vorausgehendem und anschließendem ausgiebigem

Austausch darüber und einen Grundgedanken zur Moral, wie der Mensch mit der Welt umzugehen hat:

Es wird davon ausgegangen, daßrichtiges Verhalten darin bestehe, seinen vom Schicksal bestimmten Ort einzunehmen und die diesem Ort entsprechenden Pflichten ( Darmå ) getreulich zu erledigen. Dabei war richtiges Verhalten vor allem eine Sache der Einsicht. [...] Um je ein wahreres Råså (Gefühl, Intuition) zu erhalten, mußder Mensch in sein Inneres schauen. Er wird sich dort seiner wahren, numinosen Wirklichkeit bewußt. Dieses Bewußtsein bedeute zugleich einen Zuwachs an innerer kosmischer Kraft. Wer diesen Zustand erreiche, handelt von sich aus richtig, weil er in der Kraft seiner wahren Wirklichkeit handele. Er habe in gewisser Hinsicht das Problem von Gut und Böse hinter sich gelassen, weil er in seiner wahren Wirklichkeit gefestigt sei.8

Nach javanischer Mystik ist jeder Mensch ein Gefäß göttlicher Kraft.9 Im Grunde seines Ichs ist jeder Mensch eins mit dem göttlichen Urgrund. Aus dieser Auffassung heraus, sich diese Wirklichkeit zu verinnerlichen, üben die JavanerInnen die meditative Versenkung. Auffallend ist hier, daß sie keinen Wert auf eine theoretische Systematisierung der javanischen Mystik, ihrer Glaubensgrundlage legen. Es existieren keine allgemein anerkannten Schriften oder allgemein gültige Dogmen, nach denen sich jedeR JavanerIn zu halten hätte. So konnten auch eine Vielzahl unterschiedlicher Kebatinan bewegungen entstehen, die neben Gemeinsamkeit auch immense Unterschiede aufweisen.10

Doch für JavanerInen stellen diese Unterschiede in keiner Weise bedeutende Unterschiede dar. Für sie ist es lediglich ein anderer Weg zum gleichen Ziel. Es ist nicht selten, daß innerhalb einer Familie mehrere Religionen nebeneinander gelebt werden.

In diesem Zusammenhang ist noch zu erwähnen, daß die im Islam prädominierende Frage von Sanktionen im Leben nach dem Tode, von Himmel und Hölle für JavanerInnen nur wenig Bedeutung hat. Ein größeres Gewicht hat hingegen die javanische Annahme, daß Vergeltung für begangenes Böses in diesem Leben stattfindet.11

2. Javanische Weltanschauung & Moral

Die Welt als untrennbares Ganzes

Grundsätzlich ist zu sagen, daß sich javanisches Denken durch die Auffassung auszeichnet, daß sich religiöse und nicht-religiöse Handlungen nicht voneinander trennen lassen. Interaktionen in der sichtbaren Welt sind zugleich Verhalten gegenüber der metaphysischen Welt, so wie umgekeht die metaphysische Welt sich stets auf den gesellschaftlichen Rahmen auswirkt. Zwischen Arbeit, Gebet und Interaktion kann nach javanische Auffassung nicht unterschieden werden.12 So muß zum Verstehen der javanischen Weltauffassung nicht nur die religiöse Seite javanischen Lebens betrachtet werden, sondern auch die ethische Seite, die des Lebens.

Ich möchte darauf hinweisen, daß die Texte, die sich mit dem Thema javanischer Weltvorstellungen befassen und die ich hier zusammengetragen habe, einen anderen Umgang mit dem Text erfordern, als es gewöhnlich der Fall ist. Die Worte sind nicht schwarz/weiß zu

sehen, dazwischen sind noch viele Abstufungen, viele Facetten. Wir müssen bei zentralen Begriffen unser gesamtes Gefühl, unsere gesamten Assoziationen zu Hilfe nehmen, um ihn zu erfassen. Wir dürfen die Worte nicht nur rein logisch in Bezug zueinander setzen, wir müssen versuchen, uns zu verinnerlichen, daß javanisches Denken in anderen Kategorien stattfindet. Dortige Grenzen stimmen oft nicht mit unseren Grenzen überein. Daher muß auch ein mythisches Denken Einzug in uns erhalten, wir müssen uns die Worte auf metaphorischer Ebene vergegenwärtigen, um das Geschriebene breiter, reichhaltiger zu erfassen.

Zentraler Pfeiler javanischen Denkens ist der Gedanke des Heils (Slamet), welches sich das Individuum dadurch sichert, daß es sich in Harmonie zu dieser Welt stellt. Diese Harmonie wird durch richtiges Verhalten in der Situation erreicht.

Dem Individuum gegenübergestellt ist die Wirklichkeit, die Natur. Sie stellt die Bedingungen des Lebens, ihr ist der Javaner, die Javanerin ausgeliefert, in ihr erfährt er/sie seine/ihre Auslieferung gegenüber der nichtberechenbaren Macht, die sein Leben bestimmt.13 So ist die physische Welt im javanischen Denken aufs Engste mit der metaphysischen Welt (Alam Gaib, übersetzt: Die unsichtbare Welt, das Geisterreich, das Jenseits14 ) verbunden. Als Beispiel möchte ich den Reisanbau anführen.Wenn die Erträge geerntet werden, muß dies nach javanischer Vorstellung von Frauen erledigt werden, denn nur diese dürfen das kleine, gekrümmte Reismesser (Ani-Ani) zur Ernte halten und damit jeder Reispflanze einzeln die Ähre abschneiden. Die Männer verarbeiten die stehengebliebenen Stengel weiter und bündeln sie. Diese strikte Arbeitsteilung geschieht nach Angaben der JavanerInnen zu Ehren der Reis- Göttin Dewi Sri, die für eine gute Reisernte genauso verantwortlich gemacht wird, wie für die Fruchtbarkeit innerhalb der javanischen Familie15 . So wie in diesem Beispiel sehen viele Javanerinnen und Javaner bei ihren Handlungen im täglichen Leben eine enge Verbindung zu den religiösen Werten und Vorstellungen, was sich auch darin äußert, daß für Arbeit und Fest das gleiche Wort, nämlich Gaw é , verwendet wird.

Geister

Die Welt ist nach javanischer Auffassung voll von Geistern, die ein Wirken unsichtbarer Mächte der metaphysischen Welt darstellen. Z.B. werden alle Kräfte der Natur als Geister personifiziert. Es gibt Schutzgeister des Dorfes, Schutzgeister eines Einzelnen, einer Einzelnen.16 Es gibt Gespenster, die den Menschen einen Schrecken einjagen (Memedi), es gibt Geister, die in die Menschen gehen und so Krankheit und Wahnsinn verursachen (lelembut). Es gibt Geister auf hohen Bäumen, an Wegkreuzungen, an einer Quelle und an vielen anderen Orten. Es gibt Geister, die kurz über der Erde schweben, es gibt Geister, die in einem Gegenstand stecken. Krankheit und Unglück wird auf das Wirken von Geistern zurückgeführt, ebenso auch Glück und Erfolg.17 Dabei kann jedoch nicht zwischen guten und böswilligen Geistern unterschieden werden, denn ein Geist ist immer unberechenbar und von ihm kann sowohl Gutes, als auch Schlechtes hervorgehen.

Geister sind meist geschlechtslos und haben sehr unterschiedliche Erscheinungsbilder. Manche haben die Gestalt eines Menschen, andere das eines Skelettes, doch auch tierähnliche, oder gar seilähnliche Geister18 kommen in der javanischen Überzeugung vor. Wahrnehmen

können die Menschen sie meist zur Zeit des Sonnenuntergangs (Surup) oder nachts, sehr selten können sie auch tagsüber wahrgenommen werden.19

Magnis-Suseno inerpretiert in diesen Geisterglauben eine integrative Funktion, die es JavanerInnen ermögliche, Naturkräfte aus der Unfaßbarkeit heraus, in einen begreifbaren Kontext zu setzen und mit ihnen umzugehen. Er schreibt:

Dadurch, daßeiner javanische Mutter ihr Medizinmann ( Dukun ) den Geist bezeichnen kann, der ihrem Kinde ein Abszeßverursacht, gewinnt sie kaum weniger als eine deutsche Mutter, der ihr Doktor das gleiche Phänomen auf Staphylokokken zurückführt. Für beide Mütter ist das Unfassbare des plötzlichen Leiden ihres Kindes identifizierbar geworden, hat seine Unfassbarkeit verloren und wird damit der Therapie zugänglich. 20

Ich denke, diese „Übersetzung“ eines javanischen Handlungsrahmens in einen deutschen ist mit Vorsicht zu betrachten, nivelliert sie doch zu sehr die zwei doch sehr unterschiedlichen Situationen. Auffällig ist auch die Formulierung ...gewinnt sie kaum weniger als..., zeugt sie doch von einer gegenseitigen Bewertung der beiden unterschiedlichen Situationen.

Um sich mit den Geistern zu arrangieren, gibt es die verschiedensten Möglichkeiten. So werden z.B. zu bestimmten Zeiten im Haus und im Garten sowie am Rand des Reisfeldes kleine Speise- und Blumenopfer (Sesaj é n) aufgestellt. Viele JavanerInnen besitzen einen oder mehrere Talismane (Jimat) die sie vor Geistern schützen sollen. Ziel ist, sich gegenüber der Geisterwelt abzusichern und sich im Zustand des Heils (Slamet) zu befinden.21 So sprechen die Javaner im Zusammenhang mit den grundlegenden, wichtigen Riten oft vom Slametan, er spielt im gesellschaftliche n Zusammenleben eine zentrale Rolle. Slametan wird gelebt, wann immer eine erneute Absicherung kosmischen Heiles (Slamet) angebracht erscheint, wie z.B. nach einer Beförderung, einer Reise, Geburt, Hochzeit oder Begräbnis.22 Er führt allen Beteiligten die Tatsache nachbarschaftlicher Harmonie vor Augen, denn ein Slametan findet immer gemeinsam mit Nachbarn statt. Dadurch sollen sich die Wogen zwischen den Beteiligten glätten und ein Gefühl der Harmonie soll entstehen. Diese Harmonie, sowie die Essenz (Sari) der gereichten Speisen werden als Slamet, als Heil gegnüber der Geisterwelt angesehen.23

Lernen, wie man sich sonst noch am Besten verhalte, um nicht mit den Geistern in Konflikt zu geraten, kann man nach javanischer Überzeugung nur durch die Überlieferunge n, in denen sich die Erfahrung der Vorfahren niederschlagen: Der/die Einzelne lerne Verhalten, das Slamet ist, aus den Traditionen seiner/ihrer Gesellschaft. Diese Erfahrungen haben in den verschiedenen lokalen Traditionen und Verhaltensformen ihre spezifischen Einflüsse und wer sich an sie halte, gerate nicht in Konflikt mit den Geistern.

Die javanische Ordnung des Kosmos

Die Javaner besitzen keine schriftlich fixierten Traditionen. Als Überlieferung von Gottheit und Schöpfung dienen die von Generation zu Generation überlieferten Mythen, die nicht nur davon berichten, wie alles begann, sondern auch davon erzählen, warum es auf der Erde so ist, wie es ist und wie sich der Mensch in dieser Welt zu verhalten hat.24 Die javanische Tradition hat jedoch im Laufe der Zeit ein umfassendes Klassifikationssystem entwickelt, welches im Grunde alle Phänomene des Epistemischen erfaßt und aufzeigt, wie sie zusammenhängen. Danach fallen alle Phänomene, wie Farben, Tage, Berufe, Metalle, etc. in eine der fünf Klassen und können anhand dessen unterschieden werden. So gehören

beispielsweise Norden, schwarz, Eisen, Wag é (ein Tag der javanischen Fünftagewoche), die Charaktereigenschaft schroff, der Beruf Metzger, Fleisch, Feuer, etc.25 in eine der fünf Klassen. Auf diesen Klassifikationen basiert der Inhalt von sog. Primbon en, das sind Bücher, die für alle denkbaren Unternehmungen aus der Konstellation gegebener Umstände, anhand dieser fünf Klassen die rechte Zeit, den rechten Ort ermitteln, die nach javanischer Überzeugung wesentlich zum Gelingen einer Situation beitragen. Primbon s stellen damit nicht die javanische Version der Bibel oder des Koran dar, diese sind im Gegensatz zu einem Primbon Erklärungen der Wirklichkeit, Erklärungen über den Ursprung der Welt. Primbons sind Handbücher für Alltagssituationen, sie beschreiben, wie jemand sich innerhalb dieser Wirklichkeit zu verhalten hat, welcher Ort zu welcher Zeit einzunehmen ist. Sie sind in allen javanischen Buchläden erhältlich und überaus populär.26 Sie enthalten Traumdeutungen, Berechnungen über den Verlauf einer bestimmten Krankheit, Angaben darüber, wann eine Hochzeit zu halten oder eine Kuh zu kaufen ist. In welche Himmelsrichtung ein Haus zu bauen ist, was ein Mann tun muß, wenn seine Frau schwanger ist, wann der beste Zeitpunkt für ein geschäftliches Vorhaben eintrifft, der passende Name für ein Neugeborenes, für jede Situation können sie hilfreiche Tipps zum Gelingen der Situation geben. Dies schützt vor Unheil und bösen Mächten.

Bei den Berechnungen für die rechte Zeit und den rechten Ort eines Ereignisses ist der örtliche Medizinmann (Dukun) ein gerne zu Rate Gezogener, denn Menschen mit einer größeren inneren Kraft können nach javanischem Denken Gutes in der Gesellschaft bewirken und günstige Zeiten und Orte für gewis se Ereignisse berechnen. Diese Fähigkeit mißbrauchen jedoch manche Medizinmänner (Dukun) zu egoistischen Zwecken, was als höchst verwerflich angesehen wird. So unterscheiden die JavanerInnen zwischen weißer (Dukun) und schwarzer (Klenik, Tenung, Sihir) Magie.27

Der Grundgedanke zum richtigen Ort

Da die übernatürlichen Kräfte und Geister für JavanerInnen nicht sichtbar sind, befinden sie sich bei der Bemühung nicht mit ihnen zusammen zu stoßen, stets in der Situation, als befänden sie sich in einem dunklen Keller mit allerlei Gerümpel und es gilt nichts umzuwerfen. So, wie in diesem Keller voller Gerümpel, ist der Javaner, die Javanerin stets bemüht, sich behutsam (wasp å d å é ling) zu bewegen, oder besser, sich überhaupt nicht zu bewegen.

JedeR muß seinen/ihren Ort finden und verweilen, an dem er/sie das größt mögliche Heil (Slamet) findet. Dies hat im javanischen Denken einen ungeheuren Stellenwert.28 Vom richtigen Ort hängt das Gelingen einer Situation ab, die Erfüllung der Wünsche. Das Einnehmen eines falschen Ortes ist für JavanerInnen zu vermeiden, da sonst die kosmische Harmonie gestört wird, der Mensch mit bösen Mächten zusammenstößt.

Doch wie erkennen JavanerInnen den richtigen Ort? Als ein Indikator hierfür gilt die Harmonie in der Gruppe, in der sich ein jeder, eine jede befindet. Geht es ruhig und friedlich zu, so ist die kosmische Harmonie nicht gestört, jedeR ist an ihrem/seinem richtigen Ort. Ein weiterer Indikator ist das individuelle Befinden. Verspürt der Javaner, die Javanerin kein Gefühl der inneren Unruhe, emotionaler Spannung, so ist gewiß, daß sich alles in Harmonie befindet.

Der Umgang des javanischen Individuums mit seiner Gesellschaft

Da jede Störung der gesellschaftlichen Harmonie sich im überirdischen Bereich niederschlägt und die damit einhergehende Unruhe Unglück bringt, spielen besonders zwei Prinzipien im Umgang innerhalb der javanischen Gesellschaft eine wesentliche Rolle:

1. Das Rukun -Prinzip.

2. Das Urmat -Prinzip.29

Das Rukun -Prinzip verhindert Unruhe innerhalb der Gesellschaft, indem es Konflikte nicht zum Ausbruch gelangen läßt, das Urmat -Prinzip fordert, daß einE JavanerIn gegenüber anderen Personen ihre jeweiligen Ränge bzw. Stellungen innerhalb der Gesellschaft zuspricht und sie entsprechend behandelt.

Zu 1: Ziel des Prinzipes der Konfliktvermeidung ist die Aufrechterhaltung des Zustandes sozialer Harmonie. Dieser wird als Rukun (ruhig & friedlich, ohne Zank und ohne Streit, vereint in der Absicht, einander zu helfen)30 bezeichnet. Rukun ist der Idealzustand, die einE jedeR JavanerIn bestrebt ist, zu erhalten. Alles was den Zustand gesellschaftlicher Spannungen aufkommen lassen könnte, wie ein offener Ausbruch von Konflikten, hat er/sie zu vermeiden, denn dies stört die gesellschaftliche Harmonie, die den Normalzustand darstellt.31

Dabei geht es beim Rukun -Prinzip nicht um innere Willenshaltungen oder seelische Zustände, wie es bei Resignation der/des Einzelnen der Fall wäre, um Konflikte zu vermeiden. Nein, es geht bei der Bedeutung des Wortes Rukun ausschließlich um den gesellschaftlichen Rahmen, der aus den inneren Haltungen der Beteiligten resultiert.

So äußert sich das Rukun -Prinzip darin, daß das Durchsetzen persönlicher Interessen, ohne Rücksicht auf Billigung der Gesellschaft, selbst wenn sich diese Interessen letzten Endes als posit iv für die Gruppe erweisen würden, als schlecht empfunden wird. Selbst das westliche Demokratieverständnis ist nach javanischer Auffassung nicht akzeptabel, da nicht alle Beteiligten ihre Interessen verwirklicht sehen.32

Diese Norm gilt in allen Bereichen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, mit Ausnahme des engsten Familienkreises. EinE JavanerIn sollte sich stets gelassen geben, nie die Ruhe verlieren, keine Überraschung oder Aufregung zeigen, sowie nicht umgekehrt, andere in Aufregung versetzen. Aussagen werden durch Phrasen wie „vielleicht“ (Mbok Menawi), oder „nach meinem Gefühl“ (Raos Kul å) relativiert.33

Zu 2: Das Respektprinzip34 hat die Grundannahme, daß alle gesellschaftlichen Beziehungen hierarchisch geordnet sind, daß diese hierarchische Ordnung Gut darstellt und daher moralisch geboten ist, diese Ordnung aufrechtzuerhalten. Hintergrund hierfür ist der Glaube an den richtigen Ort einer jeden Person und die damit verbundene Erledigung der Pflichten.

Gegenüber höher gestellten Personen soll dabei der nötige Respekt erwiesen werden, Niedergestellten gegenüber soll Wohlwollen gelebt werden.35 EinE JavanerIn darf nicht mit anderen wetteifern und versuchen alle zu übertrumpfen, vielmehr muß er/sie die gesellschaftliche Harmonie wahren, sie/er soll sich mit ihrer/seiner Position zufrieden geben.

Diese Verhaltensnorm findet sich in der javanischen Sprache wieder. Ein javanisches Individuum wird mit Ausdrücken aus dem familiären Bereich angeredet. Dabei unterscheiden JavanerInnen nicht zwischen dem Geschlecht, was in der westlichen Welt der Fall ist, dies drücken sie durch einen Zusatz der Adjektive „weiblich“ (Wadon) und „männlich“ (Lanang) aus, vielmehr unterscheiden sie zwischen „älter“ und „jünger“. Franz Magnis-Suseno schreibt dazu:

Einenälteren Herrn redet man mit mBah (Großvater) oder Pak (Vater) an, einen [...] etwas jüngeren mit Mas oder Kang (beides bedeudetältere Geschwister) an, einen erheblich jüngeren mit Dik (jüngere Geschwister) an, eineältere Frau mit Bah (Großmutter) oder mBok (Mutter) eine gleichaltrige mit mBakyu (ältere Schwester), eine jüngere mit Dik an. [...] Ist man [...] wirklich blutsverwandt miteinander, so ist, ohne Rücksicht auf die tatsächlichen Altersverhältnisse, die der Generationsbeziehung entsprechende Anrede und Sprachform zu gebrauchen. 36

Die Dewarucigeschichte

Diese überlieferte Geschichte enthält nach Auffassung vieler JavanerInnen37 die Quintessenz javanischer Weisheit:

Inhalt der Geschichte ist, wie Bimå , der zweite der fünf Pandåwå brüder aus dem Epos Mahabharata , das Wasser des Lebens findet. In Vorbereitung auf den großen Bråtåyudå krieg wollen die Gegner der Pandåwås , die Kuråwås , Bimå aus dem Weg räumen. Um das zu erreichen, befiehlt ihm Durnå , sein ehemaliger Lehrer und jetziger geistlicher Mentor der Kuråwås , nach dem Wasser des Lebens zu suchen, das sich in der Höhle Cåndråmukå in einem entfernten Urwald befinde. Unbeeindruckt von den möglichen Gefahren und ohne auf die Warnungen seiner Verrat witternden Brüder zu achten, begibt sich Bimå auf den Weg. Am Ziele angekommen, entwurzelt er auf der Suche nach dem Wasser Bäume und verwüstet den ganzen Wald, wodurch er den Zorn zweier dort hausender Riesen erregt. Nach einem wilden Kampf tötet Bimå die beiden und bricht damit einen Zauber, den der Obergott Batårå Guru ü ber sie geworfen hatte. Sie kehren in ihre ursprüngliche Gestalt als die Götter Indrå und Bayu zurück und teilen Bimå dankbar mit, daßdas Wasser des Lebens nicht in diesem Wald zu finden sei.

Bimå kehrt zu Durnå zurück, der ihm nun erklärt, das Wasser befinde sich auf dem Grunde des Ozeans. Obwohl Bimå nun argwöhnisch wird, so bleibt er doch fest entschlossen, das Wasser des Lebens zu holen, selbst, wenn es ihn das Leben kosten sollte. Ungerührt durch das Flehen seiner Brüder begibt er sich auf die lange Reise. Am Rand des Ozeans angekommen, stürzt er sich mutig in die tobende Brandung. Als er in tiefes Wasser gerät, greift ihn die gewaltige Seeschlange Nemburnåwå an. Aber mit seinen magischen Fingernägeln Påncånåkå reißt Bimå sie in Fetzen. Erschlafft l äß t er sich von den Wellen hin und her schlagen. Es wird still um ihn.

Da findet er sich plötzlich einer winzigen Gestalt gegenüber, deren Aussehen und Gestalt identisch mit der von Bimå selber ist. Sie gibt

sich ihm als der Gott Dewåruci zu erkennen, als Inkarnation des Allmächtigen selbst. Er läd Bimå ein, durch sein linkes Ohr in sein Inneres einzutreten. Obwohl Bimå von Zweifeln erfüllt ist, gehorcht er. Ohne Schwierigkeiten führt er seinen Körper in Dewåruci s Inneres ein. Dort findet er sich zunächst in einer grenzenlosen Leere vor und verliert alle Orientierung. Doch nach ein paar Augenblicken sieht er wieder Sonne, Land, Berge und Meer. Er erkennt, daßin Dewåruci s winzigem Körper die gesamte Außenwelt auf umgekehrte Weise enthalten ist ( Jagad Walikan ). Er sieht vier Farben, von denen drei, nämlich gelb, rot und schwarz die gefährlichen Leidenschaften symbolisieren, vor denen man sich hüten soll, während die vierte, weiß, die Herzensruhe darstellt. Nun sieht er eine kleine Elfenbeinfigur. Sie symbolisiert das pramånå, das göttliche Lebensprinzip, das in ihm selbst lebensspendend anwesend ist. Bimå realisiert, daßer in seinem innersten Wesen mit dem Göttlichen eins ist. Ein achtfarbiger Lichtblitz führt ihn in die tiefste Wirklichkeit ein, in die Tatsache, daßalles eins ist mit dem göttlichen Urgrund. Bimå vollzieht in dieser Erkenntnis die „ Einheit von Knecht und Herr “ , von Mensch und Gott: Beide sind ungeteilt eins ( amisésa sami )

Durch die Realisierung dieser Wirklichkeit wird Bimå Herrüber die ganze Welt: Sie ist von ihm umfaßt, hat nichts mehr zu lernen, hat den „ Tod im Leben “ vollzogen und dadurch „ Leben im Tode “ gewonnen. Im Besitz unbesiegbarer Kraft verl äß t Bimå Dewåruci . Mit Frieden im Herzen kehrt er zu seinenüberglücklichen Brüdern zurück. Er verbirgt sorgfältig, was mit ihm geschehen ist und erfüllt die Pflichten, die ihm das Schicksalübertragen hat. „ Seinäußeres und inneres Selbst sind in Harmonie, wie ein Ziegel in seiner Form . 38

Diese Geschichte vermittelt den Kern aller javanisch, mystische n Weisheit. Das Leben, symbolisiert durch das Wasser des Lebens, liegt im Suchenden selbst. Bim å realisiert diese Einheit zwischen göttlichem Ursprung und seiner selbst. Er erreichte das, was auf javanisch Kawruh Sangkan-Paraning Dumadi heißt: Das Wissen (Kawruh) um das Woher (Sangkan) und das Wohin (Paran) des Geschaffenen (Dumadi).

Magnis-Suseno erwähnt noch als Fußnote auf Seite 101 das Erscheinen einer Zeitschrift, herausgegeben von Kebatinan -Kreisen, in der seit Januar 1978 regelmäßig in jeder Ausgabe ein Artikel abgedruckt ist, der sich dem Thema des Ursprungs und des Ziels der Schöpfung widmet.

Grundlegend für die javanische Weltanschauung ist die Unterscheidung zwischen den zwei Seiten der Wirklichkeit, zwischen der Außenseite (Lair) und zwischen der Innenseite (Batin). Diese beiden Seiten vereinen sich nach javanischer Vorstellung in einem Meschen. Lair, die Außenseite, steht für seine Handlungen, Bewegungen, Gesten, sein Reden, alles das, was von ihm ausgeht. Batin, seine Innenseite, spiegelt sich in seinem subjektiven Bewußtsein wider. In direktem Bezug dazu steht die Charakterisierung eines Menschen durch eineN JavanerIn: Lebt ein Mensch mehr das Batin, so gilt er im Allgemeinen als Alus (fein), lebt er mehr das Lair, so wird er als Kasar (grob) charakterisiert.39 Jedoch erst wer von der Außenwelt zu seiner Innenwelt gelangt ist, für den eröffnet sich nach javanischer Überzeugung die wahre Wirklichkeit, denn die sichtbare Welt, die Außenwelt gilt als vordergründig, kraftlos. Ihr beobachtbares Wirken geht von den Geistern, von der unsichtbaren Wirklichkeit aus, ihr Wirken gilt als Alus, fein, genauso wie die Innenseite eines Menschen. Dieser Kern der

javanischen Weisheit wird in der Geschichte an der Stelle deutlich, an der Bim å „die Welt umfaßt“ (letzter Absatz).

Wayang als Spiegel der javanischen Weltanschauung & Moral

Wayang bezeichnet Schatten, umfaßt jedoch an Bedeutungen weitaus mehr. Um zu differenzieren, verwenden die JavanerInnen eine Zusatzbezeichnung, wie beispielsweise Wayang Gambar, was mit Kino oder Film zu übersetzen wäre.40 Was im Zusammenhang mit der javanischen Weltanschauung jedoch von Bedeutung ist, ist das Wayang-Kulit, bei dem kunstvoll gestochene Lederpuppen ihren Schatten auf eine Leinwand werfen, vor der Menschen sitzen und das rege Treiben beobachten. Bewegt werden die Puppen vom Dalang, dem Puppenspieler, von denen jeder seinen ganz eigenen Charakter der Spielweise aufweist. Er spielt Geschichten, deren Inhalte meist aus mythisch, religiösen Quellen stammen. Diese Quellen veränderten sich im Laufe der Zeit. Bereits im 11. Jh. wird Wayang - Kulit in historischen Schriften erwähnt, Ausschnitte aus den zwei großen Hindu-Epen, den wesentlichsten Stofflieferanten, wurden bereits im 8. Jh. als Reliefs dargestellt.41 Javanische Autoren führen die Tradition des Wayang bis um 1500 vor Chr. zurück und sehen seinen Ursprung in der malayischen Ahnenverehrung.42

So gibt es z.B. die Dewaruci geschichte auch als Wayang - Kulit Darbietung, weitere Stofflieferanten stellt das Wayang-Purw å -Repertoire dar, es enthält vier Zyklen, die ihren Ursprung in Indien haben.43

Wayang-Kulit hat gerade in Java eine große Bedeutung, da hier, im Gegensatz zu z.B. Bali, über das Gespielte reflektiert wird, wie aus der dazu existierenden javanischen Literatur hervorgeht.44 Um den Begriff des Wayang existiert eine ganze Welt. Sie beinhaltet Gedanken zum Begriff des Schattens, über die Bedeutung der Inhalte des Gespielten, etc.. Günter Spitzing stellt diesen Rahmen des Wayang s in seinem Buch sehr deutlich dar.

Im javanischen Denken ist die Schattenwelt die eigentliche Welt. Das Sichtbare, was wir als Wirklickeit sehen, ist im javanischen der Schatten dieser Schattenwelt.45 Die JavanerInnen sehen in den Wayang -Erzählungen eine Lebensorientierung46, denn sie verkünden mit ihrem Schauspiel javanische Tradition. Günter Spitzing schreibt dazu direkt zu Beginn seines Buches:

Die Schattenerscheinungen, die nicht nur Dämonen, sondern vor allem Heroen und Götter darstellen, sind für sie nicht weniger real, als Menschen, die ihnen gerade gegenübersitzen, vielleicht sogar - wenn dasüberhaupt möglich ist - noch ein bißchen realer. 47

Somit wäre für eine tiefere Behandlung des Themas javanischer Mystik die inhaltliche Betrachtung des Wayang s eine gute Möglichkeit, Zugang dazu zu bekommen.

3. Schlußbemerkungen

In dem vorliegenden Text wurden wichtige Aspekte, wie z.B. das Rukun -Prinzip nur ansatzweise behandelt und weitere Aspekte nur zum Teil erläutert. Zur Vollständigkeit bitte

ich, unbedingt in das Referat von Angelika Schroers reinzuschaue n, mit der ich gemeinsam das Referat zum Thema hielt.

Ich konnte in meinem Text die javanischen Vorstellungen um das Sein, den Ursprung der Welt und daraus resultierende Verhaltensweisen nur anreißen und einen ersten Einblick mir und hoffentlich dem/der LeserIn vermitteln.

Ich habe mich dabei auf die schriftliche Darstellung anderer bezogen, ich habe das Geschilderte nicht persönlich erlebt.

Ich möchte noch einmal ausdrücklich betonen, daß die hier gezeigten Gedanken zur

Beschaffenheit der Welt nur von den erwähnten Menschen-Gruppen (wenn solche

Einteilungen wirklich möglich sind) gedacht werden und daß auch innerhalb dieser

definierten Gruppen nicht alle so denken. Es gibt immer individuelle Unterschiede im Denken und Verhalten von Menschen; die im Text aufgeführten Worte dürfen nicht generalisierend aufgenommen werden.

Weiterhin denke ich, daß diese Worte - gerade bei solch einem Thema voller Denkweisen und daraus resultierender Gefühle - aufgrund ihres abstrakten Charakters nur einen Teil dessen vermitteln können, von dem sie sprechen. Damit möchte ich sie jedoch in keinster Weise in ihrem Wert mindern, geben sie uns doch die Möglichkeit erster Einblicke in ein anderes Verständnis der Welt.

Ich habe bewußt in meinem Text nur dargestellt. Ich habe es vermieden, die geschilderten Situationen zu interpretieren. Ich denke auf dieser Stufe der ersten Darstellung und Auseinandersetzung mit diesem Thema geht es zu weit, schon interpretative Deutungen zu liefern. Ob dies grundsätzlich möglich ist, möchte ich mit dem Absatz auf S. 5 in Frage stellen und nicht als eindeutig gegeben hinstellen, indem ich Franz Magnis-Susenos Interpretation hinsichtlich der Funktion des javanischen Geisterglaubens kritisiere.

4. Quellennachweis

Verwendete Literatur

Daszenies, Jutta, 1987: Geistervorstellungen im javanischen Überzeugungssystem. Kölner ethnologische Studien, Band 12. Berlin: Reimer.

Magnis-Suseno, Franz, 1981: Javanische Weisheit und Ethik : Studien zu einer östlichen Moral. München: Oldenbourg.

Spitzing, Günter, 1981: Das indonesische Schattenspiel: Bali - Java - Lombok. Köln: DuMont.

Stöhr, Waldemar, 1976: Die altindonesischen Religionen. Erschienen in: Handbuch der Orientalistik (Hrsg. B. Spuler), dritte Abteilung (Hrsg. H Kähler), 2. Band, Abschnitt 2. Köln: Brill.

Weiterführende Literatur

Anderson, Benedict R., 1965: Mythology and the Tolerance of the Javanese. New York, Ithaca: Cornell University, Department of Asian Studies, Southeast Asia Programm, Modern Indoseia Project.

Geertz, Clifford, 1969: The Religion of Java. New York: Frre Press.

Le Khoon Choy, 1977: Indonesia between Myth and Reality. Singapore.

Pink-Wilpert, Clara B.:1976: Das indonesische Schattenspiel . Baden-Baden: Holle.

Seltmann, Friedrich & Gamper, Werner, 1980: Stabpuppenspiel auf Java. Zürich.

Schuurmann, B.M., 1933: Mystik und Glaube im Zusammenhang mit der Mission auf Java. Den Haag: Nijhoff.

Weiss, Jerome 1977: Folkpsychology of the Javanese of Ponorogo. (Dissertation, Yale University). Michigan, Ann Arbor,: Xerox University Microfilms.

5. Zu den Autoren der verwendeten Literatur

Franz Magnis-Suseno

Er lebte, nach eigenen Angaben im Vorwort seines Buches, seit 1961 in Java. Sich selbst sieht er als Ethiker, von Frau Schlehe hörte ich, er sei ein Jesuitenpater.

Günter Spitzing

Er wurde 1931 geboren und ist als Fachautor für Film & Fernsehen tätig. Sein Zugang zum Wayang kommt aus seiner Auseinandersetzung mit Gestaltungsfragen der Shilouetten- und Schattenfotografie. Er unternahm mehrere Asienreisen.48

6. Anhang

Karte Javas

Die Karte ist Jutta Daszenies‘ Buch von Seite 14 entnommen. Ich habe ihre Bezeichnungen der einzelnen Regionen nicht verändert. Pasisir ist mit der im Kapitel Kewajen-Menschen erwähnten Persir -Kultur identisch.

Abbildung von zwei Wayang-Handpuppen

Links: Sang Hyang Brama (Bromo), im nordindischen Hinduismus höchster der drei Götter, in Java auf die Rolle eines Feuergottes beschränkt. Rechts: Sang Hyang Yama, der Gott des Todes. 49

[...]


1 Magnis-Suseno, S. 12

2 Magnis-Suseno, S. 12

3 Magnis-Suseno, S. 12

4 Magnis-Suseno, S. 22

5 Magnis-Suseno, S. 25

6 Magnis-Suseno, S. 14

7 Daszenies, S. 17

8 Aus: Magnis-Suseno, S. 155

9 Suseno, 98

10 Magnis-Suseno, S. 99

11 Magnis-Suseno, S. 116

12 Magnis-Suseno, S. 71 (Anmerkung des Verfassers: Magnis-Suseno verwendet in diesem Zusammenhang statt dem Begriff Wirklichkeit, den Begriff Natur. Ich denke jedoch, daß das was hier mit Natur gemeint ist, sich besser mit dem Begriff Wirklichkeit ausdrücken läßt. Synonyme wären: Das Absolute, die Wahrheit, das Sein, das Ganze, die Welt an Sich)

13 Magnis-Suseno, S. 74

14 Magnis-Suseno, S. 210

15 Magnis-Suseno, S. 75

16 Dies sind meistens Vorfahren der lebenden Personen, die an ihrem Grabe besucht werden. Dabei werden sie hinsichtlich kleiner Alltagsprobleme um Hilfestellung ersucht. Ihre Bedeutung für die Lebenden drückt sich auch in dem einmal jährlich stattfindenden Ritus der Grabreinigung aus. Franz Magnis-Suseno merkt jedoch an, daß Clifford Geertz jedoch keinen eigentlichen Ahnenkult in seinem Untersuchungsgebiet feststellen konnte. (Geertz Clifford, 1967: S.47)

17 Magnis-Suseno, S. 75

18 Daszenies, 31

19 Daszenies, 31

20 Magnis-Suseno, S. 76

21 Magnis-Suseno, S. 76

22 Daszenies, 20

23 Magnis-Suseno, S. 77

24 Stöhr, 33

25 Magnis-Suseno, S. 78

26 Magnis-Suseno, S. 78

27 Magnis-Suseno, S. 80

28 Magnis-Suseno, S. 80

29 Magnis-Suseno, S. 81

30 Magnis-Suseno, S. 37

31 Magnis-Suseno, S. 38

32 Natürlich wird dieses Argument vor allem von den Machthabenden gegen eine Demokratisierung verwendet, da sie durch sie einen Machtverlußt befürchten. (Wie überall, gibt es auch hier Menschen, die die Welt nur aus ihren Augen sehen. Daher nocheinmal in diesem Zusammenhang den Hinweis, nicht schwarz/weiß zu sehen, das ganze nicht einseitig zu betrachten. Zu der beschriebenen Wirklichkeitsauffassung gibt es zahlreiche Möglichkeiten sie zu Leben. Als Beispiel hierfür möchte ich die Situation einmal umdrehen: Wenn einE JavanerIn unsere deutsche Weltanschauung beschreibt, tauchen im religiösen Kontext bestimmt die zehn Gebote der christlichen Kirche auf. Doch in unser Leben geschaut, handeln wir alle strikt danach?

33 Magnis-Suseno, S. 39

34 Magnis-Suseno, S. 54

35 Magnis-Suseno, S. 54-55

36 Aus: Magnis-Suseno, S. 55

37 Magnis-Suseno, S. 99

38 Magnis-Suseno, S. 99-100

39 Magnis-Suseno, S. 102

40 Spitzing, S. 27 (Weiter schreibt er, daß es kein großes Problem darstelle, in der indonesischen Literatur etwa 100 versch. Wayang -Bezeichnungen herauszusuchen.)

41 Spitzing, S. 139

42 Spitzing, S. 141

43 Magnis-Suseno, S. 136

44 Spitzing, S. 140

45 Spitzing, S. 13

46 Magnis-Suseno, S. 136

47 Spitzing, S. 11-12

48 Spitzing,

49 Spitzing, S. 167 (die Abbildungen sind der gleichen Seite entnommen) 13

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Javanische Weltanschauung & Moral
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Veranstaltung
Seminar Schlehe: Mystizismus, Macht & Modernisierung auf Java
Autor
Jahr
2000
Seiten
13
Katalognummer
V102968
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Javanische, Weltanschauung, Moral, Seminar, Schlehe, Mystizismus, Macht, Modernisierung, Java
Arbeit zitieren
Mathias Fuchs (Autor), 2000, Javanische Weltanschauung & Moral, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/102968

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